mini| Ewald Mataré: Engel, 1956, auf dem Bischofswohnhaus des Bistums Essen Ewald Wilhelm Hubert Mataré (* 25. Februar 1887 in Burtscheid (jetzt Stadtteil von Aachen); † 29. März 1965 in Büderich) war ein deutscher Bildhauer, Medailleur, Grafiker und Maler. Im Mittelpunkt seines Schaffens stehen stilisierte Tierskulpturen und sakrale Auftragsarbeiten. Sein Gesamtwerk umfasst an die 600 plastische WerkeS. M. Schilling, WV Das plastische Werk 1994, mehr als 400 HolzschnitteSonja Mataré, Guido de Werd: WV Holzschnitte. 1990, rund 300 ZeichnungenSonja Mataré, Guido de Werd: WV Zeichnungen. 1992 und mehr als 200 Aquarelle.A. Klapheck. U. Köcke: WV Aquarelle. 1985

Leben Herkunft Ewald Mataré wurde am 25. Februar 1887 als jüngster von drei Söhnen des Ehepaars Franz Wilhelm (1851–1922) und Elisabeth Mataré (1853–1939), geborene Dohlen, in der damals selbstständigen Stadt Burtscheid (seit 1897 Stadtteil von Aachen) geboren. Die katholische Familie stammte ursprünglich aus Katalonien, lebte unter Karl V. in den südlichen Niederlanden, zog Ende des 17. Jahrhunderts nach Bardenberg bei Aachen und war seit 1798 dort ansässig. Mataré wuchs mit seinen Brüdern Josef (1880–1966)Josef Mataré erstellte vor 1933 in Isny die Kopie des Porträts von Matthieu Soiron von dem Gemälde Otto Friedrich von Quadt mit seinem Baumeister Matthieu Soiron und Schloss Wickrath im Hintergrund von Johann Heinrich Fischer aus dem Jahr 1773. Wolfgang Löhr: "Wilhelm Otto Friedrich von Quadt (1717–1785), der Erbauer von Schloss Wickrath." S. 12–21. in: Schloss und Park Wickrath. Arbeitshefte der Rheinischen Denkmalpflege. Landschaftsverband Rheinland. Rheinisches Amt für Denkmalpflege. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms, 2005, S. 18. und Franz (1885–1945) in großbürgerlichen Verhältnissen auf, da sein Vater als Direktor der Chemischen Fabrik Rhenania finanziell gut gestellt war.S.M. Schilling, WV Das plastische Werk 1994, S. 23 ff.

Werdegang Mataré besuchte zunächst das Staatliche Kaiser-Wilhelm-Gymnasium, das spätere Einhard-Gymnasium, wechselte 1902 auf das Städtische Realgymnasium Aachen, das er 1906, nach der Obertertia, verließ. Schon als Schüler erhielt Mataré 1905 bis 1907 in Aachen Privatunterricht bei dem Bildhauer Karl Krauß (1859–1906), der als Professor an der dortigen Technischen Hochschule tätig war, und bei dem Maler Eugène Klinckenberg (1858–1942), Dozent an der Städtischen Kunstgewerbeschule.Die biografischen Daten gehen zurück auf: S.M. Schilling, WV Das plastische Werk 1994, S. 23–55; Das Bild des Menschen 2003, S. 119; S. Gohr u. V. Sondermann 2009, S. 180. 1907 begann Mataré an der Akademie der Bildenden Künste in Berlin bei Julius Ehrentraut eine Ausbildung zum Maler.

Julius Ehrentraut lehrte Antiken- und Figurenzeichnen und stand ganz in der Tradition der niederländischen Genremalerei. Von ihm lernte Mataré ein sicheres Zeichnen und die Fähigkeit, Charaktereigenschaften sicher wiederzugeben.

1914 wurde er Schüler von Lovis Corinth, dessen Atelier er nach wenigen Monaten verließ, weil ihm dessen Stil nicht zusagte. 1915 wurde er Meisterschüler bei dem Historienmaler Arthur Kampf. 1916 erfolgte die Einberufung zum Militärdienst, aus dem er nach wenigen Monaten aus gesundheitlichen Gründen entlassen wurde. 1918 trat er in Berlin der Novembergruppe, einer revolutionären Künstlervereinigung, bei.

Bei einem Sommeraufenthalt auf Wangerooge 1920 wandte er sich erstmals dem Holzschnitt zu. In den folgenden Jahren reiste er regelmäßig an die Nord- und Ostsee. Er beschäftigte sich intensiv mit Adolf von Hildebrand. 1922 begann die freie plastische Tätigkeit. Im selben Jahr heiratete Ewald Mataré die Sängerin Hanna Hasenbäumer (1891–1983). 1926 wurde die Tochter Sonja Beatrice geboren. Private Auftraggeber und Mäzene wie der Düsseldorfer Fabrikant Eduard Senff und seine Frau Hilde unterstützten ihn, so dass er in den Sommermonaten regelmäßig ausgedehnte Reisen unternehmen konnte. Sie führten ihn 1924 bis 1926 nach Italien. Dort beschäftigte er sich mit Cimabue und Giotto, was sich in seinen Aquarellen niederschlug. Neben den deutschen Küsten bereiste er Dänemark, das Baltikum und Finnland. In der Abgeschiedenheit der nördlichen Natur erholte er sich vom hektischen Großstadtleben in Berlin. Häufig entwickelte und realisierte er in der Einsamkeit neue künstlerische Vorstellungen.

