Lan Yu () ist eine 45 km² große Vulkaninsel vor der südöstlichen Küste Taiwans. Verwaltet wird sie von der Republik China (Taiwan) als Gemeinde Lanyu im Landkreis Taitung.

Geografie und Bevölkerung Die Hauptinsel ist maximal 13,3 Kilometer lang und 7,3 Kilometer breit. Acht Berge auf der Insel sind höher als 400 m, der höchste ist mit 552 m der Hongtou Shan (). Es gibt eine kleine unbewohnte Nebeninsel, die „Kleine Orchideeninsel“ ().

Die Insel Lan Yu, auf der 5244 Menschen leben (September 2025), ist Heimat der Tau (), eines der offiziell anerkannten indigenen Völker Taiwans. Die Tau kamen vor ca. 800 Jahren von den südlich gelegenen philippinischen Batan-Inseln, die von Lan Yu durch die Bashistraße, einen Teil der der Luzonstraße, getrennt sind. Sie nennen die Insel Ponso no Tao bzw. Pongso no Tawo („Insel der Menschen“) oder Irala. Die Insel ist auch als Botel Tobago bekannt. Die Amis nennen sie Buturu, die Puyuma Botol.

Die Insulaner leben vom Anbau von Taro, Yams und Hirse sowie vom Fischfang, insbesondere großer Mengen Fliegender Fische. Traditionelle Feste wie das Einweihen neuer handgeschnitzter Boote (Tatara) und die Feste der Fliegenden Fische (飛魚祭 Fēiyú jì) sind heute touristische Attraktionen.

Die Insel verfügt über einen Flughafen, der von der Fluggesellschaft Daily Air wetterabhängig mehrmals täglich vom Flughafen Taitung aus angeflogen wird. Fährverbindungen gibt es von den Häfen Fukang bei Taitung und Houbihu in der Stadtgemeinde Hengchun.

Klima Auf der Insel herrscht ein subtropisches Monsunklima. In der folgenden Tabelle sind Regentage als Tage mit Niederschlag über 0,1 mm definiert.

Geschichte mini|Lan Yu als „Botel Tobago“ (nach der auf den benachbarten Philippinen geläufigen Bezeichnung) auf einer Karte des deutschen Taiwan-Reisenden Karl Theodor Stöpel (1905) mini|Altes Foto der Küste Lan Yus bei Taiwan, aus einer Publikation der japanischen Kolonialregierung, um 1931 Die Insel wurde zuerst im frühen 17. Jahrhundert auf japanischen Seekarten als Tabako-shima und auf einer französischen Seekarte von 1654 als Tabaco Xima verzeichnet. Die Chinesen, die Kontakt zu den Einwohnern hatten, nannten sie Hongtouyu (), woher sich der Name Kōtō-sho, der während der japanischen Herrschaft über Taiwan (1895–1945) gebräuchlich war, ableitete. Die japanische Kolonialregierung erklärte die Insel zum ethnologischen Forschungsgebiet und sperrte sie für die Öffentlichkeit.

Nach der Inbesitznahme der Insel durch die Republik China 1946 blieb die Sperrung bis 1967 erhalten. Daher gelten die Traditionen der Tau als sehr gut erhalten. Am 19. Januar 1946 wurde die Insel als Gemeinde Hongtouyu () in den Landkreis Taitung aufgenommen und am 24. November desselben Jahres nach den dort vorkommenden Orchideen der Gattung Phalaenopsis in Gemeinde Lan Yu (, „Orchideeninsel“) umbenannt. Nach 1967 wurden Schulen gebaut und Schulpflicht mit Unterricht auf Hochchinesisch eingeführt. Lan Yu wurde zu einem touristischen Ziel.

Gefängnisinsel Von 1958 bis 1972 wurde ein Großteil der Insel beschlagnahmt, um Farmen für pensionierte Soldaten und ein Gefängnis einzurichten. Die Tau beschwerten sich, dass Häftlinge auf Freigang ihr Eigentum stahlen und Frauen vergewaltigten, aber die Behörden nahmen dies selten ernst, da es nicht ausreichend Zeugen dieser Übergriffe gebe.

