Johanna CarolineViele Kataloge benutzen die (nirgends belegte) Schreibung Karoline als Normeintrag. Amalie Ludecus geb. Kotzebue (* 16. September 1755 in Schöppenstedt;Taufeintrag laut Ananieva 2021, S. 48: Niedersächsisches Landesarchiv, Abteilung Wolfenbüttel, Signatur: NLA WO 1 Kb, Nr. 1046 (Kirchengemeinde Schöppenstedt, Taufen 1745–1774), Sp. 604–605, Eintrag 41 (1755). † 27. April 1827 in WeimarTodesanzeige, unterzeichnet von ihrer Stieftochter, in Weimarisches Wochenblatt vom 27. April 1827, S. 158; beigesetzt am 29. April (Familien-Nachrichten im Wochenblatt vom 8. Mai, S. 178). Evangelisches Kirchenarchiv Weimar, Sterberegister Stadtkirche. 1827, Bl. 150, Nr. 50 (Ananieva 2021, S. 64).) war eine deutsche Schriftstellerin im klassischen Weimar mit dem Pseudonym „Amalie Berg“.
Herkunftsfamilie Carolines Herkunftsfamilie stand zum großen Teil im Dienst des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. Als die Prinzessin Anna Amalia im März 1756 sechzehnjährig mit dem jungen Weimarer Herzog Ernst August verheiratet wurde, die Söhne Carl August (* September 1757) und Constantin (* September 1758) zur Welt brachte und ab Mai 1758 verwitwet das Herzogtum führen musste, folgten ihr mehrere Mitglieder von Carolines Familie nach Weimar:nach Ananieva 2021, S. 12‒18, und Oeynhausen 1885, S. 52f.
Leben Als Anna Amalias Sohn Carl August im September 1775 volljährig wurde, die Regierungsgeschäfte übernahm und sich mit Luise von Hessen-Darmstadt verehelichte, wurde die 20-jährige Caroline als Kammerfrau der neuen Herzogin berufen.Hochfürstl. SachsenWeimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Schalt-Jahr 1776, S. 84. Diese Tätigkeit endete nach 18 Jahren durch ihre eigene Eheschließung. Am 29. September 1793 heiratete sie den Geheimen Sekretär der Herzogin-Mutter und Schatull-Verwalter des Prinzen ConstantinVgl. Hochfürstl. S.Weimar- und Eisenachischer Hof- und Addreß-Calender, auf das Jahr 1793, S. 97f. Johann August LudecusLudecus erhielt 1792 das bayerische Adelsprädikat „Edler von Ludethurm“; davon hat er jedoch nie Gebrauch gemacht. (M. Gritzner: Bayerisches Adels-Repertorium der letzten drei Jahrhunderte. 1880, S. 209a.) (1741–1801).Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 2. Oktober 1793, S. 313; Evangelisches Kirchenarchiv Weimar, Trauregister Hofkirche 1793, Bl. 479 (Ananieva, S. 51).Die jugendliche Jagemann fand es befremdlich, dass „Mademoiselle Kotzebue, das artige Frauenzimmer,“ diese Heirat einging (Die Erinnerungen der Karoline Jagemann. Hrsg. von Eduard v. Bamberg. Dresden 1926, S. 218). Ludecus brachte eine 15-jährige Tochter mit in die Ehe: Amalie Henriette Caroline Ludecus (* September 1778Getauft am 23. September (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 26. September 1778, S. 316f.).). Ihre Mutter Friedericka