Ohne Zwischenstationen und ohne Anschlussbahnen
Die Jura-Simplon-Bahn (JS oder J-S), kurz Jura-Simplon, französisch Compagnie des Chemins de fer Jura-Simplon, war eine Eisenbahngesellschaft in der Schweiz. 1903 wurde sie als damals grösstes Bahnunternehmen der Schweiz verstaatlicht und in die SBB integriert.
Geschichte Gründung mini|links|Eb 2/4 Nr. 13 an einem Wasserkran. Der Wagen im Hintergrund trägt noch die Beschriftung S.O.S. (Suisse-Occidentale-Simplon). mini|Obligation über 500 Franken der Compagnie des Chemins de fer Jura-Simplon vom 17. Oktober 1894 Die Jura-Simplon-Bahn (JS) entstand am 1. Januar 1890 durch die Fusion der beiden wichtigsten Westschweizer Bahngesellschaften Jura-Bern-Luzern (JBL), einschliesslich der dem Kanton Bern gehörenden Linie Gümligen–Luzern, und Suisse-Occidentale-Simplon (SOS). Am Zusammenschluss beteiligte sich durch freihändigen Aktienkauf auch der Bund. Am 1. Januar 1891 wurde die von den SOS betriebene Pont-Vallorbe-Bahn angekauft.
Das Grundkapital der neuen Gesellschaft wurde aus 52 Millionen Franken Vorzugsaktien und 34 Millionen Stammaktien gebildet. Die Vorzugsaktien setzten sich zusammen aus 38 Millionen bisherigen Aktien der JBL und 14 Millionen der SOS. Der Nominalwert der SOS-Stammaktien wurde von 500 auf 200 Franken reduziert und der dadurch freigestellte Betrag von 52,4 Millionen Franken zu Abschreibungszwecken verwendet. Der Bund erhielt das Recht für einen Rückkauf der JS.
Bau des Simplontunnels mini|links|Nordportal des Simplontunnels bei Brig während der Bauarbeiten mini|Der nach der Eröffnung des Tunnels eingeführte Simplon-Express mit Lokomotive A 2/4 im Bahnhof Genève-Cornavin
Obwohl die Jura-Simplon-Bahn nur 13 Jahre lang als Bahngesellschaft bestand, verhalf sie den jahrzehntelangen Bemühungen Berns und der Westschweiz zum Bau des Simplontunnels von Brig nach Iselle in Italien zum Durchbruch. Die Studien für den Bau des Tunnels waren schon von den SOS den eidgenössischen und kantonalen Behörden vorgelegt worden. 1891 legte die JS als junger, unternehmerischer Bahnkonzern dem Bundesrat ein definitives Projekt für einen Simplontunnel vor.
Am 25. November 1895 war der Staatsvertrag mit Italien für den Bau des bis dahin längsten Tunnels der Welt unter Dach und Fach. Die Baukosten für den einspurigen Tunnel wurden auf 58'820'000 Franken veranschlagt. Der Staatsvertrag verpflichtete die Schweiz zu 15 Millionen Franken Subventionen und Italien zu 4 Millionen. Italien war im Verwaltungsrat der JS mit vier Mitgliedern vertreten. 1898 begannen die Bauarbeiten an diesem 19’803 Meter langen Tunnel.
