Der Bahnhof Eilenburg ist einer von zwei Bahnhöfen in der nordsächsischen Großen Kreisstadt Eilenburg.
Der Bahnhof wurde 1871 eröffnet und erlangte im Laufe der Zeit Bedeutung im Personen- und Güterverkehr. Viele Arbeitsplätze waren mit ihm verbunden. Im Jahr 2023 verkehren Reisezüge unter anderem nach Leipzig, Halle (Saale), Hoyerswerda, Cottbus und Frankfurt (Oder). Seit der Inbetriebnahme des City-Tunnels in Leipzig halten auch Züge der Marke S-Bahn Mitteldeutschland in Eilenburg.
Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen verzeichnet das Empfangsgebäude, zwei Brückenköpfe, die Stellwerke Aw, Eo und Ew sowie die Wassertürme Ost und West als Kulturdenkmal in der Landesdenkmalliste (Objektnummer 08973253).
Geschichte Die Stadt Eilenburg lag in Randlage von Preußen in einem Gebiet, das mit dem Wiener Kongress von Sachsen abgetreten werden musste. Erst 1868, als bereits ein dichtes Schienennetz bestand, wurde an die Halle-Sorau-Gubener Eisenbahngesellschaft eine Konzessions- und Bestätigungsurkunde für den Bau eines Anschlusses erteilt.Andreas Flegel: Eilenburg in alten Ansichten, Europäische Bibliothek Verlag, 2002 1871 wurde das Empfangsgebäude errichtet, das Diensträume, Fahrkartenschalter, Gepäckabfertigung, Wohnungen für Angestellte sowie vier Wartesäle umfasste. Ein Jahr später, im April 1872, wurde die Strecke von Falkenberg (Elster) über Eilenburg nach Halle (Saale) eröffnet.Otto Künnemann: Eisenbahnknotenpunkt Eilenburg in Jahrbuch für Eilenburg und Umgebung, Verlagshaus Heide-Druck, 2006 Im November 1874 wurde der Abzweig in die sächsische Universitäts- und Messestadt Leipzig eröffnet. Als Endpunkt der Strecke wurde in Leipzig mit dem Eilenburger Bahnhof ein eigener Kopfbahnhof errichtet. Am 20. Februar 1895 folgte die Inbetriebnahme der Strecke Eilenburg–Lutherstadt Wittenberg. Ab 1896 gab es auch die Idee des Baus einer Strecke von Eilenburg nach Bitterfeld mit seinen aufstrebenden Industriegebieten. Wegen Ausbruchs des Ersten Weltkrieges ging dieses Projekt allerdings nicht über die Planungsphase hinaus.
Die letzteröffnete Strecke war der Abzweig nach Wurzen, der 1927 in Betrieb ging. Der Bau verzögerte sich durch den Ersten Weltkrieg und die angespannte wirtschaftliche Situation in den ersten Jahren der Weimarer Republik erheblich.
Seit seiner Eröffnung waren die Dienststellen des Bahnhofs ein wichtiger Arbeitgeber. 1910 waren es insgesamt 233 Beschäftigte, 1933 sogar 570. Diese verteilten sich wie folgt: Eisenbahner (250), Bahnbetriebswerk (40), Wagenausbesserung (6), Wagenreinigung (4), Bahnmeisterei mit der Stellwerksmeisterei und Handwerkern (220) sowie Güter- und Gepäckabfertigung und Fahrkartenausgabe (50). Der Bahnhof gab zudem wichtige Impulse für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Stadt.
Am 29. März 1945 ereignete sich das schwerste Unglück in der Geschichte des Bahnhofs. An diesem Tag um etwa 12:45 Uhr fing ein mit Nebelwerfergeschossen beladener Güterzug Feuer, da sich die zur Ausfüllung der Ladung verwendete Holzwolle entzündet hatte. Um bei einer Explosion den Schaden zu minimieren, wurde der betroffene Waggon abgehängt und westwärts Richtung Wedelwitz aus dem Bahnhof geschoben. Gegen 13:00 Uhr kam es zur Explosion, deren Druckwelle in der gesamten Stadt zu merken war. Bei der Detonation sollen 40 Menschen ums Leben gekommen sein, der Löscheinsatz soll bis zum darauffolgenden Morgen gedauert haben.
mini|Die Wartehalle wurde 2011 geschlossen. Mit der Aufnahme des S-Bahnverkehrs im Dezember 2013 hat ein Reisezentrum mit Warteraum (S-Punkt) im Ostflügel des Empfangsgebäudes eröffnet. Der Bahnhof Eilenburg lag im Gebiet der Reichsbahndirektion Halle (Saale). In den 1980er-Jahren hatte der Güterbahnhof seine Leistungsgrenze erreicht. Monatlich wurden etwa 1.000 Wagen beladen und rund doppelt so viele entladen. Hinzu kamen täglich 30 Güterzüge, die zu bilden bzw. aufzulösen waren. Zur Umgehung des Bahnknotens Eilenburg und insbesondere als strategische Umfahrung der Muldebrücke im Kriegs- oder Katastrophenfall entstand in den 1980er-Jahren nördlich von Eilenburg die Militärbahn Mörtitz–Kospa.
