alternativtext=Oberhalb einer Streuobstwiese und einer roten Sandsteinmauer erhebt sich das weiße Stift mit der Kapelle.|mini|Stift Neuburg (2025) Die Benediktinerabtei Stift Neuburg (Abtei vom heiligen Bartholomäus) bei Heidelberg, auch als Abtei Neuburg, Stift Neuburg und Kloster Neuburg bekannt, ist ein Benediktinerkloster und gehört der Beuroner Kongregation an. Die Anlage entstand im 12. Jahrhundert als Benediktinerkloster, wurde aber bereits am Ende des Jahrhunderts in ein Benediktinerinnenkloster umgewandelt. Im 14. und 15. Jahrhundert zwischenzeitlich auch dem Zisterzienserorden angehörig, wurde das Frauenkloster 1562 aufgelöst. Nach verschiedenen geistlichen und weltlichen Nutzungen der Anlage durch die pfälzischen Kurfürsten bestand dort von 1709 bis 1772 ein Jesuiten- und anschließend ein Lazaristenkloster. Nach der Säkularisation gelangte das Areal 1804 in Privatbesitz. In den folgenden Jahrzehnten war die ehemalige Abtei immer wieder Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens im 19. Jahrhundert; zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlangte Neuburg dann Bedeutung als Versammlungsort der Neuromantiker des George-Kreises. 1926 wurde das Areal wieder an den Benediktinerorden verkauft, der dort die noch heute bestehende Abtei einrichtete.

Lage mini|Lage der Abtei Neuburg am Neckarufer Die Abtei Neuburg liegt im Westen des Heidelberger Stadtteils Ziegelhausen in Richtung des Stadtteils Neuenheim und oberhalb des nördlichen Neckarufers am Südhang des Berges Köpfel. In direkter Nähe zur Abtei mündet der Mausbach in den Neckar.

Geschichte mini|Stift Neuburg von Matthäus Merian 1645, von Schlierbach aus gesehen, mit der Stiftsmühle am Mausbach-Einschnitt mini|Rechts ein mittelalterlicher Befestigungsturm der Anlage, links das barocke Eingangstor des Stiftes, dessen Schlussstein als Erbauungsjahr 1727 angibt Kloster bis 1773 Die Abtei Neuburg geht auf eine Burganlage zurück, die im 11. oder 12. Jahrhundert über der Mündung des Mausbachs errichtet wurde. Um 1130 stiftete der Edelfreie Anselm im Bereich dieser Burg ein Kloster („cella“), das in den Anfangsjahren noch über keine feste Ordensregel verfügte. Erst als es 1165 in den Besitz des Klosters Lorsch gelangte, wurde die Abtei Teil des Benediktinerordens. 1195 wurde sie auf Initiative Konrad von Staufens, des ersten Pfalzgrafen bei Rhein, in ein Kloster der Benediktinerinnen umgewandelt. Mit der Auflösung des Lorscher Mutterklosters 1232 gingen dessen Rechte zunächst auf das Bistum Mainz und später auf das Bistum Worms über. Da man dort den Reformbestrebungen aus Cîteaux anhing, erfolgte unter Mitarbeit des nahegelegenen Klosters von Schönau die Umwandlung in eine Zisterzienserinnenabtei, welche erstmals für das Jahr 1303 urkundlich belegt ist.

Um 1460 kehrte das Kloster unter dem Einfluss des Kurfürsten Friedrich I. zur benediktinischen Observanz zurück. Im 16. Jahrhundert schlossen sich die Nonnen der Reformation an und verließen das Kloster. Nach dem Tod der Äbtissin Brigitta von Pfalz-Simmern wurde es 1562 offiziell aufgelöst. In der Folgezeit nutzten die Pfalzgrafen die Anlage in verschiedener Form. 1598 verschenkte Friedrich IV. es an seine Frau Luise Juliana von Oranien-Nassau als Lusthaus. 1672 wurde durch Karl I. Ludwig ein adliges Fräuleinstift im ehemaligen Kloster Neuburg begründet, das der Kurfürst für seine Töchter aus seiner Ehe mit Marie Luise von Degenfeld einrichtete, das aber nur kurze Zeit Bestand hatte. Nach dem Pfälzischen Erbfolgekrieg wurden die Bauten als Armenhaus sowie als Manufaktur genutzt.

1706 übertrug Kurfürst Johann Wilhelm das Klostergelände den Jesuiten, in deren Händen es bis zum Verbot des Ordens durch den Papst im Jahre 1773 verblieb. Anschließend befand sich dort eine Niederlassung der Lazaristen, die in der Kurpfalz als Rechtsnachfolger der Jesuiten bestimmt worden waren. Schließlich ging das Gelände im Anschluss an die Säkularisation 1804 in Privatbesitz über und die Klosterkirche wurde profaniert.

