mini|Niederschlagsdiagramm Giebringhausen

Giebringhausen ist ein Ortsteil der Gemeinde Diemelsee im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geographische Lage Giebringhausen liegt im Naturraum Vorupländer Hügelland im Naturpark Diemelsee nahe dem Einfluss der durch die Ortschaft fließenden Diemel in den Ostarm des Stausees Diemelsee. Zu den Bergen der Gemarkung gehört die Hohe Egge (). Die Landesstraße 3082 führt von Sudeck im Nordosten durch Giebringhausen nach Deisfeld im Süden. In Richtung Norden verläuft die Kreisstraße 71 nach Heringhausen am Diemelsee, nach Nordwesten die K 69 nach Stormbruch; von dieser zweigt nahe Giebringhausen die K 70 nach Ottlar im Westsüdwesten ab. Der Gemarkung der Gemeinde werden 708 Hektar zugerechnet.

Nächstgrößere Orte sind: OrtEntfernungRichtungGrößenordnungin 1000 EinwohnerLuftStraßeAdorf (Diemelsee)6 km6 kmNordosten1–2Willingen (Upland)8 km10 kmSüdwesten5–10Niedermarsberg15 km22 kmNordosten5–10Korbach12 km17 kmSüdosten20–25inklusive EingemeindungenBrilon13 km20 kmNordwesten25Bad Arolsen20 km22 kmOsten15–20Paderborn42 km60 kmNorden150Kassel52 km66 kmOsten200

Geschichte Ortsgeschichte Von Norden her begann um das Jahr 695 herum die Besiedelung des zuvor dünnbesiedelten Gebietes durch Engern. Daraus resultierte der ursprüngliche Ortsname, der auf „Nachfahren des Gevhard“ (Gebhard, oder Gerhard, „ing“ für „Nachkommen“) verweist, aber erst 1168 als Gevardinchusen erstmals schriftliche Erwähnung findet. Sprachwissenschaftlich muss hier wohl von einer Besiedelung und Benennung des Ortes um 700 ausgegangen werden.Giebringhäuser Ortssippenbuch S. 24

In einem Streitfall mit Gottschalk dem Jüngeren von Padberg und einem Pächter ist in Givehardinchusen von einem Hof die Rede, der zum Kloster Bredelar gehört. Gleichzeitig gehören in Givehardinkusen (diesmal mit k) drei Höfe zum Kloster Flechtdorf. Zusammen mit drei Höfen, die die Grafen von Waldeck an die von Scharpenberg zum Lehen übertragen hatten, werden Mitte des 14. Jahrhunderts 7 Höfe in Giebringhausen bestanden haben. Ein flächendeckendes Hoheitsgebiet gab es in dieser Zeit noch nicht. Die Grafen von Schwalenberg waren ja eben erst als Vögte von Corvey und Paderborn gekommen und hatten das Haus Waldeck begründet.

Nach einer Fehde mit der Stadt Corbach fiel Giebringhausen zusammen mit anderen „padbergischen Dörfern“ 1413 mit den klösterlichen Besitzungen endgültig von Padberg an Waldeck. Damit erhielten die Grafen von Waldeck aus Giebringhausen eine Schatzung in Höhe von 25 Florenes. In der Folgezeit wurden jedoch wohl Höfe in den benachbarten Siedlungen Holzhausen, Meldinghausen und Ratmaringhausen aufgegeben und das Land von Giebringhausen aus bewirtschaftet. Dazu kommt, dass die Grafen von Waldeck wohl auch Höfe verpfändet haben. So hatte Giebringhausen Mitte des 16. Jahrhunderts 13 Höfe, „die dem Grafen von Waldeck nicht gehörten“ – in der Hauptsache zu Padberg, Bredelar oder Canstein gehörend.Giebringhäuser Ortssippenbuch S. 25f

