mini|Logo 2008 Die Basler Zeitung (kurz BaZ) ist eine Schweizer Tageszeitung mit Sitz in Basel. Sie ging im Januar 1977 aus der Fusion der linksliberalen National-Zeitung mit den bürgerlich-konservativen Basler Nachrichten hervor und wird von den Basler Zeitung Medien herausgegeben. Bevor die Stellung von Christoph Blocher als Miteigentümer Ende 2010 bekannt wurde, hatte die BaZ eine Auflage von gut 83'000 Exemplaren. Seither hat sie sich auf ca. 32'000 mehr als halbiert. 2018 wurde die Zeitung von der TX Group aus Zürich übernommen und zählt gemeinhin als Leitmedium der Stadt Basel.

Allgemeines Die werktägliche Ausgabe der Basler Zeitung erscheint in zwei Bünden, die im traditionellen Schweizer Zeitungsformat von 320 × 475 mm geschnitten sind: Der erste Bund ist den politischen Ereignissen im In- und Ausland gewidmet. Dazu kommen Themen aus der Wirtschaft, der Kultur und die Meinungsseite mit den Leserbriefen. Der zweite Teil deckt die regionalen Nachrichten aus den Stadtgemeinden Basel, Riehen und Bettingen ab, danach folgen Berichte aus dem Kanton Basel-Landschaft, dem Fricktal sowie dem Schwarzbubenland. Zusätzlich sind hier die sportlichen Ereignisse eingebettet.«Basler Zeitung» jetzt nur noch in zwei Bünden. In: OnlineReports. Abgerufen am 12. September 2016. Die Abonnenten (nicht die Kioskkäufer) erhalten jeweils samstags auch das Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers als Beilage. Bis Anfang des 21. Jahrhunderts erschien jeweils am Freitag eine «Grossauflage», die im Kanton Basel-Landschaft, wo die Basler Zeitung in Konkurrenz zur Basellandschaftlichen Zeitung stand, gratis verteilt wurde.

Am 8. Januar 2012 erschien die erste Ausgabe der Basler Zeitung am Sonntag (kurz BaZ am Sonntag). Sie war im selben Format und Layout gehalten wie die Werktagsausgabe, umfasste allerdings nicht vier Bünde, sondern zwei umfangreiche. Dafür wurden mehrere Redaktionsstellen geschaffen. Am 24. Februar 2013 erschien die letzte Ausgabe der Sonntagsausgabe, seither erhalten die Abonnenten die SonntagsZeitung der Tamedia.Basler Zeitung gibt Sonntagsausgabe auf. In: NZZ. 15. Dezember 2012. 2014 lancierte die Basler Zeitung als Alternative zur Tageszeitung die zweimal wöchentlich erscheinende BaZ Kompakt. In: Website der Basler Zeitung Medien. Abgerufen am 12. September 2016. Jeweils dienstags und donnerstags informiert die BaZ Kompakt im Tabloidformat über wichtige Hintergrundthemen. Nach nur 14 Monaten wurde der Kiosk-Verkauf der BaZ Kompakt allerdings wieder eingestellt; die Zeitung ist seither noch im Abonnement oder am BaZ-Schalter erhältlich.Martin Sutter: «Basler Zeitung» stellt «BaZ Kompakt» am Kiosk ein. In: OnlineReports. 19. Mai 2015.

Vorgängerzeitungen National-Zeitung mini|Titelseite der National-Zeitung aus dem Jahr 1946

Hauptausgabe Die erste Ausgabe der Schweizerischen National-Zeitung erschien 1842 in Basel aus Opposition gegen das Patriziat. Ab 1877 nannte sich die Zeitung nur noch National-Zeitung (NZ). 1945 übernahm sie die Mehrheit an der Gratiszeitung Baslerstab.

Im Deutschen Reich war die Schweizer National-Zeitung von 1934 bis 1945 verboten, genauso wie auch die Neue Zürcher Zeitung und Der Bund in Bern. Das Verbot wurde als Reaktion auf die Berichterstattung über den so genannten Röhm-Putsch erlassen.