Lager für radioaktiven Abfall

Die Atomenergiebehörde der Republik China wählte 1974 ein Gebiet an der Südspitze der Insel als „vorübergehendes“ Lager für radioaktiven Abfall aus. Tatsächlich sollte es über einen Zeitraum von 50 Jahren eine Menge von 18.000 Tonnen aufnehmen. Die Regierung hinterging den analphabetischen Kommissar der Tau, indem sie behauptete, sie wolle eine Fabrik für Fischkonserven bauen und brauche seine Unterschrift zur Genehmigung des Projektes. 1978 wurde ein Hafen gebaut, der Bau des Lagers begann 1980. Während dieser Zeit wurde die Verschleierung gegenüber den Insulanern aufrechterhalten, bis Kirchgänger die Wahrheit aus taiwanischen Nachrichten erfuhren. Erste Schiffsladungen mit leicht- und mittelradioaktivem Müll trafen im Mai 1982 von Taiwans drei Kernkraftwerken des staatlichen Energieversorgers Taipower ein. Über 4800 Tonnen sind ohne Genehmigung in 23 Betongruben auf der Insel gelagert.

Landesweite Beachtung erfuhr die Situation 1991, als Kou Jian-ping, ein presbyterianischer Missionar, mit Unterstützung von Anti-Atom-Gruppen Demonstrationen in Taipeh durchführte und Taipower einen Brief mit drei Forderungen übergab. Die Forderungen waren: erstens, Unterbindung der Ausweitung der zweiten Bauphase des Lagers; zweitens, sofortiger Stopp der Verschiffung radioaktiven Abfalls auf die Orchideeninseln; drittens, die Stilllegung des Lagers bis 30. Juli 1991. Taipower erfüllte die erste Forderung und im Jahr 1996 auch die zweite. Das Lager ist jedoch nach wie vor in Betrieb. Von Taiwans Regierung (dem Exekutiv-Yuan) wurde erwartet, dass bis 2016 ein endgültiger Ort für die Lagerung des radioaktiven Mülls gefunden werden und der Bau eines Endlagers abgeschlossen sein solle. Die Regierung verhandelte mit Russland, der Volksrepublik China, Nordkorea und den Salomonen über die Verschiffung und Lagerung des radioaktiven Abfalls.

Über die Hälfte der Inselbevölkerung protestierte 2002 vor dem Atommülllager, da die Regierung ihr Versprechen nicht einhielt, 100.000 Barrel schwach radioaktiven Müll von der Insel zu entfernen. Premierminister You Si-kun entschuldigte sich für die Nichteinhaltung der Versprechen und dafür, dass er angesichts des Mangels an Alternativen nicht sagen könne, wann und wie der radioaktive Müll von der Insel entfernt werde. Der Energieversorger Taipower bot den Insulanern die Zahlung von 200 Millionen NT$ (etwa 4,3 Millionen €) an, um im Gegenzug das Lager für weitere neun Jahre betreiben zu dürfen.

Bei einem Besuch auf der Insel am 17. August 2016 sicherte die neu gewählte Staatspräsidentin Tsai Ing-wen den Bewohnern zu, dass die Umstände, die dazu geführt hatten, dass Lan Yu als Atommülllager ausgewählt wurde, untersucht werden und dass staatliche Stellen mit den Inselbewohnern zusammenarbeiten würden, um eine Lösung des Problems zu finden.

Orte mini|Landschaftsimpression von Lan Yu mini|Küstenlandschaft auf Lan Yu

+ Die Dorfgemeinschaften () der Insel Name des Stammes Alternative Schreibung Name auf Chinesisch Verwaltungssitz () Koordinaten Yayu Jiayo / Yayo Yeyou + Iraralay Jiraralay / Iraraley Langdao + Iranumilk Jiranmilek / Iranmeylek Dongqing + Ivarinu Jivalino / Ivalino Yeyin Teil von Dongqing Imourud Jimowrod / Imowzod Hongtou + Iratai Jiratay / Iratey Yuren Seit 1946 zu Imourud Iwatas Ivatas Yiwadasi Seit 1940 zu Yayu 5,6 km südlich der Hauptinsel liegt die rund 0,9 km² große unbewohnte „kleine Orchideeninsel“ – Xiao Lan Yu – (), die als Übungsziel für Militärflugzeuge genutzt wurde. Sie ist Heimat der vom Aussterben bedrohten endemischen Orchideenart Phalaenopsis equestris f. aurea.

Weblinks

Informationen über die Insel Lanyu vom Tourismusbüro Taipeh Artikel über die Orchideeninsel Lan Yu In: Die Tageszeitung Artikel über die Tau der Orchideeninsel auf Spiegel Online

Einzelnachweise

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