Ein Pessar (von bzw. Vgl. etwa Deutscher Macer. Nach: Bernhard Schnell, William C. Crossgrove: Der deutsche Macer. Vulgatfassung. Niemeyer, Tübingen 2003, S. 367 (Kapitel 63). Cpg 226, Elsaß, 1459–1469, Blatt 201r (Digitalisat) Transkription: „( .lxj. Enciana heißet encian […] hilfft […] Gemilwet vnd mit warmem wasser zurtiben vnd jn die heimlichen stat mit eym pessario getriben bringt die andern geburt)“. „Gebärmutterzapfen, -stöpsel“, von ursprünglich altgriechisch pessόn, eigentlich „Brettspiel-Stein“, aber auch Bezeichnung für einen zapfenförmigen, bei Gebärmuttervorfall eingesetzten Stützstein) ist ein Medizinprodukt, welches in die Vagina oder die Gebärmutter eingelegt wird.
Therapeutische Pessare Pessare können als konservative Behandlungsform bei krankhafter Lageveränderung der Gebärmutter in die Scheide eingelegt werden. Sie dienen auch als konservative Therapiemethode bei Belastungsinkontinenz. Die Form der Pessare ist dabei sehr unterschiedlich und reicht von teilweise siebförmigen Schalenformen und Ringen bis hin zu Würfeln. 1860Hugh L. Hodge: On diseases peculiar to women, including displacements of the uterus. Philadelphia 1860. beschrieb der amerikanische Geburtshelfer Hugh Lennox Hodge (1796–1873) erstmals das von ihm erfundene Hodge-Pessar zur Aufrichtung der abgeknickten Gebärmutter.Barbara I. Tshisuaka: Hodge, Hugh Lennox. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 607. Als Materialien werden heute überwiegend Silikon und Kunststoff verwendet. Bis heute werden gelegentlich auch starre Pessare aus PorzellanPessare (10) aus Porzellan Pessare aus Rosenthal-Porzellan. oder GlasOkklusivpessare (1) aus Glas Pessar aus Glas verwendet, mit einem Außendurchmesser von meist 55–100 mm.Beispiel für einen Katalog eines Lieferanten harter Pessare aus PorzellanBeispiel für einen Katalog eines Lieferanten harter Pessare aus Porzellan
Pessare wurden bereits in früheren Zeiten zur Therapie eingesetzt. Bei archäologischen Ausgrabungen von ur- und frühgeschichtlichen Frauenbestattungen wurden häufiger ringförmige Objekte aus Keramik bzw. Metall gefunden, die mittig in der unteren Beckengegend lagen und von Archäologen und Paläopathologen als Pessare gedeutet werden.Joachim Wahl: Karies, Kampf und Schädelkult. 150 Jahre anthropologische Forschung in Südwestdeutschland. Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg 79. Theiss, Stuttgart 2007, ISBN 3-8062-2132-4. Aus der Eisenzeit, genauer der späten Hallstattzeit und der frühen Latènezeit, sind bislang zwölf Frauenbestattungen bekannt, in denen sich tönerne Pessare fanden.Scherzler, Diane: Der tönerne Ring vom Viesenhäuser Hof. Ein Hinweis auf medizinische Versorgung in der Vorrömischen Eisenzeit? Fundberichte aus Baden-Württemberg 22(1), 1998, 237–294.
Pessare zur Empfängnisverhütung Als mechanische Verhütungsmittel dienen Pessare zur Empfängnisverhütung. Sie können als sogenanntes Diaphragma in die Scheide eingelegt, als Portiokappe auf den äußeren Muttermund gesetzt oder als Intrauterinpessar (Spirale) in die Gebärmutter eingelegt werden.
Literatur
Diane Scherzler: Der tönerne Ring vom Viesenhäuser Hof. Ein Hinweis auf medizinische Versorgung in der Vorrömischen Eisenzeit? In: Fundberichte aus Baden-Württemberg, 22(1), 1998, S. 237–294. Diane Scherzler: Der tönerne Ring vom Viesenhäuser Hof - Ein Hinweis auf medizinische Versorgung in der Vorrömischen Eisenzeit? (PDF; 189 kB) In: Archäologische Informationen, 20(1), 1997, S. 203–206. In: Bärbel Auffermann, Gerd-Christian Weniger (Hrsg.): Frauen – Zeiten – Spuren. Ausstellungskatalog Neanderthal Museum, Düsseldorf-Mettmann, 1998, ISBN 3-9805839-1-0, S. 303–329.
Weblinks
Pessar auf Gesundheitslexikon.de pessartherapie.de Informationen zur Therapie mit Pessaren
Einzelnachweise
11. iButton-Frauen-Basal-Thermometer
Kategorie:Verhütungsmittel Kategorie:Therapeutisches Verfahren in Gynäkologie und Geburtshilfe