New Orleans (amerikanisches Englisch: , lokal: []) ist mit 383.997 Einwohnern (2020) die größte Stadt im Bundesstaat Louisiana in den Vereinigten Staaten. Sie wurde 1718 gegründet und ist ein Industriezentrum mit einem bedeutenden Hafen am Mississippi River. Die Stadt ist bekannt für ihre lokale kreolische Küche und ihre historische Altstadt, das French Quarter, wo sich zahlreiche Gebäude im spanischen und französischen Kolonialstil befinden. Außerdem gilt New Orleans als die „Wiege des Jazz“.
Geografie Die Stadt liegt im Delta des Mississippi River und hat eine Fläche von 907,0 km², wovon 467,6 km² auf Land und 439,4 km², also 48,45 % auf Wasser entfallen. Wegen ihrer Lage zwischen dem Mississippi im Süden und dem Lake Pontchartrain im Norden, die ihr einen Stadtumriss in Form einer Mondsichel gegeben hat, erhielt New Orleans die Bezeichnung Crescent City (Mondsichelstadt). Am Westufer gegenüber der Altstadt liegt der Stadtteil Algiers.
Bei der Gründung der Stadt bebauten französische Siedler ein kleines, etwas höher gelegenes Stück Land, das heute als French Quarter bekannt ist. Das Gebiet des heutigen New Orleans ist erst vor 2500 Jahren aus vom Fluss angeschwemmten Sedimenten entstanden. Es ist größtenteils ein mehrere hundert Meter tiefer Sumpf, der sich unter dem Druck seines eigenen Gewichtes verdichtet und bei Ausbleiben der Sedimentablagerung weiter unter den Meeresspiegel sinken wird. Seitdem der Mississippi von den Franzosen und anschließend vom United States Army Corps of Engineers eingedeicht wurde, sinkt das Gebiet von New Orleans um etwa 8 mm pro Jahr. 70 % der Stadtfläche liegen bis zu 1,6 m unterhalb des Meeresspiegels, wobei der angrenzende 1839 km² große Lake Pontchartrain über die Wasserstraße Rigolets Strait und die Lagune Lake Borgne mit dem Golf von Mexiko verbunden ist.
Ab 1910 legte Albert Baldwin Wood die Stadt, die von Sümpfen umringt ist, mit zahlreichen großen Pumpen trocken. Der auf der südlichen Seite des Mississippis nahegelegene Naturpark Barataria Preserve in Marrero zeigt Reste der ursprünglichen Landschaft im Mississippi-Delta. Ein Drainagesystem von mehreren hundert Kilometern Länge durchzieht heute New Orleans und entwässert über 22 Pumpstationen bei starkem Regen die gesamte Stadt. Durch die Trockenlegung konnte New Orleans um erhebliche Flächen erweitert werden, sie führte jedoch auch zu einer ausgedehnten Absenkung des Terrains. Heute ist die Stadt im Norden von einem 5 bis 6 Meter hohen Deich sowie im Süden von einem 9 Meter hohen Deich gegen Wassereinlauf geschützt.Phys.org: Sea level rise will swallow Miami, New Orleans, study finds
Demographie Die ersten Einwohner von New Orleans waren eine Mischung kanadischer Grenzbewohner, Handwerker und Truppen der John Law’s Gesellschaft des Westens, die das Gebiet beherrschte, bis es 1731 an die französischen Kronkolonie zurückging, sowie Häftlingen, schwarzer und indigener Sklaven. 1727 erreichten 88 aus Pariser Gefängnissen befreite Frauen die Stadt, begleitet von acht ursulinischen Nonnen, um sich in der Stadt niederzulassen. Die unerschrockenen Nonnen ließen sich in der heutigen Chartres Street nieder; auch ein Konvent wurde etwas weiter unten auf der Straße gebaut. Dieses Gebäude, dessen Bau 1745 begonnen wurde und das sich in der Nähe des heutigen French Market befindet, ist das einzige erhaltene Gebäude aus der Zeit der französischen Herrschaft.
Französische Abenteurer und andere Europäer folgten bald den ersten Siedlern. Der Begriff Kreole, in Französisch-Westindien geprägt und gebraucht, wurde in Louisiana als Bezeichnung einer Person eingeführt, die dort als reiner Franzose geboren wurde. Die Abstammung und der Begriff gehen auf das spanische Wort criollo zurück, das die erste Generation von spanischen Eltern in der neuen Welt bezeichnete.
