Die Wirtschaft Südafrikas zählt neben der von Nigeria und Ägypten zu den leistungsstärksten Volkswirtschaften auf dem afrikanischen Kontinent. Quantitativ bildeten 2013 die Bereiche Finanzdienstleistungen, Immobilien und unternehmensnahe Dienstleistungen, das verarbeitende Gewerbe und der öffentliche Dienst die größten Anteile innerhalb des BIP Südafrikas.South Africa's economy: key sectors. auf www.mediaclubsouthafrica.com (englisch) Daten mit Stand 2013 von der südafrikanischen Statistikbehörde Statistics South Africa Der Bergbausektor beschäftigt etwa 500.000 Menschen, darunter besonders viele Geringqualifizierte. Ein gutes Drittel der Exporterlöse beruht auf dem Verkauf von Rohstoffen.'Südafrika. Wirtschaft'. In: Website des Auswärtigen Amtes, November 2013. Abgerufen am 17. April 2014.

Im Global Competitiveness Index, der die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes misst, belegt Südafrika Platz 60 von 141 Ländern (Stand 2019). Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegt Südafrika für 2020 Platz 106 von 180 Ländern.

Wirtschaftsgeschichte mini|Diamantenmine in Kimberley (1892) Im heutigen Südafrika dominierte lange die Subsistenzwirtschaft. Die ersten weißen Siedler richteten ab 1652 in Kapstadt eine Versorgungsstation für Schiffsbesatzungen ein, für die Nahrungsmittel angebaut werden mussten. Die Landwirtschaft dominierte, bis 1867 am Ufer des Oranje die ersten Diamanten entdeckt wurden. Vor allem in Kimberley wurden in der Folge Diamanten gefördert. Erste Goldfunde im östlichen Transvaal bei Pilgrim’s Rest (1873) und Barberton (1881) lockten viele Goldgräber an. 1886 wurde im Witwatersrand erstmals Gold gefunden, worauf zum Ende des Jahrhunderts ein Goldrausch folgte, der zur Entstehung großer Städte wie Johannesburg führte. In der Folge kam es zum Zweiten Burenkrieg, in dem die Briten die Oberhoheit über das Gebiet gewannen. Weitere Bodenschätze wurden in rascher Folge gefunden. Die hohen Gewinne kamen während der Apartheid vor allem der weißen Bevölkerungsgruppe zugute. Schwarze Bergleute mussten meist riskante, schlecht bezahlte Arbeiten verrichten. Oft waren es Wanderarbeiter – so arbeiteten 1977 über 128.000 Bergleute aus Lesotho in den südafrikanischen Minen.Scott Rosenberg, Richard W. Weisfelder, Michelle Frisbie-Fulton: Historical Dictionary of Lesotho. Scarecrow Press, Lanham, Maryland/Oxford 2004, ISBN 978-0-8108-4871-9, S. 248. In den Jahren nach 1980 gingen vor allem im Bergbau viele Arbeitsplätze verloren.

Wirtschaftsstruktur mini|Zentrum von Johannesburg Südafrika war mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 578 Milliarden US-Dollar (englisch), abgerufen am 4. Februar 2013 die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Insbesondere die ländlichen Gebiete in den ehemaligen Homelands ähneln jedoch einem Entwicklungsland. 2016 fiel Südafrika auf den dritten Platz auf dem Kontinent zurück,South African economy slips from gold, to silver, to bronze. timeslive.co.za vom 11. Mai 2016 (englisch), abgerufen am 13. Mai 2016 nach späteren Berechnungen im selben Jahr lag es jedoch wieder an der Spitze.S. Africa beats Nigeria to become Africa’s biggest economy – Bloomberg. africanews.com vom 10. August 2016 (englisch), abgerufen am 13. August 2016

Südafrika dominiert die Wirtschaft des südlichen Afrika und bildet bereits seit 1910 zusammen mit den heutigen Staaten Eswatini, Namibia, Lesotho und Botswana die Zollunion des Südlichen Afrika (SACU). Darüber hinaus ist Südafrika Mitglied der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) sowie des Entwicklungsprogramms Neue Partnerschaft für Afrikas Entwicklung (NEPAD) der Afrikanischen Union.

