mini|Die farbenfrohe, 1994 eingeführte Flagge Südafrikas symbolisiert die demografische Vielfalt der „Regenbogennation“ Südafrika Die Demografie Südafrikas ist sehr heterogen, das Land gilt als eines der ethnisch-demografisch vielfältigsten Länder des afrikanischen Kontinents. Südafrika ist die Heimat verschiedener afrikanischer Gesellschaften sowie der Nachfahren vorwiegend niederländischer, deutscher, französischer, asiatischer und britischer Einwanderer. Südafrika ist damit ein multikulturelles Land und wird oft als „Regenbogennation“ bezeichnet.

Überblick Mit der Einwanderung von Bantu-Gruppen aus dem Norden mit frühen Ursprüngen in Kamerun, archäologisch nachgewiesen seit dem 2. Jahrhundert, in den nördlichen Teil des heutigen Südafrikas sowie der Ansiedlung europäischer Kaufleute, Militärs und Bauern/Handwerker seit dem 16. Jahrhundert einschließlich der von ihnen aus Südostasien verschleppten Sklaven nahm die kulturelle und ethnische Vielfalt der wachsenden Bevölkerung stetig zu. Aus beiden Richtungen ergab sich ein lang anhaltender Migrationsdruck auf die seit dem Jungpaläolithikum inzwischen kontinuierlich nachgewiesenen Khoisan-Gruppen, die tatsächlich indigene Bevölkerung Südafrikas.Christoph Marx: Südafrika. Geschichte und Gegenwart. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2012, S. 15, 18–27.

In der Zeit der Apartheid wurden die Einteilungen der Demografie Südafrikas in besonderem Maße ideologisch instrumentalisiert, so dass es Schwierigkeiten bereitet, die Gesellschaft des Landes mit unvorbelasteten Begriffen zu beschreiben. In besonderem Maße trifft dies auf die Unterscheidung zwischen „Schwarzen“, „Weißen“, „Coloureds“ und „Asiaten“ zu. Die Zuordnung jedes Südafrikaners zu einer dieser Gruppen war seit 1950 durch den Population Registration Act gesetzlich geregelt und bildete eine Grundlage für die Politik der legislativen Rassentrennung, obwohl sie schon viel länger den offenkundigen, gängigen Gepflogenheiten entsprach. Bis zum Jahr 1991 teilte der Population Registration Act die Bevölkerung in vier Gruppen, „Rassen“ genannt, ein: „Schwarze“ (englisch: Blacks, Africans; afrikaans: Swartes), „Weiße“ (englisch: Whites; afrikaans: Blankes), „Coloureds“ (englisch: Coloureds; afrikaans: Kleurlinge) und Asiaten (englisch: Asians; afrikaans: Asiërs). Obwohl es diese Einteilung nach dem Verfassungsrecht nicht mehr gibt, benutzen auch heutzutage offizielle staatliche Statistiken diese Gruppenbegriffe.Vgl. die Die Afrikaner bzw. Schwarze stellen etwa 80,8 % der gesamten Bevölkerung. Die größten Gruppen sind die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swasi und Ndebele. Der Anteil der Weißen an der Gesamtbevölkerung beträgt 7,8 %. Hauptsächlich sind sie Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer, die ab dem Ende des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die als „Coloureds“ bezeichnete Bevölkerungsgruppe sind Südafrikaner unterschiedlicher ethnischer Herkunft, meist Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven sowie der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker Khoikhoi und San. Etwa 8,8 % der Bevölkerung sind zu den „Coloureds“ zu zählen. Die meisten Asiaten sind indischer Abstammung, deren Vorfahren seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt wurden, um auf den Zuckerrohrfeldern Natals zu arbeiten, oder die sich als Händler in den Städten ansiedelten. Heute stellen die Asiaten 2,6 % der Gesamtbevölkerung und leben hauptsächlich in der Provinz KwaZulu-Natal. Es gibt außerdem eine chinesische Bevölkerungsgruppe mit etwa 100.000 Einwohnern.Statistics South Africa: Mid-year population estimates 2020. auf www.statssa.gov.za (englisch, PDF), abgerufen am 25. Oktober 2020.

