Ottlar ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.
Geographische Lage Ottlar liegt im Nordosten des Rothaargebirges im Upland – etwa 5 km südsüdwestlich des Diemelsees. Im Naturpark Diemelsee befindet es sich östlich vom Dommel (), südöstlich vom Koppen () und nordnordwestlich der Hohen Egge (). Das von Wald umgebene Dorf wird vom Diemel-Zufluss Holzbach durchflossen. Nachbardörfer sind Stormbruch im Norden und Rattlar im Südwesten, die über die Kreisstraße 63 erreichbar sind, sowie das auf der K 70 anfahrbare Giebringhausen im Ostnordosten. Die Gemarkungsgröße des Ortes beträgt 831 Hektar. In dieser Gemarkung liegen die Siedlungsplätze: Am Koppen, Detmarckusen und der Dommelhof am Dommel.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Ottlar erfolgte unter dem Namen Otterlare im Jahr 1281.
Die bekannten historischen Erwähnungen finden sich in folgender Übersicht: Otterlare, de (1281) [Westfälisches Urkundenbuch 4,3, S. 773, Nr. 1638 = Urkunden Kloster Bredelar, S. 115, Nr. 148] Otteler (1537) [HStAM Bestand 127 Nr. 3] Ottlar (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]
Erwähnt wurde Ottlar auch im Jahre 1612, hier wurde ein Gut erwähnt, das der Familie von Hessinghausen gehörte. Später kam das Gut an die Familie von Padberg.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Adorf, Benkhausen, Deisfeld, Flechtdorf, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Rhenegge, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck, Vasbeck und Wirmighausen die neue Gemeinde Diemelsee. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Adorf. Für die ehemals selbständigen Gemeinden von Diemelsee wurden gemäß Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen grundsätzlich den Gemarkungsgrenzen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ottlar angehört(e):
1546 und später: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1806: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Kornbach) ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt des Eisenbergs (Sitz in Kornbach) ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis des Eisenbergs (Sitz in Korbach)Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Korbach) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis des Eisenbergs ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis des Eisenbergs ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde DiemelseeAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Diemelsee. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Diemelsee
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ottlar 147 Einwohner. Darunter waren 6 (4,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 27 Einwohner unter 18 Jahren, 45 waren zwischen 18 und 49, 27 zwischen 50 und 64 und 48 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 72 Haushalten. Davon waren 21 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 21 Paare mit Kindern, sowie 9 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 21 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 36 Haushaltungen leben keine Senioren.
Einwohnerentwicklung
Quelle: Historisches Ortslexikon 1541: 8 Häuser 1620: 17 Häuser 1650: 9 Häuser 1738: 19 Häuser 1770: 19 Häuser, 136 Einwohner
Religionszugehörigkeit • 1885: 202 evangelische (= 99,02 %), zwei katholische (= 0,98 %) Einwohner • 1961: 154 evangelische (= 84,15 %), 25 katholische (= 13,66 %) Einwohner
Politik Bürgermeister der Gemeinde Diemelsee ist Volker Becker. Der Ortsvorsteher von Ottlar ist Christian Rummel.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kirche von Ottlar mini|hochkant|St. Margarethenkirche Um 1535 wird eine Kapelle erwähnt. Bereits 1855 genehmigte das Fürstlich Waldeckische Konsistorium die Finanzierung eines Neubaus. Die baufällig gewordene Kapelle wurde dann um 1870/71 abgebrochen, das brauchbare Material wurde aufbewahrt oder zur Finanzierung des Neubaues verkauft. Die alte Glocke wurde neben dem Schulhaus aufgehängt. 1872 begann der Bau der neuen, der St. Margarethenkirche, die 1874 eingeweiht wurde. Sie ähnelt in der Außenansicht der evangelischen Stadtkirche in Brilon. Die Orgel wurde ursprünglich für die Waldecker Schlosskapelle gebaut, kam aber 1750 nach Ottlar. Gelegentlich einer Renovierung wurde 1992 die künstlerische Verglasung im Ost-Fenster vom Marburger Glasmaler Erhardt Jakobus Klonk entworfen und ausgeführt; eingebettet in insgesamt schlichte geometrische Formen zeigt das Fenster vier evangelische Symbole: oben Kelch und Hostien für das Abendmahl, unten Wasser für die Taufe und Strahlen für den Heiligen Geist.