Betrieb mini|Die JS konnte jedes Jahr eine Dividende ausrichten Die Jura-Simplon-Bahn besorgte den Betrieb etlicher anderer Bahnlinien: Strecken Vallorbe–Jougne–Pontarlier und Les Verrières–Pontarlier der französischen Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn (PLM) Chemin de fer Bière–Apples–Morges (BAM) Bödelibahn BB (ab 1895) Bulle-Romont-Bahn (BR) Standseilbahn Cossonay-Gare–Cossonay-Ville (CG) Chemin de fer Fribourg–Morat–Anet (FMA) Jura neuchâtelois JN (Strecke Neuenburg–Le Locle) Chemin de fer Pont–Brassus (PBr) Pont-Vallorbe-Bahn (PV) Régional du Val-de-Travers (RVT) Spiez-Erlenbach-Bahn (SEB) Thunerseebahn (TSB) Visp-Zermatt-Bahn (VZ) Chemin de fer Yverdon–Ste-Croix (YSteC)
mini|Das Unglück von Münchenstein kostete 73 Fahrgästen das Leben Am 14. Juni 1891 war die Jura-Simplon-Bahn von der bis anhin grössten Eisenbahnkatastrophe der Schweiz betroffen. Beim Eisenbahnunfall von Münchenstein brach unter einem aus Basel kommenden Extrazug die von Gustave Eiffel erbaute Eisenbahnbrücke über die Birs unterhalb des Dorfes Münchenstein zusammen.Stefan Haenni: Eiffels Schuld. Das grösste Eisenbahnunglück der Schweiz. Gmeiner Verlag, Messkirch 2023, ISBN 978-3-8392-0477-1. 73 Passagiere kamen dabei ums Leben, 171 wurden verletzt. Ein Soldat starb an den Verletzungen, die er sich bei den Aufräumarbeiten zugezogen hatte. Das Unglück führte zu einer strengeren Aufsicht über die Eisenbahnen. Die Eisenbahnbrücken wurden systematisch untersucht und erste Baunormen geschaffen.
Beim Eisenbahnunfall von Zollikofen prallte am 17. August 1891 in Zollikofen ein Schnellzug Bern–Paris auf einen vor dem geschlossenen Einfahrsignal wartenden Extrazug. Durch den Aufprall wurden 14 Reisende des Extrazuges getötet und 122 verletzt. Der Unfall wurde durch Fehler verschiedener Betriebsstellen verursacht. Dem Schnellzug wurde die Fahrt in einen belegten Zugfolgeabschnitt freigegeben. Durch die ausgeschaltete Druckluftbremse verminderte sich zudem die Bremswirkung.
Trotz den Investitionen in den Bau des Simplontunnels konnte die JS alljährlich eine Dividende ausschütten.
Plakatwerbung Die Jura-Simplon-Bahn machte mit einer Reihe von Plakaten Werbung. Ein Teil davon stammte von Hugo d’Alési. mini
Verstaatlichung Noch während des Baus des Simplontunnels wurde in der Volksabstimmung vom 20. Februar 1898 die Verstaatlichung der Jura-Simplon-Bahn und der anderen vier Hauptbahnen beschlossen. Die Jura-Simplon-Bahn wurde am 1. Mai 1903 von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) übernommen, die den Simplontunnel im Jahre 1906 vollendeten.
Grafische Zusammenfassung Übersicht über die Geschichte der Jura-Simplon-Bahn (E: Eröffnung; Ü: Übernahme):
Infrastruktur und Fahrzeuge Bahnhöfe
Die Bahnhöfe Basel, Bern und Bahnhof Luzern der Centralbahn (SCB) sowie der Bahnhof Genf-Cornavin der Paris-Lyon-Mittelmeer-Bahn (PLM) wurden von der Jura-Simplon-Bahn mitbenutzt.
