Druckersprache ist die Bezeichnung für eine Fachsprache, die in der polygraphischen Industrie, insbesondere in der Drucktechnik, entstanden ist. Der Begriff Drucker ist aus dem „druckenden“ Handwerk entstanden. Erst mit der Herausbildung der Massenproduktion fand eine Differenzierung der Berufsgruppen statt.
Die Bezeichnung Setzersprache wird gelegentlich für jene Begriffe verwendet, die sich nicht auf den eigentlichen Druckvorgang beziehen, sondern auf den vorigen Arbeitsschritt, den Satz. So wehren sich Drucker dagegen, dass Rechtschreibfehler als „Druckfehler“ bezeichnet werden. Sie verwenden stattdessen den Begriff „Satzfehler“, wenn ein Rechtschreibfehler vom Setzer verursacht wurde.Druckfehler. In: Heinrich Klenz: Deutsche Druckersprache. Trübner, Straßburg 1900. textkritik.de Institut für Textkritik, Heidelberg 2003.
Begriffsliste
A Abbreviatur Lateinisch für „wird abgekürzt“. Im Bleisatz wurde oft aus Gründen der Raumersparnis abbreviert. Besonders bei Kleinanzeigen in Zeitungen und Lexika wurde gern Platz eingespart. Abfallend Abfallender, d. h. randloser Druck (Überfüllung). Abgittern, Entgittern Entfernen von durch Stanzen entstandenem, überschüssigem Material. Ablationsplatte Aktueller umweltfreundlicher Plattentyp für CTP, der keine Entwicklung mehr benötigt. Ablegen Diese Tätigkeit bezeichnet das Rück-(Ab)legen des Bleisatzes nach dem Druck. Beim Handsatz wurden die Lettern in den Setzkasten zurückgelegt. Beim Maschinensatz wurde der gegossene Satz wieder eingeschmolzen. Abliegen Das Abfärben frischer Drucke auf die Rückseite des darüber liegenden Bogens. Abrakeln Reinigen des Farbwerkes der Druckmaschine. Die Farbe wird gemeinsam mit dem Waschmedium mit einer Gummirakel von den Farbwalzen abgenommen. Abschwächer Bezeichnet Lösungen, mit denen die Schwärzung bei fotografischen Aufnahmen aufgehellt wird. Bekanntestes Beispiel ist der Farmersche Abschwächer. Abspecken Abschälen von Papier auf der Rolle, das durch den Transport beschädigt wurde. Abstimmbogen Genehmigte Vorlage für den Auflagendruck. Abstimmung Ist das Beurteilen und Ausgleichen der Differenzen in Ton- und Farbwerten zwischen Andruck und Fortdruck durch die Farbführung in der Druckmaschine. Abwicklung Bei Offsetdruckmaschinen wird damit das gegenseitige Abrollen von Platten-, Gummi- und Gegendruckzylinder bezeichnet. Abzug Ein bedruckter Bogen. Ätzgravur Siehe dazu Heliogravüre Affiche Fachspezifische Bezeichnung für ein Plakat. Ahle Setzerwerkzeug, gedrechselter Holzgriff mit Aufnahmevorrichtung der Ahlenspitze (erinnert an eine dicke Stopfnadel ohne Öhr), dient zum Einstecken der Kolumnenschnur beim Ausbinden des Bleisatzes und zum Anstechen und Herausziehen schadhafter Buchstaben aus dem Satz bei der Korrektur. Akzidenz Eine Druck- oder Satzarbeit von geringem Umfang. Alphakanal, α-Kanal Zusätzlicher Kanal, der in Rastergrafiken zusätzlich zu den Farbinformationen die Transparenz (Durchsichtigkeit) der einzelnen Pixel (Bildpunkte) speichert. Layoutanwendungen unterstützten anfangs nur 1-Bit-Kanäle (sichtbar/durchsichtbar), mittlerweile auch 8-Bit-Kanäle (256 Transparenzstufen). Andruck Ein Probedruck zur Überprüfung der Qualität, besonders bei mehrfarbigen Arbeiten an einer Druckmaschine. Andruckskala Zusammenstellung von Einzel- und Zusammendrucken beim Mehrfarbendruck. Anfasser Bedienelemente zur Manipulation von Vektorgrafikelementen in Grafikprogrammen. Anlage, Anlagemarke Mechanische Anschläge sind die Marke, an denen im Bogendruck jeder einzelne Druckbogen pass- und registergenau ausgerichtet wird. Sie wird auch Anlegemarke genannt. Als Anlagemarke werden auch die im Bogenoffsetdruck zusammen mit anderen Marken (Schnittmarken, Passermarken, Flattermarken) mitgedruckten Markierungen bezeichnet. Anschnitt, auch randabfallend Ist die Linie, an der entlang ein Druckbogen aufs Endformat beschnitten wird. Ragen bedruckte Bereiche (Farbflächen, Fotos, Grafiken) an die Papier- oder Bedruckstoff-Kante einer fertigen Drucksache heißen sie randabfallende oder im Anschnitt liegende Elemente. Solche Elemente werden in Druckvorlagen mit Beschnittzugabe angelegt. Antialiasing Reduzierung des Treppen- oder Sägezahneffekts bei Rastergrafiken. Antiqua Schrift, die auf das römische, in Stein gemeißelte Alphabet zurückgeht. AP-Papier Papiersorten, die zu mindestens 70 % aus Altpapier bestehen. Dazu zählen die für Verpackungszwecke bestimmten Papier-, Karton- und Pappesorten sowie ein Teil der in der Bundesrepublik erzeugten Zeitungsdruck- und