Dommelturm Seit 1909 ist in der Nähe des Ortes der Dommelturm, der Aussicht über das Sauerland und eine bewegte Geschichte hat.
Vereine Das Vereinsleben von Ottlar widmet sich öffentlichen Aufgaben, der Natur sowie sozialen und kulturhistorischen Interessen. Das ehrenamtliche Engagement in kleinen nordhessischen Orten wie Ottlar wurde in Untersuchungen als bemerkenswerter Bestandteil der Zukunftssicherung erkannt. Mit der hessischen Verfassungsreform 2018 wurde die Förderung des ehrenamtlichen Engagements als Staatsziel aufgenommen. Der hessische Staatsminister Axel Wintermeyer überreichte am 1. August 2018 in Ottlar einen Förderpreis an den Verein „Zusammen in Ottlar“. Nennenswerte Vereine des Ortes sind: DRK-Ortsverein Freiwillige Feuerwehr Diemelsee-Ottlar e. V. Gesangverein „Harmonie“ Ottlar Imkerverein Korbach Jagdgenossenschaft Rehkitzrettung Ottlar e. V. Zusammen in Ottlar e. V.
Regelmäßige Veranstaltungen Ein traditionelles Osterfeuer und ein herbstliches „Kartoffelbraten“, der Jahresabschluss der Feuerwehr sowie die Jahreshauptversammlungen der Vereine sind als regelmäßige Veranstaltungen bekannt.
Wirtschaft und Infrastruktur Der Ort hat die Dommelhalle mit 400 Plätzen und einen Versammlungsraum mit 45 Plätzen. Das nächste größere Ort mit Infrastruktur, wie zum Beispiel Einkaufsmöglichkeiten etc. ist Adorf. Es gibt dort zwei Discountmärkte und kleinere Geschäfte für diverse Waren, eine Apotheke, zwei Banken, eine Postfiliale und die Gemeindeverwaltung. Dort sind Dienstleistungsunternehmen im Baugewerbe, im Automobilgewerbe, ein zahntechnischer Betrieb, ein Friseur, ein Landmaschinenreparaturbetrieb und ein Raiffeisen-Standort mit Tankstelle. Zusätzlich sind im öffentlichen Bereich die Gemeindefeuerwehr und ein Rettungsdienst der Johanniter zu nennen. Die Mittelpunktschule von Adorf gilt als älteste Einrichtung dieser Art in Waldeck. Das Freibad der Gemeinde ist in Vasbeck, das Hallenbad befindet sich in Heringhausen. Die nächsten Bahnanschlüsse finden sich in Bredelar, Willingen (Upland), in Korbach und in Bad Arolsen. Der öffentliche Busnahverkehr wird durch ein System mit „Anrufsammeltaxis“ ergänzt, das von der Gemeinde gestützt wird. Die örtliche Feuerwehr Diemelsee-Ottlar wird von einer Ortsgruppe der Freiwilligen Feuerwehr betrieben.
Persönlichkeiten Nadine Horchler (* 1986 in Ottlar), deutsche Biathletin Karolin Horchler (* 1989 in Bad Arolsen) aufgewachsen in Ottlar, deutsche Biathletin
Anmerkungen
Literatur
Weblinks
Ortsteil der Gemeinde. In: Webauftritt der Gemeinde Diemelsee.
Einzelnachweise .
Bernd Wecker, Stefanie Koch: Rückblick und Zukunftsfähigkeit nordhessischer Dörfer in Dieter Gawora: Traditionell zukunftsfähig, kassel university press GmbH, 2018, Seiten 241 ff., ISBN 978-3-7376-0610-3
Land Hessen, Pressestelle Hessische Staatskanzlei:
HNA Waldeckische Allgemeine, Presseartikel aus der Serie Kirchen im Waldecker Land.
Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Diemelsee, Gemeinde) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971 Kategorie:Staatlich anerkannter Erholungsort in Hessen Kategorie:Ersterwähnung 1281