mini|Einsatzfahrzeug mit gelben Markierungen, Norderney mini|Streifenwagen VW Passat B6 in blau-silberner Farbgebung in Dresden
Ein Streifenwagen (oder Polizeiwagen) ist ein Einsatzfahrzeug der Polizei. Die offizielle Bezeichnung in Österreich ist Streifenkraftwagen (StKW).Richtlinien für das Fahrzeugwesen (Fzw-R) in der geltenden Fassung des Erlasses GZ: BMI-RS1200/0219/IV/1/d/2005, ohne Datum, hier: 1.2 Abkürzungsverzeichnis, S. 3. (Online (PDF; 35 kB) auf der Website der Polizeigewerkschaft-FSG, abgerufen am 1. August 2018).
Die Bezeichnung Streifenwagen ist durch den Streifendienst mit den ursprünglich zu Fuß „streifenden“ Polizeivollzugsbeamten entstanden. Mit der Ausstattung der Polizei mit Automobilen wurde sie auf die Fahrzeuge übertragen und gebräuchlich. Neben den Streifenwagen gibt es noch weitere Polizeifahrzeuge für andere Aufgaben. Als noch nicht alle Streifenwagen über Funktechnik verfügten, unterschied man Streifenwagen (StW) und Funkstreifenwagen (FuStW), teils auch als Funkstreifenkraftwagen (FuStKW). Daneben sind vereinzelt weitere regionale Bezeichnungen bekannt.
Geschichte mini|Polizeifahrzeug der Stadtpolizei Akron, Ohio, 1899. mini|15 Polizeibeamte versammeln sich um ein Polizeifahrzeug vor der Venice Police Station, ca. 1920 Das erste Kraftfahrzeug einer Polizeibehörde war ein Batteriebus der Stadtpolizei von Akron (Ohio), der 1899 in Dienst gestellt, aber bereits im August 1900 während des Akron-Aufruhrs vom Mob entwendet und in den Ohio-Erie-Kanal gekippt wurde.
Erste Streifenwagen wurden in den weitflächigen Großstädten des amerikanischen Westens eingeführt. Die ersten beiden Städte, in denen systematisch Streifenwagen erprobt wurden, waren Kansas City/Missouri und Berkeley/Kalifornien. Hintergrund waren ausufernde Vorstädte, in denen die Fußstreife nicht mehr als adäquate Taktik zur Verhinderung und Verfolgung von Verbrechen angesehen wurde. Weitere Städte waren Detroit (1912) und Los Angeles (1913). Im April 1918 unterhielt die Detroiter Polizei 150 Streifenwagen, jeweils mit einem uniformierten und einem in zivil bekleideten Beamten besetzt.Fosdick, S. 309ff. 1919 besaß das New York City Police Department 33 Streifenwagen, 1925 bereits 100. Die ersten Fahrzeuge wurden noch als Squadron cars oder Squad cars (abgeleitet von Schwadron) bezeichnet, da sie eine größere Anzahl von Polizisten transportieren konnten. In Berlin setzte die preußische Schutzpolizei ab Mitte der 1920er Jahre so genannte Schnellpatrouillenwagen ein. 1926 verfügten die 15 Berliner Überfallkommandos über 31 Schnellpatrouillenwagen. Die Dresdner Polizei besaß zu diesem Zeitpunkt bereits 14 Streifenkraftwagen.Oswald, S. 14
1928 wurden zuerst in Detroit Streifenwagen mit Funkempfängern ausgerüstet. Die Polizei sendete wie ein kommerzieller Radiosender ein eigenes Musikprogramm, das bei Bedarf, z. B. bei der Fahndung nach gestohlenen Kraftfahrzeugen oder vermissten Kindern, für Durchsagen an die Streifenwagen unterbrochen wurde. Im März 1933 wurde von der Polizei in Bayonne, US-Bundesstaat New Jersey, der erste Gegensprechfunkverkehr in Streifenwagen eingeführt. Das System war von dem Radioingenieur Frank A. Gunther (1908–1999) und Lieutenant Vincent J. Doyle entwickelt worden. 1942 wurde in Hamburg ein erster Funkstreifenbetrieb mit sechs Radio- bzw. Radiostreifenwagen (RADIWA) eingerichtet. Bei Kriegsende wurde der Dienst eingestellt, erst am 5. Mai 1946 nahmen sieben nun „Peterwagen“ genannte Funkstreifenwagen den Funkstreifendienst wieder auf, die allerdings nur Funksprüche empfangen konnten. 1950 hatte sich die Zahl auf zwölf Fahrzeuge erhöht, die nun auch Funksprüche senden konnten.Hamburger Abendblatt vom 5. Mai 1950.