Die bekannten historischen Erwähnungen finden sich in folgender Übersicht: Gevardinchusen, in (1168) [Kop. 17. Jahrhundert Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 166, Nr. 914]: Übergabe von drei Höfen von Philipp von Cöln an seinen Gefolgsmann Gottschalk von Padberg Givehardinchusen (1194) [Kop. 14. Jahrhundert Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 297–298, Nr. 1482] Givehardinkusen, in (1194) [Kop. 14. Jahrhundert Regesten der Erzbischöfe von Köln 2, S. 299, Nr. 1488]: Bestätigung über Besitz von einem Vorwerk und zwei Hufen von Adolf von Cöln gegenüber dem Kloster Flechtdorf Giveherdinchusen, in (1201) [Urkunden Kloster Bredelar, S. 46–47, Nr. 6] Gyverdinchusz, in (1332–1344) [Urkunden zur Geschichte der Fürstenthümer Waldeck und Pyrmont, bearb. von Louis Curtze, o. J., Exemplar in der Dienstbibliothek des Hessischen Staatsarchivs Marburg, S. 39–50, Nr. 31] Geverdinghausen, in (1376) [Urkunden Kloster Bredelar, S. 207, Nr. 408] Geverinckusen (1537) [HStAM Bestand 127 Nr. 3] Gibbringhausen (1733) [HStAD Bestand P 23 Nr. 56]

Im Jahr 1530 wird erstmals eine Mühle genannt. Ab 1556 wurden große Eisenbergwerke im Tagebau betrieben. „Am Niegelscheid“ in Ortsnähe war vom 17. bis zum 19. Jahrhundert ein Kalksteinbruch in Betrieb, in dem schwarzer Marmor gebrochen wurde. Aus den Marmorbrüchen von Giebringhausen wurde um 1730 das Baumaterial für das Jagdschloss Carlsruhe in Sudeck gewonnen.Moritz von Engelhardt, Karl von Raumer Geognostische Versuche, Berlin, 1815 Seite 63

Während des Dreißigjährigen Krieges war Waldeck auf der Seite der Protestanten. In dieser Zeit wurde Giebringhausen von Lothar von Bönninghausen geplündert, sodass von ursprünglich 19 Häusern nach Kriegsende nur noch 10 standen.Giebringhäuser Ortssippenbuch S. 30f Derweil konnte sich Franz von Waldeck als Fürstbischof zumindest in Münster nicht mit einer Reformation durchsetzen. Aus der nichtehelichen Beziehung zu einer Anna Polmann gingen mehrere Kinder mit dem Namen von Waldeck hervor. Doch zum Ende des 17. Jahrhunderts taucht der Name Pohlmann plötzlich gleichzeitig in vielen Dörfern Waldecks auf. So war ein Johann Pohlmann in Giebringhausen als Faktor und Reidemeister der Hanse angeschlossen und besaß Anteile an mehr als einer Hammermühle. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hat Giebringhausen dann auch wieder 20 Anwesen und kann als von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges erholt gelten.Giebringhäuser Ortssippenbuch S. 35

Ein Bergwerk zur Bleigewinnung wurde im Jahr 1730 angelegt, ohne auf abbauwürdige Erze zu treffen.Gabert, Kreusler, Schumacher, Waldeckische gemeinnützige Zeitschrift, Band 1, Arolsen, 1837, Seite 163 (Originaldokument) Per Wahlgesetz vom 23. Mai 1849 wurde der Ort durch Emma Fürstin zu Waldeck und Pyrmont dem Wahlkreis VII. des Reichsfürstentums Waldeck-Pyrmont zugeordnet.A. Rauch, Parlamentarisches Taschenbuch enthaltend die Verfassung …, Erlangen, 1849, Seite 200 bis 201 (Originaldokument)

Kurioses Im Jahr 1810 wurde der Giebringhäuser Johann Friedrich Lages im Amtsblatt der Regierung Minden als Vagabund aktenkundig.Amtsblatt der Regierung Minden, 1810, Seite 262 Originaldokument

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1971 entstand im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Adorf, Benkhausen, Deisfeld, Flechtdorf, Giebringhausen, Heringhausen, Ottlar, Rhenegge, Schweinsbühl, Stormbruch, Sudeck, Vasbeck und Wirmighausen die neue Gemeinde Diemelsee. Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Adorf. Für die ehemals selbständigen Gemeinden von Diemelsee wurden gemäß Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen grundsätzlich den Gemarkungsgrenzen.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Giebringhausen angehört(e):

