Der Hurrikan Katrina gilt als eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Der Hurrikan richtete Ende August 2005 in den südöstlichen Teilen der USA, insbesondere an der dortigen Golfküste, gewaltige Schäden an und erreichte zeitweise die Stufe 5. Zu den betroffenen Bundesstaaten gehörten Florida, Louisiana (besonders der Großraum New Orleans), Mississippi, Alabama und Georgia.

Die Schwere der Zerstörungen und die Verluste an Menschenleben durch den Hurrikan führten dazu, dass der Name Katrina von der World Meteorological Organization im April 2006 von der Liste der Namen tropischer Wirbelstürme gestrichen wurde. Das National Hurricane Center korrigierte am 4. Januar 2023 seinen Bericht über die Zahl der Todesopfer aus dem Jahr 2014 und reduzierte darin die Zahl der Toten von 1833 auf 1392. Der Sachschaden belief sich auf etwa 125 Milliarden US-Dollar (97,3 Milliarden Euro). Insbesondere die Stadt New Orleans war stark betroffen: Durch ihre geographische Lage führten zwei Brüche im Deichsystem dazu, dass bis zu 80 Prozent des Stadtgebietes bis zu 7,60 Meter tief unter Wasser standen.

Sturmverlauf Überblick mini mini|Windfeld von Hurrikan Katrina mini|Auge des Hurrikans Katrina, aufgenommen aus einem NOAA-P-3-Flugzeug

Der Hurrikan bildete sich am 23. August während der Atlantischen Hurrikansaison 2005 über den Bahamas und überquerte Florida zunächst als gemäßigter Hurrikan der Kategorie eins, bevor er im Golf von Mexiko rasant an Stärke gewann und zu einem der heftigsten Wirbelstürme wurde, die dort jemals verzeichnet wurden. Als er das Land erreichte und die Überflutung von New Orleans auslöste, hatte er schon bedeutend an Energie verloren und war bereits in die Kategorie drei abgestuft worden.

Details Am 23. August bildete sich bei den südöstlichen Bahamas das zwölfte tropische Tiefdruckgebiet (tropical depression) der Saison als Folge der Wechselwirkung einer tropischen Welle und den Überbleibseln des zehnten tropischen Sturmtiefs. Unter günstigen Voraussetzungen konnte sich daraus schon am Morgen des nächsten Tages ein gewaltiger tropischer Sturm entwickeln, der fortan den Namen „Katrina“ trug. Schon am 24. August verstärkte sich die Zyklone zu einem tropischen Sturmtief (tropical storm). Am Morgen des 25. August 2005, kurz nachdem Katrina als Hurrikan Stufe eins klassifiziert worden war, zog er unter weiterer Intensivierung zunächst nach Nordwesten, dann nach Westen und erreichte in der Nähe von Miami zwischen den Städten Hallandale und Aventura schließlich die Südspitze Floridas. 14 Menschen kamen dabei ums Leben.https://www.aoml.noaa.gov/general/lib/lib1/nhclib/mwreviews/2005.pdf (S. 1140) Katrina schwächte sich über Land leicht ab und wurde für einige Stunden vom Hurrikan zum Tropensturm herabgestuft.

Eine Stunde, nachdem er den Golf von Mexiko erreicht hatte, erlangte er wieder den Status eines Hurrikans. Durch hohe Wassertemperaturen um 30 °C sowie infolge einer starken Divergenz der Höhenströmung setzte ein rapider Druckabfall und damit eine massive Verstärkung ein. Am Morgen des 27. August erreichte der Sturm die dritte Stufe der Saffir-Simpson-Hurrikan-Windskala (major hurrican), wodurch er zum dritten Großen Hurrikan des Jahres anwuchs. Der Kerndruck war mittlerweile auf 940 hPa gefallen sowie die Windgeschwindigkeiten auf 185 km/h angestiegen. Am Morgen des 28. August 2005 wurde er schließlich in Stufe fünf gesetzt und um ein Uhr nachmittags erreichte er seine maximale Stärke. Katrina wies zu diesem Zeitpunkt Windgeschwindigkeiten von bis zu 280 km/h sowie Sturmböen von bis zu 344 km/h auf. Sein Kerndruck war auf 902 hPa abgefallen. Katrina war damit einer der schwersten gemessenen Stürme im Golf von Mexiko, wurde aber nur wenige Wochen später von Hurrikan Rita übertroffen.