Streckennetz mini|Streckennetz der Jura-Simplon-Bahn Das Streckennetz von 937 km Länge führte von Basel, Genf und den Juragrenzübergängen Delle, La Chaux-de-Fonds, Les Verrières und Vallorbe bis nach Brig und Luzern. Zudem war die schmalspurige Brünigbahn von Luzern nach Brienz Teil des 937 km langen Streckennetzes. Es setzte sich aus den Strecken der Vorgängerbahnen zusammen: Strecken der Jura-Bern-Luzern→ Abschnitt Streckennetz im Artikel Chemins de fer du Jura bernois Strecken der Suisse-Occidentale-Simplon→ Abschnitt Streckennetz im Artikel Chemins de fer de la Suisse Occidentale Strecke der Pont-Vallorbe-Bahn
Ausbau auf Doppelspur mini|Schnellzug mit Zweizylinder-Verbundlokomotive Typ A 2/4 auf der Doppelspurstrecke bei Auvernier mini|A 2/4 Nr. 110 vor dem Depot Lausanne Die Jura-Simplon-Bahn führte den Doppelspur-Ausbau ihrer Vorgängerinnen weiter. Bei der Übernahme der JS durch die SBB im Jahre 1903 waren 131,20 km (14 %) des Streckennetzes doppelspurig. Bahnstrecke Streckenabschnitt Doppelspur eröffnet am Lausanne–Biel Lausanne–Renens 5. Mai 1856 durch Ouest Suisse Renens VD–Bussigny 1897 Bussigny–Cossonay 21. August 1895 Cossonay–Daillens 1. Juni 1896 Auvernier–Neuenburg 1. Juni 1898Neuenburg-Vauseyon–Neuenburg vorher Parallelgleise der beiden Linien nach Lausanne und La Chaux-de-Fonds. Lausanne–Genf 1868–1879 durch Suisse-Occidentale, Suisse-Occidentale-Simplon (siehe dort) und LFB Lausanne–Bern Lausanne–La Conversion 1. Mai 1902 Chexbres–Palézieux Lausanne–Brig Lausanne–Lutry 1. Juni 1900 Lutry–Cully 1. Juni 1899 Cully–Rivaz 1. Oktober 1892 Rivaz–Montreux 1. Juni 1892 Montreux–Villeneuve 10. Oktober 1891 Granges-Lens–Siders 24. Juni 1901 Bern–Biel Lyss–BusswilGemeinsam benutzter Abschnitt der Strecken Bern–Lyss–Biel der JS und Lyss–Solothurn der Centralbahn. 1877 durch Bern-Luzern-Bahn
Rollmaterial Lokomotiven Die Jura-Simplon-Bahn benannte ihre Fahrzeuge nach dem damals schweizweit gültigen Bezeichnungssystem.
Der JS standen die folgenden Lokomotiven zur Verfügung. In Klammern ist die ab 1902 gültige Bezeichnung aufgeführt.
Bezeichnung JS-Nr. SBB-Nr.Die SBB nummerierten die übernommenen Lokomotiven nach der Fälligkeit der Kesselrevisionen. ab 1903 Hersteller Baujahr ausrangiert Bild A2 (Ec 2/4) 1–12 – übernommen 1890 von der Bern-Luzern-Bahn BLB (siehe dort) 1888–1896 A2 (Eb 2/4) 13–16 5441–5442 übernommen 1890 von der Jura-Bern-Luzern-Bahn JBL (siehe dort) 1900–1917 17–32 5451–5476 1900–1947 150px|Eb 2/4 33–42 Esslingen, SLM Winterthur 1880–1892 A2T (B 2/3) 51–63 – übernommen 1890 von den Suisse-Occidentale-Simplon SOS (siehe dort) 1890–1902 A2T (B 2/3) 63–67 – 1892–1896 A2T (B 2/3) 69–73 – 1890–1892 A2T (B 2/3) 74–79 1074–1079 1904–1907 A2T (B 2/3) 80–82 1080–1082 1903 A2T (A 2/4) 101–130 101–130 SLM Winterthur 1892–1896 1917–1926 150px|A 2/4 A3T (B 3/4) 201–204 1421–1424 übernommen 1890 von den SOS (siehe dort) 1917 205–212 1561–1568 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1924–1932 213–222 1569–1578 SLM Winterthur 1891 1912–1932 A 3/5 231–232 701–702 SLM Winterthur 1902 1926–1964 150px|A 3/5 (Nachbau SBB) 703–811 1904–1909 B2 (Ec 2/4) 251–262 6195–6199 übernommen 1890 von der Lausanne-Fribourg-Bern-Bahn (siehe dort) 1895–1905 B2 (Ec 2/3) 263–267 6398, 6399 übernommen 1890 von dem SOS (siehe dort) 1909–1923 A3T (B 3/4) 301–375Lokomotive Nr. 301 trug zunächst die Betriebsnummer 231. 