Im Personenverkehr war Eilenburg Halt der Schnellzüge Krakau–Erfurt, Frankfurt (Oder)–Mönchengladbach und Cottbus–Eisenach sowie der Eilzug-Relation Cottbus–Leipzig. In den 1990er-Jahren gab es eine Interregio-Linie von Lübeck über Schwerin, Magdeburg und Leipzig nach Cottbus. Im Jahr 2000 wurde der Bahnhof vom Fernverkehr abgehängt. Bereits 1978 wurde der Personenverkehr von Eilenburg nach Wurzen eingestellt. 20 Jahre danach bestellte der Freistaat Sachsen den planmäßigen Personenverkehr auf der Strecke nach Wittenberg zwischen den Bahnhöfen Eilenburg und Bad Düben ab.
Der Personenbahnhof zeigt sich heute noch weitgehend im selben Zustand wie zu DDR-Zeiten. 2010 wurde der Bahnsteig 1 in Vorbereitung auf die Feierlichkeiten des Stadtjubiläums 1050 Jahre Eilenburg neu gepflastert. Im Jahr 2011 wurden im Westkopf des Bahnhofs Gleisanlagen, Oberleitung und Signaltechnik neu errichtet. Dies erlaubt eine schnellere Einfahrt aus Richtung Halle und Leipzig. Im Zuge dessen wurden Bedingungen für die Zugbildung mittels Umsetzverfahren geschaffen. Der Ablaufbetrieb wurde eingestellt.
Beschreibung Personenbahnhof mini|300px|Empfangsgebäude vom Busbahnhof gesehen Die Anlagen des Personenbahnhofes umfassen das in den 1870er Jahren errichtete heute unter Denkmalschutz stehende Empfangsgebäude aus roten Ziegelsteinen mit einem Turm an der Westseite, welches in den 1990er Jahren umfassend saniert wurde. Die nach der Sanierung eingezogene bahneigene Gastronomie schloss kurze Zeit später. Auch zwei kleine Verkaufsräume waren zuletzt unvermietet. Ende 2011 schloss die noch verbliebene DB Reiseagentur mit Presseangebot. Damit blieb auch die Wartehalle verschlossen. Im Mai 2012 wurde bekannt, dass die DB das Gebäude an eine Eilenburger Telekommunikationsfirma veräußert hat. Diese baute das Gebäude bis 2014 zum Firmensitz aus. Die Gleise befinden sich südlich des Empfangsgebäudes und werden auf der anderen Seite von der Bundesstraße 87 begrenzt. Der Bahnhof besitzt zwei Bahnsteige mit vier Personverkehrsgleisen: den Bahnsteig 1 mit einer Länge von 470 Metern und den Bahnsteig 2 mit 325 Metern, die durch eine Personenunterführung zu erreichen sind. Die deutlich längeren Bahnsteige sind heute und nur noch auf einer Länge von 178 Metern zur Nutzung bestimmt. Beide haben eine Bahnsteighöhe von maximal 38 Zentimetern. Auf dem Bahnsteig 2 befinden sich noch ein Wartehaus und das Haus der Aufsicht P für den Personenbahnhof, die mittlerweile beide ungenutzt sind. Der Hausbahnsteig sowie ein 150 Meter langer Zungenbahnsteig, der sich an den Bahnsteig 2 anschließt, sind nicht mehr zum Ein- und Ausstieg der Fahrgäste vorgesehen. Das Empfangsgebäude ist barrierefrei zu erreichen, die Bahnsteige sind hingegen nur über Treppen zugänglich.
Derzeit (2021) führt DB Engineering & Consulting Planungen zum denkmalgerechten Neubau der beiden Mittelbahnsteige durch. Für die barrierefreie Nutzung soll eine Erhöhung der Bahnsteige und eine Zuwegung mittels Aufzügen und Rampe erfolgen. Die vorhandene Überdachung soll einer deutlich kürzeren Konstruktion weichen.Neubau Bahnsteige Eilenburg auf den Seiten von DB Engineering & Consulting (abgerufen am 9. April 2021)
mini|zentriert|800px|Die Anlagen des Personenbahnhofs bei Nacht. Am rechten Bildrand befindet sich das Gebäude der ehemaligen Aufsicht P.
Güterbahnhof mini|Blick nach Westen auf einen Teil des Rangierbahnhofs. Der Scheitel des Ablaufbergs lag unter dem brückenartig gebauten Stellwerk West (im Hintergrund halbrechts) In Eilenburg schließen sich südlich an den Personenbahnhof etwa zehn Gleise des Güterbahnhofes mit einem Ablaufberg an. Dazu kommen östlich des Empfangsgebäudes Abstellgleise für Güterwagen und die eingesetzten Lokomotiven sowie ein Sozialtrakt von DB Cargo. In diesem Bereich befindet sich an Gleis 39 noch ein Elektrant und ehemals eine Laderampe. Heute gibt es eine Ladestraße entlang Gleis 34. Neben dem Fahrdienstleiterstellwerk Ew befindet sich eine Niederlassung des Geschäftsbereiches DB Netz. Die Aufsicht Gbf für den Güterbahnhof ist mittlerweile nicht mehr vorhanden.
