mini|hochkant|Bistumswappen mini|Die Mainzer Kirchenprovinz um das Jahr 1000 mini|hochkant=1.5|Codex Balduini Trevirensis: Die Sieben Kurfürsten wählen Graf Heinrich von Luxemburg zum König. Die Kurfürsten, durch die Wappen über ihren Köpfen kenntlich, sind, von links nach rechts, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, der Pfalzgraf bei Rhein, der Herzog von Sachsen, der Markgraf von Brandenburg und der König von Böhmen. Der Gewählte wird am Wahlort Frankfurt am Main zum König erhoben und gekrönt. Seine Salbung und Weihe erfolgten in der Pfalzkirche Karls des Großen in Aachen, um 1340, Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 1 C Nr. 1 fol. 3b.

Die Geschichte des Bistums und Erzbistums Mainz reicht über 1600 Jahre zurück. Der genaue zeitliche Ursprung der frühchristlichen Gemeinde des römischen Mogontiacum liegt ebenso im Dunkeln wie der einer bischöflich verfassten Kirche in der Stadt. Ein Bistum Mainz kann jedoch ab etwa 368 als gesichert gelten. Zwischen 780 und 782 zum Erzbistum erhoben, war die Kirche von Mainz mit ihren zeitweise bis zu 15 Suffraganbistümern jahrhundertelang die größte Kirchenprovinz nördlich der Alpen. Der Erzbischof von Mainz spielte schon früh eine herausgehobene Rolle im Heiligen Römischen Reich. Er war seit dem 10. Jahrhundert Reichserzkanzler für den deutschen Reichsteil und seit dem 13. Jahrhundert einer der sieben Kurfürsten, denen das alleinige Recht zur Königswahl zustand. Das Erzbistum und das Kurfürstentum Mainz, in dem der Bischof zugleich weltlicher Herrscher war, wurden 1803 infolge der Französischen Revolutionskriege durch den Reichsdeputationshauptschluss aufgehoben und als Suffragandiözese neu gegründet. Seit 1821 gehört das Bistum zur Kirchenprovinz Freiburg.

Römische und fränkische Zeit hochkant=1.5|mini|Mainz und seine Kirchen in spätrömischer und fränkischer Zeit

Anfänge Erste Zeugnisse Wann das Christentum Einzug in Mainz hielt, ist nicht bekannt.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 14 Bisweilen wird davon ausgegangen, dass die ab dem Jahr 43 in Mainz stationierte 22. Legion das Christentum nach Mainz gebracht hat. Bis zum Ende der Amtszeit des Kaisers Marc Aurel 180 lassen sich jedoch keine Christen im römischen Heer sicher belegen.Dassmann in: HMKG Bd. 1/1 S. 21 Auch die anderen Erklärungen, wonach das Christentum durch Händler, Kaufleute oder Sklaven in die Region gekommen sei, lassen nicht darauf schließen, dass es in jener Zeit bereits eine hierarchisch gegliederte Gemeinde mit einem Bischof an der Spitze gegeben hat.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 15

Der Lyoner Bischof Irenäus erwähnt gegen Ende des 2. Jh. n. Chr. in seiner Schrift „Gegen die Häretiker“ (Adversus haereses) Christen, die im mittelrheinischen Raum leben.Irenaeus von Lyon, Adversus haereses; 1,10,2, vgl. auch Dassmann in: HMKG Bd. 1/1 S. 21 Irenäus spricht von „den Germanien“ und bezieht sich damit auf die beiden germanischen Provinzen Germania superior und Germania inferior. Die Hauptstädte der beiden Provinzen waren Mogontiacum (Mainz) und die Colonia Claudia Ara Agrippinensium (Köln). Es kann also angenommen werden, dass er sich auf ein christliches Leben in diesen Gemeinden bezog.Dassmann in: HMKG, Bd. 1/1 S. 22 Der älteste archäologische Nachweis von Christen im Umland von Mainz stammt mit der Frankfurter Silberinschrift etwa aus der Zeit zwischen 230 und 270 n. Chr.Santiago Guijarro: The Frankfurt Amulet. Popular Christianity in the Limes Germanicus. In: Isidorianum 34/1 (2025), S. 25–48

Dass Mainz in der Frühzeit bereits Bischofssitz gewesen sei, erscheint wenig wahrscheinlich. Als bedeutende Garnisonsstadt war Mainz zunächst vom römischen Heer geprägt; in Verbindung mit dem hier vorherrschenden Kaiserkult dürfte dies die Ausbreitung des Christentums in der Stadt erheblich gehemmt haben. Genauere Zeugnisse über ein christliches Leben in der Stadt sind nicht überliefert. Auch sind in den umliegenden Regionen für diese Zeit keine Bischöfe bezeugt.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 17 Es ist daher davon auszugehen, dass sich das Christentum in Mogontiacum erst in späterer, deutlich nach der Mailänder Vereinbarung anzusetzender Zeit durchgesetzt hat.

