Und dann gabs keines mehr ist der 26. Kriminalroman von Agatha Christie. Er erschien in Buchform zuerst im Vereinigten Königreich am 6. November 1939Maurice Richardson: The Crime Ration. In: The Observer, 5. November 1939 (the guardian.newspapers.com). im Collins Crime Club unter dem Titel Ten Little Niggers und zwei Monate später in den USA bei Dodd, Mead and Company unter dem Titel And Then There Were None. Heute wird in allen englischen Ausgaben der Titel And Then There Were None verwendet. Die deutschen Übersetzungen trugen nacheinander die Titel Letztes Weekend, Zehn kleine Negerlein und Und dann gabs keines mehr. Die Autorin selbst schuf zudem eine Bühnenfassung mit abweichendem Schluss, die 1943 in Großbritannien unter dem Titel Ten Little Niggers und 1944 in den USA unter dem Titel Ten Little Indians uraufgeführt wurde. Der Roman wurde mehrfach verfilmt.

In diesem Roman sterben nacheinander zehn Menschen, die in ihrem Leben in ungeklärte Todesfälle verwickelt waren. Die Handlung orientiert sich an dem bekannten Abzählreim Zehn kleine Negerlein bzw. Ten little Indians/Ten little niggers, der heute weltweit verwendete Titel ist dessen letzter Vers.

Der Roman ist mit über 100 Millionen verkauften Exemplaren das meistverkaufte Werk Christies. Unter den meistverkauften Büchern aller Zeiten nimmt es einen der vordersten Plätze ein und ist der meistverkaufte Kriminalroman aller Zeiten.

Die Handlung Die erzählte Zeit umfasst knapp vier Tage im Sommer, vom 8. bis zum 11. August, bis auf den etwas später liegenden Epilog. Sie ist in der Gegenwart angesiedelt. Bis auf das einleitende Kapitel und den Epilog spielt die gesamte Handlung auf einer der Grafschaft Devon vorgelagerten einsamen Insel.

Zehn Personen werden brieflich oder durch einen Mittelsmann unter einem Vorwand auf diese Insel gelockt. Ein Richter (Lawrence Wargrave), eine ältere unverheiratete Frau (Emily Brent), ein General im Ruhestand (John Macarthur) und ein junger Lebemann (Anthony Marston) erhalten eine Einladung, vorgeblich jeweils von Bekannten, auf der Insel Urlaub zu machen bzw. alte Bekanntschaften aufzufrischen. Eine junge Sportlehrerin (Vera Claythorne) soll dort aushilfsweise als Sekretärin fungieren, ein Abenteurer (Philip Lombard) wird als Experte für gefährliche Situationen angeheuert, ein Arzt (Dr. Armstrong) soll die Frau des Gastgebers wegen deren problematischer Gesundheit beobachten, ein Ex-Polizist und Inhaber einer Detektivagentur (William Blore) wird beauftragt, ein Auge auf ihren Schmuck zu haben. Ein Ehepaar (Thomas und Ethel Rogers) wird als Hauspersonal eingestellt, um die Gäste zu versorgen. Die Insel ist allen aus der Presse bekannt: Dort hat ein amerikanischer Millionär ein luxuriöses Haus errichten lassen, dieses aber an einen geheimnisvollen Unbekannten verkauft, der in den Einladungen gewöhnlich als ein Mr. Owen mit den Initialen U. N. erscheint.

Die zehn Menschen gelangen mit dem Boot eines einheimischen Fischers auf die Insel. Sie stellen fest, dass in jedem Zimmer über dem Kaminsims eine gerahmte Fassung des bekannten Abzählreims Zehn kleine Negerlein (in anderen Fassungen: Indianerlein bzw. Kriegerlein) hängt, in dessen Verlauf alle zehn Protagonisten ums Leben kommen. Beim gemeinsamen Abendessen bemerken sie, dass auf einer Glasplatte zehn Porzellanfigürchen aufgestellt sind, entsprechend den Figuren im Abzählreim. Wenig später ertönt eine geisterhafte Stimme von einer Schallplatte, die alle zehn Anwesenden anklagt, ungestraft den Tod einer oder mehrerer Personen verschuldet zu haben. Es wird schnell deutlich, dass sie die Insel nicht verlassen können, weil kein Boot vorhanden ist, und dass es sich bei den Einladungen um Vorwände handelte. Der Richter entschlüsselt den Namen U. N. Owen als „unknown“, unbekannt.

Die Handlung entwickelt sich in der Folge genau entsprechend dem Abzählreim: Alle zehn Personen kommen nacheinander ums Leben, die Todesart lässt sich jeweils mit den Vorgaben des Reims vergleichen. Zudem verschwindet nach jedem Tod eines der Porzellanfigürchen.