mini|Mercedes-Benz 170 In den 1950er Jahren löste der Funkstreifenwagen in New York endgültig den Fußstreifendienst ab. 1954 waren in Hamburg 40 Funkstreifenwagen im Einsatz, die (theoretisch) in der Lage sein sollten, innerhalb ihres Dienstbereichs einen Einsatzort innerhalb von zweieinhalb Minuten zu erreichen. Bis 1958 waren die Hamburger Funkstreifenwagen in einer speziellen Funkstreifenabteilung zusammengefasst; nach der Auflösung wurden die Beamten und Fahrzeuge auf die Revierwachen verteilt.Weinhauer, S. 61. Die Anzahl der Peterwagen wurde anlässlich der Neustrukturierung von 68 auf nahezu 100 erhöht.Hamburger Abendblatt vom 11. Januar 1958.
Von der Wiener Polizei kommen 1955 die ersten sechs Funkstreifenwagen mit dem Rufnamen Anton bis Fritz in Einsatz. Fünf Jahre später waren schon Fahrzeuge bis Viktor in Einsatz.
Deutschland mini|Mercedes-Benz-E-Klasse der Polizei Hannover mini|Funkstreifenwagen VW Käfer der Niedersächsischen Schutzpolizei, 3. Polizeirevier Oldenburg-Osternburg, ca. 1978 mini|Deutsche Streifenwagen der Marke Volkswagen in grün-weißer Farbgebung
Fahrzeugtypen und Marken Streifenwagen sind in Deutschland überwiegend Limousinen und Kombifahrzeuge der automobilen Mittel- oder oberen Mittelklasse sowie Kleinbusse (vor allem in Einsatzhundertschaften). In besonderen Aufgabenbereichen, z. B. für Revierpolizisten oder dem Objektschutz, werden aber auch Fahrzeuge der Kompaktklasse oder Kleinwagen eingesetzt. Bis zur Ablösung durch den VW Passat in den 1970er Jahren war der VW Käfer der am meisten verbreitete Streifenwagen, trotz seiner bekannten Mängel wie mangelnder Größe und seiner Zweitürigkeit; Mängel, die nach Oswald nicht durch "Wirtschaftlichkeit, Robustheit und Lebensdauer" ausgeglichen werden konnten.Oswald, S. 81. 1948/49 stellte Volkswagen in Zusammenarbeit mit der Osnabrücker Firma Karmann einen eigens für den Polizeidienst konzipierten Streifenwagen Typ 11 A her, von dem 482 Exemplare ausgeliefert wurden. Es handelte sich um ein Cabriolet mit offenen Seiten und einem Faltdach mit Heckfenster. Die unteren Seitenteile konnten bei Schlechtwetter mit Planen abgedeckt werden.Oswald, S. 70.
mini| Porsche 356 Cabrio der Autobahnpolizei NRW Streifenwagen der Autobahnpolizei waren in seltenen Fällen auch Sportwagen oder Sportlimousinen, beispielsweise Porsche 911 und 924 sowie BMW M3. Das in Deutschland am meisten verbreitete Fahrzeug bei der Polizei ist derzeit der BMW 3er.
Ausstattung Streifenwagen sind in der Regel mit einer Sondersignalanlage (im Normalfall mit eingebauten Lautsprechern), BOS-Funk (teilweise mit Funkmeldesystem) und Anhaltesignalgebern ausgestattet. Im Fahrzeug werden Ausrüstungsgegenstände für die verschiedensten Szenarien mitgeführt. Für den Einsatz bei Verkehrsunfällen gehören dazu beispielsweise Feuerlöscher, Nothammer, Erste Hilfe Material, Warnleuchten, Verkehrsleitkegel, Winkerkelle, Fotoapparat, Maßband und Fettkreide. Zudem sind für den Einsatz in Ad-hoc Situationen mit Bedrohungslage neben einer Maschinenpistole (häufig Typ Heckler und Koch MP5) auch andere Führungs- und Einsatzmittel an Bord, je nach Bundesland z. B. eine erweiterte Körperschutzausstattung und ein Einsatzschild.
