Bakum ist eine Gemeinde im Landkreis Vechta in Niedersachsen und liegt im Oldenburger Münsterland.
Geografie
Lage Bakum liegt am Südrand der Cloppenburger Geest. Die Landschaft wird von Ackerbauflächen bestimmt, die Topographie ist flach und bewegt sich auf Höhen zwischen 25 und 38 m über NHN.Gemeinde Bakum. Zahlen, Daten und Fakten. Abgerufen am 21. Juli 2014.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Bakum besteht aus dem Hauptort Bakum und den zugehörigen Ortschaften Büschel, Carum, Daren, Elmelage, Harme, Hausstette, Lohe, Lüsche, Märschendorf, Molkenstraße, Schledehausen, Vestrup und Westerbakum.Gemeinde Bakum. Zahlen, Daten und Fakten. Abgerufen am 18. Juli 2014.
Nachbargemeinden und -orte Nachbarorte sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn, der Vechtaer Ortsteil Langförden, die Goldenstedter Bauerschaft Lutten, die Stadt Vechta, die Stadt Lohne, die Stadt Dinklage, die Gemeinde Essen sowie die Gemeinde Cappeln.
Cappeln (10 km) Langförden (6 km) Essen (17 km) Datei:Windrose klein.svg Lutten (10 km) Dinklage (10 km) Lohne (9 km) Vechta (6 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete
Das Gemeindegebiet von Bakum gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Zahlreiche Bäche entwässern über den Fladderkanal oder die Aue in die Lager Hase, von dort weiter in die Hase und die Ems und schließlich in die Nordsee.
Der etwa 15 km lange Fladderkanal ist ein künstliches Gewässer, das südöstlich von Bakum aus dem Zusammenfluss von Vechtaer Moorbach und Spredaer Bach entsteht.
Durch das Gemeindegebiet verlaufen mehrere Geestbäche, darunter der Bakumer Bach, der Schierenbach, der Spredaer Bach und die Steinbäke, die alle in den Fladderkanal münden.
Die Aue entspringt im Ortsteil Südholz, verläuft westwärts und nimmt unter anderem den Bokerner Bach, den Märschendorfer Graben und den Schiplager Bach auf, bevor sie in die Lager Hase einmündet.
mini|Teich in Harme Der Polder Lüsche ist eine künstlich angelegte Retentionsfläche von rund 38 ha mit einem Stauvolumen von etwa 900.000 m³. Er dient dem Hochwasserrückhalt und dem Naturschutz und ist als Naturschutzgebiet (NSG WE 162) ausgewiesen. Als künstlich vernässtes Überschwemmungsgebiet mit Anbindung an den Fladderkanal besitzt er besondere Bedeutung für Wiesenvögel wie Kiebitz und Bekassine sowie für Amphibien und Wasservögel. Ergänzend bestehen kleinere Stillgewässer, darunter ein Teich in Harme am Bakumer Bach.
Die Fladder-Niederung durchzieht das Gemeindegebiet unter anderem bei den Ortsteilen Lüsche, Carum und Daren. Sie ist geprägt von Feuchtwiesen, Gräben und periodisch überfluteten Grünländern und fungiert als Biotopverbund, Hochwasserrückhalteraum und Lebensraum für zahlreiche Tierarten.
Bakum ist hydrologisch und ökologisch vor allem durch Starkregenereignisse, Hochwasserrisiken und eine intensive landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Begradigte Gewässer wie der Bakumer Bach weisen teilweise Defizite in der ökologischen Durchgängigkeit und Struktur auf. Oberflächennahe Grundwasserverhältnisse und klimabedingte Schwankungen erfordern ein angepasstes Wasser- und Flächenmanagement. Maßnahmen wie Gewässerrenaturierungen, Retentionsflächen (z. B. Polder Lüsche) und Starkregengefahrenkarten dienen der Verbesserung von Hochwasserschutz und ökologischer Qualität.
mini|hochkant|Aue des Bakumer Bachs im Dorfpark Bakum An Schierenbach, Bakumer Bach und Spredaer Bach wurden umfangreiche Maßnahmen zur Renaturierung und ökologischen Aufwertung durchgeführt.
Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) hat für ein statistisches hundertjährliches Hochwasser (HQ100) Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, darunter am Bakumer Bach auf etwa 5,4 km Länge sowie am Schierenbach auf rund 1,6 km. Zur Vorsorge nutzt die Gemeinde gemeinsam mit dem Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband eine Starkregengefahrenkarte. Anlass hierfür waren unter anderem Überflutungen von 2021, als Regenrückhaltebecken ihre Kapazitätsgrenzen erreichten.
Untergrundverhältnisse
Bakum liegt in der Norddeutschen Tiefebene. Das Gebiet um Bakum besteht hauptsächlich aus glazio-fluviatilen Ablagerungen, die in erster Linie aus lehmigen und sandigen Ablagerungen des Pleistozäns bestehen. Bohrungen zeigten, dass die oberste Bodenschicht eine Stärke von fünf bis sieben Meter hat. Diese Schicht ist von einer etwa zehn Meter starken lehmigen und marligen Sedimentschicht unterlagert.
Die hydrogeologischen Verhältnisse ähneln sehr denen in benachbarten Orten wie Bühren oder Langförden. Der oberflächennahe Grundwasserleiter (2–6 m Tiefe) spielt vermutlich eine Rolle bei lokalen Brunnen und Feuchtigkeitsverhältnissen. Sandige Schichten in einer Tiefe von 25–30 m bilden einen ertragreichen Aquifer (Grundwasserleiter) für die Grundwasserförderung – wichtig für die lokale Versorgung und industrielle Nutzung.
Klima In Bakum herrscht ein gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt. 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist aufgrund des fortschreitenden Klimawandels tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Von Mai bis August kann mit durchschnittlich 20 bis 25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition 1627–2275 Sonnenstunden im Jahr.
Im Zeitraum 1992–2021 betrug der durchschnittliche jährlich Niederschlag in Bakum 637 mm, der meist als Regen gefallen ist.
mini|Bronzeplastik von Albert Bocklage zur Geschichte der Gemeinde Bakum (2009) gegenüber der Pfarrkirche St. Johannes Baptist
Geschichte Nachdem ab 780 n. Chr. von Karl dem Großen neun Missionssprengel zur Christianisierung der unterworfenen Sachsen errichtet worden waren, wurden von der Missionszelle Visbek aus durch Abt Gerbert Castus – den Apostel des Oldenburger Münsterlandes – die ersten Kirchengemeinden in der Umgebung gegründet.. Abgerufen aus dem Webarchiv am 3. Oktober 2017. Zu diesen zählt als die älteste Kirchengründung im Südwesten des Lerigaus die Pfarrkirche St. Johannes Baptist Bakum.. Abgerufen am 11. Oktober 2013.
mini|hochkant|Epitaph der ausgestorbenen Familie von Voß in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Die ersten urkundlich erwähnten Bauernhöfe befanden sich 890 im heutigen Elmelage und Hausstette und um 970 im heutigen Carum. Im 11. Jahrhundert taucht dann zum ersten Mal der Name Becheim auf, der sich dann über Bachum, was als latinisierte Namensform gelten kann, zu Bakum wandelte.
In der Gemeinde Bakum gab es bis zum 13. Jahrhundert neun Adelssitze. Danach reduzierte sich die Zahl der Sitze bis auf einen, das Gut Daren. Die Lohburg in Lohe, eine von einer sumpfigen und unwegsamen Niederung umgebene Raubritterburg, wurde wegen ihres zweifelhaften Rufes 1374 durch Truppen des münsterschen Bischofs Florenz von Wevelinghoven zerstört. Durch das Aussterben des Adelsgeschlechts von Voß in der männlichen Linie ging das Gut Bakum in nicht-adelige Hände über. Ein Epitaph der Familie von Voß ist im Eingang der Pfarrkirche St. Johannes Baptist angebracht.
