mini|hochkant=1.4|Flottenverbände und Kriegshäfen während des Prinzipats (um 200 n. Chr.) mini|hochkant=1.4|Flottenoperationen und Seeschlachten während des zweiten Triumvirats 43–31 v. Chr. Als römische Marine oder römische Flotte () bezeichnet man die Kriegsflotte der römischen Republik und des Kaiserreichs (ca. 300 v. Chr. bis 650 n. Chr.). Sie stellte neben den Legionen und den Auxiliartruppen die dritte Teilstreitkraft des römischen Militärs dar und setzte sich aus diversen See- und Flussflotten sowie Flottillen einzelner Legionseinheiten und eigenen Marineinfanterieeinheiten zusammen.
Als Besatzung der Schiffe wurden generell Freie bevorzugt. Nur in Ausnahmesituationen wurden auch Sklaven auf die Ruderbänke gesetzt, denen aber meistens vor oder nach ihrem Einsatz die Freiheit geschenkt wurde. Im Gegensatz zur populären Vorstellung von angeketteten Sträflingen, wie sie durch Spielfilme wie Ben Hur verbreitet wurde, war die Galeerenstrafe für verurteilte Verbrecher im Altertum gänzlich unbekannt. Sie trat erst ab dem 15. Jahrhundert insbesondere unter den Anrainerstaaten des Mittelmeerraums auf.Außer einem möglichen Fall im Ptolemäischen Ägypten.
Organisation Grundlegendes Im Gegensatz zu heute wurden die Seestreitkräfte nicht als eigenständiger Teil des Militärs angesehen, sondern galten als Teil des Landheeres. Die Flotte hatte zu allen Zeiten des römischen Reiches eine vergleichsweise geringe Bedeutung.
Die Organisationsstruktur der römischen Marine lässt sich, vereinfacht gesagt, in drei Teile aufteilen, die beiden strategischen Hauptflotten, die Provinzflotten und die so genannten Flottillen.
Die Hauptflotten mini|Grabstein des Gaius Annius Draco, eines „Veteranen der prätorianischen Flotte von Misenum, von ägyptischer Herkunft“ („veteran(i) cl(assis) pr(aetoriae) Mis(enensis) nation(e) Aegypt(ius)“) Die beiden Hauptflotten waren dazu gedacht, das Mittelmeer zu überwachen und vor allem die italienische Küste gegen eventuelle Angreifer abzusichern. Sie wurden jeweils von einem ducenaren Präfekten (das heißt einem Präfekten mit einem jährlichen Gehalt von 200.000 Sesterzen) kommandiert und waren in Misenum im Golf von Neapel beziehungsweise bei Ravenna (Militärhafen von Classe) stationiert. Ein weiterer wichtiger Stützpunkt war Aquileia.
Diese beiden Flotten waren aufgrund der unumschränkten römischen Dominanz im Mittelmeer (mare nostrum) in der frühen und mittleren Kaiserzeit hauptsächlich mit der Bekämpfung von Seeräuberei und Schmugglertum beschäftigt. Politische Bedeutung für Rom hatten aber vor allem die in Misenum stationierten Marineinfanteristen. Da bis Septimius Severus in Italien selbst keine Legionen stationiert sein durften, waren die Marinetruppen (manipulares) die einzige nennenswerte bewaffnete Kraft in der Nähe der Hauptstadt Rom, die im Notfall – neben den Stadtkohorten – ein Gegengewicht zur Kaisergarde, den mächtigen und wankelmütigen Prätorianern, bilden konnte. In der Tat stellte die Infanterie dieser Flotte in Krisenzeiten eine strategische Reserve für die römischen Kaiser dar, auf die sie sich verlassen konnten. Wohl auch aus diesem Grund wurde die Flotte von Misenum durch Vespasian mit dem Beinamen praetoria geehrt, der (entsprechend zur Prätorianergarde) ein besonderes Näheverhältnis zum Kaiser bedeutete. Ein weiteres Betätigungsfeld fanden die Seeleute im Kolosseum, wo sie bei großen Anlässen für das Ausrollen der riesigen Sonnensegel über den Zuschauertribünen eingesetzt wurden. Ab 330 wurden die Stützpunkte der beiden Hauptflotten aufgelöst. Ihre Einheiten wurden nach Konstantinopel verlegt und bildeten später den Grundstock der oströmischen bzw. byzantinischen Flotte.