Entstehung einer bischöflich verfassten Kirche Wann diese Gemeinde zum ersten Mal von einem Bischof geleitet wurde, kann heute nicht mehr genau bestimmt werden. 346 ist nach älteren Handschriften erstmals von einem Mainzer Bischof namens Martinus die Rede. Sein Name findet sich als Martinus episcopus Mogontiacensium in den Akten der Kölner Synode, die in diesem Jahr (12. Mai 346) zusammengetreten sein soll, um den Bischof Euphrates von Köln wegen Vertretung arianischer Thesen abzusetzen.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 20 Die Akten der angeblichen Synode gelten jedoch heute als spätere Fälschungen. Sie sind in einer Handschrift des 10. Jahrhunderts überliefert, beziehen sich aber wohl auf die Vita Maximini als Primärquelle. Die Vita Maximini, eine Lebensbeschreibung des Trierer Bischof Maximin durch seinen Nachfolger Milo, entstand im 8. Jahrhundert. Der Trierer Bischof bekämpfte damals den von Bonifatius verfolgten Plan, Köln zum fränkischen Erzbistum zu machen. Milo könnte beabsichtigt haben, das Ansehen Kölns mit dieser Geschichte zu beschädigen.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 21ff Der Fälscher der Akten im 10. Jahrhundert übernahm wohl eine Liste mit von Athanasius überlieferten Bekämpfern des Arianismus. Die Bischofssitze der Genannten ergänzte der Fälscher demnach selbst und machte Martinus zum Bischof von Mainz, das unter dem Patrozinium des Hl. Martin stand.Zum ganzen: Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 20 ff. Martinus taucht ansonsten nur noch in dem ebenfalls auf das 10. Jahrhundert datierten Codex Bernensis auf, allerdings unter dem Namen Marinus. Da im genannten Codex die Mainzer Bischofsliste unmittelbar und ohne Absatz an eine Aufzählung der römischen Päpste, die mit Stephan VIII. (939–942) endet, dessen Nachfolger Marinus II. (942–946) war, kann davon ausgegangen werden, dass mit dem genannten Marinus in Wirklichkeit der römische Papst gemeint gewesen ist,Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 70 auch wenn die Frage nicht endgültig zu klären ist.Dassmann in: HMKG, Bd. 1/1 S. 35

Die in den Bischofslisten überlieferten frühen Namen lassen sich demnach nicht belegen. Ganz sicher eine Fälschung ist der in einigen Abhandlungen genannte erste Bischof Creszenz, der Apostelschüler („discipulus Pauli“) gewesen sein und im ersten Jahrhundert in Mainz residiert haben soll. Er entsprang dem Ansinnen späterer Schreiber, die Anfänge der Mainzer Kirche in die Apostelzeit zurückzuverlegen und damit den Vorrang des Bistums zu untermauern.

Obwohl also keine Namen aus dem 4. Jahrhundert sicher überliefert sind, kann kein Zweifel bestehen, dass sich in Mainz in den nachkonstantinischen Jahrzehnten eine Kirche mit einem Bischof an der Spitze entwickelt hat.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 26 Indizien hierfür sind eine Grußadresse des Bischofs Hilarius von Poitiers aus dem Jahr 358/359 sowie der Bericht des römischen Geschichtsschreibers Ammianus Marcellinus über die Plünderung der Stadt durch den Alamannenfürsten Rando 368.Dassmann in: HMKG, Bd. 1/1 S. 23; Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 27 Ammianus berichtet von einer großen christlichen Gemeinde, die von dem Überfall während der Feier eines hohen Festes, möglicherweise Ostern, überrascht wurde.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 28 Eine große Gemeinde in einer Stadt aber wird von einem Bischof geführt worden sein.

Auch die weiteren Zeugnisse der Mainzer Kirche stehen im Zusammenhang mit kriegerischen Aktionen. 406 überfielen die Alanen und Vandalen die Stadt. Nach dem „Martyrologium des Rabanus Maurus“ erlitt ein gewisser Alban bei diesem Überfall das Martyrium. Zu seinen Ehren errichtete man 413 vor den Toren der Stadt die St. Albansbasilika. Diese Kirche, später durch größere Bauten ersetzt, war im frühen Mittelalter die weitaus wichtigste Kirche des (Erz-)Bistums. Alban war nicht der einzige, der den Überfall nicht überlebte. Der Kirchenvater Hieronymus berichtet in einem Brief: „Mainz, die einst hochgerühmte Stadt (…), haben sie eingenommen und völlig zerstört. In der Kirche wurden viele tausend Menschen niedergemacht“.Hieronymus, Epistula 123,15 (zitiert nach Dassmann, HMKG Bd. 1/1 S. 26). Die Zahl dürfte allerdings übertrieben sein, da in jener Zeit keine Kirche mehrere tausend Menschen fassen konnte.

451 wurde Mainz von den Hunnen gestürmt und wiederum zerstört. Möglicherweise erlitt der Mainzer Bischof Aureus, der in der ältesten unergänzten Bischofsliste, den in einem Münchener Codex aus dem 16. Jahrhundert erhaltenen Fuldaer Totenannalen von 923, als erster genannt wurde, dabei das Martyrium.Andere Einschätzungen gehen von 436 als Aureus' Todesjahr aus, vgl. auch den Artikel Aureus (Mainz) Die römische Herrschaft in Mainz war damit beendet. Die das Stadtgebiet in Besitz nehmenden Alamannen brachten ihre heidnischen Kulte mit, was die Weiterentwicklung des Christentums erschwerte. Dennoch kann in dieser Zeit anhand von Grabfunden auf eine Kontinuität des Christentums geschlossen werden.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 37 Ob dies auch für die Existenz eines Bischofs gilt, ist dagegen unklar. Die Bischofslisten reißen am Übergang zur fränkischen Zeit ebenso ab wie die in Köln.Dassmann in: HMKG, Bd. 1/1 S. 41 In Mainz setzen sie erst wieder mit Sidonius ein, der im 6. Jahrhundert im Mainz der Merowingerzeit residierte.

Exkurs: Die ersten Kathedralbauten mini|Die St. Johanniskirche

Eine von einem Bischof geleitete Kirche bedeutet notwendigerweise, dass in Mainz auch eine Kathedrale existiert haben muss. Der Standort einer offiziellen römischen Bischofskirche sowie deren Entstehungszeit sind nach wie vor unklar und werden in Fachkreisen kontrovers diskutiert. Die archäologischen Befunde geben nur wenig Auskunft, genauere Untersuchungen und Ausgrabungen haben in den vergangenen Jahrzehnten nicht stattgefunden.Dassmann in: HMKG Bd. 1/1, S. 51 Da es jedoch eine reiche Quellenlage gibt, sind Standort und Umfang der Kathedrale und ihrer Nebenbauten Gegenstand beständiger Diskussionen.Dassmann in HMKG Bd. 1/1 S. 51, auch Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 41

Als sicher kann nur gelten, dass der heutige Dombau nicht auf die Fundamente eines Vorgängerbaus gesetzt wurde. Stattdessen wurden entsprechende Fundamente aus spätrömischer Zeit bei Ausgrabungen unter der Kirche St. Johannis gefunden. Es könnte sich dabei um die Kathedrale handeln, deren Existenz der Bericht des Ammianus Marcellinus im Jahr 368 nahelegt.Nopper, Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 42 Die Kirche wurde in späteren Quellen als „Alter Dom“ (Aldedoum) bezeichnet. In der Nähe dieses Doms wäre dann, wie der Dichter Venantius Fortunatus beschreibt, von Bischof Sidonius ein Baptisterium errichtet worden. Venantius schreibt auch, dass Sidonius die alten Tempel erneuert habe. Aus dieser Zeit stammt vermutlich das Martinuspatrozinium des Domes.Dassmann in: HMKG Bd. 1/1 S. 52 Nachdem das Domstift im 10./11. Jahrhundert in den Neubau des Willigis beziehungsweise des Bardo übergesiedelt war, wäre dann das Martinspatrozinium auf die neue Domkirche übergangen, während die alte Kirche das Johannespatrozinium des im Komplex des Johannesstifts aufgegangenen Baptisteriums übernommen hätte. Neben diesem Erklärungsversuch existieren weitere Deutungendazu Dassmann in: HMKG Bd. 1/1, S. 53, die aber ebenfalls alle nicht auf archäologische Nachweise gestützt werden können.

Neubeginn in fränkischer Zeit