Sicherungstechnik Auf dem Gelände des Eilenburger Bahnhofs befinden sich die zwei noch besetzten Wärterstellwerke Aw (mechanisch, in der Bauform EinheitErhard Künitz, Erich Preuß: Bahnhöfe A–Z: Eilenburg, GeraMond Verlag, 2007) und Eo (elektromechanisch, Bauform VES 1912 (E43)) sowie das Stellwerk Ew (elektromechanisch, Bauform VES 1912 (E43)), welches sich als Reiterstellwerk über einem Ablaufberg befindet und Fahrdienstleiterstellwerk ist. Das Stellwerk Em, welches sich östlich des Empfangsgebäudes befand, wurde 1998 stillgelegt und später abgebrochen. 1941 verfügte der Bahnhof über insgesamt 96 Weichen. Demgegenüber gab es 2009 noch 74 Weichen, von denen zwei stillgelegt waren. Am Bahnhof Eilenburg gibt es heute 23 Lichtsignale, die mit Buchstaben bezeichnet sind.
Bereits 2002/2003 gab es seitens der Deutschen Bahn erste Planungen für ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) Eilenburg mit einem Stellbereich bis Peißen, Leipzig-Heiterblick und Falkenberg (Elster) mit komplett erneuerter Signal- und Fernmeldetechnik entlang der Strecken. Der Baustart war zunächst für 2005 vorgesehen, das Projekt beinhaltete laut einem Artikel der Delitzsch-Eilenburger Kreiszeitung auch den Ausbau für Neigetechnikzüge und Tempo 160 auf der Strecke Leipzig–Eilenburg–Falkenberg. Das Projekt wurde bis heute jedoch nicht verwirklicht. Die komplette Umgestaltung des Bahnhofs Taucha (b Leipzig), die als 1. Baustufe für ein ESTW Eilenburg geplant warHTVS – Ingenieurbüro für Hoch-, Tief-, Verkehrsbau und Schallschutz GmbH: Bahnhof Taucha (abgerufen am 27. Juni 2011), begann 2018.
Bahnbetriebswerk 1926 wurde in Eilenburg ein Bahnbetriebswerk eingerichtet. Ihm unterstanden die Lokbahnhöfe in Torgau und Schildau sowie seit 1964 auch der Lokbahnhof Wurzen. Für den Betrieb in Eilenburg kamen 16 bis 18 Lokomotiven der Baureihen 38, 5280, 5572 und 94 zum Einsatz. Dazu kamen sechs bis acht Loks in Torgau, zwei in Schildau und drei in Wurzen.
Das Bahnbetriebswerk Eilenburg einschließlich der drei Außenstellen beschäftigte in Verwaltung, Lokfahrdienst, Lokunterhaltung, Unterhaltung der technischen Anlagen und dem stationären Personal insgesamt etwa 350 Menschen. Das Lokpersonal umfasste allein in Eilenburg 90 Mitarbeiter. Der Rangierbetrieb beinhaltete unter anderen die Bedienung der Anschlüsse Bahnhof Eilenburg Ost, Eilenburger Chemiewerk und Dermatoidwerk. Der zum Betriebswerk gehörende Ringlokschuppen hatte 12 Gleise, davon gehörten vier der Werkstatt.
Mitte der 1960er Jahre wurden die ersten Diesellokomotiven der DR-Baureihen V 100 und V 60 in Dienst gestellt. Kurz darauf folgten drei Loks der DR-Baureihe V 200. Diese lösten nach und nach die Dampflokomotiven ab. Nach der Elektrifizierung der Strecke Halle (Saale)–Eilenburg wurden Ende der 1980er Jahre auch E-Loks der Baureihen 211, 242, 243 und 250 in Dienst gestellt.
Als eigenständige Dienststelle existierte das Bahnbetriebswerk Eilenburg seit 1969 nicht mehr. Nachdem schon 1967 die Außenstelle Torgau dem Bahnbetriebswerk Falkenberg (Elster) zugeordnet wurde, folgte zwei Jahre später auch das Betriebswerk Eilenburg. Der Lokbahnhof Wurzen wurde dem Bahnbetriebswerk Leipzig-Süd zugeordnet. Seitdem war Eilenburg eine sogenannte Personaleinsatzstelle. 1994 wurde auch das Bw Falkenberg (Elster) aufgelöst. 1995 wurden die Drehscheibe und der Schlackenelevator ausgebaut und die beiden Wassertürme stillgelegt. Der Sozialtrakt und die Umkleideräume wurden noch bis 1999 genutzt.Kurt Krause: Das Bahnbetriebswerk Eilenburg der Deutschen Reichsbahn in: Jahrbuch für Eilenburg und Umgebung, Verlagshaus Heide-Druck, 2008Jahreszahlen zum Bahnbetriebswerk Eilenburg auf www.sachsenschiene.de
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