mini|Verlauf des Pharaonenkanals zur Zeit Pharao Sesostris III. (1878–1839 v. Chr.) mit vermuteter Verbindung zum Roten Meer
Der im Altertum angelegte Bubastis-Kanal (auch Ismailia-Kanal oder Necho-Kanal) gilt als Vorläufer des Sueskanals, obwohl er einen anderen Verlauf hatte: von Bubastis im östlichen Nildelta (dem heutigen Zagazig) in östlicher Richtung durch das Wadi Tumilat zum Timsahsee und von dort nach Süden ins Rote Meer. Die Gemeinsamkeit mit dem Sueskanal besteht eher in der Funktion einer schiffbaren Verbindung zum Roten Meer, an der die am Nil und im Nildelta ansässigen Ägypter eher interessiert waren als an einer Verbindung von Mittelmeer und Rotem Meer.
Der heutige Ismailia-Kanal zwischen Kairo und Ismailia ist ein Nachfolger des Bubastis-Kanals. Er dient seit dem Bau des Sueskanals der Wasserversorgung der Orte am Sueskanal und entlang dieses Kanals.
Kanalbauten im Alten Ägypten Kanal im Mittleren oder Neuen Reich? Es soll einen kleineren Kanal nördlich des späteren Bubastis-Kanals gegeben haben, der aber wohl nicht bis zum Roten Meer geführt wurde. Es gibt jedoch offenbar keine altägyptischen Zeugnisse, die diesen Kanal eindeutig belegen.Hadwiga Schörner: Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike. In: Skyllis – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie, Jahrgang 3, Heft 1, 2000, S. 38–43. Aus den Angaben von Aristoteles, Strabon und Plinius dem Älteren leiten einige ab, dass ein Kanalbau in der Zeit von Pharao Sesostris I. (1956 bis 1910 v. Chr.) erfolgt sei. Andere schreiben den Kanalbau bzw. die Behebung zwischenzeitlicher Versandungen dem Pharao Sesostris III. (1878 bis 1839 v. Chr.) bzw. Sethos I. (1290 bis 1279 v. Chr.) und Ramses II. (1279 bis 1213 v. Chr.) zu. Als Gründe dafür, dass der Kanal wohl nicht bis ins Rote Meer geführt wurde, werden zum einen die damals offenbar verbreitete Meinung genannt, dass der Wasserspiegel des Roten Meers höher liege als das Nildelta und deshalb das Nildelta überschwemmt werde, zum anderen die Befürchtung, dass auch bei gleichem Niveau Salzwasser in das Kanalsystem eindringen und dadurch die Bewässerung schädigen könne.
Kanal des Necho II. in der Spätzeit Der Kanalbau durch Necho II. (610 bis 595 v. Chr.) von Bubastis durch das Wadi Tumilat, von dem Herodot berichtet, ist wohl unumstritten. Allerdings hat auch Necho II. den Kanal wahrscheinlich nicht fertiggestellt, laut Herodot wegen eines ungünstigen Orakelspruchs, tatsächlich aber wohl wegen eines Krieges mit den Babyloniern unter Nebukadnezar II.
Psammetich I., der Vater und Vorgänger Nechos, hatte bereits eine griechische Söldnerflotte aufgestellt und den griechischen Handel in seinem Reich gefördert. Necho II. verstärkte diese maritimen Anstrengungen.Geschichte der Seefahrt
Herodot schrieb über den Kanal:
Etwas später schreibt Herodot, die Arabische Halbinsel ende „am Arabischen Golf, in den Dareios den Kanal aus dem Nil führte“,Herodot, Historien IV 39 erwähnt aber an anderer StelleHerodot, Historien IV 42 im Zusammenhang mit dem Erdteil Afrika: „Als der Bau des Kanals, der vom Nil zum Arabischen Golf führen sollte, fertig war, sandte er Phöniker aus“, um Afrika, ausgehend von dem Kanal, im Uhrzeigersinn zu umrunden.zitiert aus Hadwiga Schörner: Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike. In: Skyllis – Zeitschrift für Unterwasserarchäologie, Jahrgang 3, Heft 1, 2000, S. 38–43. Daraus ließe sich folgern, dass Herodot von der Fertigstellung des Kanals schon unter Necho II. als Voraussetzung der Umrundung Afrikas schreibt und er sich also selbst widerspricht.
Bei der von Herodot angegebenen Zahl der Toten beim Kanalbau dürfte es sich um eine seiner häufigen Übertreibungen handeln.
