Johannes Eberhard Franz Bernhardt (* 1. Januar 1897 in Osterode; † 1980 in München) war Generalvertreter von Mannesmann in Spanisch-Marokko. Im Bürgerkrieg und im Zweiten Weltkrieg koordinierte er in Francos Spanien einen Großteil der Waffen- und Rohstoffgeschäfte mit dem Deutschen Reich unter Hitler.

Leben Der Jurastudent Bernhardt meldete sich 1914 zum Militär. Im Ersten Weltkrieg war er Besatzungssoldat in der Ukraine. Nach dem Ersten Weltkrieg war Bernhardt in Hamburg mit Walther Bierkamp beim Freikorps Bahrenfeld, einem Verband der schwarzen Reichswehr. Um den Vertrag von Versailles zu unterlaufen, übertrug die Reichsregierung zu dieser Zeit Rüstungsgeschäfte an Strohmänner der Reichswehr.

Reeder in Hamburg Von 1919 bis 1924 war Bernhardt Reeder in Hamburg. Die Reederei Johannes Bernhardt eröffnete Filialen in Reval und São Paulo. Aus dem Hamburger Hafen vertrieb die Chemiefabrik Stoltzenberg chemische Kampfstoffe nach Spanien.

Mitte Januar 1922 sank die mit chemischen Kampfstoffen beladene Vespa.

Mannesmann in Marokko Bernhardt wurde Vertreter von Mannesmann und Rheinmetall-Borsig. Ab 1906 hatte die Marokko-Mannesmann-Compagnie in Hamburg rund ein Achtel aller Werte des Sultanats Marokko in Form von Bergwerkskonzessionen, Handelsfirmen und landwirtschaftlichen Unternehmen erworben. 1911 versuchte Wilhelm II. mit dem sogenannten Panthersprung diesem privaten Engagement ein staatlich betriebenes Kolonialregime zur Seite zu stellen. Mannesmann hatte die Zusicherung für 2027 Minenkonzessionen in ganz Marokko erhalten. Im Rif-Gebirge lag der Schwerpunkt der Schürfprojekte; hier wurden ergiebige phosphatfreie Vorkommen an Eisenerz. Hier gab es Kupfer, Blei, Zink, Silber, schwefelarme Kohle, Erdöl und von Mannesmann prospektierte ergiebige Phosphatvorkommen. Die französische Regierung versuchte mit diplomatischen Manövern, juristischen Winkelzügen und finanziellen Aktionen die Projekte von Mannesmann zu verhindern. Nach dem Ersten Weltkrieg waren die Minenkonzessionen und alle weiteren Rechte aus sonstigen Verträgen der Gebrüder Mannesmann in Französisch-Marokko enteignet worden. Im Januar 1930 tauchte Bernhardt in Spanisch-Marokko auf, welches mit Stoltzenbergs Giftgas von 1923 bis 1927 befriedet worden war. Bernhardt trat als Bevollmächtigter von H. & 0. Wilmer, Sucesores de H. Tönnies auf. Die erste Niederlassung war in der Hafenstadt Larache. Bernhardt lieferte an die spanischen Militärbehörden (Ziele für Übungsschießen etc.) und an Unternehmen wie Compañía Española de Minas del Rif und die Compañia Agricola del Lucus. Seine Filialen sind in Tétouan, Melilla, dem Standort der Lostfabrik, Ceuta und Tanger, der internationalen Stadt. Der deutsche Konsul in Tetuán, Wilhelm Brosch bezeichnete den H. & 0. Wilmer, Sucesores de H. Tönnies als das bedeutendste und angesehenste deutsche Unternehmen in der spanischen Protektoratszone. Für die deutsche Botschaft in Madrid ließ Brosch Bernhardt Berichte über die wirtschaftliche Lage in Marokko schreiben. Bernhardt wurde über seine Filiale in Tanger über die Entwicklung in Französisch-Marokko informiert. Zum 1. April 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.572.819).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/2660874 Anfang 1935 eröffnete Bernhardt eine Filiale in Casablanca, der Hauptstadt des französischen Protektorates in Marokko. Bernhardt hatte zwar eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für Französisch-Marokko, jedoch wurde er ab März 1935 nicht mehr in das französische Protektorat gelassen und die französischen Behörden setzten durch, dass ihm auch die Einreise nach Tanger verwehrt wurde.

Unternehmen Feuerzauber Am 22. Juli 1936 baten Francisco Franco und Juan Beigbeder in einem Telegramm den für Spanien zuständigen Militärattaché Erich KühlenthalBundesarchiv, Kühlental, Erich (1934–1938 Militärattaché in Paris, zugleich auch für Spanien zuständig) um zehn Transportflugzeuge.Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik (ADAP), Serie D (1937–1945), Band III (1951), S. 5 oder Juan Carlos Pereira: Introdución al estudio de la política exterior de Espanja. (Siglos XIX y XX). Madrid 1983, S. 171. Die Antwort lautete:

Am 24. Juli 1936 landeten Bernhardt und der NSDAP-Ortsgruppenleiter, Mannesmann-Ingenieur Adolf Langenheim in Berlin-Tempelhof. Rudolf Heß ermöglichte einen Termin bei Adolf Hitler am 25. Juli 1936 bei den Bayreuther Festspielen, nach einer Aufführung von Siegfried. Am 25. Juli 1936 sagte Hitler Franco Unterstützung zu. Am 27. Juli 1936 wurde der Sonderstab W unter Hermann Göring gebildet, welcher von Helmut Wilberg und Erhard Milch geleitet wurde. Das erste Projekt des Sonderstab W wurde nach dem 3. Akt, 3. Szene aus Wagners Walküre Unternehmen Feuerzauber benannt. Es war die Luftbrücke, durch welche Truppen der Putschisten gegen die Zweite Spanische Republik, darunter auch Mitglieder der Spanischen Legion, aus Spanisch-Marokko auf das Festland verlegt wurden. Die Verlegung dauerte von 28. Juli bis Oktober 1936, dabei transportierten 20 Ju 52 in mehr als 800 Flügen etwa 14.000 spanische Fremdenlegionäre und 500 Tonnen Material. Bernhardt organisierte für Flugzeugbenzol Tetrableiäthyl aus Portugal, Gibraltar, Tanger und Französisch-Marokko. Am 21. August 1936 erreichte Bernhardt bei einer Verhandlung mit António de Oliveira Salazar, dass Kriegsmaterial und Treibstoff über den Hafen von Lissabon eine Blockade des spanischen Hafen von Cádiz durch die republikanischen Marine umgehen konnte.Birgit Aschmann, treue Freunde S. 25 f. Der anfangs mit der wirtschaftlichen Koordination beauftragte Walter Warlimont regte an, ein Unternehmen nach dem Montan-Schema zu gründen.

Compañía Hispano-Marroquí de Transportes Limitada Am 31. Juli 1936 benannte Franco die Gesellschaft zur wirtschaftlichen Abwicklung des Unternehmens Feuerzauber, die Compañía Hispano-Marroquí de Transportes Limitada (HISMA, Limitada). Geschäftsführer war Bernhardt; als Mitinhaber fungierte Fernando de Carranza-Fernandez-Reguera, ein pensionierter Marineoffizier. Der Eintrag in das Handelsregister ist auf den 1. April 1936 datiert. Bernhardt hatte 1936 gute Beziehungen zu Franco und es gelang ihm, die Kontrollmechanismen der HISMA auf den gesamten deutsch-spanischen Warenverkehr ausdehnen.