Hygienepapiere. Aquatinta Bezeichnet ein Tiefdruckverfahren der künstlerischen Druckgrafik, bei der über Flächenätzung Halbtöne erzeugt werden. Arkansas-Ölstein siehe Ölstein Atlasfarben Druckfarben mit metallisch glänzender Oberfläche. ATM Der Adobe Type Manager rechnet PostScript-Schriften für die Darstellung auf dem Bildschirm oder für nicht PostScript-fähige Drucker um und ist für Windows- und Macintosh-Computer verfügbar. Aufbauen Das unerwünschte örtliche Ansammeln von Druckfarbe auf dem Gummituch beim Mehrfarben-Nass-in-Nass-Offsetdruck. Auflage Gesamtzahl der gleichzeitig hergestellten Drucksachen. Auflösung Anzahl an Bildelementen (Dots/Pixel) in einer Fläche bzw. pro Strecke, durch die die Detailgenauigkeit bestimmt wird.Beispiele: Foto-Drucker mit 1440 dpi (dots per inch, Punkte pro Zoll), Belichter mit 2.540 dpcm (dots per cm), Foto für Zeitschrift mit 300 ppi (pixel per inch) Aufsichtsvorlage Reproduktionsvorlage auf Papier oder Karton, im Gegensatz zur Durchsichtsvorlage oder Diapositiv. Aufzug Überzug des Druckzylinders oder des Tiegels auf der Gegendruckseite. Aufgaben: Anpassen des Zylinderumfanges an die Bedruckstoffstärke. Der Aufzug im Buchdruck besteht aus einem Deckbogen aus widerstandsfähigem, festen Papier und mehreren Unterlagsbogen. Je nach Art der Unterlagsbögen entsteht ein harter Aufzug oder ein weicher Aufzug. Augenpulver Ist die interne Bezeichnung für eine besonders klein oder eng gesetzte und damit schwer lesbare Schrift. Ausdruck 1.) Die Beendigung des Fortdrucks. 2.) Ausgabe eines Computer-Druckers Ausgleichen Schaffen optisch gleicher Abstände zwischen einzelnen Buchstaben. Störende Weiten werden durch Unterschneiden beseitigt. Ausleger Ort der Stapelung der bedruckten Bogen an Bogendruckmaschinen. Der Stapel kann bei laufender Maschine aus der Auslage gefahren werden. Aussparen Gegenteil von Überdrucken. Ausgrenzen von Objektteilen, die hinter anderen Objektteilen liegen. Beispiel: Wird auf eine Fläche in Cyan ein Kreis in Magenta gelegt, wird an dessen Stelle die Cyan-Fläche ausgespart, also letztlich auf der Cyan-Druckplatte hier keine Farbe übertragen. Würde nicht ausgespart, wäre der Kreis nach Druck blau (Cyan+Magenta). Würde ausschließlich die Cyan-Platte gedruckt, wäre der Kreis weiß (bzw. in Bedruckstofffarbe), also an jener Stelle unbedruckt. Ausrichtung Anordnung des Textes als linksbündiger, rechtsbündiger oder zentrierter Flattersatz oder Blocksatz. Ausschießen Der Arbeitsschritt bei der Produktion von Druckprodukten wie Büchern und Zeitschriften, bei dem die Einzelseiten so auf der Druckform platziert werden, dass sie nach dem Falzen des Druckbogens oder Rollenabschnittes in leserichtiger Reihenfolge stehen. Ausbringen/Austreiben Erweiterung der Wortabstände, damit eine weitere Zeile entsteht. Arbeitstechnik zur Vermeidung von Hurenkindern und Schusterjungen. Ausschließen Begriff der Schriftsetzer, der das Ausgleichen der einzelnen Zeilen bezeichnet, um sie auf die erforderliche Satzbreite zu bringen. Auszeichnen Hervorheben von Textteilen z. B. durch von der Grundschrift abweichende Schriftvarianten wie kursive und fette Schriftschnitte oder Kapitälchen, durch Versalien (Großbuchstaben), durch Sperren, Unterstreichen oder Einfärben des Textes, aber auch durch andere Schriftgrößen und -arten. Auch (handschriftliches) Kenntlichmachen entsprechender Stellen im zugehörigen Manuskript gehört dazu.Meyers enzyklopädisches Lexikon. Band 3, Mannheim 1971, S. 188. Autografie, Umdruck Unter diesen beiden Begriffen sind Methoden zusammengefasst, mit deren Hilfe Zeichnungen oder Drucke von einem speziellen Papier auf Stein oder Metall übertragen werden. Autokorrektur Textkorrektur durch Rechtschreibprüfungs-Automatik in Textverarbeitungs-Software (während des Verfassens oder nachträglich). Autorenkorrektur/Autorkorrektur Vom Verfasser angewiesene Änderungen, im Gegensatz zur Hauskorrektur. Autorensystem Synonym für eine visuelle Programmierumgebung. Autorkorrektur Siehe Autorenkorrektur. Autotracing Automatisches Folgen einer grafischen Kontur durch den Computer, wobei der Kontrastwechsel im Bild oder in der Grafik als Richtlinie gebraucht wird. Auf diese Weise lassen sich als Rastergrafik gespeicherte Bilder in Vektorgrafiken umsetzen, die dann durch spezifische Software bearbeitet werden können. Autotypie Bezeichnung für die gerasterte Hochdruckform auf Zink- oder Kunststoffplatten. Azureelinien Feine Linienanordnungen auf Dokumenten, Wertpapieren, Schecks, die das Kopieren erschweren sollen.