Das Lagerbuch Amt Vechta von 1769 erwähnt im Kirchspiel Bakum sieben Rittersitze (in damaliger Rechtschreibung):
den Rittersitz Bakum (Eigentümer: die Familie von Ascheberg) den Rittersitz Daren (Eigentümer: die Familie von Frydag) die Rittersitze Harme und Norberding (Eigentümer: die Familie von Galen) den Rittersitz Lohe (Eigentümer: die Familie von dem Bussche) den Rittersitz Sudholt (Eigentümer: die Familie von Plettenberg) und den Rittersitz Sudholt Raden (Eigentümer: die katholische Kirche)Genwiki: Bakum (Landkreis Vechta)Kapitel Die adligen Häuser in den Ämtern Vechta und Cloppenburg. In: C. L. Niemann: Das Oldenburgische Münsterland in seiner geschichtlichen Entwickelung. Band 2: Bis zur Vereinigung mit dem Herzogtume Oldenburg. Schulzesche Hof-Buchhandlung und Hof-Buchdruckerei, Oldenburg 1891, S. 77–84 (online)
Religionen Die überwiegende Mehrheit der Einwohner ist römisch-katholischen Glaubensbekenntnisses und bildet die Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist Bakum. Die Kirchen St. Vitus in Vestrup, St. Josef in Lüsche und St. Johannes Evangelist in Carum sind Filialkirchen der Pfarrei Bakum. Die Kirchengemeinde gehört dem münsterschen Dekanat Vechta an. Die evangelisch-lutherischen Christen bilden die Kirchengemeinde Gethsemane. Ihr Gotteshaus ist die Gethsemane-Kirche, eine Bartning-Notkirche vom Typ D. Die Gethsemane-Gemeinde gehört zum evangelischen Kirchenkreis Oldenburger Münsterland.
Laut Zensus (2011) sind 80,1 % der Bevölkerung römisch-katholisch, 11,2 % evangelisch und 8,6 % gehören anderen oder keinen Glaubensrichtungen an.Statistische Bibliothek des Landesamtes für Statistik Niedersachsen. Abgerufen am 21. März 2023.
Politik
Gemeinderat Der Rat der Gemeinde Bakum besteht aus 18 Ratsfrauen und Ratsherren. Sie werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet zum 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Gemeinderat ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Tobias Averbeck.
Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2021 ergab das folgende Ergebnis: Partei Sitze Veränderung CDU 14 − 1 SPD 2 ± 0 Grüne 2 + 2 Eine Besonderheit in dieser Gemeinde ist der hohe Anteil an CDU-Wählern. So sank hier bei Kommunalwahlen das Wahlergebnis bis 2021 nie unter 80 %. Bei der Europawahl 2019 gewann die CDU 60,35 % der Stimmen.
Bürgermeister 2005 wurde der seit 1987 amtierende Gemeindedirektor Hans Lehmann (CDU) als erster hauptamtlicher Bürgermeister gewählt. Am 22. September 2013 wurde zeitgleich zur Bundestagswahl in der Gemeinde Bakum Tobias Averbeck (CDU) mit 79,4 Prozent der abgegebenen Stimmen als neuer Bürgermeister gewählt.Oldenburgische Volkszeitung vom 23. September 2013, S. 9. Er ist seit dem 1. Dezember 2013 Amtsinhaber und wurde bei der Kommunalwahl 2021 noch einmal im Amt bestätigt.
Wappen und Flagge mini|120px|Hissflagge der Gemeinde
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke mini|Friedhofsseite des Rathauses Bakum (2024)
Kirchen Katholisch:
St. Johannes Baptist in Bakum, von 1906, neugotisch St. Vitus in Vestrup, Kirche von 1772, Turm von 1853/56, Kanzel von 1591 St. Johannes Evangelist in Carum, von 1890/91 St. Josef in Lüsche, von 1864/65, um 1934 erweitert
Evangelisch:
Gethsemane-Kirche, von 1951, eine Bartning-Notkirche
Dorfgebäude Bakum: alte Kornbrennerei historisches Backhaus, vom Heimatverein Bakum wiedererrichtet Rathaus (2024 fertiggestellt) Vestrup: Ortsbild mit vielen erhaltenen, in Fachwerk errichteten Bauernhöfen und Nebengebäuden an der von altem Baumbestand gesäumten kopfsteingepflasterten Vestruper Dorfstraße. Im September 2001 gewann Vestrup im Bundesentscheid für „Unser Dorf soll schöner werden – Unser Dorf hat Zukunft“ die Silbermedaille.
Adelssitze