Amerikanisches Englisch ( , kurz AE oder AmE) ist die Standardvarietät der englischen Sprache, die in den Vereinigten Staaten von Amerika gesprochen wird. Das amerikanische Englisch ist in seiner Geschichte durch die verschiedenen englischen Dialekte seiner Einwanderer aus England, Schottland und Irland beeinflusst worden, aber auch durch Sprachkontakte mit Franzosen, Spaniern und amerikanischen Ureinwohnern.

Das auffälligste Merkmal des amerikanischen Englisch ist die Rhotizität, d. h. der r-Laut wird auch nach Vokalen z. B. am Wortende ausgesprochen. Besonderheiten finden sich auch auf der Wortebene, z. B. sidewalk (AE) vs. pavement (BE). Obwohl das amerikanische Englisch im Vergleich zum britischen Englisch relativ homogen ist, gibt es doch auch regionale Unterschiede, wobei die größten zwischen dem Nordosten und dem Süden auf der einen Seite und der Mitte und dem Westen der USA auf der anderen Seite bestehen. Wichtige soziale Varianten des amerikanischen Englisch sind das African American Vernacular English und das Hispanic American English.

Das amerikanische Standardenglisch wird auch als General American bezeichnet und vor allem im Westen der USA gesprochen. Zum amerikanischen Englisch gibt es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine umfangreiche Forschung, darunter mehrere Wörterbücher und einen linguistischen Atlas.

Klassifikation Das amerikanische Englisch ist eine sogenannte nationale Variante der westgermanischen Sprache Englisch. Zusammen mit anderen nationalen Varianten des Englischen, wie etwa das britische Englisch, das australische Englisch oder das neuseeländische Englisch, wird das amerikanische Englisch auch als Varietät der plurizentrischen englischen Sprache bezeichnet. Das amerikanische Englisch zählt zu den Varietäten des Englischen, die bei der Mehrheit der Bevölkerung die Muttersprache ihrer Sprecher sind, auch wenn es in den USA erhebliche Minderheiten gibt, die andere Sprachen sprechen und Englisch als Zweitsprache erwerben, so etwa die spanisch-, französisch-, deutsch- und chinesischsprachigen Minderheiten.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 110. Das amerikanische Englisch unterscheidet sich damit von nationalen Varianten anderer Länder vor allem in Afrika und Asien, wie etwa das indische Englisch, denn diese sind zwar häufig Amtssprachen ihrer Länder und spielen eine große Rolle in den Medien und im Bildungswesen, sind aber mehrheitlich für die meisten Sprecher Zweitsprachen.Peter Trudgill, Jean Hannah: International English: A guide to the varieties of Standard English. 5. Auflage. Routledge, London/New York 2008, ISBN 978-0-340-97161-1, S. 4–5.

Das amerikanische Englisch ist zusammen mit dem britischen Englisch eine Hauptvarietät des Englischen. Amerikanisches Englisch wird in vielen Ländern, in denen Englisch als Zweit- oder Fremdsprache gesprochen wird, als Leitnorm betrachtet und hat vor allem in Asien das britische Englisch als Vorbild abgelöst. Der Einfluss des (amerikanischen) Englisch nimmt auch international weiter zu, was auch eine Folge seiner Verbreitung durch die amerikanisch dominierte Kinofilmindustrie und Popmusik sowie seiner Rolle als Unterrichtssprache in vielen Staaten ist.David Crystal: English as a Global Language, 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-53032-3, S. 100, 103.

Geschichte Die Entwicklung des amerikanischen Englisch ist durch verschiedene Einwandererströme aus englischsprachigen Ländern, primär Großbritannien und Irland, beeinflusst, aber auch durch Einflüsse weiterer Einwanderersprachen wie des Spanischen oder Deutschen, sowie durch Sklavenhandel nach Amerika gelangter Afrikaner. Einen geringen Einfluss auf das amerikanische Englisch hatten auch die Sprachen der amerikanischen Ureinwohner.

Die Geschichte des Englischen in Nordamerika beginnt mit der ersten erfolgreichen Gründung einer Kolonie 1607 in Jamestown in Virginia.David Crystal: English as a Global Language, 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-53032-3, S. 31. In Virginia und den hinzukommenden Siedlungsgebieten Maryland, North und South Carolina sowie Georgia waren Tabakplantagen der wichtigste wirtschaftliche Faktor. Der Bedarf an Arbeitskräften für diese Plantagen wurde zunächst durch weiße Zwangsarbeiter gedeckt, spätestens seit der Legalisierung der Sklaverei 1661 durch Einwohner der Karibik und Westafrikas, die durch Sklavenhandel von ihren Heimatländern nach Amerika entführt wurden. Da die Sklaven häufig sehr unterschiedliche Sprachen sprachen, nutzten sie zur Verständigung englischbasierte Pidgin-Sprachen. Aus diesen Pidgins entwickelten sich später auch Kreolsprachen wie das Gullah.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 97.

Der Gründung von Jamestown folgten Siedlungen in anderen Teilen der USA, so zunächst eine Siedlung in der Gegend des heutigen Plymouth (Massachusetts) durch die sogenannten Pilgerväter. Die Siedler breiteten sich weiter in der Gegend um das heutige Boston und dann im Nordosten der heutigen USA aus, so entstanden die Kolonien Connecticut (1634), Rhode Island (1636) und New Haven (1638). Diese Kolonien bildeten für eine kurze Zeit die britische Kronkolonie Neuengland, eine Bezeichnung, die noch heute für den Nordosten der USA üblich ist. Die Kolonisten in diesen Regionen kamen hauptsächlich aus dem Osten Englands (Lincolnshire, Nottinghamshire, Essex und London) sowie einige wenige aus Mittelengland (Midlands). In den Dialekten des Englisch, die diese Siedler sprachen, wurde das <r> nach Vokalen typischerweise nicht ausgesprochen. Diese sprachliche Eigenart ist noch heute für das Englisch in Neuengland typisch.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 98.David Crystal: English as a Global Language, 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-53032-3, S. 32–33.