B Ballardhaut Bezeichnung für eine abziehbare Kupferschicht auf dem Tiefdruckzylinder. Bahn Bezeichnung der Papierbahn in Rollendruckmaschinen. Barytpapier Mit Bariumsulfat beschichtetes Papier, auf dem besonders präzise Satzabzüge hergestellt werden konnten. Wurde vor der Einführung des Fotosatzes verwendet, um den Satz auf Film zu übertragen. Das geschah mittels einer Reprokamera oder auch durch eine direkte Kontaktbelichtung auf Strichfilm (Negativ-/Positivmaterial oder andere lichtempfindliche Folien, z. B. „K-9-Folien“), da das Papier nahezu keine Fasern aufweist. Außer für Andrucke vom Bleisatz wurde Barytpapier auch beim Composer-Schreibsatz verwandt. Bedruckbarkeit Oberflächeneigenschaften von Papieren wie Glätte, Saugfähigkeit, Farbannahmefähigkeit. Bedruckstoff Bezeichnet Papier, Karton, Folien und andere bedruckbare Stoffe. Beihefter (Einhefter) Prospekte und Drucksachen, die in Zeitschriften eingeheftet oder am Bund angeleimt werden. Berliner Format Bekanntes Zeitungsstandardformat mit einer Doppelseitengröße von 470 × 630 mm (Satzspiegel 420 × 280 mm). Mehr als die Hälfte aller Tageszeitungen wird in diesem Format gedruckt. Berliner Manier Begriff aus der Chromolithografie und bezeichnet die bekannteste Punktiertechnik, bei welcher der Lithograf Punkte halbkreisförmig aneinandersetzt, um Halbtöne zu erzeugen. Belichter Gerät zur Laserbelichtung von Spezialfilmen oder Druckplatten in hohen Auflösungen (ca. 1200 bis 2540 dpi). Beschnitt In der Weiterverarbeitung: Überrest des Papiers bzw. Bedruckstoffs nach dem Schneiden des selbigen aufs Endformat. In der Vorlagenerstellung: Rand bzw. Bereich (in mm; je Kante mit im Anschnitt liegenden Elementen), der das Endformat einer Drucksache erweitert. Der Beschnitt wird (hin)zugegeben, daher auch Beschnittzugabe. Der Beschnitt ist verarbeitungstechnisch notwendig und wird hinzugegeben, um technisch bedingte Ungenauigkeiten beim Schneiden eines Druckbogens aufs Endformat auszugleichen bzw. tolerieren zu können. Wenn eine fertige Drucksache bedruckte Flächen enthalten soll, die an die Papier- oder Bedruckstoff-Kante ragen (im Anschnitt liegen), muss die Druckvorlage zuvor größer angelegt werden, sodass sich an jeder Kante ein bedruckter Rand ergibt, der in der Weiterverarbeitung beschnitten werden kann. Als Regel gelten drei Millimeter, aber Werte zwischen zwei und fünf Millimeter sind gebräuchlich. Beschnittzeichen Werden bei der Weiterverarbeitung eines Druckproduktes benötigt, weil das Papierformat beim Druckvorgang in der Regel größer ist als das Endformat der Drucksache. Bei einfachen Drucksachen, wie Briefbogen und Visitenkarten, wird das Produkt anhand der Beschnittzeichen nach dem Druck zugeschnitten. Bestäuben Aufbringen eines Trockenbestäubungsmittels auf die bedruckten Bogen, um ein Abliegen zu verhindern. Bibliophile Drucksachen