Lange Zeit war die NZ wie die Basler Nachrichten eine bürgerliche Zeitung, bis sie Anfang der 1960er Jahre mit den Radikalen (der heutigen FDP.Die Liberalen) brach und sich ein gesellschaftskritisch-linksliberaler Trend in der Zeitung bemerkbar machte. Das zeigte sich besonders deutlich bei der Berichterstattung über den Zürcher Globuskrawall: Im Gegensatz zu fast allen anderen Schweizer Tageszeitungen bemühte sich die NZ um eine ausgewogene Darstellung der Jugendunruhen, kritisierte die von den Zürcher Behörden befohlenen Knüppelaktionen der Polizei aufs Schärfste und warb um Verständnis für die rebellierende Jugend. Die Ereignisse von 1968 prägten nicht nur die Sicht der Artikel der NZ, sondern auch das politische Bewusstsein einiger Redaktoren. Die zu dieser Zeit diskutierte Demokratisierung erreichte eine Neustrukturierung der Redaktion: Als erste Zeitung der Schweiz erhielt die National-Zeitung am 1. Mai 1970 ein Redaktionsstatut, das der Redaktion ein Mitspracherecht zusicherte, zum Beispiel bei der Anstellung, Umbesetzung und Entlassung eines Redaktors und bei verlegerischen Entscheiden publizistischer und technischer Natur. «Wir haben keinen Chefredaktor, und wir brauchen auch keinen», lautete die Devise. Die demokratische Struktur wurde aber zunehmend autoritärer.

Der Geschäftsgang der Zeitung verlief unerfreulich: Im Jahr 1974 erlitt sie einen grossen Rückgang des Inserateverkaufs. Gegenüber der Zeit vor der damals akuten Ölkrise verkaufte sie dreissig Prozent weniger Anzeigen. Der damalige Verleger Hans-Rudolf Hagemann stellte fest: «Das Inserat ist der rentabelste Artikel, den wir verkaufen», und verkündete im Juni 1975 entsprechende Sparmassnahmen. Unter anderen wurden folgende Massnahmen durchgeführt:

Der Verkaufspreis einer Zeitungsausgabe wurde von 70 auf 80 Rappen erhöht. Bei Trägerdienst, Fuhrpark, Spedition und der Herstellung der Börsenseite arbeitete die National-Zeitung fortan mit den Basler Nachrichten zusammen. Der Zeitungsumfang wurde um eine weitere Seite gekürzt. Das Honorarbudget wurde um zehn Prozent gekürzt. Drei Redaktoren wurden entlassen, und drei Bildredaktorinnen wurden zu Sekretärinnen degradiert. Weitere Entlassungen folgten.

Die National-Zeitung konnte aber trotzdem alleine nicht bestehen; in der ersten grossen Pressefusion der Schweiz schloss sie sich 1977 mit den Basler Nachrichten zur BaZ zusammen.

Beilage «Dr glai Nazi» «Dr glai Nazi» mit dem Untertitel «D’Kinderbylag vo dr Nazi-Zyttig» war eine Beilage der National-Zeitung für Kinder jeweils am Mittwoch. Sie erschien zum ersten Mal 1926 unter dem Titel «Der kleine Nazi – Kinderbeilage der National-Zeitung, Basel». 1926–1950. Bibliotheksverbund Swissbib. Ab der Nummer 44 des Jahres 1950 (1. November 1950) bis zur letzten Nummer 1977 hiess die Beilage Dr Glai Nazi.Dr Glai Nazi, d'Kinderbylag vo dr Nazi-Zyttig. 1950–1977. Bibliotheksverbund Swissbib.

Die Bezeichnung stammt daher, dass die National-Zeitung in Basel im mündlichen Sprachgebrauch «Nazi-Zyttig» (mit kurzem A gesprochen) genannt wurde. Die Bezeichnung hat nichts mit Nazi im Sinn von Nationalsozialist zu tun.

Basler Nachrichten Die Basler Nachrichten (BN) wurden 1844 als Nachfolgerin des 1729 gegründeten Avis-Blattes unter dem Titel Allgemeines Intelligenzblatt der Stadt Basel gegründet und waren eine liberal-konservative Tageszeitung. Im Jahre 1856 änderten sie ihren Namen in Basler Nachrichten aus der Schweiz und für die Schweiz und ein Jahr später in Basler Nachrichten. Von 1873 bis 1902 befand sich das Blatt in radikaler Hand; die konservativen Kräfte Basels gründeten an seiner Stelle die Allgemeine Schweizer Zeitung, bis sie die Basler Nachrichten wieder übernehmen konnten. Es stand den Banken nahe: Während langer Zeit präsidierte der Privatbankier Alfred E.Sarasin den Verwaltungsrat. Zugleich war er auch Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Ab dem Jahr 1932 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 entwickelte sich das Blatt unter der Ägide des Chefredaktors Albert Oeri, der zeitgleich als Basler Nationalrat im Schweizer Parlament zu den wichtigsten Vertretern der sogenannten Geistigen Landesverteidigung gehörte, zu einem der prominentesten Sprachrohre in der Schweiz gegen den Nationalsozialismus in Deutschland.Luzia Knobel:

