Johann-Markus Oestreich (* 25. April 1738 in OberbimbachRolf Leimbach, Rolf Schlegel: Hafenstadt an der Felda: Lengsfelder Geschichten III. BoD, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7392-7658-8, S. 123 (Google Books); † 21. August 1833 ebenda) war ein deutscher Orgelbauer der Barockzeit und des Klassizismus, der vorwiegend im Fuldaer Land, in Franken, Thüringen und Westfalen ein- und zweimanualige Orgeln baute. Er selbst unterzeichnete mit „Johannes Oestreich“. Er war der bedeutendste Vertreter der Orgelbauerfamilie Oestreich, die über fünf Generationen wirkte.Gottfried Rehm: Die Orgelbauerfamilie Oestreich, abgerufen am 22. September 2020.
Leben Seine Vorfahren waren der um 1650 in Kämmerzell geborene und 1717 in Oberbimbach verstorbene Michael Oestreich, sein Großvater Conrad Oestreich, der 1681 in Kämmerzell geboren wurde und gleichfalls in Oberbimbach 1737 verstarb, und sein Vater Jost (Jodocus) Oestreich (1715–1790), der spätestens ab 1745 als erster Orgelbauer der Sippe in Erscheinung trat.Tramnitz: Die Detmolder Orgel des Johann Markus Oestreich. S. 118.
Im Jahr 1762 heiratete Johann-Markus Margarete Hosenfeld († 1769). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor: Eva Elisabeth (* 1763), Johann Georg (* 1764; früh gestorben), Anna Maria (* 1766) und Elisabeth (* 1766). In zweiter Ehe war Oestreich mit Agnes Schmitt (* 1746 in Oberbimbach) verheiratet, mit der er folgende Kinder hatte: Johann Georg (* 1770, † 1858), Valtin (* 1772), Johann Adam (* 1776, † 1865), Maria Barbara (* 1778), Elisabeth (* 1780), Kaspar (* 1782), Anna Regina (* 1784), Anna Katharina (* 1787) und Johann Adam (* 1792).Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 314.
Oestreich lebte und wirkte vorwiegend in Oberbimbach. In den 1800er Jahren hielt er sich einige Jahre in Westfalen auf, als infolge der Säkularisation des Fürstbistums Fulda die Aufträge zurückgingen. Danach kehrte er ins Fuldaer Land zurück.Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 311.
Werk Die Orgeln Oestreichs zeichnen sich durch eine solide Bauweise aus. Charakteristisch sind die breitflächigen Prospekte, die bis zu 15 Pfeifenfelder aufweisen. Das fünfteilige Mittelfeld präsentiert das Positiv, dem sich zu beiden Seiten das geteilte Hauptwerk mit Harfenfeldern anschließt. Das Pedalwerk ist hinterständig aufgestellt. Vermutet wird ein Einfluss von Philipp Ernst Wegmann.hey-orgelbau.de: Chronik, abgerufen am 17. April 2018. Die Prinzipale klingen weniger mild, sondern eher etwas herbe und „rustikal“. Typisch für Oestreich ist die Verbindung von Gedackt, Gambe und Traversflöte in der Acht-Fuß-Lage.Rehm: Musikantenleben. 1997, S. 310.
Von Johann-Markus Oestreich (weitgehend) erhaltene Orgeln befinden sich in der Floher Kirche in Floh-Seligenthal (1789), in den evangelischen Kirchen in Nieder-Moos (1791) und Stadtlengsfeld (1793), in der Erlöserkirche Detmold (1796), in der Evangelischen Kirche Fraurombach (1799), in St. Jakobus d. Ä. in Bremen (Geisa) (um 1800) sowie in St. Cosmas und Damian in Wenigenlupnitz (1809).