Im Jahr 1755 kam eine Gruppe von Cajuns in das Gebiet. Sie waren Nachfahren französischer Kolonisten, die sich in Akadien, der späteren kanadischen Provinz Nova Scotia, niedergelassen hatten und dort von den Briten vertrieben worden waren. Die Spanier übernahmen 1762, vier Jahre nach dem Abkommen von Fontainebleau die Kontrolle über die Stadt. Nach Unterdrückung einer Revolte ließen sie sich nieder und prägten die Stadt mit ihrer Architektur und Lebensart. Vom 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert gab es eine große Einwanderungswelle in die Vereinigten Staaten, die Deutsche, Iren und Italiener nach New Orleans brachte.
Trotz des französischen Namens der Stadt wird kaum noch Französisch gesprochen, seit 1968 wird aber seitens des Bundesstaates Louisiana die Wiederbelebung der französischen Sprache gefördert (siehe Französisch in Louisiana).
Die Stadt New Orleans hatte bis zur Evakuierung am 28. August 2005 durch die Folgen von Hurrikan Katrina nach Angaben des United States Census Bureau 454.863 Einwohner (Stand 1. Juli 2005). Am 1. Juli 2006 waren es mit 223.388 nur noch etwa die Hälfte und im Juli 2007, fast zwei Jahre nach der Katastrophe, war die Zahl lediglich auf 239.124 Einwohner gestiegen. Es stand zu befürchten, dass es in den kommenden Jahren kaum wesentlich mehr werden, da ein sicherer Hochwasserschutz in den tiefliegenden Kernzonen mit einem finanziell vertretbarem Aufwand kaum vorstellbar ist und es sich viele ehemalige Bewohner finanziell nicht leisten können zurückzukehren. Für Stadtplaner eröffnete es neue Gestaltungsmöglichkeiten auf den zerstörten (und verlassenen) Wohnbauflächen.
Nach den Ergebnissen der Volkszählung im Jahr 2010 ergab sich eine Steigerung der Einwohnerzahl auf 343.829.
Die Bevölkerungsdichte betrug 478 Einwohner pro Quadratkilometer. In der Stadt lebten 28,05 Prozent Weiße; 67,25 Prozent Afroamerikaner; 0,20 Prozent Ureinwohner; 2,26 Prozent Asiaten und 3,06 Prozent Hispano-Amerikaner. Im Großraum New Orleans, der Metropolitan Area, lag die Bevölkerungszahl am 1. Juli 2005 bei 1.313.787. Am 1. Juli 2006 betrug sie mit 1.024.678 rund 300.000 Personen weniger.
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Von 1769 bis 1800 und von 2005 bis 2007 handelt es sich um Schätzungen des United States Census Bureau, in den jeweils vollen Jahrzehnten von 1810 bis 2010 um Volkszählungsergebnisse.
Jahr/Datum Einwohner 1769 3.190 1785 4.980 1788 5.331 1797 8.056 1800 9.650 1. Aug. 1810 17.242 1. Aug. 1820 27.176 1. Juni 1830 46.082 1. Juni 1840 102.193 1. Juni 1850 116.375 Datum Einwohner 1. Juni 1860 168.675 1. Juni 1870 191.418 1. Juni 1880 216.090 1. Juni 1890 242.039 1. Juni 1900 287.104 15. April 1910 339.075 1. Januar 1920 387.219 1. April 1930 458.762 1. April 1940 494.537 1. April 1950 570.445 Datum Einwohner 1. April 1960 627.525 1. April 1970 593.471 1. April 1980 557.515 1. April 1990 496.938 1. April 2000 484.674 1. Juli 2005 454.863 1. Juli 2006 223.388 1. Juli 2007 239.124 1. April 2010 343.829 1. Juli 2012 369.250 1. April 2020 383.997
Laut Jakob/Schorb (2008) schwanken die Schätzungen der Einwohner für den März 2008 zwischen dem City Council, die von 300.000 Rückkehrern ausgehen und den Bundesbehörden, die von 240.000 Rückkehrern ausgehen. Die unterschiedlichen Einschätzung führen die beiden Soziologen auf die jeweils unterschiedlichen Interessen zurück: „Die Höhe der Bundeszuschüsse an die finanzschwache Kommune bemisst sich nämlich an der Höhe der Einwohnerzahl.“Studie Christian Jakob, Friedrich Schorb: Soziale Säuberung. Wie New Orleans nach der Flut seine Unterschicht vertrieb. 2008, S. 10 und 214.
Am 1. Juli 2013 lag die Einwohnerzahl der Stadt wieder bei 378.715, verglichen mit 223.388 exakt 7 Jahre zuvor. Das Wachstum der Stadt scheint sich fortzusetzen, zwischen der Volkszählung 2010 und dem 1. Juli 2013 lag der Anstieg bei 10,1 Prozent, verglichen mit 2,1 Prozent für ganz Louisiana., abgerufen am 18. März 2015.
