Als ICE 4 bezeichnet die Deutsche Bahn einen Typ der Hochgeschwindigkeitszüge Intercity-Express (ICE) für den Personenfernverkehr, der seit 2017 im Einsatz ist. Bis September 2015 wurden die Züge unter ihrem Projektnamen als ICx geführt. Mit der Entwicklung und dem Bau von 137 Zügen wurde Siemens Mobility beauftragt. Die Baureihenbezeichnung für die Triebwagen ist 412 und für die antriebslosen Mittel- und Steuerwagen 812. Zwölfteilige Einheiten verkehren seit Dezember 2017 im Regelbetrieb, siebenteilige seit Dezember 2020. Im Februar 2021 wurde erstmals ein dreizehnteiliger Zug im Fahrgastbetrieb eingesetzt. Der zuletzt gefertigte ICE 4 ist seit Februar 2024 in Betrieb.

Fahrzeuge Die Züge sind Triebzüge (ohne Lokomotiven) für den Personenverkehr. Sie werden, anders als die ersten beiden ICE-Baureihen, über mehrere eigenständige angetriebene Wagen, die über die Zuglänge verteilt sind, angetrieben. Im Gegensatz zu den Einheiten der Bauarten ICE T und ICE 3 ist die Traktionsausrüstung jedoch nicht mehr auf mehrere Wagen verteilt. Die Triebwagen sind an den Drehgestellen mit außengelagerten Radsätzen erkennbar. Die innere und äußere Form der Fahrzeuge entspricht im Wesentlichen dem ICE-Standard. Im Unterschied zu allen bisherigen ICE-Zügen werden die mit rund 28 Metern längeren Wagenkästen der ICE-4-Flotte aus Stahl gefertigt. Dabei wird – erstmals im Stahl-Schienenfahrzeugbau – Laserschweißtechnik verwendet. Das Design wurde von der Deutschen Bahn, Bombardier und Siemens gemeinsam entwickelt. Das Außendesign der Züge wurde 2015 mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet. Ebenfalls für das Außendesign wurde der ICE 4 mit dem German Design Award 2016 in der Kategorie Transportation ausgezeichnet.

Konfigurationen

Die Triebzüge werden aus sechs Wagentypen gebildet:

nicht angetriebene Endwagen (Steuerwagen) angetriebene Mittelwagen Sitzwagen Servicewagen mit Stromabnehmer nicht angetriebene Mittelwagen Sitzwagen Sitzwagen mit Stromabnehmer Bordrestaurant

Neben den Grundkonfigurationen aus sieben beziehungsweise zwölf Wagen sind 22 weitere Zusammenstellungen aus 5 bis 14 Wagen vom Hersteller vorgesehen.

Bemerkung Konfiguration K(x)n (230 km/h) 5-teilig, 2 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2-R2PZUB EW1-H 6-teilig, 2 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 MW2-P TW2-R2PZUB EW1-H 6-teilig, 3 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB EW1-H 7-teilig, 3 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB MW1 EW1-H 7-teilig, 3 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB RW EW1-H 8-teilig, 3 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB RW EW1-H 8-teilig, 4 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2 TW2-R2PZUB RW EW1-H 8-teilig, 3 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB RW MW1 EW1-H 8-teilig, 4 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-P TW2 TW2-R2PZUB RW TW1 EW1-H K(x)s (250 km/h) 7-teilig, 3 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW EW1-H 9-teilig, 4 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW MW1 EW1-H 9-teilig, 4 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 10-teilig, 4 Triebwagen EW2-H MW2 MW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW TW1 EW1-H 10-teilig, 4 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 10-teilig, 5 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB TW1 MW1 EW1-H 10-teilig, 5 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW TW1 EW1-H 10-teilig, 5 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2-R3PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 11-teilig, 5 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW MW1 EW1-H 11-teilig, 5 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 12-teilig, 5 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 12-teilig, 5 Triebwagen EW2-H TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 MW1 EW1-H 12-teilig, 6 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 13-teilig, 6 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 13-teilig, 6 Triebwagen EW2-H TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 MW1 EW1-H 13-teilig, 7 Triebwagennicht im Datenblatt enthaltene aber realisierte Version EW2-H TW2 TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 EW1-H 14-teilig, 6 Triebwagen EW2-H MW2 TW2 TW2 MW2-H-P TW2 TW2 MW2-H TW2-R4PZUB RW TW1 MW1 MW1 EW1-H

Legende: 1 = 1. Klasse 2 = 2. Klasse EW = Endwagen MW = Mittelwagen RW = Restaurantwagen TW = Traktionswagen (Powercar), jeweils zwei angetriebene Drehgestelle mit je 37,5 kN Zugkraft und 825 kW Dauerleistung -H = Hilfsbetriebe -P = Stromabnehmer (Pantograph) -R = Mehrzweckabteil / Kleinkindabteil ZUB = Zugbegleiterabteil

Zwei siebenteilige Triebzüge können in Doppeltraktion verkehren. Fünfteilige Einheiten sollen dabei mit zwei angetriebenen Wagen gebildet werden, sechs- und siebenteilige mit drei, acht- und neunteilige mit vier, zehn- bis zwölfteilige mit fünf bzw. sechs sowie dreizehn- und vierzehnteilige mit sechs bzw. sieben angetriebenen Wagen. Zugelassen werden sollen zunächst vier dieser zusätzlichen Varianten. Eine vierzehnteilige Einheit wäre 400 Meter lang.

