mini|Luxus-Hotel Beau Rivage Palace in Lausanne Eine Behausung ist ein geschützter, meist überdachter Ort für ein oder mehrere Lebewesen.

Abgrenzung der Bezeichnung In bestimmten Fällen bezeichnet man Orte für bestimmte Dinge auch als Gehäuse (nicht aber als Behausung), z. B. Uhrengehäuse. Ebenfalls ist die Bezeichnung Haus nicht immer wörtlich zu nehmen, z. B. bei Tieren oder bei temporären Behausungen des Menschen.

Man unterscheidet tierische und menschliche Behausungen. Sie können künstlich oder natürlich sein. Behausungen sind in der Regel stabil und wettergeschützt. Eine naturgegebene Behausung ist die Höhle bzw. das Abri (Felsüberhang).

Menschliche Behausungen Menschliche Behausungen können Wohnzwecken dienen oder als Befestigungen einen strategisch wichtigen Ort dem Zugriff anderer Menschen entziehen oder Ort sakraler Handlungen sein. mini|Verschiedene menschliche Behausungen Wohnbauten

Wohnbauten des Menschen besitzen vermutlich die vielfältigsten Ausprägungen. Eine der ältesten artifiziellen menschlichen Behausungen bildet das mobile Zelt. Es wird aus Trägermaterial (Stangen, Knochen) und Fellen oder Gewebe gefertigt. In der Gegenwart hat die Tourismus- und Sportindustrie eine breite Palette unterschiedlicher Zelte entwickelt. Einen naturgegebenen Baustoff in Gestalt festen Schnees nutzen die Erbauer des Iglu bei einer kalten Umgebung.

Formen Eine feste menschliche Behausung bildet das Haus ggf. mit der entsprechenden Wohnung bzw. Unterkunft.

Man unterscheidet vor allem nach Material: Blätterhaus (aus Palmwedeln) Erdhaus, Lehmhaus und Lehmziegelhaus (siehe Lehmbau), Wohnhöhle, Holzhaus, Blockhaus Fachwerkhaus Steinhaus, Trullo Glashaus Schneehaus, Iglu Textile ArchitekturG. Semper: Die vier Elemente der Baukunst. (PDF; 15,9 MB). Braunschweig 1851;The Four Elements of Architecture and other writings. Cambridge University Press, England 1989. Zelt, Tentorium, Tabernaculum, Zirkuszelt Schwarzzelt (Nordafrika, eurasischer Trockengürtel) Tipi (nordamerikanische Prärien, Plains und benachbarte Räume) Wigwam und Wickiup (Nordosten und Osten Nordamerikas / Südwesten Nordamerikas) Jurte (Mongolei) Lavvu (Lappland) usw. nach Status: Hütte, Kate Haus, Wohnhaus Villa Palast Schloss usw. nach baulichen Besonderheiten: Fachwerkhaus Bungalow Wasserburg Rundkirche Stabbau Kuppelbau Hochhaus, Wolkenkratzer Fertighaus Containergebäude usw.

Andere Formen der Behausungen Gotteshaus (Kirche/Dom/Kapelle, Moschee, Synagoge, Tempel und jeweils Schrein) Römisches Militärlager Burg Kaufhaus Rathaus Geschäftshaus, z. B. Bürogebäude, Ladengeschäft Schutzraum/Bunker usw.

Tierische Behausungen mini|Maulwurfshügel Eine Tierbehausung dient verschiedenen Funktionen und existiert in unterschiedlichen Formen. Typische Formen umfassen z. B. Gruben und Kuhlen (v. a. bei Säugetieren), Wohnhöhlen (darunter Kobel, Fuchsbau), Hügel (bei Säugetieren und staatenbildenden Insekten), Stöcke (z. B. Bienenstock), Nester (darunter Horste, Biwaknester, Gespinstnester und Schaumnester), Wochenstuben (bei Fledermäusen) und Gehäuse (z. B. Schneckenhäuser). Die von Menschen für Tiere errichtete Behausung ist der Stall oder der Käfig. Künstlich geschaffene Lebensräume für Tiere sind ferner Terrarien, Aquarien und Volieren.

Das Schneckenhaus – eine mobile Behausung – bildet eine ursprüngliche Einheit mit seinem Bewohner und wird beim Verlassen in bestimmten Fällen von anderen Tieren genutzt, z. B. vom Gemeinen Einsiedlerkrebs.

Formen In ethologischen Veröffentlichungen wird oft der Begriff „Wohnbaue“ im Zusammenhang mit Tieren verwendet.Erich Ziegelmeier: Über die Wohnbau-Form von Arenicola marina L. - Freilegen von Gängen in situ mit Hilfe eines Stechkastens. In: Helgoland Marine Research, Band 11, Nr. 3–4, S. 157–160, doi:10.1007/BF01612366. Wohnkonstruktionen durch Tiere oder von Tieren bezogene naturgegebene Rückzugsmöglichkeiten werden nach Bauform, Sprachraum und Tier aber oft anders bezeichnet (Beispiele in Klammern): Bau (Fuchsbau, Termitenbau, Ameisenbau; korrekter PluralDuden Grammatik zu „Bau“ „Baue“, Fuchsbaue, Tierbaue – Pluralform mit „T“ ist für menschliche Bauten reserviert). Oberflächliche Ausgänge eines Baus werden als „Röhre“ bezeichnet Bauwerk Behausung (Tierbehausung) Gespinstnest (Gemeinschaftsnest mancher Spinnerraupen) Grube Höhle (Bärenhöhle, Spechthöhle). Horst (Nest eines Greifvogels oder bestimmter anderer großer Vögel) Hügel (Ameisenhügel, Maulwurfhügel, Termitenhügel) Kammer (bestimmter Abschnitt eines Tierbaus) Kessel in der Jägersprache der Hauptraum des Fuchs- oder Dachsbaus, Lager einer Wildschweinrotte und als Wurfkessel Nest der Bache mit Frischlingen Kobel (Nest der Eichhörnchen oder der Haselmaus) Kuhle (vorübergehender Schlafplatz von Rehen) Nest (Baumnest von Vögeln, Bodennest von Bodenbrütern, Wespennest, Baumnest von Affen, Ameisennest) Schaumnest bei manchen Insekten, Fischen, Fröschen Stock (Bienenstock) Wochenstube Sommerquartier der trächtigen Fledermäuse

Funktionen Ein Tierbau dient unter anderem zum Schutz gegen Fressfeinde und zur Vermeidung einer wechselhaften Witterung im Zuge der Thermoregulation. Tierbaue sind außer anatomischen Anpassungen Maßnahmen zur Minimierung von Bedrohungsfaktoren beim Aufenthalt, zumindest in Ruhephasen und für die Aufzuchtphase, in geschützten Bereichen.Michael Henry Hansell: Animal architecture. In: Oxford University Press, 2005, S. 1–2, ISBN 978-0-19-850752-9.M. H. Hansell: The ecological impact of animal nests and burrows. In: Functional Ecology, Band 7, Nr. 1, 1993, S. 5–12.O. J. Reichman, Stan C. Smith: (PDF) In: Genoways: Current Mammalogy, Kapitel 5, S. 369–416, herausgegeben von: Plenum Press, New York / London 1990.Russell N. James III: The origin of spaces: Understanding residential satisfaction from ape nests, human cultures and the hierarchy of natural housing functions. In: Housing, Theory and Society, Band 27, Nr. 4, 2010, S. 279–295, doi:10.1080/14036090903160018.Robert M. J. Deacon: Assessing nest building in mice. In: Nature Protocols, Band 1, 2006, S. 1117–1119, doi:10.1038/nprot.2006.170.H. G. Andrewartha, L. C. Birch: The Ecological Web. Herausgegeben von: University of Chicago Press, 1986Thomas Alerstam, Göran Högstedt: Evolution of hole-nesting in birds. In: Ornis Scandinavica, Band 12, Nr. 3, 1981, S. 188–193. Der Wohnbau stellt einen Ausweg dar für weniger wehrhafte Landtiere in einer bedrohlichen Umwelt, Ruhezeiten besser zu überstehen.Heike Lutermann, Luke Verburgt, Antje Rendigs: Resting and nesting in a small mammal: sleeping sites as a limiting resource for female grey mouse lemurs. In: Animal Behaviour, Band 79, Nr. 6, 2010, S. 1211–1219, doi:10.1016/j.anbehav.2010.02.017. Aber nicht nur Wirbeltiere investieren viel Energie in den Bau gesicherter Rückzugsmöglichkeiten, gleiches gilt für andere Tiere wie Insekten.

Erdbaue oder Baumnester können zur Eiablage, Brutpflege oder nur für Ruhephasen, Winterruhe oder Winterschlaf darstellen und zeitweise oder langfristig genutzt werden. Viele Tiere verwenden Wohnbaue, um sich vor der Witterung (Kälte, Niederschlag) oder vor Räubern während Ruhephasen oder bei Nahrungsmangel zu schützen und zu verbergen. Während etliche Tiere vorhandene Rückzugsmöglichkeiten unverändert annehmen, führen andere aktive Baumaßnahmen aus. Dabei können einfache Sitzgruben bis zu aufwendigen Bauen hergestellt werden, in einigen Fällen können dort oder in Nebenkammern gleichzeitig Vorräte aufbewahrt werden. Manchmal sind Fluchtröhren Teil des Bauwerks, besonders bei Erdbauen.

Oft sind Handlungen des Nestbaus oder die geschlechtsspezifische Präsentation eines Nestes (oft Insignium eines Revierbesitzes) ein Bau zur innerartlichen Kommunikation, zur Werbung (die Qualität der Ausführung kann dann sexueller Selektion unterliegen) oder zur Festigung einer Paarbeziehung.Kurt Kuhnen: Zur Paarbildung der Uferschwalbe (Riparia riparia). In: J. Ornithology, Band 126, Nr. 1, doi:10.1007/BF01640439.

Schutz Wohnbaue werden unter Energieaufwand angelegt, um evolutionär bedeutsames und existenzielles Bedrohungspotential zu minimieren.L. D. Hayes, A. S. Chesh, L. A. Ebensperger: Ecological predictors of range areas and use of burrow systems in the diurnal rodent, Octodon degus. In: Ethology, Band 113, 2007, S. 155–165, doi:10.1111/j.1439-0310.2006.01305.x. Bedrohungen, welche durch Wohnbaue in nennenswertem Umfang tangiert werden können, werden primär vermittelt durch Prädatoren (Räuber)Steven L. Lima, Lawrence M. Dill: Behavioral decisions made under the risk of predation: a review and prospectus. In: Canadian J. Zoology, Band 68, Nr. 4, 1990, S. 619, doi:10.1139/z90-092. Konkurrenten Parasiten Mikroorganismen Oberflächenwasser Frost Hitze Starkwind Feuchtigkeit (Niederschlag, Luftfeuchte)

Anderen Risiken kann von einigen Tierarten durch geeignete Zusatzbauten begegnet werden (z. B. Nahrungsmangel durch Vorratshaltung).

Die Bedrohungslage ist abhängig von den akut vorherrschenden Bedrohungskomponenten im Habitat, der eigenen (anatomischen) Wehrhaftigkeit und Größe, Schnelligkeit und Ausdauer zur Flucht, individuellen Kreativität und Lebenssituation (Ei, Juvenilstadium, Adulttier, Trächtigkeit).

Die einzelnen Bedrohungsfaktoren wirken für jede Art und letztlich für jedes Individuum unterschiedlich. Beispielsweise verbergen sich unter dem Begriff Prädatoren so unterschiedliche Arten wie (je nach Beutegröße) auf dem Landweg kommende große Raubtiere oder kleine Räuber (Igel: Regenwurm) oder aus der Luft bedrohende Greifvögel oder aus dem Wasser sich nähernde Krokodile oder auf Bäumen kletternde Marder oder in Erdspalten eindringende Schlangen. mini|Dachs am Bau mini|Eingang eines Fuchsbaus Wie aus den Beispielen hervorgeht, birgt die evolutionäre Weichenstellung für eine bestimmte Bauform bereits wesentliche Schutzwirkungen im Gefolge. Gleichzeitig werden sich aber etliche Zusatzprobleme einstellen und der Bau oder die Suche nach den geeigneten Standortbedingungen, unter Umständen deren Eroberung, bindet Energie.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen Zusatzmaßnahmen sind unter anderem abhängig von den spezifischen Bedürfnissen, den anatomischen Bedingungen, der Gewichtung des verbliebenen Bedrohungspotentials unter Einbeziehung der gewählten Bauform, der Aufzuchtdauer und dem lokalen Nahrungsangebot.

Bei Höhlen erhöht die Anlage von Zusatztunnels zwar die Sicherheit eines Erdbaus, bindet allerdings viel Energie. Die Anlage von Tunnelkrümmungen in einem komplexen Erdbau macht diesen zum Labyrinth für den Eindringling, woraus der Besitzer im Notfall entscheidende Vorteile erzielen kann. Voraussetzung für die Anlage ist eine zuverlässige Orientierung.

Der Biber verwendet praktisch täglich Energie darauf, den Wasserstand im Bereich des unterwasser liegenden Zugangs zu seinem Erdbau konstant zu halten. Dazu erbaut er eine Wassersperre, den Biberdamm, bessert ihn aus und öffnet ihn bei steigendem Wasserpegel. Diese Bemühungen dienen im Wesentlichen dem Ziel, die Zugangsöffnung zu seiner Wohnkammer für Prädatoren (außer Otter) unzugänglich zu gestalten. Bei Wassermangel wird er leichter Opfer. Kann er in seinem Revier den Wasserstand nicht beherrschen, legt er meist mehrere Zufluchtsorte an.

Die Funktion des Nebennestes mancher Vogelmännchen wird von einigen Ornithologen dahingehend gedeutet, interspezifische Brutparasiten abzulenken und in die Irre zu führen.

Amerikanische Erdhörnchen (Spermophilus spp.), insbesondere Weibchen, benagen das „Natternhemd“ (abgestreifter Häutungsrest) von Klapperschlangen (Crotalus spp.) und übertragen ihren Speichel dann auf ihr Fell und das der Jungtiere im Bau. Diese Duftmarkierung verbreitet sich im Bau und entströmt dem Eingang, sodass er von Klapperschlangen gemieden wird.Barbara Clucas: Snake scent application in ground squirrels, Spermophilus spp.: a novel form of antipredator behaviour? In: Animal Behaviour, Band 75, Nr. 1, 2008, S. 299–307, doi:10.1016/j.anbehav.2007.05.024.