mini|Steirische Harmonika der Marke Kärntnerland Die Steirische Harmonika ist ein diatonisches, wechseltöniges Handzuginstrument mit Knopf-Tastatur. Die Steirische Harmonika wird in der Volksmusik in Bayern, Österreich, Südtirol, Tschechien, Slowenien und in etlichen weiteren Ländern verwendet. Das Wort „steirisch“ hat nur wenig mit dem Land Steiermark zu tun. Diese Bauart des Akkordeons wurde in Wien erfunden. Der Unterschied zu anderen diatonischen Akkordeons besteht in der Verwendung der stark klingenden Helikonbässe und dem Gleichton. Durch den diatonischen Aufbau ist sie besonders geeignet, alpenländische Volksmusik zu spielen, diese Musik wurde in Wien „steirisch“ genannt als Synonym für ländliche Musik, und daher wurde das neue Instrument Steirische genannt.
Andere gebräuchliche Bezeichnungen für die Steirische Harmonika sind: Steirische, Ziehharmonika, Knöpferlharmonika, Harmonika, Harmonie, Zugorgel, im Dialekt Ziach, Ziacha, Ziachharmonie, Ziachorgel, Zugin und Quetschn, scherzhaft auch Faltenradio, Wanznpress, Zerrwanst oder Heimatluftkompressor.
Bauarten mini|Alte Dreireihige Ziehharmonika mini|Steirische Harmonika der Marke Michlbauer Novak mit 46 Melodietasten, 16 Bässen, X-Bass und H-Bass Gebaut werden Instrumente mit drei, oft vier, selten fünf, sehr selten mit sechs Reihen, wobei jede Diskant-Reihe eine Tonart bedeutet. Im Zudruck erklingen die Dreiklangstöne der jeweiligen Tonart (Dur-Dreiklang der Tonika), im Aufzug erklingen die dazwischen liegenden Töne (zugehöriger Dominant-Sept-Akkord). Da der fünfte Ton der Tonleiter sowohl in der Tonika als auch in der Dominante vorkommt, ist wegen der leichteren Spielbarkeit dieser Ton in mittlerer Lage sowohl in Zug als auch in Druck eingebaut, wird also mit demselben Knopf gespielt, mit Ausnahme der äußeren Reihe. Diese in den folgenden Reihen je einmal vorhandene Taste wird „Gleichton“ genannt. In der Melodie vorkommende Töne, die nicht in dieses Schema passen, werden in den anderen Reihen gedrückt. Durch diese Bauweise ist bei dazu passenden (alpenländischen) Melodien eine äußerst flüssige Spielweise möglich.
Instrumente mit drei Reihen wären für Volksmusik ausreichend, sind auch leichter zu erlernen. Häufiger werden jedoch vierreihige Instrumente hergestellt, da die Spieltechnik für viele Griffe einheitlicher ist. Durch die zusätzliche vierte Reihe kommt ein hoher Ton pro Tonart und ein Halbton pro Oktave hinzu. Für jede Reihe im Diskant gibt es auf der äußeren Reihe der Bassseite einen Bassknopf und einen Akkordknopf, ebenfalls wechseltönig. Auf Druck erklingt die Tonika, auf Zug die Dominante.
Die Bass-Tasten der inneren Reihe werden auf Druck meist mit Übergangsbässen (Terzbässen) belegt, auf Zug erklingt in der inneren Bassreihe oft die vierte Stufe, die auf Druck ohnedies vorhanden ist. Nur auf Wunsch werden Mollbässe eingebaut, in der überlieferten Bauart auf Zug, mittlerweile oft auf Druck. Eine Wechselbasstaste für die erste Reihe fehlt. Bei neueren Modellen ist oft ein Wechselbass für die erste Reihe vorhanden. In diesem Fall ist häufig die letzte Basstaste in der zweiten Reihe als Wechselbass ausgeführt. Ein Übergangsbass (Terz) ist dann für die erste Reihe nicht vorhanden, an der Stelle, wo der Übergangsbass wäre, liegt die Wechselbasstaste. Ist ein zusätzlicher X-Bass eingebaut, so gibt es eine weitere Taste in der ersten Basstastenreihe, die mit der Wechselbasstaste der zweiten Reihe gekoppelt ist. Es fehlt aber noch der Übergangsbass für die erste Reihe. Erst wenn ein H-Bass eingebaut wird, ist auch der Übergangsbass für die erste Reihe vorhanden. Die Bezeichnung H-Bass hat Florian Michlbauer aus Weyregg am Attersee eingeführt.