1681 wurde die Kolonie Pennsylvania gegründet, in der sich hauptsächlich aus dem Norden Englands stammende Quäker niederließen, später gefolgt von einer größeren Zahl von schottischen Siedlern. Mit Pennsylvania entstand ein Gebiet mit mehrheitlich nordenglischen Sprechern, das zwischen Neuengland im Norden und den Kolonien im Süden lag, die beide eher durch südenglische Dialekte bestimmt waren. Diese Entwicklung führte zur noch heute weitverbreiteten ungefähren Auffächerung des amerikanischen Englisch in Northern American English, Midland American English und Southern American English: Northern American English in Neuengland sowie Teile von New York und der Norden von New Jersey, Midland American English in Pennsylvania, im Süden von New Jersey, in New York westlich des Hudson River, in den Inlandsgebieten von Maryland und Delaware und im Westen von Virginia, North Carolina, South Carolina und Georgia sowie Southern American English in den Küstengebieten von Delaware, Maryland, Virginia, North Carolina und South Carolina und Georgia.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 98–100.

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden auf dem nordamerikanischen Kontinent auch vielfältige Sprachkontakte: Zum einen kamen die englischen Siedler in Kontakt mit den amerikanischen Ureinwohnern, die selbst mehr als 300 Sprachen oder Dialekte aus über 50 Sprachfamilien sprachen. Nach anfänglich friedlichen Beziehungen folgten zunehmend gewalttätige Auseinandersetzungen, in deren Folge die Ureinwohner von den europäischen Eroberern vertrieben und ausgerottet wurden. Der Einfluss der Indianersprachen auf das Englische blieb gering und beschränkte sich hauptsächlich auf geografische Benennungen, Bezeichnungen aus der indianischen Kultur sowie Tier- und Pflanzennamen. Die Franzosen waren im Norden um den St.-Lawrence-Strom und in Louisiana präsent. Auseinandersetzungen zwischen englischen und französischen Kolonisten gipfelten im 18. Jahrhundert im French and Indian War (1754–1760), der von den Engländern gewonnen wurde. Nach dem Rückzug der Franzosen verblieb jedoch eine relativ große französische Sprachgemeinschaft auf amerikanischem Boden. Niederländer besiedelten ursprünglich die Region um das heutige New York (damals Neu-Amsterdam), während Deutsche in großer Zahl Ende des 17. Jahrhunderts in Pennsylvania siedelten. Die Spanier hatten größere Teile des Südens und des Südwestens ursprünglich kolonialisiert, bevor die Gebiete aufgrund militärischen Drucks an die USA gingen, womit eine größere Zahl Spanischsprecher nun auf dem Gebiet der USA lebten.David Crystal: English as a Global Language, 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0-521-53032-3, S. 35.

Mit der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika 1783 entstand ein größeres, durch Patriotismus geleitetes Interesse an einem spezifisch amerikanischen Englisch. Eine bedeutende Rolle bei diesen Bemühungen, ein „amerikanisches Englisch“ zu beschreiben, spielte Noah Webster. Sein American Spelling Book und 1828 veröffentlichtes Dictionary of the American Language beeinflusste das Englisch in Amerika nachhaltig und führte zu einer im Vergleich zum britischen Englisch vereinfachten Orthografie.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 101.

Der amerikanische Bürgerkrieg 1861–1865 übte auf das amerikanische Englisch ebenfalls einen Einfluss aus, denn nach der Abschaffung der Sklaverei migrierte ein großer Teil der schwarzen Bevölkerung des Südens in die Industriestädte des Nordens. Insbesondere ab 1910 siedelten sich größere Zahlen Afroamerikaner im Norden an, so dass sich in den Städten das afroamerikanische Englisch ausbreitete.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 102–103.

Die weitere Geschichte des amerikanischen Englisch ist durch zwei historische Entwicklungen bestimmt: die sogenannte Westexpansion, d. h. die weitere Eroberung und Besiedlung der Gebiete im Westen der heutigen USA bis zur Pazifikküste, und die Massenimmigration in die USA. Das 19. Jahrhundert war vor allem bestimmt durch die Immigration aus Europa, so z. B. eine große Zahl von Iren, die der Hungersnot 1840 zu entkommen suchten, sowie Deutsche und Italiener, die vor den Konsequenzen der gescheiterten Revolutionen 1848/1849 flüchteten. Ab 1880 folgten große Fluchtwellen europäischer Juden, die vor den Pogromen in Europa flohen. Um 1900 war die Bevölkerung der USA auf 75 Millionen angestiegen, bis 1950 hatte sich die Bevölkerung noch einmal verdoppelt. Waren die Einwanderungswellen im 19. Jahrhundert durch Europäer dominiert, so änderte sich das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als neben Süd- und Osteuropäern auch Einwanderer aus Kanada, Mexiko, der Karibik und anderen Teilen Lateinamerikas in die USA kamen. Ab 1940 kamen vor allem Kanadier und Lateinamerikaner, aber auch weiterhin Europäer ins Land, ab den 1970er und 1980er Jahren dann zunehmend Immigration aus der arabischen Welt und aus Südostasien.Klaus Hansen, Uwe Carls, Peter Lucko: Die Differenzierung des Englischen in nationale Varianten. Eine Einführung. Erich Schmidt, Berlin 1996, ISBN 3-503-03746-2, S. 103.