Die Bahnstrecke Ústí nad Labem západ–Bílina (früher auch Bielatalbahn) ist eine zweigleisige, elektrifizierte Eisenbahnverbindung in Tschechien, die ursprünglich durch die k.k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn (ATE) erbaut und betrieben wurde. Sie zweigt in Ústí nad Labem von der Bahnstrecke Ústí nad Labem–Chomutov ab und führt im Tal der Bilina (Biela) über Trmice (Türmitz) und Úpořiny (Auperschin) nach Bílina (Bilin).

Im Eisenbahnnetz der Tschechischen Republik ist die Strecke als gesamtstaatliche Bahn („celostátní dráha“) klassifiziert.

Geschichte

Der Reichenberger Industrielle Johann Liebieg wollte mit der Strecke eine alternative Verbindung zur ATE schaffen, um deren Monopol im Kohleverkehr zu brechen. Es ging ihm dabei insbesondere um einen kostengünstigeren Transportweg für die im eigenen Bergwerk bei Teplitz geförderte Kohle für seine Fabriken. Am 25. Juni 1870 erhielt die Firma Liebieg & Comp. die Konzession für eine Eisenbahn „von Bilin durch das Biela=Thal nach Aussig“.Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder 98/1870 vom 9. August 1870 Johann Liebieg war jedoch bereits seit 1869 einer der Konzessionäre der Dux-Bodenbacher Eisenbahn (DBE), deren erster Teilabschnitt im Oktober 1871 in Betrieb ging. Damit war sein Ziel erreicht und es kam nicht zu einem Baubeginn.I. Konta: Band 1.2. 1898, S. 118Erzgebirgs-Zeitung - Deutsche Ausgabe - Jahrgang 2022, S. 22.: Dux-Bodenbacher Eisenbahn. Českojiřetínský spolek / Georgendorfer Verein, Litvínov 2023, ISSN 2570-7590

Seitens der Aussig-Teplitzer Eisenbahn fürchtete man die neue Konkurrenz, sollte die geplante neue Linie doch weitgehend parallel zur eigenen Hauptstrecke verlaufen. Am 20. September 1871 beschloss die Gesellschafterversammlung der ATE den Ankauf der erteilten Konzession.Denkschrift anläßlich des 50. Betriebsjahres der k.k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahngesellschaft 1908; S. 8 Die Verhandlungen mit der Firma Johann Liebig & Comp führten wenig später zum Erfolg. Am 21. Jänner 1872 wurde die Konzession per Gesetz auf die Aussig-Teplitzer Eisenbahn übertragen. Gesetzlich vorgeschrieben war nun die Fertigstellung der Strecke „spätestens gleichzeitig mit der in Aussig anschließenden Strecke der Österreichischen Nordwestbahn“.Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder 7/1872 vom 24. Februar 1872 Im Gegensatz zum ursprünglichen Projekt sollte die Strecke nun in Türmitz in die bestehende Linie der ATE einmünden.I. Konta: Band 1.2. 1898, S. 118–120

Den Bau der insgesamt 26,1 Kilometer langen Strecke übernahm die Prager Firma Schön & Wessely. Eröffnet wurde die neue Verbindung am 6. Juni 1874, ein halbes Jahr nach der Fertigstellung der Linie Nimburg–Schreckenstein–Aussig der Österreichischen Nordwestbahn.

Um die Jahrhundertwende begann man wegen des stark gestiegenen Verkehrsaufkommens mit dem zweigleisigen Ausbau der Strecke. So wurde ab 1900 der Abschnitt Auperschin–Kuttowitz-Schwaz zweigleisig betrieben.

Der Sommerfahrplan von 1912 verzeichnete auf der Gesamtstrecke drei gemischte Zugpaare 2. und 3. Klasse. Ein weiteres verkehrte nur zwischen Auperschin und Bilin. Sie benötigten für die Strecke von Aussig Teplitzer Bahnhof bis Bilin etwa eineinhalb Stunden.Fahrplan der kkStB – gültig vom 1. Mai 1912.

Mit der Verstaatlichung der ATE zum 1. Jänner 1924 ging die Strecke an die Tschechoslowakischen Staatsbahnen (ČSD) über. Ab den 1930er Jahren setzten die ČSD moderne Motorzüge ein, was einerseits eine Verkürzung der Fahrzeiten als auch eine signifikante Verdichtung des Fahrplanes ermöglichte. Im Winterfahrplan von 1937 gab es sieben Personenzugpaare zwischen Aussig Stadt und Bilin, die teilweise bis Bilin Sauerbrunn durchgebunden waren. Werktags verkehrte ein weiteres.Winterfahrplan 1937/38 der ČSD – gültig ab 3. Oktober 1937.

