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Selgenstadt (fränkisch: SälngschdodR. Schuh: Gunzenhausen, S. 268. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „sęlŋšdåd“.) ist ein Gemeindeteil der Stadt Wolframs-Eschenbach im Landkreis Ansbach (Mittelfranken, Bayern). Die Gemarkung Selgenstadt hat eine Fläche von 4,697 km². Sie ist in 628 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 7478,72 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Adelmannsdorf.
Geografie Durch das Dorf fließt der Dorfbach, der in Mitteleschenbach als linker Zufluss in den Altbach mündet. Der Altbach ist ein rechter Zufluss des Erlbachs, der wiederum ein rechter Zufluss der Fränkischen Rezat ist. 1 Kilometer südlich befindet sich der Hintere Mönchsberg () im Mönchswald. 0,5 km westlich grenzt das Waldgebiet Tiefenschlag an, 0,5 km nordwestlich das Waldgebiet Lindenbühler Hart.
Die Kreisstraße AN 59 führt zur B 13 bei Dürrnhof (4,7 km südwestlich) bzw. nach Mitteleschenbach (2 km östlich). Über eine Gemeindeverbindungsstraße gelangt man nach Adelmannsdorf (2 km südwestlich).
Geschichte Der Ort wurde 1148 in einer Urkunde des Klosters Heilsbronn als „Selgenstat“ erstmals erwähnt,R. Schuh: Gunzenhausen, S. 268. 1157/61 als „(vicula) Seliginstat“.Günther Schuhmann, Gerhard Hirschmann (Bearb.): Urkundenregesten des Zisterzienserklosters Heilsbronn, 1. Teil 1131–1321, Würzburg 1957, S. 13. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 1, S. 370. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname „Salīgo“. Eine Person dieses Namens ist als Gründer anzunehmen.R. Schuh: Gunzenhausen, S. 269. Das Kloster erwarb dort nach und nach 11 Anwesen und somit fast den ganzen Ort.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 474.
Im 16-Punkte-Bericht des Oberamts Windsbach aus dem Jahr 1608 wurden für Selgenstadt 10 Mannschaften verzeichnet: die 6 Bauern und 4 Köbler unterstanden dem Verwalteramt Merkendorf. Außerdem gab es ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 43/1, 15. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 732. Im 16-Punkte-Bericht des heilsbronnischen Vogtamts Merkendorf aus dem Jahr 1616 wurden die Anwesen als 6 Halbhöfe und 4 Güter qualifiziert.Staatsarchiv Nürnberg, 16-Punkte-Berichte 25, 29. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 742. Das Verwalteramt Merkendorf übte das Gemeinderecht und den Hirtenstab aus.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 743. Während des Dreißigjährigen Krieges brannten zwei Häuser ab, die übrigen Häuser verödeten. Erst 30 Jahre nach Kriegsende wurde mit dem Wiederaufbau begonnen.G. Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn von der Urzeit bis zur Neuzeit, Bd. 2, S. 474f.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Selgenstadt 14 Anwesen und ein Gemeindehirtenhaus. Das Hochgericht übte weiterhin das Kasten- und Stadtvogteiamt Windsbach aus, die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatte das Verwalteramt Merkendorf. Alleiniger Grundherr über alle Anwesen war das Fürstentum Ansbach (Kastenamt Windsbach: 1 Schenk- und Schmiedstatt; Verwalteramt Merkendorf: 3 Höfe, 4 Halbhöfe, 4 Güter, 2 Gütlein).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 910f. Es gab zu dieser Zeit 16 Untertansfamilien.J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken, Bd. 5, Sp. 277. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Windsbach.
1806 kam Selgenstadt an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Selgenstadt dem 1808 gebildeten Steuerdistrikt Gerbersdorf und der 1810 gegründeten Ruralgemeinde Gerbersdorf zugeordnet.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3850: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Heilsbronn 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 963. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstand die Ruralgemeinde Selgenstadt, zu der Adelmannsdorf gehörte. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Heilsbronn zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Windsbach. Von 1857 bis 1862 gehörte Selgenstadt zum Landgericht Gunzenhausen, ab 1862 zum Bezirksamt Gunzenhausen (1939 in Landkreis Gunzenhausen umbenannt) und ab 1865 zum Rentamt Gunzenhausen (1919 in Finanzamt Gunzenhausen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Gunzenhausen (1879 in Amtsgericht Gunzenhausen umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 1010. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 4,699 km².
Seit dem 1. Juli 1972 gehört Selgenstadt zum Landkreis Ansbach, ein Jahr später wurde es dem Amtsgericht Ansbach und dem Finanzamt Ansbach zugeordnet. Am 1. Mai 1978 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Eingemeindung nach Wolframs-Eschenbach.
Bodendenkmal In der Gemarkung Selgenstadt gibt es einen Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Selgenstadt Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 Einwohner 154 171 156 157 136 146 148 148 152 146 144 136 138 141 143 145 142 146 137 196 186 156 134 144 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude. 28 29 28 29 28 28 27 27 28 Quelle Für die Gemeinde Selgenstadt zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Adelmannsdorf (S. 3).
Ort Selgenstadt Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2012 2014 2020Einwohner 80 85 75 79 83 75 73 88 65 73 80 51 42 43Häuser 14 14 15 15 14 14 15 16 Quelle www.wolframs-eschenbach.de
Religion Der Ort ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und bis heute nach Unserer Lieben Frau (Merkendorf) gepfarrt. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession sind nach St. Nikolaus (Mitteleschenbach) gepfarrt.
Literatur
Weblinks
Fußnoten
Kategorie:Ort im Landkreis Ansbach Kategorie:Geographie (Wolframs-Eschenbach) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Ansbach) Kategorie:Ersterwähnung 1148 Kategorie:Gemeindegründung 1810 Kategorie:Gemeindeauflösung 1978 Kategorie:Gemarkung im Landkreis Ansbach