Einige neuere Streifenwagen der Autobahnpolizei verfügen zusätzlich über eine Videokamera in der Frontscheibe, manchmal auch in der Heckscheibe, die sich einschaltet, sobald der Anhaltesignalgeber betätigt wird. Die Kamera kann auch manuell, beispielsweise bei einer Verfolgungsfahrt, eingeschaltet werden. In speziellen zivilen Messfahrzeugen sind Videokameras bereits seit Längerem Standard, insbesondere im Hinblick auf die Aufzeichnung von Verkehrsverstößen.
Farbgebung mini|Streifenwagen der Volkspolizei Die Karosserie deutscher Streifenwagen war ab 1975 weiß lackiert, wobei die beweglichen Teile wie Türen, Motorhaube und Kofferraumdeckel minzgrün lackiert oder später foliert waren. In einigen Ländern (z. B. Bayern und mit Einführung der Folienbeklebung auch Hamburg) wurde eine komplett weiße Karosserie mit einem minzgrünen Streifen im Seitenbereich, genannt Bauchbinde, über die gesamte Fahrzeuglänge ausgestattet.
Streifenwagen der Gendarmerie in Rheinland-Pfalz und der Autobahnpolizeien in Nordrhein-Westfalen und Hessen waren in den 1950er/60er Jahre vollständig weiß lackiert. In Hessen wurden die Fahrzeuge zu Beginn der 1970er Jahre zur Verbesserung der Wahrnehmbarkeit versuchsweise an den Seiten mit roten fluoreszierenden Klebefolien versehen und Bug und Heck mit roter Tagesleuchtfarbe markiert.Oswald, S. 92.
Nach der Wiedervereinigung 1990 bekamen die bis dahin hellelfenbein- und olivgrünfarbenen Fahrzeuge der Volkspolizei auch das weiß-grüne Aussehen.
Um einen höheren Wiederverkaufswert ausgedienter Streifenwagen zu erreichen, wechselte die Grundfarbe der Streifenwagen ab 2002 schrittweise zu einer Silbermetallic-Lackierung; die grünen bzw. blauen Farbflächen bestanden hingegen aus relativ leicht entfernbarer Folie.
Bei fast allen Polizeien werden heute neue Fahrzeuge in der Farbgebung Blau-Silber bzw. Blau-Weiß beschafft. Die blaue Farbgebung geht auf europäische Bestrebungen zurück, alle Polizeifahrzeuge europaweit einheitlich zu gestalten. Die aktuelle Fahrzeuglackierung ist Verkehrsblau (RAL 5017) in Verbindung mit Silber bzw. Weiß. Als letzte Landespolizei wechselte 2016 Bayern von der Farbgebung Grün-Silber auf Blau-Silber, nach wie vor sind dort noch einzelne Streifenwagen und Einsatzfahrzeuge in Grün-Silber im Einsatz.
Da die Fahrzeuge oft geleast sind, werden die grünen bzw. blauen Flächen nicht mehr lackiert, sondern mit spezieller Folie geklebt. Ober- und unterhalb der Folie wird meist eine retroreflektierende Konturmarkierung in Form von einzelnen Rechtecken, genannt „GAPS“, angebracht. Die genaue Ausführung variiert teilweise von Fahrzeug zu Fahrzeug. In Hamburg wird zudem traditionell nur seitlich eine farbliche Absetzung vorgenommen. Fast immer erhalten die Fahrzeuge zusätzlich fluoreszierend gelbe Applikationen.
Das Fahrzeugleasing steht gegenwärtig zur Debatte, da es Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Modells gibt. Infolgedessen gibt es Überlegungen, Fahrzeuge wieder selbst anzuschaffen.
Kennzeichen
Bis zur Abschaffung der Behördenkennzeichen im Jahr 2007 begannen die Kfz-Kennzeichen der Streifenwagen normalerweise mit dem Kürzel des Sitzes des jeweiligen Polizeipräsidiums, teilweise dem der Landeshauptstadt und zeigten neben dem Zulassungsbezirk keine weiteren Buchstaben. Meist begann die Ziffernkombination mit 3 oder 7.
Seit dem 1. März 2007 handhaben die Länder die Vergabe der Kennzeichen für Polizeifahrzeuge unterschiedlich: