Embrach, im Ortsdialekt Ämbri [æmbri], 1809–1931 offiziell Unterembrach, ist eine politische Gemeinde, die zum unteren Tösstal im Bezirk Bülach des schweizerischen Kantons Zürich gehört.
Wappen Blasonierung: In Rot zwei gekreuzte silberne Petrus-Schlüssel
Bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts bestanden Siegel mit Petrusabbildungen. Die heutigen Petrus-Schlüssel sind also eine Anlehnung an diese Tradition. Der Wechsel zum weltlichen Symbol erfolgte wegen der Reformation (Bildersturm).
Geographie Embrach liegt im Embrachertal, 6 Kilometer nordöstlich des internationalen Flughafens Zürich, in einem weiten U-förmigen Seitental der Töss. Eine Ebene von 500 ha Grösse, 5 km Länge und bis zu 1,5 km Breite bildet den Talgrund. Die Ebene wird von den Hängen des Blauen im Osten, des Dättenberg im Westen, des Ghei und der Egg im Süden sowie der Tössschlucht im Norden begrenzt. Der Wildbach entwässert das Embrachertal Richtung Norden in die Töss bei Rorbas. Die Landschaft wurde in der Riss-Kaltzeit vom Linth-Gletscher geformt.Zürcher Bürger- und Heimatbuch. Erziehungsrat Zürich, 1940.
Von den 12,72 km² Gesamtfläche Embrachs entfallen 45,4 % auf Wald oder Gehölze, 31,6 % auf landwirtschaftliche Flächen sowie 21,4 % auf Siedlungsflächen plus Verkehrsflächen (Stand 2018).Gemeindeporträts. Embrach. Flächen. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2018.
Die Besiedlung Embrachs erstreckt sich vorwiegend der Hauptverkehrsachse entlang vom Oberdorf im Süden bis zum Psychiatrie-Zentrum Hard im Norden. Embrach ist ein 3 km langes Strassendorf. Als beste Wohnlage gelten die durchgangsstrassenfreien Hänge des Sonnen- und Guldenbergs im Osten des Dorfes, wo seit dem Mittelalter Wein angebaut wurde.
Der höchste Punkt ist der Tisch im Gebiet Blauen auf Der tiefste Punkt ist die Töss westlich des «Kleinwasserkraftwerks Freienstein» auf Das Dorfzentrum mit der reformierten Kirche liegt auf , circa 6 km nordöstlich des internationalen Flughafens Zürich. Der geographische Mittelpunkt (Flächenschwerpunkt) befindet sich Im Grund südwestlich des Freizeitbades Badi Talegg. Der nördlichste Punkt ist die Töss nördlich des Bauernhofes Neumoos, der östlichste Punkt liegt an der Strasse Oberembrach–Pfungen bei der Abzweigung zum Freienhof. Der südlichste Punkt befindet sich am nordwestlichen Rand der Multikomponentendeponie Zürcher Unterland (DEZU) – einer ehemaligen Lehmgrube, und der westlichste Punkt am Waldrand bei der Plattenwiese unweit der Strasse Embrach–Winkel.Ortsplan Embrach, 1:5000, Meliorations- und Vermessungsamt des Kantons Zürich (MEVA) 1994
mini|Sommer am Rückhaltebecken im Grund
Bevölkerung + BevölkerungsentwicklungQuellen: 1850–1950: Eidgenössische Volkszählungen (XLS; 927 kB), danach: Gemeindeporträts. Embrach. Bevölkerung (Personen). Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2000–2022. Jahr 1850 1900 1950 2000 2005 2010 2015 2020 20222023 Einwohner 1'429 1'581 1'958 7'380 8'269 8'856 9'143 9'600 10'00110'286
Ausländeranteil 2023: 30,8 % Konfessionen 2023: reformiert 24,9 %, katholisch 21,5 %, andere/keine Konfessionszugehörigkeit 53,6 %
Wirtschaft mini|Weinbauernhaus auf dem Guldenberg
In Embrach gibt es 4241 Privathaushalte (Stand 2022).Gemeindeporträts. Embrach. Privathaushalte. Statistisches Amt des Kantons Zürich, 2022. Die Bevölkerungsdichte beträgt 788,4 Personen pro km². Gut jeder zweite (56 %) Embracher besitzt ein Auto. Embrach bietet 3748 Arbeitsplätze (Stand 2021). Der Dienstleistungssektor hat einen Anteil von gut 78 % der Arbeitsplätze, das verarbeitende Gewerbe und die Industrie gut 20 %, und der Rest verteilt sich auf 24 Landwirtschaftsbetriebe. Die Arbeitslosigkeit beträgt etwa 1,5 % (Stand 2023). 58'300 SFr. (51'300 SFr. Median) verdient ein Embracher Erwerbstätiger durchschnittlich (Stand 2022 bzw. 2020).
In Embrach gibt es 17 Restaurants (Stand 2021) und 1 Hotel (Stand 2023).
Bildung Die Schulpflege trägt als Behörde die Verantwortung für die ordentliche Erfüllung sämtlicher Aufgaben. Sie ist primär auf der strategischen Ebene tätig. Für die operativen Aufgaben setzt sie eine Schulleitung ein. Die Schulleitung gewährleistet die pädagogische, personelle und administrative Leitung im Rahmen der ihr übertragenen Kompetenzen. Sie unterstützt und berät die Schulpflege in allen Belangen der Schule. Die Schulverwaltung sorgt für einen verwaltungstechnisch und organisatorisch professionell geleiteten Schulbetrieb. Die Schule ist in Kindergarten, Primar- und Sekundarschule gegliedert. Etwa 1700 Embracher Schüler werden an verschiedenen Standorten inner- und ausserhalb der Gemeinde unterrichtet. Drei Hauptstandorte sind im «Dorf», «Hungerbühl» und im «Ebnet». Neben diversen Rasenplätzen stehen Turnhallen zur Verfügung. Anfang des neuen Jahrhunderts wurde im Dorf und Hungerbühl neu gebaut, saniert und ausgebaut. Die moderne klimaneutrale Dreifachturnhalle «Breite», die Aufstockung des Sekundarschulhauses im Hungerbühl und das Primarschulhaus an der Schützenhausstrasse sind zeitgemäss eingerichtete Neubauten. Berufs- und Mittelschulen sind in Bülach, Winterthur und Zürich. Studieren kann man in Winterthur und Zürich.Stromer Markus, Geschichte der Gemeinde Embrach. Band 2: Das 19. und 20. Jahrhundert. 1999.
Industriegeschichte mini|Historische Getreide- und Sägemühle, wird vom Verein Pro Haumühle betrieben mini|118px|Das letzte Embracher Steinzeug
Textilindustrie
Als erster Industriebetrieb von Embrach wurde 1871 die Seidenzwirnerei Zinggeler eröffnet. Das Gebäude wurde 1988 abgebrochen und das Areal zum Parkplatz für die reformierte Kirche umfunktioniert. Geblieben ist der Chlostergumpen (Naturschutzgebiet mit überkommunaler Bedeutung), der Wasserspeicher der ehemaligen Seidenzwirnerei. Im Tal entstanden unzählige Webereien und Spinnereien. Als letzten Erben dieser Tradition kann man die Firma Spirella betrachten. Sie produziert bis heute in Embrach Duschvorhänge für den Weltmarkt. Alle anderen Betriebe sind seit 1987 verschwunden.Josef Bouvard, Embrach. Persönlicher KontaktBaer Hans, Geschichte der Gemeinde Embrach Band 1. Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution. 1994
Tonwarenindustrie
Vorreiter in Sachen Tonwaren war die Ziegelhütte östlich der Hard an der Strasse nach Pfungen, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht. Ofenganz, Klinkerganz, die Steinzeugfabrik, die Töpferei Zangger/Neri führten diese Tradition bis etwa 1980 fort. Heute beschränkt man sich auf den Handel mit den Gütern oder hat sich aufgelöst. Nur die Töpferei Landert produzierte noch bis im Frühjahr 2010 in Embrach.
Maschinenindustrie
Seit dem Mittelalter gab es in Embrach Schmiede, sie versorgten die Bauern mit Werkzeugen, später mit Maschinen für den Ackerbau. Im Laufe der Zeit entstanden weitere Betriebe. Meili Waffen bis 1914 – Bölsterli «Setma»-Elektromotoren – Zwinggi Waschmaschinen, Wasserkraftanlagen, Müllereimaschinen – Karl Keller Präzisionsmechanik – Krebser Kehrli Medizintechnik – Oskar Diener Medizintechnik und Präzisionsmechanik – Abraham Ganz, Industriepionier in Ungarn aus Embrach.
