Monte Albán war die Hauptstadt der Zapoteken und liegt zehn Kilometer entfernt von der Stadt Oaxaca de Juárez im gleichnamigen Bundesstaat Oaxaca (Mexiko). Monte Albán liegt 2000 m über dem Meeresspiegel auf einer künstlich abgeflachten Bergkuppe und war das religiöse Zentrum der Zapoteken, später der Mixteken. Seine Blütezeit liegt zwischen 300 und 900 n. Chr. Die Anfänge der Besiedlung von Monte Albán lagen nach bisherigen Erkenntnissen im 8. Jahrhundert v. Chr. Erhalten sind umfangreiche Reste von Wohn- und Kultbauten, ein Observatorium, Grabkammern mit Skulpturen und Wandmalereien. 1987 wurde Monte Albán ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Am 30. März 2015 wurde die Gedenkstätte in das Internationale Register für Kulturgut unter Sonderschutz der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten aufgenommen.

Geschichte Die erste Besiedlung des fruchtbaren Oaxaca-Tals, einer Hochebene, die zahlreiche Höhlen aufweist, wird für die Zeit von 800 bis 300 v. Chr. durch olmekische Siedler angenommen. Schon von dieser ersten Periode (600–300 v. Chr.) sind Schrift und Zahlendarstellung bekannt. Ab 300 v. Chr. wanderten neue Siedler in das Tal und vermischten sich mit der angestammten Bevölkerung. Anhand von Figurengefäßen mit Götterdarstellungen lassen sich zwischen 300 und 500 n. Chr. deutlich kulturelle Beziehungen zu Teotihuacán nachweisen.

Im 5. und 6. Jahrhundert erreichte Monte Albán den Höhepunkt seiner Macht. Bis zu 30.000 Menschen lebten in dieser Zeit an den Hängen des Berges. Ab 700 verlor die Stadt dann radikal an Bedeutung und wurde schließlich um 950 völlig aufgegeben. Danach diente sie nur als Begräbnisstätte. Die in den Grabanlagen gefundenen Beigaben zeigen seit dem 14. Jahrhundert einen deutlichen Einfluss der Mixteken. Aus dieser Zeit stammt auch das berühmte Grab Nr. 7 mit seiner einzigartigen Anhäufung kostbarer Beigaben aus Gold, Silber und Jade.

In seiner letzten Phase vor der spanischen Eroberung wurden die alten Begräbnisstätten in Monte Albán ab ca. 1250 von den Mixteken für Bestattungen ihrer Elite genutzt. Die Nekropole wurde erweitert, während die zapotekische Kultur sich in der Periode Monte Albán IV in Mitla und kleineren Orten des Oaxaca-Tals weiterentwickelte. 1458 besetzten die Azteken das Oaxaca-Tal samt Monte Albán.

Zeittafel Jahr Ereignis um 800–300 v. Chr. erste Besiedlung durch Olmeken 300 v. Chr. – Chr. Geb Neubesiedlung des Monte Albán Chr. Geb.-900 Bau der Stufenpyramiden auf Terrassen durch Zapoteken 900–1250 Anlage der Gräber; Zapoteken geben Monte Albán auf 1250–1521 Mixteken wandern ein 1458 Azteken unter Moctezuma I. (1440–1469) besetzen Monte Albán 1521 spanische Eroberer nehmen Oaxaca ein 1987 Monte Albán wird zum UNESCO-Weltkulturerbe

Entdeckungsgeschichte 220px|mini|Lageplan von Monte Albán mini|Zapotekische Begräbnisurne (Phase Monte Albán III) Die von allen Seiten des Oaxaca-Tals sichtbaren, eindrucksvollen Ruinen von Monte Albán ziehen Besucher und Forscher seit der Kolonialzeit an. Unter ihnen erforschte Guillermo Dupaix den Ort ab dem frühen 19. Jahrhundert. J.M. Arcía veröffentlichte 1859 eine Beschreibung und auch A.F. Bandelier besuchte und veröffentlichte weitere Beschreibungen in den 1890er Jahren. Eine erste intensive archäologische Erforschung wurde 1902 durch Leopoldo Batres, den Generalinspektor der Monumente, im Auftrag der Regierung des mexikanischen Diktators Porfirio Diaz unternommen. Dennoch fanden wissenschaftliche Ausgrabungen in großem Stil erst 1931 unter der Leitung des mexikanischen Archäologen Alfonso Caso statt. Während der folgenden achtzehn Jahre gruben Caso und seine Kollegen Ignacio Bernal und Jorge Acosta innerhalb des Monumentalzentrums. Vieles, was heute der Öffentlichkeit zugänglich ist, wurde zu jener Zeit rekonstruiert.