Das Gewicht auf der Bassseite wird nur unwesentlich höher, wenn man drei- und vierreihige Instrumente vergleicht. Der größere Teil der Gewichtserhöhung entfällt auf die Diskantseite. Die Faustformel lautet: Je höher die Qualität der Stimmplatten, desto schwerer ist das Instrument. Die Gewichtsangaben der Hersteller sind oft nicht korrekt, doch sind Instrumente desselben Modells fast immer gleich schwer.
Spielweise Aufgrund der diatonischen Bauweise ist es zumindest für den Anfänger schwierig, nach Noten zu spielen. Der Verlag Helbling ließ darum 1916 eine Tabulatur für die zweireihige diatonische Harmonika patentieren. Max Rosenzopf (1937–2020), ein Musiklehrer aus Bärnbach in der Steiermark, hat dieses ältere System für die drei- und vierreihige Harmonika adaptiert, „Griffschrift“ genannt, und 1975 im Verlag Preissler ein erstes Schulwerk nach diesem System herausgegeben, das bis 1996 18 Auflagen erreichte. Seither hat sich dieses Griffschriftsystem durchgesetzt, so dass sich kaum ein Harmonikaspieler mehr vorstellen kann, nach normalen Noten zu spielen. Durch das leichtere Erlernen hat seither die Verbreitung der Steirischen Harmonika wieder stark zugenommen.
Bedingt durch die zunehmende Beliebtheit der Steirischen Harmonika gibt es inzwischen Versionen der Griffschrift. Jede größere Musikschule hat eine eigene Lehrmethode, die sich von den anderen oft nur geringfügig unterscheidet. Es gibt etliche Spieler und Schulen, die wie früher nach Noten oder nach Gehör spielen oder unterrichten. Details zu diesen Spielweisen und Lehrmethoden finden sich unter dem Lemma Akkordeonschule.
Technische Beschreibung Das typische Aussehen ist das Markanteste, sieht man vom typischen Helikonbassklang ab. Die Art der Basskonstruktion teilt sich die Steirische mit der tschechischen Heligonka.
Es werden in Österreich, Deutschland, Italien und Slowenien diverse Modelle hergestellt. Hersteller in anderen Ländern einschließlich Italien kopieren die traditionellen Instrumente. In Österreich und Bayern wird in den letzten Jahrzehnten vermehrt eine Vielfalt an Modellen angeboten, unterschiedlich sind häufig nur die äußere Aufmachung und die Art der Verzierung. Holzintarsien wurden schon immer benutzt. Auch sehr frühe Wiener Modelle waren mit kunstvollen Verzierungen versehen. Zu den bekanntesten Marken gehören Kärntnerland, Jamnik, Müller, Öllerer, Strasser, Novak (siehe weiter unten Harmonikabauer für Steirische Harmonikas (Auswahl)).
Verdeck und Verzierung Traditionell wurden immer Metallverdecke und Metalldekorborten verwendet. Jeder Hersteller hat ein eigenes Muster, an dem er erkannt werden kann. In letzter Zeit werden bedingt durch die neuen technischen Möglichkeiten vermehrt Holzverdecke und Dekorbänder angeboten, die mit Laserschneidetechnik oder mit Wasserstrahlschneidetechnik maschinell vorgeschnitten sind. Gehäuseteile werden in vielen Holzarten und Lackierungen angeboten, auch gewachste Oberflächen sind bei manchen Erzeugern im Angebot. Hin und wieder werden auch farbige Zelluloidoberflächen gefertigt. Meist kommt aber eine Schleiflackoberfläche mit widerstandsfähigem Lack zum Einsatz. Die Fertigung der Schleiflackbeschichtung ist arbeitsintensiv, da mindestens sieben Lackschichten aufgetragen werden, wobei zwischendurch mehrfach die Oberfläche geschliffen und poliert werden muss. So entsteht die beständigste und strapazierbarste Beschichtung. Gewachste Oberflächen sind zwar wesentlich einfacher zu fertigen, aber weniger beständig. Instrumente mit gewachster Oberfläche weisen meist nach einigen Jahren irreparable Gebrauchsspuren am Gehäuse auf. Kleinere Beschädigungen können durch leichtes Anfeuchten und nachträgliches Überschleifen und anschließendes Wachsen behoben werden.