Werkliste Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen 1760 Dietershausen St. Bartholomäus zusammen mit Jost Oestreich; nicht erhalten 1767 Rasdorf Stiftskirche 160x160px II/P 19 zusammen mit Jost Oestreich ursprünglich für die Stadtpfarrkirche in Fulda erbaut; 1837 überführt und 1950 umgebaut 1767–1768 Lauterbach Stadtkirche 160x160px II/P 24 Mitarbeit bei Philipp Ernst Wegmann oder Ausführung; Prospekt erhalten 1769 Eckweisbach St. Michael nicht erhalten 1772 Haindorf Dorfkirche Haindorf 160x160px II/P 12 ? teilweise erhalten 1780 Kleinsassen Kath. Pfarrkirche I/P 12 einige Register erhalten 1781 Hosenfeld St. Peter und Paul I/P 12 nicht erhalten 1782 Großenlüder St. Georg 160x160px II/P 23 Gehäuse erhalten 1784 Margretenhaun St. Margareta I/P 13 1974 Pfeifenwerk in Neubau von Hey übernommen 1785 Rückers Mariä Himmelfahrt I/P 10 nicht erhalten 1783–1789 Bigge St. Martin 160px II/P 23 1945 stark beschädigt, Gehäuse erhalten, 1990 Orgel rekonstruiertOrgel in Bigge, abgerufen am 29. November 2018. 1789 Floh-Seligenthal Dorfkirche Floh 160x160px II/P 26 weitgehend erhalten 1789 Altenschlirf Andreaskirche zentriert|160x160px Gehäuse erhalten 1790–1791 Nieder-Moos Evangelische Kirche 160px II/P 22 nahezu unverändert erhalten → Orgel der Evangelischen Kirche Nieder-Moos 1793 Stadtlengsfeld Evangelische Kirche 160x160px II/P 30 zum großen Teil erhalten; umfasst 1.534 Pfeifen, 30 Register und zwei Manuale; gilt als Oestreichs wichtigstes WerkSusann Eberlein: Schlaflos in Stadtlengsfeld. In Glaube und Heimat Nr. 34/2021, 22. August 2021, S. 8 1796 Kranlucken Heiligste Dreifaltigkeit 160x160px I/P 12 Prospekt und Reste erhalten 1791–1796 Detmold Erlöserkirche 160x160px II/P 32 4 Register aus Vorgängerorgel von C. Lohoff (1651) übernommen; 1940 und 1962 erweitert (heute III/P/41); 21 Register vollständig erhaltenOrgel in Detmold, abgerufen am 17. April 2018. 1798–1799 Fraurombach Evangelische Kirche 160x160px I/P 10 oder von Johann Adam Oestreich; 1869 Umbau durch Adam Eifert; zum großen Teil erhalten um 1800 Bremen bei Geisa St. Jakobus und Barbara I/P 12 zum großen Teil erhalten; 2002 Restaurierung durch Orgelbau WaltershausenOrgel in Bremen bei Geisa, abgerufen am 17. April 2018. um 1800 Brakel Kapuzinerkirche I/p 8 mehrfach umgebaut, 1985 auf II/P/18 erweitert; 7 Register erhalten um 1800 Eiterfeld kath. Pfarrkirche I/P 16 nicht erhalten um 1800 Motzlar St. Valentinus zum Teil erhalten 1802 Hillentrup Evangelische Kirche I/P 9 nicht erhalten 1805 Detmold Lutherkirche zentriert|160x160px II/P 17 1897 an die Evangelische Kirche Bergkirchen (Bad Salzuflen) verkauft, dort 4 Register und Gehäuseteil erhalten (Foto)Orgel in Bad Salzuflen, abgerufen am 29. November 2018. 1805 Gemünden Stadtpfarrkirche II/P 18 zusammen mit Johann Georg Oestreich; Prospekt erhaltenOrgel in Gemünden, abgerufen am 17. April 2018. 1805 Kämmerzell St. Godehard I/P 12 Gehäuse erhalten 1807 Cappel Evangelische Kirche 1827 beim Kircheneinsturz des Vorgängerbaus beschädigt, für 385 Taler repariert und in der neuen Kirche aufgestellt; 1865 ersetzt 1808 Oberufhausen Kath. Pfarrkirche I/P 12 nach Leimbach (Eiterfeld) überführt und dort umgebautOrgel in Leimbach, abgerufen am 17. April 2018. 1809 Wenigenlupnitz St.-Cosmas-und-Damian-Kirche zentriert|160x160px II/P 21 weitgehend erhalten, restaurierungsbedürftig 1810 Mittelkalbach St. Sebastian nicht erhaltenOrgel in Mittelkalbach (PDF). 1811 Helmers nicht erhalten 1812 Schwarzbach Kath. Pfarrkirche I/P 14 Prospekt erhalten 1814 Schwalenberg Reformierte Kirche zentriert|160x160px II/P 18 1949 durch Schwelbrand beschädigt und ersetzt; 1983 von Alfred Führer rekonstruiertOrgel in Schwalenberg, abgerufen am 17. April 2018. 1817 Spahl St. Cyriakus I/P 10 Reste erhalten 1819 Hainzell kath. Filialkirche I/P 6 nicht erhalten; Oestreich lieferte auch Beichtstühle nach Hainzell 1821 Buttlar kath. Pfarrkirche I/P 14 nicht erhalten 1825 Amöneburg St. Johannes der Täufer 1833 Erweiterung durch Johann Georg Oestreich; nicht erhalten
Literatur Gottfried Rehm: Die Orgelbauerfamilie Oestreich. In: Acta Organologica. Bd. 7, 1973, S. 37–66. Gottfried Rehm: Beiträge zur Geschichte der Orgelbauerfamilie Oestreich. In: Acta Organologica. Bd. 21, 1990, S. 55–99. Gottfried Rehm: Musikantenleben. Beiträge zur Musikgeschichte Fuldas und der Rhön im 18. und 19. Jahrhundert (= Veröffentlichung des Fuldaer Geschichtsvereins). Parzeller, Fulda 1997, ISBN 3-7900-0282-8. Helmut Tramnitz: Die Detmolder Orgel des Johann Markus Oestreich (erbaut 1793–1795). In: Lippische Mitteilungen aus Geschichte und Landeskunde. Bd. 45, 1976, S. 116–130.
Weblinks
Orgelbau A. Schmidt: Werkverzeichnis und Infos zur Orgelbauerfamilie Oestreich, S. 4–10, von Gottfried Rehm
Einzelnachweise
JohannMarkus Kategorie:Orgelbauer (18. Jahrhundert) Kategorie:Orgelbauer (Deutschland) Kategorie:Orgellandschaft Hessen Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1738 Kategorie:Gestorben 1833 Kategorie:Mann