1536 und später: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg ab 1712: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1806: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg ab 1815: Fürstentum Waldeck, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Kornbach) ab 1816: Fürstentum Waldeck, Oberjustizamt des Eisenbergs (Sitz in Kornbach) ab 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (seit 1849), Kreis des Eisenbergs (Sitz in Korbach)Trennung zwischen Justiz (Kreisgericht Korbach) und Verwaltung. ab 1867: Fürstentum Waldeck-Pyrmont (Akzessionsvertrag mit Preußen), Kreis des Eisenbergs ab 1871: Deutsches Reich, Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1919: Deutsches Reich, Freistaat Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs ab 1929: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis des Eisenbergs ab 1942: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck, Gemeinde DiemelseeAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Diemelsee. ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg, Gemeinde Diemelsee

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Giebringhausen 141 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 45 waren zwischen 18 und 49, 30 zwischen 45 und 64 und 45 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 57 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 18 Paare mit Kindern, sowie 3 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 21 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 24 Haushaltungen leben keine Senioren.

Einwohnerentwicklung  Quelle: Historisches Ortslexikon 1541: 13 Häuser 1620: 19 Häuser 1650: 10 Häuser 1738: 21 Häuser 1770: 26 Häuser, 156 Einwohner

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: 275 evangelische (= 97,17 %) zwei katholische (= 0,71 %), sechs anderes christliche-konfessionelle (= 2,12 %) Einwohner • 1961: 170 evangelische (= 93,41 %), 12 katholische (= 6,59 %) Einwohner

Kirche Im Jahre 1542 wird erstmals eine Kapelle als Filial von Adorf erwähnt. Sie soll sich links von der Landstraße nach Deisfeld nahe der Diemel befunden haben. Die Giebringhäuser mussten an die Pfarrei den Küsterhafer, den Opferroggen und die Besoldungsfrucht liefern. Zusätzlich musste dem Adorfer Pfarrer ein Fuhrwerk gestellt werden, damit dieser zum Gottesdienst, zum Schulexamen oder einem Verstorbenen kommen konnte. Der Gottesdienst in Giebringhausen fand an zehn Sonntagen im Jahr statt. Während der übrigen Zeit musste man nach Sudeck oder Adorf zum Gottesdienst. Konfirmationen, Eheschließungen, Taufen sowie Beisetzungen fanden in Adorf statt.

Erst 1829 bekam der Ort einen eigenen Friedhof (Totenhof). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser eingeebnet. Der heutige Friedhof wurde im Jahr 1906 angelegt.

1841 wurde die heutige Kirche erbaut. Anfang der 1970er Jahre wurde an der Nordseite eine Sargkammer angebaut. Seit den 1950er Jahren wurden immer wieder Renovierungen durchgeführt. Die sich hinter dem Altar befindliche Kanzel wurde abgerissen und eine Neue am Fenster errichtet. Im Jahr 2002 wurde ein großes Fresko des Arolser Künstlers Dieter Blum in einer Nische hinter dem Altar geschaffen. Das Fresko zeigt den guten Hirten, aus der Bibelstelle „Der Herr ist mein Hirte – mir wird nichts mangeln“. Dieser Psalm, der Psalm 23, befindet sich rechts neben dem Bild. Seit 1960 gehört Giebringhausen zum Kirchspiel Heringhausen.Artikel aus der Serie: „Kirchen im Waldecker Land“ in der HNA Waldeckische Allgemeine (vom 25. Oktober 2006)

Kultur und Sehenswürdigkeiten Im ehemaligen Marmor-Steinbruch existiert eine geräumige Schutzhütte. Hier wird dann auch ein alljährliches „Kartoffelbraten“, ein Grillfest von der Freiwilligen Feuerwehr Giebringhausen ausgerichtet. An der Kreisstraße steht seit 1984 unweit des Friedhofs die Landrat-Dr.-Reccius-Eiche. Sie bezeichnet den geographischen Mittelpunkt des Naturparks Diemelsee. Die Diemel folgt einem weitgehend natürlichen Verlauf. Sie ist hier ein gerade sommertags flaches zügig fließendes Gewässer, das Kinder im Grundschulalter zum Spielen einlädt. In der Nähe des Diemelsees wurden vor wenigen Jahren Biber aus Süddeutschland ausgesetzt. An der Gemarkungsgrenze zu Heringhausen existiert ein Jugendzeltplatz am Diemelsee.