geb. Kirms, Schwester des einflussreichen Franz Kirms, war im Oktober 1789 gestorben;Beigesetzt am 13. Oktober (Weimarische Wöchentliche Anzeigen vom 17. Oktober 1789, S. 330). Amalie war seitdem im Haushalt der Großmutter Kirms von der Tante Louise (1753‒1817) im heute so genannten Kirms-Krackow-Haus betreut worden.Müller-Harang 2018, S. 181. Die neue Familie Ludecus bewohnte ein Grundstück mit einem ‚Vorderhaus‛ an der Windischen-Gasse und einem geräumigen ‚Hinterhaus‛ an der Esplanade (an der Stelle des heutigen Gebäudes Schillerstraße 10)Vgl. den Spendenaufruf für eine Gedenktafel an der Schillerstraße 10 vom 22. Dezember 2016.. Im Vorderhaus wohnte der ökonomische Bürgermeister Friedrich Kirsten zur Miete.Das Grundstück wurde ab Mai 1815 zum Verkauf angeboten. Im März 1816 war es von der Regierung erworben. Das Hinterhaus diente der Oberaufsicht für das Zeichen-Institut; das Vorderhaus wurde weiterverkauft an den Mieter Kirsten. (Weimarisches Wochenblatt vom 26. Mai und 19. September 1815, S. 170, Nr. 6) und S. 302, Nr. 6); 8. März 1816, S. 96 Nr. 11). Bechstein 1938, S. 24.) Die Stieftochter Amalie wuchs in liebevoller Beziehung zu Caroline zu einer äußerst sprachbegabten und literarisch interessierten Frau heran, die im August 1798 den Regierungsrat Christian (von) Voigt (* 1774) heiratete.Die Ehe wurde im April 1809 geschieden; Amalie wohnte dann im Kirms-Haus und wurde schriftstellerisch tätig. Vgl. Muncker 1884 (mit falschem Geburtsjahr).
Caroline hatte ihrerseits spätestens ab 1798 ein sehr aktives Interesse an der Schönen Literatur.J. P. Richter suchte bei seiner Ansiedlung in Weimar 1798 den Kontakt mit ihr (Brief an Böttiger vom November 1798 in Jean Pauls Sämtliche Werke. Hist.-krit. Ausg. 3. Abteilung, 3. Band: Briefe 1797‒1800. Berlin 1959, S. 122f.). Sie verfasste einen Roman, der 1800 in zwei Bänden mit zusammen etwa 680 Druckseiten herauskam, anonym, aber mit einem unübersehbaren Vorwort ihres literarisch etabliert Cousins August von Kotzebue;Angekündigt zur Ostermesse 1800 (Allgemeines Verzeichniß der Bücher, welche in der Frankfurter und Leipziger Ostermesse des 1800 Jahres ganz neu gedruckt […] worden sind […]. Leipzig o. J., S. 210). das Werk wurde wohlwollend aufgenommenBesprechung in Leipziger Jahrbuch der neuesten Literatur vom Jahre 1800. 2. Band, 169. Stück vom 28. März 1801, Spalte 612f. und erlebte 1812 einen zweiten Druck (ohne Verlagsangabe) sowie 1801 eine dänische, 1809 eine englische und 1814 eine niederländische Übersetzung. Unter dem Pseudonym „Amalia Berg“ bot sie im März 1801 dem Herausgeber des vielgelesenen Almanachs Erholungen, Wilhelm Gottlieb Becker, ihre Erzählung Elise Grünfeld an.Brief vom 17. März 1801, abgedruckt in Erzählungen und Briefe 2021, S. 263f. Daraus entwickelte sich eine höchst fruchtbare Zusammenarbeit.