Der Beitrag der verschiedenen Wirtschaftssektoren zum Bruttoinlandsprodukt liegt zu 66 % beim Dienstleistungssektor und 31 % bei der Industrie. Südafrika hat ein gut entwickeltes Finanz- und Rechtssystem und eine allgemein gut ausgebaute Infrastruktur (Kommunikations-, Energie- und Transportwesen). Die letzten Jahre wurden von einem hohen Wachstum geprägt. Im Zeitraum 2005–2007 wuchs Südafrika um jährlich 5 %, 2012 verlangsamte sich das Wachstum auf geschätzt 2,6 %. Das Budget wies auch schon einen Haushaltsüberschuss aus. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 % des BIP.

mini|Gini-Koeffizienten 2014 nach Weltbankangaben 2012 betrug die Inflationsrate fünf bis sechs Prozent,Datenblatt bei inflation.eu, abgerufen am 3. Februar 2013 die Arbeitslosenquote ist mit offiziell 24,9 % (25. Februar 2014)Statistics South Africa: Economic Growth. auf www.statssa.gov.za (englisch) sehr hoch. Zudem gehen nur 13,6 Millionen Südafrikaner einer Arbeit nach, rund 13 Millionen sind Sozialhilfeempfänger. Die Gini-Koeffizienten als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit.Datenblatt der Weltbank, Stand 2010/2011 (englisch), abgerufen am 5. Februar 2013

Die wirtschaftliche Benachteiligung der nicht-weißen Bevölkerung konnte nach dem Ende der Apartheid nicht grundlegend beseitigt werden. Zwischen 1994 und 2004 stieg die Arbeitslosigkeit bei Schwarzen von 36 % auf 47 %. Deren Durchschnittseinkommen sank sogar real um 19 %, das der Weißen stieg hingegen um 15 %. Die Armutsquote verschlechterte sich ebenfalls. Allerdings stieg der Anteil schwarzer Manager in börsennotierten Unternehmen von 0 % auf 20 %.Südafrika, Klasse statt Rasse, Focus, 10. April 2004. Um die wirtschaftliche Benachteiligung der schwarzen Bevölkerung zu beenden, versucht die ANC-geführte Regierung im Rahmen des Broad-Based Black Economic Empowerment-Programms, Stellen in der Verwaltung und den großen Industriekonzernen vermehrt mit schwarzen Bewerbern zu besetzen; Vertreter der weißen Bevölkerung kritisieren an dieser südafrikanischen Variante der affirmative action, dass die Leistung nicht mehr im Vordergrund stehe. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, reagieren mit Auswanderung, vor allem nach Australien, Kanada und in die USA.Südafrika droht Exodus der Elite, Spiegel Online, 23. Juni 2008.

Weitere Probleme sind eine hohe Kriminalitätsrate, Korruption und HIV/AIDS. Dazu kommt oft fehlendes Wissen im Verwaltungsbereich. Öffentliche Stellen wurden nach dem Ende der Apartheid häufig an ehemalige Widerstandskämpfer vergeben, auch wenn diese über keine verwaltungstechnische Ausbildung verfügten. Anfang 2000 kündigte Präsident Thabo Mbeki an, das Wirtschaftswachstum und die Investitionen durch Lockerung des Arbeitsrechts, Privatisierung staatlicher Betriebe und Senkung der Staatsausgaben fördern zu wollen. Diese Bestrebungen stießen auf harten Widerstand von Seiten der organisierten Arbeitnehmerschaft. In vielen Branchen wurden Mindestlöhne eingeführt.

Primärer Sektor

Landwirtschaft 2,4 % des südafrikanischen Bruttoinlandsprodukts stammen aus der Landwirtschaft. Produziert werden vor allem Getreide (überwiegend Mais und Weizen), Zuckerrohr, Obst, Zitrusfrüchte, Gemüse, Fleisch, Wein und Zellstoff. Die Schafzucht mit der Produktion von extrem feiner Mohair-Wolle spielt eine weltweit bedeutende Rolle. Die Landwirtschaft bildet allerdings noch 9 % der Arbeitsplätze und stellt als Subsistenzwirtschaft vielen Familien ein zusätzliches Einkommen bzw. Nahrungsmittel. mini|Maisfeld in Südafrika

Weinbau

Der Weinbau in Südafrika ist international auf den vorderen Plätzen zu finden. 425 Güter produzieren fast 4000 verschiedene Weine. Die bekannten Weinortschaften Stellenbosch, Franschhoek, Paarl und Somerset West bilden die Weinhochburg in der Provinz Westkap. Mehr als 300 Weingüter sind allein in diesem Gebiet angesiedelt. Wichtige Weinauktionen finden in Paarl statt, wo auch die fünf größten Weinfässer der Welt stehen. Seit 1994 stieg Südafrikas Weinexport von 51 Millionen auf 370 Millionen Liter im Jahr 2011, der größere Teil der Gesamtproduktionsmenge von 872 Millionen Litern (Stand 2012)Wosa-Homepage (englisch), abgerufen am 5. Februar 2013 wird jedoch im Land selbst getrunken bzw. verarbeitet. Deutschland gehört zu den weltweit größten Importeuren südafrikanischer Weine.Südafrikas Weinexport bei wosa.co.za (englisch, PDF-Datei; 6,5 MB), abgerufen am 5. Februar 2013

Sekundärer Sektor

Industrie Industrielle Produkte, sowohl im primären Sektor als auch im sekundären Sektor, machen einen großen Teil der Exporteinnahmen Südafrikas aus.