Korpus Das Korpus wird meist aus Mehrschichtholz gefertigt, das mit der gewünschten Holzoberfläche furniert wurde. Es gibt einige Erzeuger, die für die äußeren Rahmen auf Wunsch Fichtenmassivholz verwenden (Jamnik, Schmidt, Novak, Zernig). Jamnik und Haglmo fertigen alle Modelle ausschließlich aus Massivholz (nicht nur Fichte). Novak-Gehäuse bestanden früher immer aus Fichtenholz, seit der letzten Fertigung allerdings nicht mehr. Ein Blick in das geöffnete Gehäuse kann Klarheit schaffen. Schmidt fertigt alle Modelle mit Fichtenholzrahmen. Ein Verziehen der Rahmen ist nicht zu befürchten, da das Holz handverlesen und gut abgelagert ist. Die Holzpfosten werden ähnlich vorgespalten wie für Dachschindeln. Dadurch wird erreicht, dass die Maserung gleichmäßig und im rechten Winkel zur Oberfläche ausgerichtet ist. Für die Böden (Füllung) verwendet Schmidt Buchenschichtholz, Jamnik Erlenvollholz. Strasser hat ein Modell im Programm, das Kirschvollholz für die Gehäuserahmen verwendet. Zernig baut zwei Modellreihen, eine aus Mehrschichtholz, die zweite aus Massivholz in Erle, Fichte, Birne und Nuss. Das für die Gehäuserahmen verwendete Material hat einen gewissen Einfluss auf den Klang, dies sollte aber nicht überschätzt werden. Dem verwendeten Holz kommt nicht die gleiche Bedeutung zu wie bei Streichinstrumenten. Vorrangige Eigenschaft ist, dass das Gehäuse wenig Eigenschwingungen ausführt und den mechanischen Anforderungen gerecht wird. Mit weichen Holzarten erreicht man einen weicheren Klang, auch wenn diese in Form von Mehrschichtplatten zur Anwendung kommen. Furniertes fünf Millimeter starkes Mehrschichtholz ist von den mechanischen Eigenschaften gut geeignet. Für das Korpus sind daher praktisch alle Materialien verwendbar. Kritischer sind die Materialien für den Stimmstock und die eingebauten Kammern im Bassteil. Mehr Masse wirkt in Richtung kräftiger, brillanter Klang. Jedes Instrument hat seinen individuellen Klangcharakter. Die Abweichungen im Klang sind gering und wurden zumindest für einige Zeit, als erste Tests veröffentlicht wurden, als unbedeutend angesehen. Darüber besteht unter den Harmonikabauern eine geteilte Meinung.
Balg Der Balg wird bei einigen Erzeugern zum Teil selbst gefertigt oder stammt von einem Zulieferunternehmen aus Italien oder Tschechien. Im Wesentlichen unterscheiden sich die Bälge kaum. Bei allen Erzeugnissen wird darauf Wert gelegt, dass die Bälge leichtgängig und extrem dicht sind. Die Unternehmen Müller, Strasser und Zernig fertigen die Bälge selbst. Zum Teil werden Arbeiten in Heimarbeit vergeben. Bälge mit abgerundeten Ecken kommen normalerweise aus Italien. Die metallischen Eckschoner sind bei Bälgen aus Österreich meist gezackt, eckiger und breiter, was bei der gleichen Anzahl von Falten zu einem etwas breiteren Balg führen kann, der dafür aber flexibler ist als ein vergleichbarer Balg aus italienischer oder tschechischer Produktion. Die Eckschoner werden mitunter unter den verschiedenen Herstellern ausgetauscht beziehungsweise gehandelt, und daher kann an der Art der Ecken nicht garantiert werden, wo der Balg gefertigt wurde. Die Eckschoner werden in der Fertigung verpresst, daher kann die Gesamtbreite des Balges auch bei gleicher Art der Eckschoner unterschiedlich breit ausfallen. Karton, Leder, Leinen, Dekor und Eckschoner ergeben nach Verklebung und Vorpressung die Gesamtbreite.
Um gleiche Ergebnisse zu erzielen, muss ein Balg mit stark abgerundeten Ecken einige Falten mehr aufweisen. Gute Bälge sind beweglich, dicht und geräuschlos. Für das Leder in den beweglichen Ecken kommt hauptsächlich geschärftes Schafleder zum Einsatz. Beim Schärfen des Leders werden die Kanten, mit einem Messer oder einem speziellen Lederhobel, nach außen hin verjüngt.Der Balg der Steirischen Harmonika
Früher war eher Ziegenleder in Verwendung. Ziegenleder ist zwar meist dünner, aber dafür nicht so dicht. Einen absolut dichten Balg gibt es nicht. Selbst wenn die Innenseite der Eckleder mit einer Silikon- oder Teflonbeschichtung versehen wird, ist der Balg nicht völlig dicht. Auch die Klappenabdichtungen können nur bis zu einem gewissen Grad dicht sein. Ein Instrument verliert immer etwas an Luft.
Diskant Diskantmechanik Am Anfang wurden alle Harmonikas mit offenen Holzhebeln gebaut. Seit langem haben alle Hersteller die Mechanik verbessert, auch wenn diese im Aussehen noch an die traditionelle Bauweise erinnert.