Der Ehemann, im August 1801 zum Hofrat ernannt, starb am 23. Oktober desselben Jahres.Kaiserlich privilegirter Reichs-Anzeiger vom 5. November 1801, Spalte 3840; Pick 1906, S. 100. Spätestens von da an vermietete Caroline Teile des Hauses. 1802 wohnte der Major Ludwig von Fritsch (1772‒1808) dort; davor hatte Wieland dort öfter logiert.Brief Wielands vom 1. März 1802 in Wielands Briefwechsel. 15. Band, 1. Teil. Berlin 2004 (ISBN 3-05-002117-9), S. 546. Das junge Ehepaar Gottfried und Henriette von Herder wohnte dort bis zu Gottfrieds Tod am 11. Mai 1806. Unmittelbar danach mietete Johanna Schopenhauer die Wohnung und betrieb dort ihre berühmten Teegesellschaften.Brief vom 19. Mai 1806 in Die Schopenhauers 1991, S. 68f.; Ananieva 2021, S. 22‒27. Ab Ostern 1812 war die Wohnung wieder zur Miete frei (Weimarisches Wochenblatt vom 20. Dezember 1811, S. 430 Nr. 12)); die Schopenhauers zogen in das Haus Theaterplatz 1a. Spätestens ab 1805 lebte auch die junge Wilhelmine Conta (1782‒1854), Schwester des Legationssekretärs Karl von Conta und ab 1812 Ehefrau des Altphilologen Ferdinand Hand, als „Pflegetochter“ bei Caroline.Brief vom 23. September 1805 in Erzählungen und Briefe 2021, S. 269; Brief vom 7. November 1806 in Die Schopenhauers 1991, S. 113; Hands Biographie in Neuer Nekrolog der Deutschen 29. Jg. 1851, Weimar 1853, S. 231.Wilhelmines Vater Carl Erdmann Conta war in erster (1778 geschiedener) Ehe mit Johanna Ludecus verheiratet, der Schwester von Carolines Ehemann. Gleichwohl ist nicht bekannt, wodurch die Pflegetochter-Beziehung begründet war.
Unterdessen setzte Caroline ihre literarische Produktion fort. Bei Heinrich Frölich in Berlin publizierte sie 1806 den Roman Sophie von Normann, der schon ein Jahr später ins Niederländische übersetzt wurde, und das Drama Johanne Gray, eine originelle Bearbeitung des historischen Stoffs um eine tugendhafte weibliche Heldin, mit dem sich zuvor Christoph Martin Wieland (1758) und Madame de Staël (1790) auseinandergesetzt hatten. Ob der 1817 angekündigte Operntext wirklich herausgekommen ist, ist nicht belegt.Ananieva 2021, S. 63 Anm. 79.
Schriften Schöne Literatur [Anonym] Luise oder die unseligen Folgen des Leichtsinns. Eine Geschichte, einfach und wahr. Mit einer Vorrede von August von Kotzebue. 2 Bände. Kummer, Leipzig 1800. (Neudruck 1812.) Erster Theil (1812). Zweiter Theil (1800). Lovise eller de ulykkelige Følger af Letsindighed. Med en Fortale af A. v. Kotzebue. Overs. fra Tydsk af K. R. Thoring. København 1801.Angezeigt in Bibliotheca Danica 1801, Spalte 466. Levity and Sorrow, a German Story, with a Preface. By A. von Kotzebue. Translated by M. A. Bianchi. 