Die Garnituren werden aus fünf verschiedenen Wagentypen gebildet. Die Mittelwagen der zweiten Klasse sind in beiden Varianten baugleich. Der nur in zehnteiligen Zügen vorgesehene Mittelwagen erster Klasse wird aus diesen Wagen abgeleitet.

Die Mittelwagen sind 28,75 Meter lang, die Endwagen 29,11 Meter.siehe Fahrzeuganschriften Damit sind sie länger als die meisten bisherigen Intercity-Wagen, die eine Länge von 26,4 Meter haben. Durch die verlängerten Wagen besteht ein 200 Meter langer Zug nicht mehr aus acht, sondern aus sieben Wagen. Der Zug hat bei gleicher Zuglänge einen Wagenübergang weniger, was Platz für fünf zusätzliche Sitzreihen schafft. Platz für weitere Sitzreihen entstand durch ein verändertes Sitzkonzept, den Wegfall größerer Elektronikschränke im Fahrgastraum sowie eine veränderte Anordnung von Funktionsflächen (beispielsweise Fahrradabteilen).

Die äußere Wagenkastenbreite beträgt 2852 Millimeter, die innere 2642 Millimeter. Die Einstiege sind auf Bahnsteighöhen zwischen 550 und 760 Millimeter über SO ausgelegt. Die Züge sind für Umgebungstemperaturen zwischen −25 und +45 °C ausgelegt.

Die folgende Übersicht zeigt die technischen Daten der geplanten und gebauten Konfigurationen:

Konfiguration K1n (siebenteilig) K1s (siebenteilig) K3s (zehnteilig) K3s (zwölfteilig) K4s (dreizehnteilig) Planungsjahr 2011 2018 2011 2014 2018 Anzahl Powercars 3 5 6 7 Anzahl Wagen pro Zug 7 10 12 13 Länge des Zuges 202 m 288 m 346 m 374 m Stromsysteme 15 kV, 16,7 Hz25 kV, 50 Hz1,5 kV3 kV 15 kV, 16,7 Hz TSI-Klasse 2 1 2 1 Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 250 km/h 249 km/h 265 km/h 265 km/h Maximale Beschleunigung 0,55 m/s² 0,53 m/s² 0,53 m/s² 0,54 m/s² Traktionsleistung 4950 kW 8250 kW 9900 kW 11 550 kW Gepäckvolumen/Sitzplatz ca. 0,12 m³ ca. 0,2 m³ ca. 0,12 m³ ca. 0,2 m³ Anzahl Sitzplätze (gesamt / 1. Klasse / Restaurant) 499 / 80 / 17 456 / 77 / 17 724 / 210 / 23 830 / 205 / 23 920 / 205 / 23 Anzahl Fahrradplätze 8 8

Aufbau der real umgesetzten ICE 4 Die zwölfteiligen Triebzüge erhalten Triebzugnummern, deren Zählung bei 9001 beginnt. Sie werden aus angetriebenen Mittelwagen der Baureihe 412 und antriebslosen Mittel- und Endwagen der Baureihe 812 gebildet. Die siebenteiligen Triebzüge erhalten Triebzugnummern von 9201 bis 9237, die dreizehnteiligen Triebzüge haben die Triebzugnummern 9451 bis 9500 erhalten.

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über den Aufbau der ICE-4-Triebzüge. Angetriebene Wagen sind hervorgehoben, jene mit Stromabnehmer kursiv. Beim siebenteiligen Triebzug ist die erste Ziffer der Ordnungsnummer unterschiedlich, da dieser planmäßig in Mehrfachtraktion verkehren soll.

