Gomaringen ist eine Gemeinde im Landkreis Tübingen etwa zehn Kilometer südlich von Tübingen und etwa elf Kilometer südwestlich von Reutlingen. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Gomaringen liegt im Tal der Wiesaz, eines rechten Nebenflusses der Steinlach, die in den Neckar mündet.

Nachbargemeinden

Gemeindegliederung Die Gemeinde Gomaringen besteht aus den beiden Ortsteilen Gomaringen und Stockach. Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früheren Gemeinden gleichen Namens. In der Gemeinde Gomaringen wird der Gemeinderat nach dem System der Unechten Teilortswahl gewählt, dementsprechend bilden die beiden Ortsteile als Wohnbezirke bezeichnete Wahlkreise. Der Ortsteil Stockach bildet zudem eine Ortschaft im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender. (PDF; 89 kB) abgerufen am 21. März 2009

Zum Ortsteil Gomaringen gehören das Dorf Gomaringen, der Weiler Hinterweiler, der baulich mit Gomaringen zusammengewachsen ist, und die Häuser Bahnhof Gomaringen, Hammerwerk, Pomosinwerke, Sägmühle und Schleifmühle. Zum Ortsteil Stockach gehört nur das Dorf Stockach.

Im Ortsteil Gomaringen lagen die abgegangenen Orte Unnothof und Ziegelhausen (oder Ziegelhäuser). Unnothof fiel vor 1893 und Ziegelhausen vor 1492 wüst.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 124–125

Schutzgebiete

Gomaringen hat Anteil am Landschaftsschutzgebiet Ehrenbachtal mit Kaltem Brunnen sowie am FFH-Gebiet Albvorland bei Mössingen und Reutlingen.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Mittelalter Die Namensendung auf „-ingen“ belegt die Besiedlung durch die Alemannen. Der Name „Gomaringen“ wurde 1191 erstmals urkundlich in der Chronik des Berthold von Zwiefalten erwähnt. Werner von Gomaringen (ca. 1356–1393) und Peter von Gomaringen (1393–1412) aus dem Hause der Herren von Gomaringen wurden Äbte von Bebenhausen, dem Hauskloster der Pfalzgrafen von Tübingen. Von 1443 bis 1499 besaßen die Remp von Pfullingen fünf Achtel der Vogtei in Gomaringen, zwei Achtel waren noch beim Kloster Bebenhausen und ein Achtel bei Wolf von Tachenhausen.

Neuzeit 1499 wurden Gomaringen und seine heutigen Ortsteile Hinterweiler und Stockach vom Spital in Reutlingen erworben. 150 Jahre lang nahmen deren Vögte die Belange des Spitals vor Ort wahr. Wegen hoher Kontributionen, die Reutlingen als Reichsstadt nach dem Dreißigjährigen Krieg zu entrichten hatte, musste das Spital die Orte Gomaringen und Hinterweiler 1648 an das Herzogtum Württemberg verkaufen. Sie wurden württembergisches Kammerschreibereigut, also ein Bestandteil des herzoglichen Familienfideikommisses. Von 1708 bis 1723 befanden sich diese Orte im Besitz der Reichsgräfin Wilhelmine von Grävenitz.

Nach der Gründung des Königreichs Württemberg wurde Gomaringen 1807 dem Oberamt Reutlingen zugeschlagen.

Von 1837 bis 1841 lebte der Schriftsteller Gustav Schwab (1792–1850) als Pfarrer in Gomaringen. Dort verfasste er Sagen des klassischen Altertums und seine Schiller-Biografie.

1902 bekam Gomaringen über die privat betriebene Gönninger Bahn von Reutlingen Anschluss an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Reutlingen, wie er von 1938 bis 1972 strukturiert war. Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Gomaringen 1945 in die Französische Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Mit der Kreisreform von 1973 wechselte die Gemeinde vom Landkreis Reutlingen zum Landkreis Tübingen. Am 1. Dezember 1973 wurde Stockach eingemeindet.

Die 1952 errichtete Anlage 0704 bestand bis 2011.

Politik

Verwaltungsverband Gomaringen ist der Sitz des Gemeindeverwaltungsverbandes „Steinlach-Wiesaz“. Weitere Mitgliedsgemeinden sind Dußlingen und Nehren.