Privatbesitz Einer der ersten privaten Besitzer der ehemaligen Abtei war der Regierungskommissar Philipp Ludwig Hout, der darin eine Leinenfabrik einrichtete und als dessen Besucher 1810 für einige Zeit der Komponist Carl Maria von Weber dort lebte und arbeitete. Im Jahr 1825 erwarb der Kaiserliche Rat Johann Friedrich Heinrich Schlosser (1780–1851) mit seiner Ehefrau Sophie Charlotte du Fay, beide aus angesehenen Frankfurter Familien, das Anwesen als Sommersitz. Der Onkel des Käufers war Johann Georg Schlosser (1739–1799), der Ehemann von Johann Wolfgang von Goethes Schwester Cornelia (1750–1777). Der Käufer selbst war Schriftsteller und Privatgelehrter sowie ein Freund Goethes. Daher entstand in der ehemaligen Klosteranlage ein regelrechter Goethe-Kult. Hier sammelte man Briefe, Manuskripte, Erstausgaben und alles, was sonst noch mit Goethes Leben zusammenhing, und präsentierte die Exponate in einer Art Goethe-Museum im Gotischen Saal des ehemaligen Stiftes. Auch zahlreiche Künstler und Gelehrte sowie Verwandte Goethes (Ottilie, Walther und Wolfgang) waren bei dem Ehepaar Schlosser zu Gast. So war beispielsweise Marianne von Willemer, Muse Goethes, über Jahrzehnte hinweg jeden Sommer auf Neuburg. Durch diese und andere Besucher wurde das ehemalige Kloster zu einem Heidelberger Zentrum der Deutschen Romantik. Goethe selbst suchte allerdings das Anwesen nie auf. Johann und Sophie Schlosser waren konservativ eingestellt und 1814 zum Katholizismus übergetreten, sodass auch die meisten ihrer Besucher ähnlich ausgerichtet waren und die Anlage zu einem „Bollwerk der Reaktion“ (Michael Buselmeier) wurde.Michael Buselmeier: Literarische Führungen durch Heidelberg. Eine Kulturgeschichte im Gehen. 4. Auflage, Wunderhorn, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-88423-545-4, S. 301. 1834 bis 1836/1837 war Leopold Schmid Hausgeistlicher der Schlossers.

Johann Friedrich Heinrich Schlosser starb 1851 und hinterließ das Stift seiner Ehefrau Sophie Charlotte. Nach deren Tod 1865 erbte es ihre Nichte Marie du Fay sowie deren Ehemann Franz von Bernus.Elmar Mittler: Nachwort. In: Alexander von Bernus (Hrsg.): Urgroßmutters Kochbuch. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1991, hier S. 208. Anschließend war ihr Sohn Friedrich Alexander von Bernus (1838–1908) und dann von 1908 an dessen Adoptivsohn Alexander von Bernus (1880–1965) Besitzer der Anlage. Alle drei Generationen der Familie von Bernus führten die Traditionen des Ortes fort und bewahrten und mehrten den Bestand der Sammlungen. Bis 1926 blieb die Anlage im Besitz der Familie von Bernus. Namhafte Persönlichkeiten waren in den bürgerlichen Salons der jeweiligen Besitzer zu Gast, darunter Carl Maria von Weber, Joseph Görres, der Freiherr vom Stein, Johannes Brahms, Joseph von Eichendorff, Clemens Brentano, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke und Karl Jaspers.