Kommunikation
Die Telekommunikation hielt in Form des Telegrafen 1872 Einzug in Embrach, 23 Jahre später gab es den ersten Telefonanschluss, und seit 1992 kann jeder mobil telefonieren. Für das Breitbandinternet und das digitale Fernsehen stehen mehrere Anbieter bereit. Ein Problem ist der analoge Radioempfang, verschiedene Anläufe, den Empfang aus dem Raum Zürich zu verbessern, sind gescheitert, zuletzt ein Projekt auf dem Sonnenberg.Post
Rohstoffe und Bodenschätze Quarzsand für die Glashütte in Bülach wurde lange in Embrach gefördert, es bestand sogar ein Bergwerk dafür am Hang östlich des Dreispitzes. Unter Embrach liegen grosse Kiesvorkommen, ein grosser Teil davon ist jedoch schon abgebaut. Das Abbaugebiet reichte einst bis dort, wo heute der Coop steht. Die Wasserkraft wurde schon im 9. Jahrhundert von der Illinger Mühle genutzt; ab Mitte des 19. Jahrhunderts staute die aufkommende Industrie jedes Rinnsal und baute eine Vielzahl von Wasserspeichern im Tal, um die Kraft des Wassers zu nutzen. In der Haumühle dreht (wieder) ein Wasserrad, und seit 2004 produziert ein Kleinkraftwerk an der Töss (halb auf Gemeindeboden) wieder Strom für bis zu 1000 Personen.toesStrom AG
Verkehr mini|Reformierte Kirche, Postauto Linie 520 mini|Die alte S41, heute fahren leichte und leise GTW der Thurbo Mittelalterlicher Handelsweg Die Strecke Kloten – Embrach – Andelfingen war Teil eines mittelalterlichen Handelsweges aus dem süddeutschen Raum. Die Strecke ging von Stein am Rhein über Stammheim, Andelfingen, Pfungen, Embrach nach Kloten, von dort nach Baden, weiter nach Genf und Lyon zu den Messen. Die Strasse wurde auch für den Warenverkehr nach Frankreich und Spanien benutzt und war lebhaft begangen. Transportiert wurden vor allem Wein, Eisen, Salz, Leinwand, Früchte und Gewürze, wie Aufzeichnungen des Zolls in Kloten zeigen. Der Weg wird in frühen Karten als Fahrweg ohne Befestigung, Feldweg, vereinzelt sogar nur als Saumweg dargestellt.Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz
Moderner Strassenbau Der Brückenbau 1838 über die Töss bei Bruni, heute Tössallmend Neftenbach, macht diesen Flussübergang wetterunabhängig. Damit ist der Weg frei für den Strassenbau Pfungen – Embrach – Rorbas. Diese gedeckte Holzbrücke stand bis 1974 und wurde aus denkmalpflegerischen Gründen flussaufwärts beim Winterthurer Reitplatz für den Forstverkehr neu aufgebaut. Bei Rorbas wurde 1840 eine steinerne Brücke über den Wildbach gebaut. Die Cholschwärzi (der rutschige feuchte Wald am Nordhang des Blauen über der Töss) ist eine geologische, hydrologische Problemzone, die seit dem Mittelalter immer wieder zu Akteneinträgen führte, die Strasse dort konnte erst 1850 fertiggestellt werden. Richtung Süden wurde die Strecke Embrach – Lufingen – Marchlen – Kloten von 1841 bis 1850 gebaut. 12 Jahre später fuhr auf dieser Strecke die tägliche Postkutsche Rorbas – Embrach – Kloten – (Zürich). Im Norden entstand von 1842 bis 1843 das Strassenstück Rorbas – Wagenbrechi – Chrüzstrass – Glattfelden. Über die Hügelkette im Westen wurde 1857 der Strassenbau in Angriff genommen. Ab 1858 war die Strecke Embrach Dreispitz – Eschenmosen – Bülach mit ihren sanften Anstiegen das ganze Jahr befahrbar. Frühere Verbindungen nach Bülach waren steile, unbefestigte Karr- und Saumwege, in erbärmlichstem Zustand. Der Strassenbau Embrach – Nürensdorf erfolgte 1864. Damit war das Tal über ein modernes Strassennetz aus allen Richtungen erreichbar. Diese neuen Kunststrassen und Brücken wurden nach französischem Vorbild gebaut mit fundamentiertem Trassee von über 5 Metern Breite. Der Belag bestand aus Kies, teilweise Naturasphalt aus dem Kanton Neuenburg. Diese Strassen und Brücken hielten den Belastungen und dem Volumen des modernen Verkehrs bis 1970 stand. Seit 1905 werden die Strassen Embrachs elektrisch beleuchtet. Das Restaurant «Zum Wilden Mann», eine Trinkstube mit jahrhundertealtem Tavernenrecht, wurde 1929 abgebrochen, damit der zunehmende Strassenverkehr besser durch das Zentrum von Embrach rollen konnte.
Das erste Strassengesetz von 1833 leitete den liberalen Strassenbau im Kanton ein. Die bis dahin schlechten Verbindungen wurden in kürzester Zeit auf den neusten Stand gebracht. In einer ersten Tranche wurden 16 bestehende Verbindungen zu Strassen 2. Klasse ausgebaut. Das hiess: mit Steinbett, möglichst gerade Linienführung, Höhendifferenzen mit Kurven entschärft.
Von der Postkutsche zum Zürcher Verkehrsverbund Das Tal erhielt 1862 für 20 Jahre eine Postkutsche auf der Strecke Rorbas – Embrach – Kloten.