Die Provinzflotten Wichtiger für militärische Operationen waren die in den Provinzen stationierten Flotten: Sie versorgten und transportierten die kämpfenden Einheiten und ermöglichten eine größere Mobilität. Auch in Friedenszeiten stellten sie einen wichtigen Aspekt für die Provinzialen dar, da ein Großteil der öffentlichen Transporte – vor allem die Versorgung mit Getreide – über sie lief. Mit ihrer ständigen Präsenz sicherten die Provinzflotten private Transportunternehmen vor Piraten und begünstigten somit die wirtschaftliche Entwicklung entlang wichtiger Wasserwege wie beispielsweise der Donau. In den Provinzflotten wurden hauptsächlich Liburnen eingesetzt. Die Liburnen und andere kleinere Galeeren überwachten die Flüsse und wurden zur Bekämpfung lokaler Aufstände und zur Eindämmung feindlicher Einfälle eingesetzt. Die Römer unterhielten zahlreiche Marinebasen in ihrem Reich. Entlang des Rheins und der Donau, an den nordeuropäischen Küsten sowie auf den britischen Inseln entstanden Kastellketten mit Schiffsanlegern und Werften, desgleichen am Euphrat in Mesopotamien und den großen Hafenstädten in Nordafrika. Große Marinestützpunkte befanden sich zum Beispiel in Trabzon, Wien, Belgrad, Dover, Seleukia und Alexandria. In den antiken Aufzeichnungen finden sich aber nur wenige Hinweise auf Seegefechte in den Provinzen. Eine dieser Aktionen im Jahr 70 n. Chr. fand während des Bataveraufstands statt, dabei soll auch eine Trireme als Flaggschiff eingesetzt worden sein. Die mit bedeutendste Provinzflotte, die Classis Britannica, wurde bis Ende des 2. Jahrhunderts drastisch verkleinert, unter der Herrschaft Konstantins I. (272–337) erlebte sie noch einmal einen leichten Aufschwung. In dieser Zeit fand auch die letzte große Seeschlacht des Römischen Reiches (vor der Teilung in ein West- und Ostreich) statt, die Schlacht am Hellespont von 324. Einige Zeit danach kam auch die klassische Trireme außer Gebrauch. Kaiser Julian Apostata setzte 363 für seine Feldzüge über 600 Transportschiffe auf dem Rhein und 1100 am Euphrat ein.Boris Rankov: Fleets of the Early Roman Empire, 31 BC–AD 324. In Morrison & Gardiner, 1995, S. 80–85.
Größere Provinzflotten waren:
die classis Britannica in Britannien, deren Stützpunkte sich vorwiegend im Südosten an der Sachsenküste (Rutupiae, Richborough), aber auch an der gallischen Kanalküste (Gesoriacum, Boulogne) und der Westküste von Cumbria (Alauna, Maryport) befanden, während in Gallien in der Spätantike nur mehr kleinere Flottenverbände an Rhone, Saône und Seine lagen, die classis Germanica, die hauptsächlich an den Küsten der Nordsee und vor allem auf dem Rhein (mit Stützpunkten wie ihrem Hauptquartier Flottenkastell Alteburg) sowie auf dessen Nebenflüssen operierte, die classis Pannonica an Donau, Drau und Save, im Osten standen die classis Moesica und die classis Pontica, die die untere Donau und das Schwarze Meer absicherten, die Mannschaften und Schiffe der classis Seleucena unterstanden dem comes Orientis und sicherten den Orontes.
Die Flottillen Zuletzt gab es noch die Flottillen, kleine Schiffsverbände, die hauptsächlich auf größeren Binnengewässern eingesetzt wurden. Ab 15 v. Chr. ist etwa eine eigene Flottille auf dem Bodensee (Brigantium) überliefert. Seit dem 4. Jahrhundert wurde aufgrund des steigenden Bedarfes an Sicherung der innereuropäischen Flüsse und Seen die Zahl der Flottillen erhöht; so wurden beispielsweise auf dem Comer See und auf dem Neuenburgersee Flottillen eingerichtet, und der Hafen von Marseille erhielt einen eigenen Kriegsschiffsverband zur Verteidigung. Am zahlreichsten waren die sogenannten barcarii an der Donau.