Von 1924 bis 1928 nahm er regelmäßig an der Großen Berliner Kunstausstellung und an den Kollektiv-Ausstellungen der Novembergruppe teil. 1928 reiste er nach Paris, 1932 nach London. Er fand allmählich öffentliche Anerkennung. Deutsche Museen kauften Plastiken von ihm an, 1930 hatte er seine erste Einzelausstellung in Berlin. 1932 bot ihm die renommierte Staatliche Kunstakademie Düsseldorf eine Professur an; im Oktober nahm Mataré den Ruf als Nachfolger Richard Langers an.Bemerkenswerte Vorkommnisse vom 1. Oktober 1932 bis 1. Oktober 1933 im Adressbuch der Stadt Düsseldorf, Jg. 1934, S. XXII, darin der Eintrag zum 17. Oktober 1932: „Berufung des Bildhauers Ewald Mataré, Berlin, an der Staatlichen Kunstakademie“. Er zog mit seiner Familie nach Büderich (heute Meerbusch). Bereits 1933, nach nur sieben Monaten, entließen ihn die Nationalsozialisten ohne Angabe von Gründen aus seinem Lehramt. Er blieb zwar obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste, und von 1933 bis 1935 sind drei Ausstellungen sicher belegt, an denen er teilnehmen konnte.Martin Papenbrock, Gabriele Saure (Hrsg.): Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 1. Ausstellungen deutsche Gegenwartskunst in der NS-Zeit. VDG, Weimar, 2000;

passim Aber er zog sich in die Innere Emigration zurück. So trafen sich Hanna und Ewald Mataré mit einer Gruppe politisch gleichgesinnter Freunde, den sogenannten „Kerzianern“, darunter das Ehepaar Alexander und Immeke Mitscherlich, Heinrich Nauen, Fritz Steinert, Werner Witthaus und auch Pastor Franz Vaahsen,weil die Diskussionen abends bei Kerzenlicht stattfinden, s. S.M. Schilling, WV Plastik, S. 34 nach 1933 nicht mehr öffentlich, sondern im privaten Kreis, um sich auszutauschen. Von ihnen wurde Mataré auch mit kleineren Aufträgen unterstützt.

1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Kronprinzenpalais der Nationalgalerie Berlin, dem Kupferstichkabinett Berlin, dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste Breslau, den Städtischen Kunstsammlungen Chemnitz, der Staatlichen Kunstgewerbebibliothek an der Akademie für Kunstgewerbe Dresden, dem Kupferstichkabinett Dresden, der Kunstsammlung der Stadt Düsseldorf, der Städtischen Kunstsammlung Duisburg, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, dem Kestner-Museum Hannover, dem Provinzial-Museum Hannover, dem Pfälzischen Gewerbemuseum Kaiserslautern, dem Kaiser Wilhelm-Museum Krefeld, dem Museum der Bildenden Künste Leipzig, dem Museum Behnhaus Lübeck, dem Museum für Kunst und Kunstgewerbe Stettin, der Württembergischen Staatsgalerie Stuttgart, dem Nassauischen Landesmuseum Wiesbaden und dem Märkischen Museum Witten beschlagnahmt.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin Die Bronzeskulptur Lauernde Katze (1928) aus dem Kronprinzenpalais wurde in der Münchener Ausstellung 1937 und 1938 in weiteren vier Städten gezeigt. Als die Reichskammer der bildenden Künste 1938 in Berlin eine Verkaufsausstellung mit konfiszierten Werken aus deutschen Museen organisierte, waren zehn Tierplastiken von Ewald Mataré darunter. Matare erhielt jedoch kein Berufsverbot. 1942 nahm er beim Kölnischen Kunstverein an der Ausstellung Der Deutsche Westen 1942. Malerei und Plastik der Gegenwart teil.

Die Plastik Aufbahrung des Helden, 1934 für das Ehrenmal in Kleve entstanden, wurde 1938 entfernt und zerstört.1977 wurde sie wieder aufgefunden, rekonstruiert und 1981 in Kleve vor St. Mariae Himmelfahrt wieder aufgestellt. 1939 bekam Mataré den letzten öffentlichen Auftrag in der Zeit des Nationalsozialismus. Seit 1940 zog er sich häufiger in den Gasthof des ehemaligen Zisterzienserklosters Eberbach im Rheingau zurück. Mit kirchlichen Aufträgen konnte er in der Zeit der NS-Diktatur seinen Lebensunterhalt bestreiten. Sein Büdericher Atelier wurde durch eine Luftmine beschädigt.