Neben zahlreichen Ausgrabungen von Wohn- und Zeremonialgebäuden und -strukturen und hunderten Gräbern und Grabhügeln bleibt die Erstellung einer keramischen Chronologie der Phasen Monte Albán I bis V – und damit der Periode zwischen 500 v. Chr. und dem Ende der Postklassik 1521 n. Chr. – eine bleibende Errungenschaft.

Die von Kent Flannery von der University of Michigan in den späten 1960er Jahren begonnene vorgeschichtliche und humanökologische Grabungskampagne richtete ihr Hauptaugenmerk auf die Erforschung der Perioden, die der Gründung Monte Albáns folgten. Während der folgenden zwei Jahrzehnte dokumentierte die Kampagne die Entwicklung der sozio-politischen Komplexität im Tal von Oaxaca, beginnend mit der ersten archaischen Periode (ca. 8000–2000 v. Chr.) bis zur Rosario-Phase (700 bis 500 v. Chr.), der Monte Albán folgte und die Bühne für die spätere Gründung und Entwicklung bildete. In diesem Kontext liegen die besonderen Fähigkeiten von Flannerys Arbeit in Oaxaca in seinen extensiven Ausgrabungen des bedeutenden formativen Zentrums von San José Mogote im Etla-Zweig des Tals, einer Grabungskampagne, die er gemeinsam mit Joyce Marcus von der University of Michigan (Flannery und Marcus 1983, 1996) leitete.

Ein weiterer wichtiger Schritt zum Verständnis der Geschichte der Besiedlung des Monte Albán wurde mit den prähistorischen Siedlungsmustern in der Oaxaca-Tal Grabungskampagne erreicht, die von Richard Blanton und einigen Kollegen in den frühen 1970er Jahren begonnen wurde. Dank ihrer intensiven Forschung und Kartierung des gesamten Gebiets wurde die tatsächliche Ausdehnung und Größe von Monte Albán jenseits der von Caso erforschten begrenzten Fläche (Blanton 1978) bekannt. In den Folgejahren wurde die Forschungskampagne unter der Leitung von Blanton, Gary Feinman, Steve Kowalewski, Linda Nicholas und anderen auf nahezu das gesamte Tal ausgedehnt, was eine unschätzbare Fülle von Daten der wechselnden Siedlungsmuster der Region von den frühen Tagen bis zur Ankunft der Spanier 1521 (Blanton u. a. 1982, Kowalewski u. a. 1989) zu Tage förderte.

Bauten In Monte Albán wurden mehrere Pyramiden, Tempel und Gräber sowie bedeutende Reliefs und Skulpturen freigelegt. Auf dem großen Platz inmitten der Anlage wird regelmäßig ein Mesoamerikanisches Ballspiel vorgeführt.

mini|Ballspielplatz Das monumentale Zentrum Monte Albáns ist der Hauptplatz, der etwa 300 × 200 m misst. Die wichtigsten Zeremonial- und Wohnstrukturen befinden sich um ihn oder in seiner unmittelbaren Nachbarschaft und die meisten wurden erforscht und durch Alfonso Caso und seine Kollegen restauriert. Im Norden und Süden wird der Hauptplatz durch große Plattformen begrenzt, die vom Platz über monumentale Treppen begehbar sind. An seinen östlichen und westlichen Seiten wird der Platz durch eine Anzahl kleinerer Hügelplattformen, auf denen sich Tempel und Wohnhäuser der Elite befinden, sowie einem von zwei bekannten Ballspielplätzen begrenzt. Ballspielplatz, die meisten Reliefs und bemalte Grabkammern stammen aus der Periode Monte Albán III (200 – 900 n. Chr.). In dieser Periode wurden Themen aus Teotihuacán in Fresken mit Hieroglyphen und Symbolen der Zapoteken kombiniert.Glyn E. Daniel: Enzyklopädie der Archäologie. Bergisch Gladbach 1996, ISBN 3-930656-37-X, S. 336. Das Zentrum des Platzes wird von einem Nord-Süd-Rückgrat von Hügeln eingenommen und diente ebenfalls als Plattformen für Kultstrukturen.

mini|Relief „Danzante“ in Monte Albán bei Oaxaca Ein Charakteristikum Monte Albáns ist die große Zahl von Monumenten aus bearbeiteten Steinen, denen man auf dem Platz begegnet. Die frühesten Beispiele sind die sogenannten Danzantes (spanisch = Tanzende), die hauptsächlich in der Nachbarschaft von Gebäude L gefunden wurden und nackte Männer in gekrümmten und verdrehten Posen zeigen, einige darunter genital verstümmelt. Die Auffassung des 19. Jahrhunderts, dass sie Tänzer darstellen, ist heute weitgehend diskreditiert. Diese Reliefplatten, die zu den frühesten der Periode Monte Albán I (ca. 600 – 100 v. Chr.) zählen, zeigen eindeutig gefolterte, geopferte Kriegsgefangene, einige darunter namentlich identifiziert und einige dargestellte Häuptlinge der rivalisierenden Siedlungszentren und Dörfer, die von Monte Albán besetzt wurden. Über 300 Danzantes-Stelen, die an olmekische Darstellungen erinnern und die ältesten Hieroglyphen Mesoamerikas aufweisen, wurden bis heute erfasst und einige der besser erhaltenen können im Museum vor Ort betrachtet werden.