Geschichte Republik Vor dem Ersten Punischen Krieg (264 bis 241 v. Chr.) bestand die römische Marine offenbar lediglich aus wenigen Schiffen, die entlang der Meeresküsten und Flüsse Italiens patrouillierten. Zwar konnte man 338 v. Chr. bereits einen bedeutenden Seesieg über Antium erringen, doch als im Konflikt mit Karthago plötzlich der Kampf zu Wasser entscheidend wurde, sahen sich die Römer zunächst fast wehrlos gegen die technologisch viel besser ausgerüsteten und seemännisch erfahreneren Karthager (auch wenn die Quellen die Überlegenheit der Karthager übertrieben haben dürften). Angeblich wurden erst, als das römische Militär einige Kriegsschiffe der Karthager in die Hand bekam, massive Anstrengungen zum Ausbau der Marine nach karthagischem Vorbild unternommen. De facto war wohl eher die Erfahrung der römischen Bundesgenossen im griechisch geprägten Unteritalien ausschlaggebend für den erfolgreichen Ausbau der römischen Marine. Bereits 260 v. Chr. konnte diese in der Seeschlacht von Mylae einen bedeutenden Sieg über die Karthager erringen.
Die Römer entwickelten zudem eine neue Strategie im Seekrieg: Statt die gegnerischen Schiffe mittels Rammstoß zu versenken, übertrugen sie ihre Infanterietaktik auf die See. Mittels einer Enterbrücke, dem corvus, wurden Entermannschaften an Bord der gegnerischen Schiffe gebracht und dort der Kampf durch zahlenmäßige Überlegenheit entschieden. Die antiken Quellen belegen hohe römische Verluste durch Schiffbruch, die sich durch den Aufbau der Enterbrücke erhöhten.
Schließlich sah sich die feindliche Flotte gezwungen, der neuen römischen Taktik zur See nachzugeben. Auch in den beiden späteren Punischen Kriegen spielte die Marine eine wichtige Rolle. Bei anderen Eroberungen, besonders im östlichen Mittelmeerraum, war den Flotten eine herausragende Bedeutung beschieden. Große Teile der römischen Flotte während der Republik wurden von seefahrtgewohnten, vor allem griechischen Bundesgenossen gestellt. Eine wichtige Rolle spielte insbesondere das formal unabhängige Rhodos.
mini|hochkant|Pompeius Nachdem das Mittelmeer größtenteils unter römischer Kontrolle stand (später wurde es von den Römern als mare nostrum, „unser Meer“, bezeichnet), blieb den Marinestrategen nichts anderes übrig, als sich auf die wild wuchernde Piraterie zu konzentrieren. Diese stellte vor allem von Kilikien aus eine zunehmende Bedrohung für die römische Wirtschaft dar. Doch als die Piraten von Gnaeus Pompeius Magnus innerhalb weniger Monate in einer systematischen Jagd vom äußersten Westen vor der Küste Hispaniens bis zu ihren Rückzugsgebieten und Bergfesten in Kilikien ausgeschaltet wurden, blieb im Mittelmeerraum zunächst nur noch wenig zu tun.
Vor allem in den Provinzen spielten sich nun die wesentlichen Marineoperationen ab. Insbesondere bei der Eroberung Galliens durch Gaius Iulius Caesar und bei seinen Übergängen nach Britannien und Germanien kam es zu größeren Schiffsoperationen. In der einzigen größeren Seeschlacht besiegte Decimus Brutus im Jahr 56 v. Chr. vor der Küste von Aremorica nördlich der Loire-Mündung die Flotte der Veneter.Caesar, Gallischer Krieg 3, 7–16. Noch bemerkenswerter waren aber die beiden Überfahrten nach Britannien 55 und 54 v. Chr. und der Brückenschlag über den Rhein.
Bürgerkriege mini|Reliefteil eines Grabmals aus dem Heiligtum der Fortuna Primigenia, das von einem Bürger aus Praeneste errichtet wurde, der wahrscheinlich in Octavians Flotte bei Actium 31 v. Chr. siegreich gekämpft hatte Im Bürgerkrieg des Jahres 48 v. Chr. zeigte jedoch zunächst Pompeius erneut seine organisatorische Überlegenheit und sein strategisches Verständnis für Flottenoperationen, denen der von seinem Nachschub und dem Gros seines Heeres in Makedonien abgeschnittene Caesar zunächst nur sein sprichwörtliches „Glück“ entgegenzusetzen wusste, bevor die Kampferfahrung seiner Veteranen schließlich in der Landschlacht bei Pharsalos den Ausschlag gab.