mini|Haus der Basler Mission in Papar (Malaysia) Die Basler Mission. Evangelische Missionsgesellschaft in Basel ist eine Schweizer ökumenische missionarische Organisation aus Basel, die im Jahr 1815 gegründet wurde und in weiten Teilen der Welt bis 2001 operativ tätig war. Sie ist heute der grösste von drei Trägervereinen von Mission 21 und hat die gesamte operative Ebene Mission 21 übergeben.Nach dem Handelsregister des Kantons Basel-Stadt von 1897 eingetragen als Evangelische Missionsgesellschaft in Basel (Basler Mission), vgl.: In: Handelsregister des Kantons Basel-Stadt. Abgerufen am 8. Juli 2011.

Geschichte 1815–1914 Gründung und Organisation

Im Umfeld der Schweizer Handelsstadt Basel und des süddeutschen Pietismus wurde am 25. September 1815 die «Evangelische Missionsgesellschaft Basel» (kurz: Basler Mission) als Tochtergesellschaft der Deutschen Christentumsgesellschaft von Christian Friedrich Spittler und Nikolaus von Brunn gegründet. Franziska Schürch: Christian Friedrich Spittler. In: Gemeinde Lexikon Riehen. Die erste Sitzung des leitenden Komitees fand am 25. September 1815 statt, es wurden Komiteeprotokolle angefertigt. Dem ersten Komitee gehörten neben den beiden Gründern noch der Pfarrer Simon Emanuel LaRoche-Bernoulli, der Kaufmann Samuel Merian-Kuder, der Professor Friedrich Lachenal-LaRoche und der spätere Pfarrer Lukas Wenk-Zäslin an. Alle stammten aus alten Basler Bürgergeschlechten. In der Folge gründeten sich Hilfsvereine, die jedoch keinerlei Mitspracherecht hatten. Die Basler Mission profitierte vom organisatorischen Talent und den internationalen Kontakten der Basler Handelsleute. Württembergische Pietisten stellten bis ins 20. Jahrhundert mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden in Übersee, zu denen ab dem 20. Jahrhundert auch Frauen gehörten, und bis zum Zweiten Weltkrieg alle vollamtlichen Direktoren der Zentralstelle in Basel.

Ab 1816 wurden erste Seminaristen aufgenommen, wobei man ursprünglich Missionare ausbilden wollte, die dann für andere Missionsorganisationen in Übersee, wie zum Beispiel für die englische Church Mission Society (CMS), London Missionary Society und/oder die niederländische Mission Nederlandsch Zendeling Genootschap arbeiten sollten. Schon bald wurde aber in Basel über ein eigenes Missionsfeld nachgedacht. Die englische CMS nahm Einfluss auf die Lehrpläne der Basler Mission, die Basler Missionare dagegen konnten bestimmen, wie die ersten Stationen der CMS aufgebaut werden sollten.Judith Becker: Church Missionary Record, Der evangelische Heidenbote (1833/1830), in: Themenportal Europäische Geschichte; Europa in der Mission. Begründung, Strategien, Europäisierung in der evangelischen Mission im 19. Jahrhundert (2016 und 2021, abgerufen am 17. Mai 2025)

1859 wurde die Missions-Handlungs-Gesellschaft Union Trading Company (UTC)Pascale Meyer: Kakao in Ghana: das Rätsel um den Zuchterfolg Im Blog des Schweizerischen Nationalmuseums vom 21. November 2024 gegründet, die bis 1917 von der Basler Mission kontrolliert wurde. Sie versorgte einerseits die Missionsstationen in Ghana und Südindien mit europäischen Waren (ohne Waffen und Alkohol) und betrieb andererseits Handel mit Palmöl, Kakao und Baumwolle. Ausserdem betrieb sie in Südindien Manufakturen, in denen die zum Christentum bekehrten Einheimischen Arbeit fanden. Der Geschäftsbetrieb lag in den Händen sogenannter Missionskaufleute.

Missionsfelder im 19. Jahrhundert mini|Original-Bildunterschrift: «Arbeits-Gebiet der Basler Mission auf der Gold Küste», vor 1914 Im 19. Jahrhundert begann die Basler Mission zahlreiche Projekte, die unterschiedlichen Erfolg brachten.