1945 lehnte Mataré den ihm angetragenen Posten als Direktor der Kunstakademie Düsseldorf ab, als seine Vorschläge für ein neues Ausbildungskonzept abgelehnt wurden. Er übernahm jedoch 1946 eine Bildhauerklasse an der Kunstakademie, wo er bis zu seiner Emeritierung 1957 als Professor tätig war. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Joseph Beuys, J. Siegfried Dammrath, Herrmann Focke, Paul Grimm, Günter Haese, Erwin Heerich, Elmar Hillebrand, Kurt Link, Hubert Löneke, Georg Meistermann und Adolf Westergerling.Mataré und seine Schüler, Meerbuscher EUROGA-Kunstweg 25.8.–1.9.2002, Hrsg. Stadt Meerbusch, Meerbusch 2002 Mataré stand über viele Jahre in engem Austausch mit seinem Künstlerfreund Herbert Böttger, einem der bedeutendsten Vertreter des Magischen Realismus in Deutschland, der, wie Mataré, vom Niederrhein stammte und die Kriegsjahre in innerer Emigration, gleichwohl weiterhin malend, verbracht hatte. Für ihn schuf er das Grabmal, das bis heute das Grab Böttgers in Meerbusch-Büderich schmückt. mini|Grab Ewald Matarés mit dem von ihm geschaffenen Grabstein, Friedhof Meerbusch-Büderich (2011) Ab 1947 bekam Mataré zahlreiche öffentliche, darunter bedeutende kirchliche Aufträge, die ihm internationale Anerkennung brachten, wie die Bronzetüren für das Südportal des Kölner Doms, das Westfenster des Aachener Doms, die Portale der Weltfriedenskirche in Hiroshima und das Salzburger Domportal. 1954 schuf er auf Anregung von Hans Kollwitz mit seinen Meisterschülern Erwin Heerich und Joseph Beuys eine Nachbildung der trauernden Eltern von Käthe Kollwitz für die Gedenkstätte Alt.St. Alban am Gürzenich in Köln. 1949 gehörte er zu den Mitbegründern der Neuen Rheinischen Sezessions. Hinweis von Helga Dietsch in: Dietsch, Helga; Dietsch, Volkmar: Seht die Farben, die ich trage. S. 21. Ab 1951 war Mataré im Vorstand, von 1961 bis 1965 im Ehrenvorstand des Deutschen KünstlerbundesVorstände des Deutschen Künstlerbundes seit 1951 (abgerufen am 26. November 2019). Er erhielt nationale und internationale Ehrungen und nahm 1955 und 1959 an der documenta I und II in Kassel teil, nachdem er bereits 1954 auf der Biennale di Venezia vertreten war. Auch nach der Emeritierung 1957 behielt er sein Atelier an der Kunstakademie Düsseldorf. Er starb 1965 an den Folgen einer Lungenembolie. Das Grab von Mataré und seiner Frau befindet sich auf dem Friedhof in Meerbusch-Büderich. Es ist seit 2009 Ehrengrab der Stadt. Das Geburtsjahr 1892 von Hanna auf dem Grab ist möglicherweise nicht korrekt, die Deutsche Biographie gibt 1891 an.Hanna Mataré, deutsche-biographie.de

Persönliche Daten Die wichtigste Quelle zu Matarés Persönlichkeit und zu seinem Schaffen sind die Tagebücher, die er von 1915 bis 1965 führte. In ihnen äußerte er sich ausführlich über die Entstehung einzelner Werke, seine künstlerischen Intentionen sowie über persönliche und alltägliche Probleme.S. Mataré u. S. M. Schilling 1997

1963 wurde Mataré Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung Suevia-Köln im KV und hielt dort auch mehrere Vorträge.

Seine Tochter Sonja Mataré (* 9. August 1926 in Aachen; † 7. Oktober 2020 in Büderich)Sonja Mataré – Ein Leben rund um die Kultur, auf rp-online.de, vom 10. Oktober 2020Todesanzeige Sonja Mataré, auf trauer.rp-online.de, abgerufen am 11. Oktober 2020, ausgebildete Goldschmiedin, hat in Zusammenarbeit mit dem Museum Kurhaus Kleve große Teile des Nachlasses wissenschaftlich bearbeitet.

Sein Neffe Herbert Franz Mataré (1912–2011) war Physiker und gilt als Miterfinder des „europäischen Transistors“ im Jahre 1948.

Nachlass und Ehrung Matarés künstlerischer Nachlass wurde 1988 vom Museum Kurhaus – Ewald Mataré-Sammlung in Kleve erworben. Dort wird sein Werk ausgestellt und dokumentiert.