Kanal des Dareios I. Dareios I. (521 bis 486 v. Chr.) erneuerte diesen Kanal und führte ihn bis zum Roten Meer. Zur Erinnerung ließ er vier Stelen aufstellen, unter anderem die von Kabret mit der Inschrift:Darius’ Suez Inscriptions. Livius.org
Die vier, beim Bau des Sueskanals entdeckten Stelen standen (1) im von Necho II. Ende des siebten Jahrhunderts v. Chr. neu gegründeten Pitom (Heroonpolis), (2) zwischen Timsah- und Großem Bittersee bei Serapeum, (3) bei Kabret in der Nähe des südlichen Endes des großen Bittersees und (4) ca. 6 km nördlich von Sues.
Es ist nicht bekannt, wie lange der Kanal des Dareios I. benutzt wurde. Nach dem Zerfall des Perserreiches wurde der nicht einfach zu befahrende Seeweg entlang der weitgehend leeren arabischen Küsten nach Persien uninteressant; die Route muss in Vergessenheit geraten sein. Zur Zeit Alexanders des Großen galt die Umschiffung Arabiens wegen der Hitze und der Einöde wieder als undurchführbar. Der Handel lief wieder über die Karawanenstraßen.
Ptolemäischer Kanal Unter Ptolemaios II. Philadelphos (284 bis 246 v. Chr.) erneuerten die Ptolemäer den Kanal und bauten Schleusen an der Einmündung in den Golf von Sues, um das Eindringen von Salzwasser zu verhindern. Dieser ptolemäische Kanal soll vom Pelusischen Nilarm bei der Stadt Daphne über die Ebene von El Ferdan zum Timsahsee geführt worden sein, wo er auf den alten Pharaonenkanal traf, der neu ausgehoben werden musste. Dieser Kanalbau scheint in der schlecht erhaltenen und kaum lesbaren, nach ihrem Fundort benannten Pithomstele berichtet zu werden. An der Mündung des Kanals in das Rote Meer wurde der Ort Arsinoë angelegt, benannt nach Arsinoë Philadelphos, der zweiten Ehefrau und leiblichen Schwester Ptolemaios II. Die genaue Lage dieses Ortes scheint jedoch nicht bekannt zu sein. In den Karten, die von Napoleons Ingenieuren bei seiner Ägyptischen Expedition angefertigt und in der Description de l’Égypte wiedergegeben wurden,Cartes, Feuille 23. Description de l’Égypte; abgerufen am 23. November 2011 werden die Ruinen von Arsinoë bzw. Cleopatris jedoch auf einem kleinen Hügel nördlich der flachen Bucht eingezeichnet, in der der Golf von Sues endete. Weder der Hügel noch die Bucht sind heute noch erkennbar.
Zur Zeit von Kleopatra VII. (69 bis 30 v. Chr.) war der pelusische Nilarm nach Westen gewandert und als Wasserweg nicht mehr benutzbar, so dass auch keine Kanalverbindung mehr bestand.
Trajanischer Kanal
Unter Kaiser Trajan wurden um 100 n. Chr. die Arbeiten an dem Kanal wieder aufgenommen und ein neuer Verbindungskanal vom heutigen Kairo (Babylon) über Bilbeis zum alten Bubastis-Kanal hergestellt, der als Amnis Trajanus bzw. Amnis Augustus bezeichnet wird. Gegenüber der ptolemäischen Stadt Arsinoë ließ Trajan den befestigten Hafen Klysma (Cleopatris, später Kolzum) anlegen. Auch die Lage dieses Ortes lässt sich heute nicht genau feststellen. In einer der napoleonischen Karten ist jedoch Kolzum unmittelbar nordwestlich des damaligen Sues eingezeichnet und würde demnach heute im Stadtgebiet von Sues liegen.État Moderne Vol. I, Planche 11 — Isthme de Soueys. Description de l’Égypte; abgerufen am 23. November 2011 Mit dem trajanischen Kanal wurde eine direkte Schiffsverbindung zur oströmischen Provinz Arabia Petraea geschaffen, um die Warentransporte zu vereinfachen. Dieser Kanal wurde auch unter Kaiser Hadrian (117 bis 138 n. Chr.) aufrechterhalten. Zur Zeit des Todes Kaiser Trajans 117 n. Chr. beherrschte Rom alle Häfen des Roten Meeres und des Persischen Golfes. Der Handelsverkehr von Ägypten nach Süden und Osten hatte seinen Höhepunkt erreicht. Damit begann die direkte Vorgeschichte des späteren Sueskanals.
Im 3. Jahrhundert verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation. Der Fernhandel mit Indien und China wurde mehr und mehr von den Sassaniden übernommen. Der Kanal verlor an Bedeutung, ist aber weiter unterhalten worden. Es wird angenommen, dass der Kanal zu Beginn der Herrschaft der Araber zumindest während des Nilhochwassers noch schiffbar war, andere meinen, dass er zu der Zeit schon versandet gewesen sei.