Das erste eigene Missionsprojekt war ab 1820 die Entsendung von Missionaren zu den christlichen Armeniern im südrussischen Kaukasus, zu ihnen gehörten der russische Diplomat Felician Martin von Zaremba (abgerufen am 20. September 2026) und der deutsche Missionar August Heinrich Dittrich.Hac̣ik Rafi Gazer: Studien zum kirchlichen Schulwesen der Armenier im Kaukasus: Teil I: 19. Jahrhundert, LIT Verlag Münster, 2012, S. 8. (abgerufen am 20. September 2026) Ziel war es, diese in die Lage zu versetzen, der islamischen Bevölkerung in der Nachbarschaft auf eine verständliche Art den christlichen Glauben nahezubringen. Es wurde soziale Hilfsarbeit geleistet, vor allem in Schulen und mit Druckereien für Schulmaterial und für religiöse Literatur. Diese Bemühungen verliefen aber nach etwa fünfzehn Jahren im Sande.

1827 wurde für kurze Zeit das westafrikanische Liberia und ab 1828 vor allem die Goldküste in den Blick genommen. Von ihrem eigenen Kontext her wollten die jungen Männer aus dem süddeutschen Raum unter den Bauern eine christliche Dorfgemeinschaft aufbauen. Der Erfolg war mässig. Vor allem in den ersten Jahren der Basler Goldküstenmission starben viele Missionare schnell an Krankheiten. Dennoch wollte man den Menschen auf Augenhöhe begegnen und nutzte in Kirche und Schule die örtlich vorkommenden Sprachen. Aus der Missionsarbeit ging die Presbyterianische Kirche von Ghana hervor, die bis heute auf ihre Wurzeln verweist. Die Tätigkeit wurde aber erst nach 1842 effektiv und nachhaltig, nachdem der Däne Andreas Riis und 25 jamaikanische Missionare längere Zeit wirken konnten und überlebt hatten.Dagmar Konrad: Entfernte Dinge – Objektgeschichten aus der Sammlung Basler Mission an Beispielen aus Ghana und Südchina. Museum der Kulturen Basel, Basel 2020, S. 7

In Südindien wurden ebenfalls Missionsstationen eröffnet. In den heutigen Staaten Karnataka und Kerala war die Basler Mission ab 1834 vertreten. Für das Kirchen- und Schulwesen nutzte sie auch hier die lokalen Sprachen. Hermann Gundert (abgerufen am 4. August 2026) und Ferdinand Kittel spielten dort mit ihren bahnbrechenden sprachwissenschaftlichen Arbeiten eine wichtige Rolle.Ferdinand Kittel, in: Württembergische Kirchengeschichte Online, 2025, Website wkgo.de (abgerufen am 11. August 2026) Aus kleinen Werkstätten entwickelten sich «Missionsindustrien», da die zum Christentum übertretende Inder ihre Kastenzugehörigkeit verloren und die damit verbundenen Berufe nicht mehr ausüben durften.

1846 begann die Basler Mission von Hongkong aus ihre Arbeit in Südchina (Kanton).

1847 begann die Arbeit in China, dem heutigen Hongkong und der gegenüberliegenden Provinz Guangdong.

Bis 1884 arbeitete die Mission nach aussen ohne Bindung an die Kolonialregierung. Ihre Absichten waren ähnlich, es ging auch in der Mission um Kontrolle und Herrschaft, wenn auch nicht so sehr um Expansion wie bei den Kolonialregierungen. Als Kamerun 1884 deutsche Kolonie wurde, setzte sich die Basler Mission gegen Konkurrenten durch und wurde als Deutsche Kolonialmission anerkannt. Dies verschaffte ihr erstmals unmittelbare Gestaltungsmöglichkeiten, und sie verfolgte nun ihre Interessen Hand in Hand mit den Kolonialbehörden.Simone Prodoillet: Wider die Schamlosigkeit und das Elend der heidnischen Weiber. Die Basler Frauenmission und der Export des europäischen Frauenideals in die Kolonien. Limmat Verlag Genossenschaft, Zürich 1987, ISBN 3-85791-130-1, S. 169. Ab 1885 übernahm sie in Kamerun die Missionsarbeit der englischen Baptisten. Es kam zur Gründung der Presbyterian Church of Cameroon. Nicht alle Baptistengemeinden wollten sich dieser neuen Kirche anschliessen. So kam es zur Gründung der «Native Baptist Church».

Erster Weltkrieg bis in die 1950er Jahre Im Jahr 1913 konnte die Mission ein Budget von ungefähr 2’500'000 Franken verzeichnen und war mit ihren 635 aktiven Mitarbeitern eine Institution von beachtlichem Ausmass. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte die Basler Mission aber ein abruptes Ende ihrer Blütezeit. Die Nationen Europas befanden sich in einem Krieg, welcher auch in den Kolonien ausgefochten wurde. Europäische Grossmächte versuchten ihre Herrschaftsgebiete in Asien und Afrika weiter auszubreiten. Dies behinderte oder verunmöglichte die Arbeit der Missionare in fast allen Missionsfeldern. So wurden die deutschen Mitarbeiter der Missionen sowohl von den Briten als auch den Franzosen vertrieben, oder sie hatten dem Marschbefehl ihrer Heimat Folge zu leisten. Hinzu kam eine steigende Armut in Europa, wodurch die Mittelbeschaffung stark erschwert wurde. Während des Krieges kam die Arbeit in den Feldern nahezu zum Erliegen.