1601–1675 SLM Winterthur 1896–1902 1923–1945 150px|B 3/4 (Nachbau SBB) 1676–1747 1903–1907 B3T (C 3/3) 401–416 2401–2403, 2406–2412, 2413 übernommen 1890 von dem SOS (siehe dort) 1900–1911 417–419 2404, 2413 1898–1909 421–424 – übernommen 1890 von der BLB (siehe dort) 1898–1902 425–431 2405, 2415–2416 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1900–1911 C3 (Ed 3/3) 451–457 7291–7297 übernommen 1890 von der BLB (siehe dort) 1906–1916 C3T (D 3/3) 501–505 3351, 3368–3369, 3699 übernommen 1890 von den SOS (siehe dort) 1901–1913 506–508 3364, 3370–3371 1907–1913 509–511 3372–3374 1909–1914 512–519 3352–3353, 3375–3378, 3390 1897–1925 520–539 3354–3359, 3363–3367, 3379–3386, 3389, 3391 1901–1925 540 3387 JS (Werkstätte Yverdon) 1892 1924 541–546 3360–3361, 3392–3393, 3399 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1904–1913 547–555 3362–3363, 3388, 3394–3398 1902–1917 561–565 3421–3425 SLM Winterthur 1890 1916 B3 (Ec 3/4)Die Lokomotiven 6513, 6515 und 6517–6529 wurden 1922 bis 1928 in den SBB-Hauptwerkstätten Rorschach und Biel umgebaut in Ec 3/5 6601–6615. 601–612 6501–6512 SLM Winterthur 1901 1934–1955 150px|Ec 3/4 (Nachbau SBB) 6513–6529 1904–1910 1933–1961 E3 (E 3/3) 751–752 – übernommen 1891 von der Pont-Vallorbe-Bahn (siehe dort) 1924–1948 F2 (E 2/3) 801 – übernommen 1890 von den SOS (siehe dort) 1891 F3 (E 3/3) 851–852 8571–8572 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1911–1913 853–856 8574–8576 SLM Winterthur 1890 1911–1916 857–866 8431–8440 1901 1947 Lokomotiven der schmalspurigen Brünigbahn: G2 (G 3/3) 901–906 101–110 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1911–1916 150px|G 3/3 907–910 SLM Winterthur 1887–1901 1915–1942 HG2 (HG 2/2) 951–958 1001–1008 übernommen 1890 von der JBL (siehe dort) 1908–1911 959–963 1009–1013 SLM Winterthur 1894–1901 1911–1912
Personen- und Güterwagen mini|Gepäckwagen Reihe F3 3501–12, gebaut 1891 bei der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft Als Eigentumsmerkmal trugen alle Wagen der Gesellschaft das Kürzel «J.S.» oder «J-S». Personenwagen waren grün lackiert und hatten eine gelbe Beschriftung. Güterwagen hatten einen grauen Anstrich mit weisser Beschriftung. Wagen mit Luftdruckbremse die für den Transport von Eilgut in Reisezügen verkehrten hatten einen rotbraunen Anstrich mit gelber Aufschrift.
Literatur Jura–Simplon. In: bahndaten.ch. Daten zu den Schweizer Eisenbahnen 1847–1920. Thomas Frey und Hans-Ulrich Schiedt, ViaStoria, abgerufen am 1. Februar 2014.
Alfred Moser: Der Dampfbetrieb der Schweizerischen Eisenbahnen 1847–1966. Birkhäuser Verlag Basel / Stuttgart 1967.
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
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