In den frühen Morgenstunden des 29. August 2005 (Montag), kurz nachdem er durch interne turbulente Prozesse auf die Stufe vier zurückgestuft wurde, traf er bei Buras-Triumph in Louisiana auf die Südküste der USA. Beim Auftreffen auf das Festland verringerte sich die Windgeschwindigkeit auf 200 km/h. Nachdem er sich über das südöstliche Louisiana bewegt hatte, wurde er in der Nähe des Mississippi River zum dritten Mal von Land gesichtet. Dabei schwächte er sich in der Nacht zum 30. August zum tropischen Sturm und schließlich zum tropischen Tief ab.Malberg, H. (2007): Meteorologie und Klimatologie. Springer Verlag, Berlin & Heidelberg. S. 155f. ISBN 3-540-37219-9

Etwa 1,3 Millionen Menschen verließen nach entsprechenden Aufrufen der lokalen Behörden das Gebiet rund um New Orleans und flüchteten bis nach Texas. Schon einige Tage vor dem Landgang Katrinas bei New Orleans hatte der National Weather Service vor Katrina gewarnt und kontinuierlich neue Modellrechnungen über Intensität und Zugbahn des Hurrikans veröffentlicht sowie Informationen über die zu erwartenden Niederschläge und Flutwellen bereitgestellt. Die Beobachtungsdaten stammten hauptsächlich von Wettersatelliten und Hurricane Hunters, die in die mittleren Höhenbereiche des Wirbelsturms einflogen und Fallsonden (Dropsonden) aussetzten. Diese Sonden lieferten Messdaten über Windgeschwindigkeit, Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchte, die per Funk zur Bodenstation gesendet wurden. Die Piloten berichteten, dass die Turbulenzen im eye-wall, dem Cumulonimbus-Wolkenwall um das Auge des Orkans, unvorstellbare Intensitäten erreicht haben sollen.Malberg, H. (2007): Meteorologie und Klimatologie. Springer Verlag, Berlin & Heidelberg. S. 156. ISBN 3-540-37219-9

Vorbereitungen auf den Sturm Florida Beim Auftreffen von Katrina auf Florida gab es nur ungenügende Warnungen, da sich der Sturm sehr schnell von einem harmlosen Unwetter in einen Hurrikan verwandelt hatte. Als Katrina in Höhe Miami-Dade- und Broward County auf das südliche Florida traf, konnte die Küstenwache viele Personen, die im betroffenen Gebiet wohnten, evakuieren. Am 25. August 2005 erreichte der Hurrikan die Städte Aventura (Miami-Dade County) und Hallandale (Broward County). Allerdings hatten die Prognosen des National Hurricane Center (NHC) zutreffend vorausgesagt, dass sich Katrina auf die Größe eines Hurrikans verstärken würde, bevor er das Land erreichte; Beobachtungen und entsprechende Warnungen waren bereits zwischen 31,5 und 19,5 Stunden vorher veröffentlicht worden, also nur geringfügig verspätet gegenüber dem üblichen Zielkorridor von 24 bis 36 Stunden.

Als Reaktion auf das Vorrücken von Katrina auf die Küste rief Floridas Gouverneur Jeb Bush am 24. August den Notstand aus. Im südlichen Teil des Bundesstaates wurden daraufhin Unterkünfte eröffnet sowie Schulen geschlossen. Ebenso wurde eine Reihe von (meist freiwilligen) Evakuierungsaufforderungen erlassen. Für die besonders gefährdeten Wohnungen in Martin County wurde die Evakuierung gesetzlich angeordnet.

US-Regierung Am Vormittag des 25. August um zehn Uhr hatte sich Katrina, die sich noch im Golf von Mexiko befand, auf die Stufe drei vergrößert. Am Nachmittag erkannte das National Hurricane Center, dass Katrina bereits den Weg über die Halbinsel von Florida eingeschlagen hatte, und revidierte seine überarbeitete Prognose, wonach der Sturm vom Zipfel Floridas direkt zur Mississippi-Küste ziehen würde. Das NHC richtete daraufhin am 27. August um zehn Uhr vormittags ein besonderes Augenmerk auf die Situation im südöstlichen Louisiana, einschließlich New Orleans und dessen nähere Umgebung. Am Nachmittag beschloss das NHC, die Beobachtung auf die Küstenlinien der Staaten Mississippi und Alabama sowie die Küstengebiete Louisianas bis nach Intracoastal City auszudehnen.