Wagenklasse 2. Klasse1. Klasse Bemerkung Führer­stand Strom­ab­neh­mer Service­wagenStromab­nehmer Bordres­taurantBord­bistro Führer­stand Ordnungsnummer 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 14 dreizehnteiliger Triebzug (9451 ff.) 5812.0 2412.8 2412.5 2412.7 4812.0 2412.3 2412.0 9812.0 6412.0 8812.0 1412.0 1812.0 0812.0 Ordnungsnummer 1 2 3 4 5 6 7 9 10 11 12 14 zwölfteiliger Triebzug (9001 ff.) 5812.0 2412.8 2412.5 – 4812.0 2412.3 2412.0 9812.0 6412.0 8812.0 1412.0 1812.0 0812.0 Ordnungsnummer x1 x2 x3 x4 x5 x6 x7 siebenteiliger Triebzug (9201 ff.) 7812.2 3412.7 – – 3812.2 3412.2 – – 7412.2 8812.2 – – 6812.2 sechsteiliger Versuchszug (9201) 7812 201 3412 701 – – 3812 201 3412 201 – – 7412 201 – – 6812 201

mini|Endwagen, Einstiegsbereich

Seit 2018 gibt es drei Vorzugsvarianten, die aus einem zwölfteiligen Zug gebildet werden können. Alle drei Varianten sollten 2018 zugelassen werden, um im Folgejahr bei Bedarf zum Einsatz kommen zu können. Im März 2019 wurde in den Triebzug 9014 versuchsweise ein dreizehnter Wagen, ein Triebwagen der Baureihe 2412 zwischen den Wagen 3 und 4 eingestellt, um damit Versuchsfahrten unter anderem zu Störstrom- und Bremswegemessungen zu absolvieren. Beim ersten komplett 13-teilig ausgelieferten Triebzug 9451 befindet sich der gegenüber den zwölfteiligen Einheiten neu hinzu gekommene Wagen 2412 751 hingegen an der Position 2 nach dem Endwagen der zweiten Klasse. Der erste als siebenteilig geplante Triebzug 9201 wurde für Versuchszwecke aus sechs Wagen gebildet. Während der Zulassungsfahrten im März 2019 fehlte der Bistrowagen 8812 201.

Ausstattung mini|Plätze im Speisewagen mini|hochkant|Fahrradabteil mini|Die Notfallleiter im Frontabteil der zweiten Klasse

Die zwölfteiligen Triebzüge der Baureihe 412 umfassen 830 reguläre Sitzplätze und zwei Klappsitze. Die Wagen sind als reine Großraumwagen ausgebildet. Im Unterschied zu früheren ICE-Zügen verfügen die ICE 4, abgesehen von Kleinkindabteilen, über keine regulären Abteile mehr. Die Deutsche Bahn begründete dies mit einer seit den 1980er Jahren zurückgehenden Nachfrage nach Abteilplätzen.

Die Sitzplatznummern sind an der Lehne zum Gang angebracht und verfügen über eine taktile Oberfläche (Brailleschrift), die für Blinde lesbar ist. Beim Zurücklehnen klappen die Sitze nicht mehr zurück, stattdessen schiebt sich der Sitz in seiner Sitzschale nach vorne. In den Zügen sind auch fensterlose „Wandfensterplätze“ vorhanden.ICx – der neue Fernverkehrszug für die Deutsche Bahn. In: Eisenbahn Österreich, S. 296–300. Etwa jeder dritte „Fensterplatz“ bietet kein Fenster oder eine eingeschränkte Aussicht. Eine flexible Konstruktion ermöglicht die nachträgliche Anpassung von Sitzabständen.

Es sind zwei Einstiegsbereiche (vier Außentüren) je Wagen vorhanden, mit Ausnahme bei den Speisewagen, die mit beidseitigen Ladetüren ausgerüstet sind. Im Servicewagen steht dabei beidseitig je ein Hublift für Rollstuhlfahrer zur Verfügung. 22 Sitzplätze sind im Bordrestaurant des Speisewagens vorhanden (in 7-teiligen Zügen nur 16 Sitzplätze), im selben Wagen befinden sich auch ein Stehbistro sowie Rollstuhl-Stellplätze. Die Züge verfügen über 24 Toiletten (zwei je Wagen mit Ausnahme des Restaurantwagens, darunter eine Personal- und eine barrierefreie Toilette im Servicewagen). Im Servicewagen sind ferner ein Zugbegleiterabteil, ein Pausenraum, ein Kleinkindabteil, ein Familienbereich und ein Rollstuhlbereich untergebracht.

Die Züge verfügen über einen Internetzugang. Die Außenanbindung erfolgt über mehrere Mobilfunkanbieter gleichzeitig. Mobilfunkverstärker wurden ebenso eingebaut.

Neben der weißen Hauptbeleuchtung wird an der Decke der Wagen eine tageszeitabhängige Beleuchtung durch rote, grüne und blaue LEDs erzeugt. Dabei sind 152 verschiedene Lichtakzente möglich. Neben farbigem Licht wird auch rein weißes Licht erzeugt. Zur Fahrgastinformation sind bis zu sechs Bildschirme je Wagen vorhanden. In den Wagen sind in Deckengondeln TFT-Bildschirme (19 Zoll) und in den Einstiegsbereichen 15-Zoll-Bildschirme verbaut. Das Fahrgastinformationssystem kann automatische, mehrsprachige Ansagen erzeugen. Erstmals in der ICE-Flotte werden Reservierungsdaten beim ICE 4 nicht mehr per Diskette, sondern per Funk eingespielt.