Bergbau mini|Gold (mit Quarz) aus einer Mine in Welkom Das Land ist ausgesprochen reich an Bodenschätzen, deren Förderung seit nun geraumer Zeit für mindestens 43 bis 46 Prozent der Exporterlöse Südafrikas verantwortlich sind. Die wichtigsten südafrikanischen Einzelexportprodukte waren 2019 Steinkohle mit einem Exportvolumen im Wert von rund 4,2 Milliarden Euro, dicht gefolgt von Gold und Eisenerz. Das Land besaß 1999 die weltweit größten Fördermengen an Chrom (44 % der Weltförderung), Platin (fast 80 %),Website der giz, abgerufen am 14. Juni 2014 Mangan und Vanadium (57 %). Daneben besitzt es große Vorkommen an Gold (21 %), Diamanten (9 %), Kohle (6 %), Eisenerz, Nickel, Titan, Antimon und Palladium.Bernd Wiese: Südafrika mit Lesotho und Swasiland. Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart 1999, ISBN 3-623-00694-7, S. 153 So erbringt die Mine Sishen hochwertiges Eisenerz, das in einem der größten Tagebauminen der Welt abgebaut wird. (englisch), abgerufen am 5. Februar 2013

Der Bergbau wird von wenigen Konzernen beherrscht, die zu den größten weltweit gehören, etwa Anglo American, Glencore,Bernd Wiese: Südafrika mit Lesotho und Swasiland. Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart 1999, ISBN 3-623-00694-7, S. 156 ARMgold, AngloGold Ashanti und Implats. Der Konzern Lonmin, der die Platinförderung beherrscht, und der Diamantenproduzent De Beers gehören ganz oder teilweise zu Anglo American. Gelegentlich wird die Verstaatlichung der Konzerne diskutiert, von der Regierungspartei ANC jedoch abgelehnt.

Als eines von wenigen Ländern weltweit nutzt Südafrika seine reichen Kohlevorkommen auch zur Gewinnung von Treibstoff, was auf die frühere Autarkiepolitik des Apartheid-Regimes zurückgeht. Das südafrikanische Unternehmen Sasol nutzt dafür das Fischer-Tropsch-Verfahren.Wolfgang Drechsler: Bei der Stromversorgung besitzt die Steinkohle einen Anteil von 90 %.Detlev Karg: Erstickt an der Kohle, Deutschlandfunk vom 28. Januar 2015Übersicht unter: South African Coal

Die Wettbewerbsfähigkeit des südafrikanischen Bergbaus wird durch häufige Streiks aufgrund der niedrigen Löhne und mangelhaften Arbeitsbedingungen sowie durch die unsichere Energieversorgung für die energieintensiven Branchen geschwächt. Die Arbeit in den Bergwerken ist riskant. Zwischen 1984 und 2005 starben in Südafrika über 11.100 Minenarbeiter. (englisch), abgerufen am 20. Februar 2012.

Insbesondere die Goldminen wie die Mponeng Gold Mine erreichen eine Tiefe von fast 4000 Metern, in denen trotz Kühlung Temperaturen um 32 °C herrschen.Bernd Wiese: Südafrika mit Lesotho und Swasiland. Klett-Perthes, Gotha/Stuttgart 1999, ISBN 3-623-00694-7, S. 158 Der Abbau ist daher besonders teuer. Wegen des Sturzes des Goldpreises im Oktober 1999 auf bis zu 250 US-Dollar pro Feinunze – bedingt durch massive Goldverkäufe der britischen Notenbank – drohte dem Goldbergbau in Südafrika das völlige Aus. Nur durch Stilllegung von Kapazitäten und den Verfall der südafrikanischen Währung konnte sich der Goldbergbau retten. Mehrere Konzerne verlegten ihren Sitz nach Großbritannien.I. Robinson: The globalization of the South African mining industry. In: The Southern African Institute of Mining and Metallurgy, Onlineversion, ISSN 2411-9717. Kurz darauf erholte sich der Goldpreis und kletterte seit 2009 auf Rekordhöhen, um 2012–14 erneut zu fallen.Der Goldbergbau in Südafrika steht vor dem Aus. In: srf.ch, 8. Dezember 2014. Der südafrikanischen Wirtschaft gelang es mittlerweile, die überstarke Abhängigkeit von der teuren und daher bei Goldpreisschwankungen immer wieder kriselnden Goldförderung zu verringern. Viele Minen werden bald erschöpft sein.