Am 27. August, bevor der Sturm wieder die Küste erreichte, der mittlerweile auf Stufe 3 hochgestuft worden war, rief US-Präsident George W. Bush den Notstand für die drei Bundesstaaten Louisiana, Mississippi und Alabama aus. Am selben Abend erhöhte das NHC seine Prognose für den Abschnitt Morgan City (Louisiana) und die Grenze zwischen Florida und Louisiana wiederum, indem es zwölf Stunden nach der vorherigen Bekanntgabe eine Hurrikanwarnung verkündete. Ferner gab es für den Küstenbereich des nordwestlichen Floridas eine Warnung bezüglich eines tropischen Sturms heraus.

Am 28. August, als die Größe von Katrina bekannt wurde, dehnte das NHC seine Warnungen auf den gesamten Küstenbereich von Louisiana und den größten Teil des nordwestlichen Floridas aus. Das Büro New Orleans/Baton Rouge des nationalen Wetterdienstes gab daraufhin einen anschaulichen Lagebericht heraus, der voraussagte, dass die Region nach dem „vernichtenden Schaden“, der von Katrina verursacht worden war, „auf Wochen unbewohnbar“ sein werde; zu dieser Zeit waren die Auswirkungen von Katrina mit denen des Hurrikan Camille aus dem Jahr 1969 vergleichbar.

In weiten Gebieten des südöstlichen Louisiana sowie in den Küstengebieten der Bundesstaaten Mississippi und Alabama gab es sowohl auf freiwilliger als auch auf gesetzlich angeordneter Basis Evakuierungen. Insgesamt wurden etwa 1,2 Millionen Bewohner der Golfküste evakuiert.

New Orleans mini|Menschen fliehen in den Louisiana Superdome

Am 26. August wurde die Möglichkeit einer noch nie da gewesenen Katastrophe fest einkalkuliert. Viele Computermodelle hatten den potenziellen Weg von Katrina 230 Kilometer westlich vom Nordwesten Floridas festgelegt, die Stadt New Orleans lag genau im Zentrum der wahrscheinlichsten Route. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zugroute die Stadt trifft, betrug 17 Prozent, am 28. August erhöht auf 29 Prozent. Die Risiken eines direkten Auftreffens des Hurrikans auf New Orleans waren bekannt: Studien der Federal Emergency Management Agency und des United States Army Corps of Engineers hatten bereits davor gewarnt, dass dies zu einer massiven Überflutung führen könnte. Dadurch würden Tausende ertrinken, noch viele weitere würden an Krankheiten und an Mangel an sauberem Trinkwasser sterben, da sich das Flutwasser nur langsam aus der Stadt zurückziehen würde.

Abgesehen von möglichen Dammbrüchen sollte das vordere rechte Viertel des Hurrikans mit den stärksten Winden eine 8,5 Meter hohe Flutwelle verursachen; die Funktionsträger des Notfallmanagements befürchteten, dass diese die Deiche der Stadt New Orleans überwinden könnte und so eine Flutkatastrophe verursachen würde. Die besondere Gefahr für New Orleans beruhte auf seiner Lage: Insbesondere die Gebiete am nahe gelegenen Pontchartrain-See befinden sich unter dem Niveau des Meeresspiegels, die Stadt selbst zu etwa 80 %, ihr näherer Umkreis zu etwa 20 %.

Deshalb sollten die Stadt New Orleans und die gefährdeten Bereiche Louisianas an diesem Tag erstmals zwangsevakuiert werden. Ein Hurrikan der Stufe drei hätte den Southeast Louisiana Hurricane Evacuation and Sheltering Plan vom Januar 2000 auslösen sollen. Der Plan verteilte klar die Zuständigkeit der staatlichen Stellen; Personen, die über keine Kraftfahrzeuge verfügten, sollten mit Schulbussen evakuiert werden. Die Busse versanken jedoch ungenutzt.

Wer die Stadt nicht rechtzeitig verlassen konnte, sollte jetzt im Louisiana Superdome, dem Football-Stadion in New Orleans, Zuflucht finden. Die Zahl der Menschen, die in den Superdome flohen, lag zwischen 20.000 und 60.000. Auch der Superdome wurde während des Sturms schwer beschädigt und später von den Fluten eingeschlossen, so dass er ebenfalls evakuiert werden musste.

Übrige Golfküste mini|Satellitenaufnahme NOAA 28. August 2005