Im Friedensvertrag von Versailles wurde bestimmt, dass die Basler Mission alle britischen Hoheitsgebiete verlassen musste.Simone Prodoillet: Wider die Schamlosigkeit und das Elend der heidnischen Weiber. Die Basler Frauenmission und der Export des europäischen Frauenideals in die Kolonien.Limmat Verlag Genossenschaft, Zürich 1987, ISBN 3-85791-130-1, S. 169. In der Zwischenkriegszeit änderte sich nicht viel an der Expansionspolitik europäischer Nationen in den Kolonien. Dennoch gelang der Basler Mission die Rückkehr in fast allen Feldern (ausser in Französisch-Kamerun) und mithin erfolgte ein Wiederaufbau der Missionstätigkeit. Im Jahr 1920 kam es zu der Übernahme einer neuen Station in Kalimantan/Indonesien (Südborneo). Da aber während des Krieges in vielen Gebieten kaum Missionare vor Ort waren, entstand in diesen lokalen Umfeldern vermehrt ein Bewusstsein eigener Kraft und Autonomie. Es bildeten sich lokale Kirchen und so trafen die Missionare bei ihrer Rückkehr sowohl auf neue, einheimische Kirchen, aber auch auf völlig verwahrloste Stationen.

Jedoch war dieser hoffnungsvolle Wiederaufbau nur von kurzer Dauer. Die Weltwirtschaftskrise zu Beginn der 1930er traf auch die Basler Mission hart. Die Situation verschlimmerte sich kurz darauf, aufgrund der Ereignisse in Deutschland. Die Basler Mission wurde durch die Regierung Hitlers insofern direkt betroffen, als dass die NSDAP den internationalen Geldfluss erschwerte. Indirekt, aber nicht minder einschneidend wurde die Basler Mission durch den Kirchenkampf betroffen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurden die meisten der deutschen Mitarbeiter der Mission interniert und die schweizerischen Missionare waren erneut auf sich allein gestellt. Die Beziehungen zwischen einigen Vertretern der Basler Mission und dem Dritten Reich sind umstritten. Unumstritten ist das Engagement von Alphons Koechlin, dem Präsidenten der Basler Mission von 1936 bis 1959, für den Zusammenhalt der transnationalen Ökumene in feindlichen Lagern. Erst in den frühen 1950er-Jahren erfuhr die Basler Mission einen erneuten Aufschwung.

mini|Schule der Basler Mission in der Kronkolonie Goldküste

1950–2001 Der wirtschaftliche Aufschwung im Nachkriegseuropa führte dazu, dass die Basler Mission wieder wachsen konnte. Knapp unter 400 Mitarbeiter in Übersee zählte die Mission in den frühen 1960er-Jahren. Die hohe Anzahl an Mitarbeitern lässt sich auf die Verbesserungen der Lebensumstände in den Missionsgebieten zurückführen, zum einen durch den technischen Fortschritt, welcher wochenlange Schiffsreisen ersetzte, zum anderen führten die Weiterentwicklungen in der medizinischen Behandlung und die Erforschung der Tropenkrankheiten dazu, dass die Missionsarbeit weniger gesundheitliche Risiken barg.

Neu war, dass die Basler Mission nicht mehr Missionare auf eine lebenslange Mission sendete. Die Missionare absolvierten in Basel einen mehrmonatigen «Vorbereitungskurs für Einsätze in Übersee», nach welchem sie ein paar Jahre in eine Mission entsandt wurden. Missionare wurden zudem nur noch auf Anfrage der Partnerkirchen in ihre Einsatzgebiete gesandt.

Im Lauf der Jahre weitete sich die Arbeit der Basler Mission auch auf Südamerika aus, wodurch die Mission in fast allen Teilen der Welt tätig war. Vom Jahr der Gründung bis zum Jahr 2001 entsandte die Basler Mission mehr als 3500 Missionare.Corinna Waltz: Ein weltumspannendes Fest. In: Eine Welt. Magazin aus Mission und Ökumene. , Jg. 2016, Heft 3, S. 35–36, hier S. 35.