mini|Gebäude J auf dem Monte Albán Ein anderer Typ von Stein wurde nahe Gebäude J im Zentrum des Hauptplatzes gefunden, einem Gebäude, das sich durch einen ungewöhnlichen, pfeilgleichen Umriss auszeichnet und sich durch eine völlig unterschiedliche Ausrichtung gegenüber den meisten anderen Strukturen des Ortes unterscheidet. Eingelassen in die Wände des Gebäudes sind über 40 große gemeißelte Platten, die in die Phase Monte Albán II datiert werden und Ortsnamen darstellen, gelegentlich begleitet durch zusätzliche Schriftzeichen und in vielen Fällen durch kopfüber hängende Köpfe charakterisiert. Alfonso Caso war der Erste, der diese Felsen als Eroberungszeichen identifizierte, die wahrscheinlich Orte aufzählen, die die Elite Monte Albáns als erobert und/oder kontrolliert reklamierte. Einige der Orte, die auf den Platten in Gebäude J aufgelistet sind, wurden vorläufig identifiziert und in einem Fall (die Cañada de Cuicatlán-Region im nördlichen Oaxaca-Tal) wurde die zapotekische Eroberung durch archäologische Forschung und Ausgrabungen bestätigt (Redmond 1983; Spencer 1982).

Archäologische Stätte

mini|Hauptplatz von Monte Albán mit „Observatorium“ im Vordergrund

Das Zeremonialzentrum Monte Albán befindet sich auf einem ca. 250 mal 750 Meter großen, rechteckigen, künstlich angelegten Plateau, das sich ca. 400 m über dem Talboden auf 1940 m über NN erhebt. Neben dem monumentalen religiösen Zentrum wird der Ort durch mehrere hundert künstliche Terrassen und dutzende Anhäufungen von Grabhügeln entlang des gesamten Höhenzuges und seiner ihn umgebenden Flanken charakterisiert. Die archäologischen Ruinen auf den nahegelegenen Atzompa- und El Gallo-Hügeln im Norden werden ebenfalls als Teile der antiken Stadt gewertet.

Die Bedeutung Monte Albáns, einer der ältesten Städte Mesoamerikas, beruht auf seiner Rolle als sozio-politisches und wirtschaftliches Zentrum der überragenden Zapoteken für nahezu ein Jahrtausend. Am Ende der mittleren formativen Periode gegründet (ca. 500 – 100 v. Chr.) erfuhr Monte Albán während der späten formativen Periode (ca. 100 v. Chr. – 200 n. Chr.) als Hauptstadt eines weitreichenden, expansionistischen Staates seine Blütezeit, als es das Hochland von Oaxaca beherrschte und mit anderen Regionalstaaten Mesoamerikas, wie Teotihuacán im Norden (Paddock 1983, Marcus 1983), Beziehungen unterhielt. Die Stadt verlor ihre politische Bedeutung am Ende der Spätklassik (ca. 500 – 700 n. Chr.) und wurde kurz danach weitgehend aufgegeben. Wiederbesiedlung und -nutzung in kleinem Umfang früherer Strukturen und Gräber sowie rituelle Wallfahrten kennzeichnen die archäologische Geschichte des Ortes während der Kolonialzeit.

mini|Monte Albán, das „Observatorium“ im Vordergrund Die Herkunft des heutigen Ortsnamens ist unklar. Die Vorschläge reichen von einer vermuteten Verballhornung des ursprünglichen zapotekischen Namens Dani Baá, Danibaan oder Danipaguache (zapotekisch = Heiliger Berg) über einen Bezug zu einem spanischen Soldaten namens Montalbán in der Kolonialzeit bis hin zu den italienischen Albaner Bergen. Der antike zapotekische Ortsname ist unbekannt, weil die Zapoteken die Stadt Jahrhunderte vor der ersten verfügbaren ethnogeschichtlichen Aufzeichnung aufgaben. Bei den Mixteken erhielt der Ort die Bezeichnung Yúcu-cúi (mixtekisch = Grüner Berg). Die Azteken bezeichneten Monte Albán als Ocelotepec oder Jaguarberg.

mini|Steinmetzarbeiten, L