Geschichte Kolonialzeit mini|Die Kathedrale St. Louis mit den ab 1791 erbauten Palais Cabildo (links) und Presbytere (rechts), beide heute Teile des Louisiana State Museum New Orleans wurde 1718 von dem Franzosen Jean-Baptiste Le Moyne de Bienville gegründet und erhielt zu Ehren des Regenten von Frankreich, Philipp II., Herzog von Orléans, den Namen La Nouvelle-Orléans. 1722 wurde die Stadt die Hauptstadt der Kolonie Louisiana. Seit spätestens 1721 wurden in unmittelbarer Nähe zu New Orleans deutschsprachige Kolonisten von der französischen Kolonialverwaltung angesiedelt. 1762 ging die Kolonie im Rahmen des geheimen Abkommens von Fontainebleau an Spanien, was im Pariser Frieden 1763 bestätigt wurde; bis 1766 wurde jedoch kein spanischer Gouverneur eingesetzt.
Am Karfreitag, dem 21. März 1788 wurde die Stadt durch einen Großbrand beinahe völlig vernichtet. 856 der rund 1100 Gebäude der Stadt fielen den Flammen zum Opfer. Nach nur sechs Jahren des Wiederaufbaus zerstörte am 8. Dezember 1794 ein erneuter Brand mehr als 200 Häuser im French Quarter.
Erwerb durch die Vereinigten Staaten
Im Jahr 1795 gewährte Spanien den Vereinigten Staaten im Pinckney-Vertrag das Recht auf Niederlassung und erlaubte den Amerikanern, den Hafen der Stadt zu nutzen. Im Rahmen des 1800 von Napoleon Bonaparte diktierten Abkommens von San Ildefonso ging das 1763 Spanien zugesprochene Gebiet westlich des Mississippi zurück an Frankreich. 1803 verkaufte Napoleon im sogenannten Louisiana Purchase die gesamte Kolonie für 15 Mio. US-Dollar an die Vereinigten Staaten unter Präsident Thomas Jefferson. New Orleans, das zu dieser Zeit etwa 10.000 Einwohner hatte, wurde offiziell am 20. Dezember 1803 den Vereinigten Staaten übergeben. Der in Paris unterzeichnete Vertrag wurde im Cabildo-Gebäude am Jackson Square, dem vormals spanischen Rathaus der Stadt – heute Louisiana State Museum – öffentlich verkündet. In einer Parade zogen die französischen Soldaten aus und die amerikanischen ein, am Fahnenmast auf dem Platz wurde die Flagge gewechselt.
Aufstieg zum Zentrum der Südstaaten der Vereinigten Staaten
mini|New Orleans 1857 mini|Historische Karte (um 1890)
Von seinen frühen Tagen an war New Orleans bekannt für seine kosmopolitische und polyglotte Bevölkerung und die zahlreichen Kulturen, die dort existierten. Die Stadt wuchs schnell mit Einflüssen aus Frankreich, Amerika und der kreolischen Karibik. Während des Britisch-Amerikanischen Krieges wollten die Briten die Stadt erobern, sie wurden aber von den von General Andrew Jackson angeführten Truppen einige Meilen flussabwärts am 8. Januar 1815 zurückgeschlagen (Schlacht von New Orleans).
Die Stadtbevölkerung verdoppelte sich in den 1830ern und 1840ern, und New Orleans wurde die größte Stadt im amerikanischen Süden und außerhalb des „Atlantic Seaboards“. Bis 1849 war New Orleans die Hauptstadt des Staates Louisiana, später wieder von 1865 bis 1882. Der Hafen war vor allem für den Sklavenhandel wichtig, obwohl New Orleans gleichzeitig die Stadt mit den meisten schwarzen Personen Nordamerikas war.
Die Bedeutung der Stadt nahm zu, als die Regierung 1838 eine lokale Münze neben den südlichen Münzprägeanstalten von Charlotte (North Carolina) und Dahlonega einrichtete. Im Gegensatz zu den beiden anderen Münzen wurden in New Orleans neben Gold- auch Silber-Münzen geprägt, was zur Stellung als wichtigste Prägeanstalt im Süden beigetragen haben könnte.
Im Jahr 1853 war New Orleans von einer schweren Gelbfieber-Epidemie betroffen, bei der fast 8000 Menschen starben. Neuere Forschungen gehen von über 9000 Toten aus, was etwa 8 % der Bevölkerung entsprach. Ärzte wie Alfred Mercier und Jean-Charles Faget glaubten fälschlich, Schwarze seinen gegen das Fieber immun. Eine Studie an der Murray State University von 2017 legt als Grund für die Epidemie prekäre Unterkünfte, wachsende Bevölkerungsmobilität und die monokulturelle Landwirtschaft nahe.