In den Jahren ab 1908 waren insbesondere die Neuromantiker um Stefan George (George-Kreis) häufig auf dem Stift versammelt. Bei ihren Treffen entstand „eine Atmosphäre geistiger Geselligkeit, deren oft beschriebener Zauber heute kaum vorstellbar ist.“Michael Buselmeier: Literarische Führungen durch Heidelberg. Eine Kulturgeschichte im Gehen. 4. Auflage, Wunderhorn, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-88423-545-4, S. 302. In dieser seiner ersten Zeit als Besitzer gestaltete Alexander von Bernus eine große Vielfalt gesellschaftlicher Veranstaltungen und Zusammenkünfte, darunter Diskussionsrunden, Literaturlesungen, Schattenspiele, Sommerfreizeiten, Kostümpartys und andere Feste, und machte Neuburg – in den Worten Horst Mellers – zu einem „pfälzische[n] Monte Verità“. Ein erster Einschnitt in der Rolle von Neuburg und seinem Hausherren als gesellschaftlicher Mittelpunkt folgte jedoch schon nach wenigen Jahren mit dem Tod von Alwar, dem Sohn von Alexander von Bernus, der sich am 19. August 1912 beim Spielen im Stiftsgebäude versehentlich erhängt hatte. Der erschütterte Vater distanzierte sich daraufhin anscheinend innerlich von dem Ort und hielt sich nun mehr und mehr anderswo auf.Horst Meller: Abschied vom „totgesagten Park“: Alexander von Bernus, ‚Stift Neuburg‘. In: Helmuth Kiesel (Hrsg.): Heidelberg im Gedicht. Zwölf Gedichte und Interpretationen. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1996, ISBN 3-458-33639-7, S. 95–105, hier S. 102–104, Zitat auf S. 103. Damit einher ging auch eine Distanzierung vom George-Kreis in diesen Jahren; gleichzeitig wandte sich von Bernus zunehmend Rudolf Steiner und dessen spiritueller Weltanschauung der Anthroposophie zu. Auch Steiner besuchte Neuburg in der Folgezeit und es gab Ideen, das geplante Versammlungsgebäude der Anthroposophen (Goetheanum) dort zu errichten. Von Bernus wiederum widmete sich unter anderem auch der Alchemie und betrieb in einem privaten Laboratorium im Untergeschoss der profanierten Kirche Experimente nach Rezepten des Paracelsus. Klaus Mann, der 1924 in der früheren Abtei zu Gast war, gibt die Atmosphäre dort in seiner Autobiographie folgendermaßen wieder: „Eine kleine Plauderei über Seelenwanderung gehörte durchaus zum Alltäglichen auf Stift Neuburg. Man unterhielt sich über Erzengel, Poltergeister und die verschiedenen Stufen der Erleuchtung mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der man in anderen Kreisen den Stand der Börse oder das Wetter diskutierte.“Michael Buselmeier: Literarische Führungen durch Heidelberg. Eine Kulturgeschichte im Gehen. 4. Auflage, Wunderhorn, Heidelberg 2016, ISBN 978-3-88423-545-4, S. 303.

Künstlerische Darstellungen der Abtei Neuburg aus der Zeit in Privatbesitz

Klosterneugründung 1926 mini|Rosengarten mit Neckarblick Alexander von Bernus geriet im Zuge der Inflation der frühen 1920er Jahre in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die ihn zwangen, das Anwesen 1926 zu verkaufen. Es gelangte an die Benediktiner der Erzabtei Beuron unter der Leitung von Erzabt Raphael Walzer, die das Stift wieder klösterlichen Zwecken zuführten. Erster Abt von 1929 bis 1934 war Adalbert von Neipperg, der 1948 in Werschetz (Jugoslawien, heute Serbien) zu Tode gefoltert wurde, nachdem er sich dort im Lager um verwundete Kriegsgefangene gekümmert hatte. 1935 wurde die Ökonomie mit der großen Scheune und den Stallungen gebaut. Um diese Zeit leben etwa 50 Mönche im Stift. Der Bischof von Speyer, Ludwig Sebastian, feierte am 15. August 1937 hier sein goldenes Priesterjubiläum, als die NSDAP ca. 40.000 SA-Männer mobilisiert hatte, um in Speyer einen krawallartigen Protest-Aufmarsch zu inszenieren. Bischof Sebastian war jedoch in aller Stille heimlich abgereist und feierte seinen Ehrentag beschaulich im Stift Neuburg. Die SA-Männer waren umsonst erschienen. Ab 22. Juni 1941 diente das Stift dem Sicherheitsdienst der NSDAP für die „gehobene“ Internierung eines Teils der Mitarbeiter der Sowjetischen Botschaft in Berlin. Um nach der Besetzung der Botschaft ungestört dort alle Räumlichkeiten durchsuchen und die benötigten Dokumente sowie Sachgegenstände in den Besitz des Dritten Reiches überführen zu können, war eine zwangsweise Internierung weit weg von der Hauptstadt erfolgt.Findhilfsmittel des Politischen Archivs des Auswärtigen Amtes Berlin Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage umfassend renoviert. 1964 bis 1966 lebte Raphael Walzer wieder in Neuburg, wo er auch starb.

Am 14. Juli 2011 wurde die Neugestaltung der Klosterkirche nach den Plänen des Architekten Christian Taufenbach mit der Hugo-Häring-Auszeichnung 2011 des Landesverbandes Baden-Württemberg im Bund Deutscher Architekten prämiert.. Website der Gemeinschaft Katholischer Männer und Frauen. Abgerufen am 16. Juli 2011. Der Architekt konzipierte die Kirche als „zurückhaltende(n) Träger“ für das Geschehen, als ein Haus, das erst „mit dem Geschehen vollständig“ sei.Konzeption und Bilder zur Neugestaltung. Website der competitionline Verlagsgesellschaft mbH. Abgerufen am 16. Juli 2011.

mini|Die Brüder von Stift Neuburg im Jahr 2015