Nach der Angliederung des Sudetenlandes an Deutschland im Herbst 1938 kam die Strecke zur Deutschen Reichsbahn, Reichsbahndirektion Dresden. Im Reichskursbuch war die Verbindung nun als KBS 167e Aussig–Bilin Sauerbrunn enthalten.Deutsches Kursbuch – Jahresfahrplan 1944/45 Im Zweiten Weltkrieg nahm der Güterverkehr weiter zu. Neben den Kohlezügen liefen über die Strecke nun auch Kesselwagen-Ganzzüge mit flüssigen Kraftstoffen aus dem neu aufgebauten Hydrierwerk Maltheuren bei Brüx. mini|links|Haltestelle Stadice (2013) Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Strecke wieder zu den ČSD. Der Kohleverkehr auf der Strecke nahm weiter zu. Die ČSD reagierte auf das gestiegene Verkehrsaufkommen mit dem vollständig zweigleisigen Ausbau der Strecke bis 1956. Um die Kapazität für den Güterverkehr weiter zu erhöhen, verlagerten die ČSD den Reiseverkehr im Frühjahr 1962 auf einen Schienenersatzverkehr mit Autobussen. Im Dezember 1962 ging bei Světec eine zentrale Kohlenaufbereitung (úpravna uhlí Ledvice) in Betrieb, die über eine Schleppbahn direkt an die Strecke angeschlossen wurde. Der Güterverkehr nahm daraufhin noch weiter zu. Nach Protesten der örtlichen Nationalausschüsse nahmen die ČSD am 1. Jänner 1967 den Personenverkehr wieder auf.

In den Jahren 1967 und 1968 wurde die Strecke als Teil der tschechoslowakischen Hauptverkehrsachse Košice–Chomutov elektrifiziert. Am 18. März 1968 ging zudem die neue Streckenführung zwischen Bílina Chudeřice und dem neu gebauten Bahnhof Bílina an der Bahnstrecke Ústí nad Labem–Chomutov in Betrieb.

Folgende Tabelle zeigt die Eröffnungsdaten des elektrischen Zugbetriebes:

Eröffnung Strecke 24. Mai 1967 Trmice–Řehlovice 27. Oktober 1967 Řehlovice–Ohníč 28. Dezember 1967 Ohníč–Bílina Chudeřice 18. März 1968 Bílina-Chudeřice–Bílina

In den Folgejahren nahm der Güterverkehr auf der Strecke weiter zu. Ab 30. Mai 1976 ging der Personenverkehr erneut auf einen Schienenersatzverkehr über. Im Kursbuch der ČSD war die Strecke allerdings als Strecke 131 Obrnice–Úpořiny–Ústí nad Labem auch weiterhin enthalten.Fahrplan 1988/89 der ČSD Erst nach der samtenen Revolution wurde der Reisezugverkehr am 26. Mai 1991 wieder aufgenommen. mini|links|Bahnhof Ohníč (2014) Am 1. Jänner 1993 ging die Strecke im Zuge der Auflösung der Tschechoslowakei an die neu gegründeten České dráhy (ČD) über. Seit 2003 gehört sie zum Netz des staatlichen Infrastrukturbetreibers Správa železniční dopravní cesty (SŽDC), heute: Správa železnic (SŽ).

Der Fahrplan 2012 der ČD sah werktags insgesamt zehn tägliche Reisezugpaare in der Relation Ústí nad Labem hlavní nádraží–Bílina vor, die in einem Zweistundentakt verkehrten. (PDF; 131 kB)

Nach einer Neuausschreibung der Verkehrsleistungen durch den ÖPNV-Aufgabenträger Ústecký kraj werden die Personenzüge der Linie U5 seit 15. Dezember 2019 von RegioJet (RJ) gefahren. Im Jahresfahrplan 2026 verkehren die Züge im Zweistundentakt, der werktags im Berufsverkehr zu einem Stundentakt verdichtet ist. Ein Teil der Züge wird bis Most durchgebunden. Die Züge begegnen sich jeweils zur vollen Stunde zur üblichen Symmetrieminute in Úpořiny.Jahresfahrplan 2026 - gültig ab 14. Dezember 2025

Literatur

Weblinks

Ústí nad Labem–Úpořiny–Bílina auf www.zelpage.cz

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Tschechien