Bürgermeister bis 1946: Karl Beck (kommissarisch) 1946 bis 1948: Heinrich Rapp 1948 bis 1951: Emil Hartung 1951 bis 1981: Heinz Raff 1981 bis 2012: Manfred Schmiderer seit 2. Juli 2012: Steffen Heß

Gemeinderat In Gomaringen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate (Ausgleichssitze) verändern. Der Gemeinderat in Gomaringen besteht seit der letzten Wahl aus den 18 (2019: 20) gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWFreie Wählervereinigung37,4739,58SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands16,5324,35CDUChristlich Demokratische Union28,4517,23GLGrüne Liste17,7319,04gesamt100,018100,020Wahlbeteiligung64,3 %62,6 %

Städtepartnerschaften Arcis-sur-Aube in Frankreich, seit 1976

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Museen Gustav-Schwab-Museum im Schloss

Bauwerke Gomaringer Schloss, von 1837 bis 1841 Pfarrsitz von Gustav Schwab. Evangelische Kirche,, abgerufen am 1. September 2018 1840 anstelle eines gotischen Vorgängerbaus vom Reutlinger Stadtbaumeister Johann Georg Rupp klassizistisch im „Finanzkammer- oder Kameralamtsstil“ errichtet und 1961 und 2013–2014 renoviert. Die evangelische Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Tübingen.

Grabhügel mini|Stele auf einem Grabhügel bei Gomaringen-StockachSiehe auch Foto des Grabhügels bei Gomaringen-Stockach Eine Gruppe von Grabhügeln aus der Hallstattzeit (8.–7. Jahrhundert v. Chr.) bei Gomaringen-Stockach. Einer der Hügel wurde 1938 bei Wegbauarbeiten gefunden und durch Gustav Riek untersucht. Die Stele ist ein Abguss. Das Original befindet sich im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart.

Aidelberg Der Aidelberg ist eine mitten in Gomaringen gelegene Grünfläche, die hauptsächlich von Streuobstwiesen geprägt ist.

Veranstaltungen Das christliche Festival Rock Without Limits fand von 2008 bis 2010 in Gomaringen statt. 2017 finden im Bikepark erstmals die Deutschen Meisterschaften im Mountainbike 4Cross statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Straßenverkehr Die Landesstraße 230 verbindet die Gemeinde mit der Bundesstraße 27 und damit mit Tübingen und Stuttgart. Die L 384 führt östlich nach Reutlingen. Über eine Alltagsradroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Gomaringen mit Tübingen und in der anderen Richtung über Nehren mit Mössingen verbunden.

ÖPNV und Busverkehr in Gomaringen

Der Öffentliche Personennahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Gemeinde befindet sich in der Wabe 113. Linie 7612 Direktbus nach Tübingen. Linie 7625 nach Tübingen über die Härten durch Immenhausen, Mähringen und Wankheim. Linie 7613 nach Dußlingen und Mössingen. Line 111 nach Reutlingen und Gönningen.

Bahnverkehr Die Gönninger Bahn zwischen Reutlingen und Gönningen wurde 1982 endgültig eingestellt. Es gibt Pläne zur Reaktivierung im Rahmen der geplanten Regional-Stadtbahn Neckar-Alb. Dabei soll die alte Trasse teilweise wieder genutzt werden. Der Verkehr von Reutlingen nach Gomaringen soll aber nicht wie früher bis Gönningen weitergeführt werden, sondern nach Mössingen. Damit ergibt sich ein Anschluss an die Bahnstrecke Tübingen–Sigmaringen. Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

Peter von Gomaringen war 1393–1412 Abt im Kloster Bebenhausen Georg Heusel (1921–2014), Architekt und Immobilienunternehmer Karlheinz Baumann (* 1938), Produzent, Autor, Naturfilmer und Naturfotograf Willi Kemmler (* 1941), Unternehmer und Politiker (SPD) Christoph Bach (* 1975), Schauspieler

Mit Gomaringen verbunden Johann Ulrich Schwindrazheim (1737–1813), Dichter, Pfarrer von Gomaringen Gustav Schwab, Theologe und Schriftsteller ("Sagen des klassischen Altertums"), war von 1837 bis 1841 evangelischer Pfarrer in Gomaringen Peter Beyerhaus, Theologe, lebte in Gomaringen-Stockach Gerhard Schnitter, Komponist, lebt in Gomaringen-Stockach Rainer Riesner, Theologe, lebt in Gomaringen

Literatur Beatrice Burst/Birgit Wallisser-Nuber: Das Glück in der Fremde gesucht – Gomaringer Auswanderer 1679–1957, Gomaringer Verlag, Gomaringen 2015, ISBN 978-3-926969-35-4. Beatrice Burst: Ortsfamilienbuch von Gomaringen mit Hinterweiler & Stockach 1604–1908, zwei Bände, Gomaringer Verlag, Gomaringen 2019. Willi Kemmler/Wolfgang Sannwald: Gomaringer Heimatbuch, drei Bände, Gomaringer Verlag, Gomaringen 1987/1988/2021, ISBN 3-926969-00-8.

Weblinks

Wikisource: Gomaringen in der Beschreibung des Oberamts Reutlingen von 1824 Offizielle Internetseite der Gemeinde Das Wappen auf gomaringen.de

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Landkreis Tübingen

Kategorie:Ersterwähnung 1191