Arabischer Kanal Amr ibn al-As, ein Feldherr Mohammeds, der von 641 bis 644 n. Chr. in Ägypten herrschte, ließ den Kanal wiederherstellen, um die arabischen Stätten mit Getreide zu versorgen und als Transportweg für die Pilger.
Al-Mansur, der zweite abbasidische Kalif, soll jedoch 770 die Schließung des Kanals als Maßnahme gegen seine Feinde in Medina befohlen haben.
Hintergrund Geographie Im Alten Ägypten führte der östlichste, der Pelusische Nilarm vom heutigen Kairo zu dem östlich, jenseits des heutigen Port Said gelegenen Pelusium. Von dem an diesem pelusischen Nilarm gelegenen Bubastis führt(e) das auf den heutigen Satellitenbildern deutlich erkennbare Wadi Tumilat zum Timsahsee. Das Wadi Tumilat ist weitgehend eben und liegt heute 5,5 bis 6,5 Meter über dem Meeresspiegel. ECHO – Egyptian Cultural Heritage Organisation; abgerufen am 13. Juni 2009 Im westlichen Teil des Wadi Tumilat scheint sich ein See befunden zu haben. Vom Timsahsee sind es nur wenige Kilometer zu den südlich davon gelegenen Bitterseen, die wiederum nur einige Kilometer nördlich des heutigen Sues liegen.
Das Wadi Tumilat war in erdgeschichtlicher Zeit ein großes Flussbett. Es scheint nach der letzten Eiszeit seine heutige Form erhalten und sich seit etwa 3000 v. Chr. nicht mehr wesentlich geändert zu haben. Am Ende des Alten Reiches wurde das trockene Wadi immer wieder durch Nilfluten überschwemmt. Während des Mittleren Reiches gab es dagegen hohe Nilfluten, die erst im Neuen Reich während der 20. Dynastie nachließen. Während der Spätzeit ab ca. 600 v. Chr. gab es offensichtlich wieder hohe Nilfluten, die die Bewohner des Wadi auf höher gelegene Gebiete zwangen. Kurz nach der ptolemäischen bzw. griechisch-römischen Zeit wurde das Wadi wohl verlassen.
Der Nil hatte somit zumindest während der Nilfluten immer wieder einen natürlichen Abfluss durch das Wadi Tumilat. Auch 1860 n. Chr. gab es noch eine Nilflut durch das Wadi Tumilat zum Timsahsee.Posener, zitiert in Hadwiga Schörner: Künstliche Schiffahrtskanäle in der Antike. In: Skyllis - Zeitschrift für Unterwasserarchäologie, Jahrgang 3, Heft 1, 2000, S. 38–43.
Unklar scheint zu sein, ob und wann die Bitterseen ein Teil des Roten Meers waren und erst durch die Anhebung einer Strecke nördlich von Sues von ihm getrennt wurden. Diese Anhebung sei in vorgeschichtlicher Zeit erfolgt,Arnold T. Wilson: The Suez Canal. Oxford University Press, London 1933. nach anderer Meinung erst in der Antike. In der unten stehenden Karte von 1857 wird ohne nähere zeitliche Angabe vermerkt, dass die Bitterseen früher ein Teil des Roten Meeres gewesen seien. Die Karte Ägypten, Neues Reich in Putzgers Historischem Schul-Atlas von 1917 zeigt ebenfalls einen bis in die Bitterseen reichenden Golf mit einer Verbindung zum Wadi Tumilat.Ägypten, Neues Reich, aus Putzgers: Historischer Schul-Atlas. 39. Auflage, 1917. Diese Angaben stammen jedoch aus einer Zeit, als die Plattentektonik noch unbekannt war. Die Stelen des Dareios I. führen aber zu der Annahme, dass sie den von ihm gebauten Kanal markieren, der demnach bis kurz vor Sues ging. Eine solche Stele dürfte kaum am Ufer eines befahrbaren Meerarmes aufgestellt worden sein, es sei denn, dass die Verbindung in die Bitterseen so flach war, dass diese flache Meereszunge ebenfalls ausgegraben werden musste. Die oben erwähnten Karten aus Napoleons Ägyptischer Expedition zeigen Spuren des alten Sueskanals (Vestiges de l’ancien Canal de Suez), die unmittelbar am Golf von Sues beginnen und am südlichen Ufer der Bitterseen enden. bzw. östlich von Bubastis beginnen und quer durch das ganze Wadi Tumilat führen.Cartes, Feuille 30 und Feuille 31. Description de l’Égypte; abgerufen am 23. November 2011
Längen und andere Maßangaben Die folgenden Längenangaben für die Kanalabschnitte sind ungefähre Angaben, keinesfalls aber exakte Kanallängen.
Bubastis – Ismailia 72 km Bubastis – Sues 160 km Kairo – Bilbeis 50 km Kairo – Ismailia 128 km Kairo – Sues 210 km