Noch am ersten Abend, dem 8. August, stirbt Marston an Zyankali in seinem Drink, am nächsten Morgen wacht Ethel Rogers nicht mehr auf (wie sich später herausstellt, aufgrund einer Schlafmittelvergiftung mit Chloralhydrat). Zunächst kommen für die Überlebenden noch Suizid bzw. natürliche Todesursachen in Frage.

Doch am zweiten Tag kommt das Boot nicht, das eigentlich täglich Vorräte bringen sollte, und dem Butler Rogers fällt auf, dass zwei Figürchen fehlen. Lombard, Blore und Armstrong schöpfen Verdacht. Sie durchsuchen sorgfältig Insel und Haus und stellen fest, dass keine weitere Person sich auf der Insel versteckt hält. Am Mittag des zweiten Tages wird Macarthur durch einen Schlag auf den Hinterkopf ermordet. Man muss nun von Mord ausgehen. Zugleich bricht ein Sturm los, der die Insel völlig vom Festland abschneidet. In einer Versammlung der Überlebenden fasst Wargrave die Situation zusammen: Der Mörder müsse unter den noch verbliebenen sieben Personen sein, und keine dieser Personen könne von dem Verdacht ausgeschlossen werden. In Gesprächen wird deutlich, dass es viele verschiedene Theorien unter den Verbleibenden gibt, wer der Mörder sei und wem man noch trauen könne. Ebenso zeigt sich, dass die Beschuldigungen der Schallplattenstimme im Wesentlichen zutreffen.

Am Morgen des dritten Tages wird Rogers im Holzschuppen erschlagen aufgefunden, vormittags stirbt Emily Brent an einer Zyankaliinjektion. Wargrave schlägt nun eine Durchsuchung aller Räume und Personen auf Waffen und Drogen vor. Diesem Vorschlag wird gefolgt, doch die Pistole, die Lombard auf die Insel mitgebracht hat, ist verschwunden. Alle aufgefundenen gefährlichen Gegenstände werden weggeschlossen. Doch später erleidet Vera Claythorne einen Schock, als sie in ihrem dunklen Zimmer eine kalte Berührung am Hals spürt. Auf ihre Schreie hin stürmen die Männer herbei und stellen fest, dass es nur ein dort aufgehängtes Stück Seetang war. Claythorne überlebt den Schock unbeschadet, doch Wargrave fehlt. Sie finden ihn im Salon auf, Armstrong diagnostiziert Tod durch Erschießen. In der Nacht hört Blore Schritte und vergewissert sich, dass Armstrong nicht in seinem Zimmer ist. Blore und Lombard, dessen Revolver wieder aufgetaucht ist, gehen auf die Suche, können ihn aber nicht finden. Man kommt zu dem Schluss, dass Armstrong der Mörder sein müsse.

Am vierten Tag ist der Sturm vorüber, doch die See geht noch so hoch, dass die Insel nicht erreichbar ist. Blore, Claythorne und Lombard verbringen den Morgen auf den Klippen und heliographieren SOS-Signale in Richtung Festland. Als Blore ins Haus geht, wird er von einem Marmorblock erschlagen. Claythorne und Lombard finden eine angetriebene Wasserleiche: Es ist Armstrong. Vera Claythorne gelingt es, Lombard den Revolver wegzunehmen, als sie Armstrong an Land ziehen. Sie erschießt ihn, als er sich die Waffe zurückholen will. Als sie in ihr Zimmer zurückkehrt, ist dort an einem Haken an der Decke eine Schlinge vorbereitet, unter der ein Stuhl steht. Sie legt den Kopf in die Schlinge, tritt den Stuhl weg und erhängt sich.

Der Epilog des Romans besteht aus zwei Teilen. Der erste schildert eine Besprechung der ermittelnden Polizeibeamten. Daraus wird ersichtlich, dass die Bewohner des Küstendorfs aufgefordert worden waren, Notsignalen nicht zu folgen, da es sich um ein Spiel handele. Ohnehin war es wegen des Seegangs erst am Nachmittag des 12. August möglich, die Insel zu erreichen. Die Ermittler können auf die Tagebücher zurückgreifen, die einige der Getöteten geführt haben. Angesichts der Beweislage gilt es ihnen als unmöglich, dass einer von ihnen der Täter gewesen sein kann. So ist Armstrongs Leiche an Land gezogen worden, der Revolver wird im Haus gefunden und nicht bei Lombard, der Stuhl in Claythornes Zimmer wurde ordentlich an die Wand gestellt vorgefunden. Sie sind ratlos.