Rohstoff-Waren-Kompensation Handelsgesellschaft Als Ergebnis eines Treffens von Bernhardt mit Hermann Göring am 2. Oktober 1936 entstand als Pendant zu der in Spanien operierenden HISMA in Deutschland die Rohstoff- und Wareneinkaufsgesellschaft mbH (ROWAK). Geschäftsführer der ROWAK wurde Eberhard von Jagwitz, ein Major des Ersten Weltkrieges, welcher in Argentinien gelebt hatte, Freund von Bernhardt. Die ROWAK erhielt drei Millionen Reichsmark Startkapital als Kredit. Der Kredit wurde von Ministerialdirektor Alfred Olscher vom Reichsfinanzministerium bewilligt, welcher im Aufsichtsrat des reichseigenen Waffenherstellers Vereinigte Industrie Unternehmung A.G. (VIAG) und der Reichs-Kredit-Gesellschaft AG (RKG) saß. Das Reichswirtschaftsministerium untersagte jeden privaten Import aus Spanien ohne Beteiligung der ROWAK. Hierfür verlangte die ROWAK zwei bis drei Prozent. Für die Dienste als Generalvertreter für Produkte aus dem Deutschen Reich berechnete die ROWAK drei bis fünf Prozent. Rheinmetall Borsig war Teil der VIAG und wurde von Max Wessing, einem Aufsichtsratsmitglied der RKG, geleitet. Im Frühjahr 1938 ging die ROWAK im Reichswirtschaftsministerium auf. Jagwitz wurde Sonderministerialdirektor für Außenhandel im Reichswirtschaftsministerium. Hier arbeiteten zahlreiche NSDAP-Mitglieder, als Göring die Macht von Hjalmar Schacht stutzte. Die Geschäftsführung der ROWAK übernahm Friedrich Bethke, Vertreter eines chilenischen Pharmaunternehmens, welcher im Oktober 1936 während seines Urlaubs im Deutschen Reich bei der ROWAK eingestellt worden war. Die ROWAK monopolisierte im Deutschen Reich den Handel mit Waren aus Spanien. Das so akkumulierte Kapital investierte die ROWAK in Bergwerkskonzessionen. 1937 verfügte die ROWAK über 73 Minenrechte, und 1938 über 135 Minenrechte in Spanien. Die Minenrechte bezogen sich auf strategische Güter wie Eisen, Kupfer, Blei, Wolfram, Zinn, Zink, Kobalt und Nickel. Die ROWAK monopolisierte einen Tauschhandel, mit welchem die Putschisten für die gewährte Unterstützung mit strategischen Gütern bezahlten. Die strategischen Güter erzielten auf dem internationalen Markt konvertierbare Devisen (z. B. Britisches Pfund). Das faschistische Spanien ließ deshalb die traditionellen Handelsbeziehungen von Großbritannien vor allem zu Nordspanien nie abreißen. Bernhardt legte einen festen Wechselkurs von 1 Reichsmark zu 3,33 Pesetas fest, welchen Bernhardt gegen den Protest des Leiters des Comité de Moneda durchsetzte und welcher vom faschistischen Spanien für die Zeit des Handels mit dem Deutschen Reich, bis August 1944, fast unverändert zwangsweise durchgesetzt wurde. Der Kurs der Peseta im von der Republik kontrollierten Spanien fiel auf 1 Reichsmark zu 10 Pesetas. Die Putschisten ließen Banknoten in ihrem Herrschaftsbereich abstempeln und später vermittelte Bernhardt, dass neue Banknoten für das faschistische Spanien von Giesecke & Devrient in Leipzig gedruckt wurden. Die sehr prompte Lieferung von Waffen über den Seeweg durch die Gesellschaft von Joseph Veltjens legt nahe, dass die Waffen für die Putschisten schon vor dem 19. Juli 1936 geordert wurden. Mit dem Putsch war auch Aussicht auf deren Bezahlung durch Erzlieferungen gegeben.

Am 22. Juli 1936 war das deutsche Dampfschiff Girgenti im Hafen von Valencia von republikanischer Miliz nach Waffen durchsucht worden. Der Kapitän der Girgenti räumte das Schiff gewaltsam. Das deutsche Außenministerium protestierte bei der demokratischen Regierung in Madrid. Kurz darauf wurde die Girgenti von Veltjens gechartert und am 22. August 1936 in Hamburg mit Waffen des Sonderstabes W für die putschenden Militärs in La Coruña beladen. Nach dem Entladen der Waffen wurde die Girgenti in La Coruña auf Initiative von Bernhardt mit Erz beladen, womit der Tauschhandel in die Praxis umgesetzt wurde. Über das spanische Handelsmonopol wachte Bernhardt eifersüchtig: Willy Messerschmitt wollte 1937 an Emilio Mola Flugzeuge verkaufen, konnte aber erst 1951 als Konstrukteur nach Spanien gehen. Im Oktober 1937 hatten Rohstoffexporte der ROWAK zu einer Vormachtstellung des Deutschen Reiches im spanischen Export geführt, was das Auswärtige Amt feststellte.

Für die Putschisten wäre es wirtschaftlich gewesen, das Monopol der HISMA ROWAK zu beenden und die strategischen Rohstoffe gegen konvertierbare Währung zu verkaufen und bei Waffeneinkäufen den Preis zu drücken.

Die militärische Unterstützung durch das Deutsche Reich für die Putschisten wurde als wirtschaftliches Druckmittel eingesetzt. Der internationale Waffenboykott beschränkte die Waffeneinkäufe der Putschisten auf die HISMA und die Societá Fertilizzanti Naturali Italiani (SAFNI), einen Importeur chilenischen Nitrats.