1809.Angezeigt in The Universal Magazine. New Series, Vol. XI, 1809, London o. J., S. 363. Louise. Naar het Hoogdiutsche van A. von Kotzebue. Leeuwarden 1814. I. Deel; II. Deel. Amalia Berg: Elise Grünfeld. In: Erholungen 1801, Drittes Bändchen, S. 75‒166. Amalie Berg: Die Bendheimischen Geschwister. In: Erholungen 1802, Erstes Bändchen, S. 161‒214. Amalie Berg: Der Verdacht. Eine Erzählung. In: Erholungen 1802, Zweites Bändchen, S. 40‒124. Amalie Berg: Das belohnte Opfer. In: Erholungen 1802, Drittes Bändchen, S. 168‒185. Amalie Berg: Pauline oder Die Macht der Erziehung. In: Erholungen 1803, Erstes Bändchen, S. 105‒183. Amalia Berg: Reue versöhnt. In: Erholungen 1803, Zweites Bändchen, S. 101‒142. Amalie Berg: Laura von Wiesenthal. In: Erholungen 1804, Erstes Bändchen, S. 1‒80. Amalie Berg: Die Wiedervereinigung. (Auszug aus einem Briefe.) In: Erholungen 1804, Viertes Bändchen, S. 15‒29. Amalia Berg: Amalie. Eine Begebenheit aus dem französischen Revolutionskriege. In: Erholungen 1805, Erstes Bändchen, S. 133‒155. Amalia Berg: Verirrung und Rückkehr. Eine Erzählung. In: Erholungen 1805, Drittes Bändchen, S. 47‒123. Amalia Berg: Lasterhafte Freuden beglücken nie. In: Erholungen 1805, Viertes Bändchen, S. 189‒209. Amalie Berg: Sophie von Normann. Frölich, Berlin 1806. Digitalisat Amalia Berg: Sophia van Norman. Amsterdam 1807. Amalie Berg: Johanne Gray. Trauerspiel in fünf Aufzügen. Frölich, Berlin 1806.Besprechung in Bibliothek der redenden und bildenden Künste, 3. Band, 1807, S. 386‒392. Digitalisat. Amalie Berg: Sie haben sich gefunden. In: Erholungen 1807, Erstes Bändchen, S. 5‒69. Amalie Berg: Emilie, oder das Mädchen im Walde. In: Erholungen 1807, Drittes Bändchen, S. 24‒105. Amalie Berg: Weiber-Leichtsinn und Männer-Schwäche. Eine Erzählung. In: Erholungen 1808, Erstes Bändchen, S. 113‒164. Amalie Berg: Die Reise ins Bad. Eine Erzählung. In: Der Freimüthige, oder Berlinisches Unterhaltungsblatt für gebildete, unbefangene Leser. 5. Jg. 1808, S. 913f., 917f., 922f., 925‒927, 930f. Amalie Berg: Eleonore. Ein FamiliengemähldeAuf dem Titelblatt steht „Familengemählde“, ein Druckfehler.. Bille und Kramerische Buchhandlung, Prag 1812. Amalie Berg: Natur und Menschenleben. Nach einem ländlichen Aufenthalte zu T..f..t bei W. [Gedicht.] In: Erheiterungen 1816, Zweites Bändchen, S. 66‒68. Amalie Berg: Der Jokey. In: Erheiterungen 1816, Zweites Bändchen. Amalie Berg: Weibliche Seelenstärke. In: Erheiterungen 1816, Drittes Bändchen, S. 51‒88. Amalie Berg: Die beiden Adolphinen. In: Erheiterungen 1816, Drittes Bändchen, S. 191‒230. Amalia Berg: Caroline Gräfin von Thorenberg, oder die Erbin des stillen Thales, und der Jokey; zwei Erzählungen. Müller, Erfurt 1816 (Neue Auflage: Erfurt 1826); Digitalisat. Amalie Berg: Wahre Liebe siegt. Oper in drei Aufzügen. Erfurt 1817.Angezeigt in Allgemeines Verzeichniß der Bücher, welche in der Frankfurter und Leipziger Ostermesse des 1817 Jahres […] aufgelegt worden sind […]. Leipzig o. J., S. 239. Amalie Berg: Die Räuberhöhle. In: Erholungen. Ein thüringisches Unterhaltungsblatt für Gebildete. 8. Jg. 1819, S. 177‒179 und Fortsetzung(en).Die letzte Fortsetzung ist nicht identifiziert; die Autorenschaft ist deshalb nicht gesichert. Amalie Berg, Erzählungen und Briefe. Hrsg. von Anna Ananieva. Hannover 2021. ISBN 978-3-86525-882-3. (Inhaltsverzeichnis) Amalie Berg, Johanne Gray. Trauerspiel in fünf Aufzügen. Hrsg. von Anna Ananieva. Hannover 2022. ISBN 978-3-86525-842-7. (Inhaltsverzeichnis; Verlagsinfo.)
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