Auf den letzten Seiten wird die Auflösung in Form einer Flaschenpost gegeben. Wargrave bekennt sich zu den Morden und macht genaue Angaben zu seinem Vorgehen. Er habe Armstrong am dritten Tag zu seinem Komplizen gemacht, indem er ihm weismachte, so könne dem Mörder eine Falle gestellt werden. Mit Armstrongs Hilfe habe er seinen eigenen Tod vorgetäuscht und habe sich danach auf der Insel bewegen können. Armstrong habe er nachts über die Klippen gestoßen. Er habe sich schließlich als Letzter mit Lombards Pistole erschossen, die er, ohne Claythornes Fingerabdrücke zu verwischen, mit einem elastischen Band am Türknauf befestigt habe. Mit der Muskelerschlaffung nach dem Tod werde die Pistole davongeschleudert werden. So werde er erschossen vorgefunden werden, wie es die Tagebücher seiner Opfer berichteten.

Die Personen Anthony James Marston wird beschuldigt, zwei Kinder überfahren zu haben. Der Reim sieht vor, dass er sich ‚verschluckt‘, also erstickt. Ethel Rogers soll gemeinsam mit ihrem Mann eine frühere Arbeitgeberin getötet haben. Der Reim sieht vor, dass sie ‚verschläft‘. General John Gordon Macarthur soll den Liebhaber seiner Frau (einen seiner Untergebenen) im Krieg auf ein Himmelfahrtskommando geschickt haben. Der Reim sieht vor, dass er ‚dageblieben sei‘, was seinen letzten Worten entspricht: Er habe hier Frieden gefunden und wolle die Insel nicht mehr verlassen. Thomas Rogers soll gemeinsam mit seiner Frau eine frühere Arbeitgeberin getötet haben. Der Reim sieht vor, dass er sich ‚entzweigehackt‘ habe. Emily Caroline Brent soll ihr Hausmädchen wegen einer Schwangerschaft entlassen haben, worauf diese ins Wasser ging. Der Reim sieht vor, dass sie von einer Hummel gestochen werde, und tatsächlich wird eine Hummel am Tatort gefunden. Lawrence John Wargrave soll durch eine parteiliche Rechtsbelehrung die Jury dazu gebracht haben, die Todesstrafe für einen Angeklagten zu verhängen. Der Reim sieht vor, dass er ‚in Chancery‘ gekommen sei, eine doppeldeutige Angabe: vor Gericht (Court of Chancery) und in eine hilflose Situation. Er wird entsprechend in scharlachroter Robe (aus einem Duschvorhang) und grauer Perücke (aus Wollsträngen) gefunden, also als Richter verkleidet. Dr. Edward George Armstrong soll eine Frau in betrunkenem Zustand operiert haben, die auf dem Operationstisch starb. Gemäß dem Reim wird er von einem Red Herring geschluckt. Auch dies hat einen Doppelsinn: geräucherter Salzhering und falsche Spur. William Henry Blore soll einen Meineid geschworen und damit einen Unschuldigen ins Zuchthaus gebracht haben, der wenig später starb. Der Reim sieht vor, dass er ‚von einem Bären umarmt‘ werde, und tatsächlich ist der Marmorblock, von dem er erschlagen wird, die Skulptur eines Bären. Philip Lombard soll in Afrika den Tod von 21 Einheimischen verursacht haben, indem er ihren gesamten Proviant an sich nahm, als sie im Busch verirrt waren. Im Reim heißt es, als die letzten beiden in der Sonne gesessen hätten: „one got frizzled up“, also etwa: weggezischt, weggeschrumpft, wie beim Braten oder Frittieren. Tatsächlich sitzen die letzten beiden in der Sonne, nachdem der Sturm sich gelegt hat. Vera Elizabeth Claythorne soll als Kindermädchen einem Kind erlaubt haben, aufs offene Meer hinauszuschwimmen. Sie soll auf seinen Tod gehofft haben, damit ihr Geliebter zu Geld käme. Sie erhängt sich, wie es im Reim vorgesehen ist.

Widmung Der Roman ist „Carlo und Mary“ gewidmet, mit „großer Zuneigung“ und der Bemerkung: „Dies ist ihr Buch“. Dies lässt sich als Charlotte und Mary Fisher entschlüsseln. „Carlo“ war seit 1924 als Kindermädchen für Christies Tochter Rosalind und später auch als Sekretärin und Stenotypistin bei Christie beschäftigt, „Mary“, ihre Schwester, hatte sie dabei unterstützt.Laura Thompson: Agatha Christie. An English Mystery. Headline, London 2007, S. 165 und 216f.

Titel und Textgestalt