Zwischen 1912 und 1924 sowie zwischen 1944 und 1972 erschienen die Basler Nachrichten zweimal täglich, in einer Morgen- und einer Abendausgabe. In der Regel war Ersteres ein Nachrichten-, Letzteres ein Kommentar- und Meinungsblatt, wobei die Ausrichtung der Zeitung meistens derjenigen der Liberalen Partei ähnelte. Das Blatt etablierte sich als eine der führenden Tageszeitungen der deutschsprachigen Schweiz. Im Jahr 1976 wiesen die Basler Nachrichten eine Auflage von 34'000 Exemplaren auf.

Die Basler Nachrichten kämpften wie die National-Zeitung mit finanziellen Problemen. Die BN galten als das Blatt des Basler Daigs und wurden von der Wirtschaft jährlich mit siebenstelligen Beträgen gestützt. Die BN schrieben für eine Minderheit, die als elitär empfunden wurde und durch das starke Wachstum der Stadt Basel an Bedeutung verlor: Die meisten der neuen Einwohner identifizierten sich nicht mit der spezifisch baslerischen Denkweise der BN.

Die erste grosse Zeitungsfusion der Schweiz Am 16. November 1976 erfuhr die Öffentlichkeit von der ersten grossen Zeitungsfusion der Schweiz: Die National-Zeitung und die Basler Nachrichten wurden per 31. Januar 1977 zur Basler Zeitung zusammengeschlossen. Der Zusammenschluss wird im Allgemeinen als «Fusion» bezeichnet, in wirtschaftlicher Betrachtung handelt es sich aber um einen Verkauf: Die National-Zeitung AG übernahm die Aktiven und Passiven der Basler Berichtshaus AG (des Verlagshauses der Basler Nachrichten), die darauf liquidiert wurde. Die bisher konkurrenzierenden Verleger begründeten den Zusammenschluss folgendermassen:

Von den «eingehenden Verhandlungen» drang nichts an die Öffentlichkeit: Obwohl verschiedene Ereignisse in der Vergangenheit (zum Beispiel die gemeinsame Börsenseite ab 1975) rückwirkend als Hinweise auf eine Fusion gewertet wurden, haben die Verleger solche Pläne bis zum Schluss dementiert. Sogar einige Mitarbeiter der NZ erfuhren erst aus der Zeitung von der anstehenden Fusion. Die Mitarbeiter der BN wurden in einer kurzfristig einberufenen Sitzung informiert. Die Fusion wurde als eine Verarmung der Meinungskultur angeprangert. Anhänger der BN sahen darin einen Verrat am Liberalismus, während Sympathisanten der NZ die Basler Wirtschaftskreise beschuldigten, sich so auf einfache Art eine kritische, unbequeme Zeitung vom Hals geschafft zu haben. Die beiden Zeitungen hatten sich auch über ihre Gegensätze definiert. Von nun an musste die neue Redaktion, die sich aus Mitgliedern beider Medienhäuser zusammensetzte, in einer sogenannten ForumszeitungGabler Lexikon Medienwirtschaft: Lemma Forumszeitung. Gabler Verlag, Wiesbaden 2011, S. 223 f. gemeinsam für eine breitere Leserschaft schreiben.

Für die Redaktoren der NZ nahm mit der Fusion das Mitbestimmungsrecht, das die Redaktion der BN nicht kannte, stark ab. Die Fusion verletzte die Redaktionsstatute beider Zeitungen. Verlag und Verwaltungsrat, der von Vertretern der Chemie und der Banken dominiert wurde, sprachen sich mehr Macht zu. Die Gewerkschaften stellten neben dem Verlust von mehr als hundert Arbeitsplätzen fest: «Einmal mehr wird klar, dass Pressefreiheit im ‚freien‘ Markt blosse Verlegerfreiheit ist.»Max Jäggi: So ging die «National-Zeitung» kaputt. Pressefreiheit als Verlegerfreiheit (= Reihe Mediaprint. Band 3). Schweizerische Journalisten-Union (SJU), Basel 1978, S. 50. Mit dem Kampf gegen die Umstrukturierung der Redaktion der NZ und dem Protest gegen die Fusion organisierten sich in der Schweiz erstmals Journalisten in grösserem Mass in einer Gewerkschaft, in der Schweizerischen Journalisten-Union (SJU). Dabei wurde auch mit den technischen Mitarbeitern zusammengespannt.

Neuorientierung 2010/2011 mini|Strassencafé in Basel (2011)