Im Jahr 2016 lebten geschätzt etwa 65 % der Südafrikaner in Städten. 28,3 % der Einwohner sind unter 15 Jahre alt, 66,1 % zwischen 15 und 64 Jahre und 5,6 % älter als 65 Jahre. Das Bevölkerungswachstum betrug 2019 ungefähr 1,7 %, die Geburtenrate lag im selben Jahr bei 20,5 Geburten pro 1000 Einwohner, die Kindersterblichkeit bei 34,5 pro 1000 Lebendgeburten. Die Lebenserwartung lag 2020 bei Frauen bei 67,9 Jahren und bei Männern bei 60,9 Jahren, nachdem sie in den Jahren zuvor deutlich niedriger gelegen hatte. Eine südafrikanische Frau hat im Schnitt 2,3 Kinder (Schätzung 2016). 94,3 % der über 15-jährigen Südafrikaner können lesen und schreiben (Schätzung 2015).

Siedlungsgeschichte

Während der Frühgeschichte siedelten im südlichen Afrika San, die bis heute Reste steinzeitlichen Lebens bewahren. Vor etwa 2.000 Jahren differenzierten sich die viehzüchtenden Khoikhoi aus der Gruppe der Khoisan heraus. Von Norden wanderten, wahrscheinlich seit dem dritten Jahrhundert, Bantu-Völker in das Land und bevölkerten den Osten Südafrikas. Nachdem Bartolomeu Diaz 1488 die Südspitze Afrikas erreicht hatte, gründete die Niederländische Ostindien-Kompanie 1652 mit Kapstadt die erste Siedlung am Kap, die sich rasch zur Kapkolonie erweiterte. Diese wurde 1806 von den Briten in Besitz genommen.

Die heutigen Provinzen Westkap, Nordkap und Teile von Ostkap, hier kurz „Kapland“ genannt, waren bei der Ankunft der Europäer noch von den khoisansprachigen Bevölkerungsgruppen bewohnt, die entweder Jäger und Sammler (San) oder Viehzüchter (Khoikhoi) waren und das Land vergleichsweise dünn besiedelten. Die Kolonialisierung ähnelte hier eher weiter Teile Australiens oder des nordamerikanischen Ostens: Die Urbevölkerung wurde weitgehend ihrer eigenen Kultur und Sprache beraubt und ging in einer Mischlingsbevölkerung auf. Diese ist heute größtenteils christianisiert und spricht Sprachen europäischen Ursprungs. Zudem wurden Sklaven aus anderen Weltregionen eingeführt, die auch in dieser Mischlingsbevölkerung aufgingen. Diese inhomogene Bevölkerungsgruppe bildet seit der Apartheid die demografische Kategorie der „Coloureds“.

Der Rest des Landes war von bantusprachigen Viehzüchtern und Ackerbauern besiedelt, die an vielen Stellen vergleichsweise dicht siedelten. Diese Bevölkerung wurde zwar auch unterworfen und entrechtet, aber sie konnte ihre Sprache und große Teile ihrer Kultur bis heute bewahren. Diese Bevölkerung bildete während der Zeit der Apartheid die demografische Kategorie der „Schwarzen“. Nach Natal wanderten unter britischer Herrschaft Bevölkerungsgruppen aus Britisch-Indien ein, die während der Apartheid mehrheitlich die demografische Gruppierung der „Asiaten“ bildeten.

Die während der Apartheid legislativ enger definierten vier Bevölkerungsgruppen („Schwarze“ („Natives“, später in Bantu umbenannt), „Weiße“ und „Coloureds“ nach dem Population Registration Act von 1950) wurden, teilweise willkürlich, in verschiedene Untergruppen geteilt. Eine Differenzierung der Colouredgruppe erfolgte auf Basis dieses Gesetzes mit der Proclamation 46 / 1959, die 1961 novelliert wurde. Das führte dazu, die Gruppe der asiatischstämmigen Bevölkerung detaillierter zu definieren, woraus sich später die Gruppenbezeichnung Asiatics (deutsch: „Asiaten“) entwickelte. Bereits mit der Gründung der Südafrikanischen Union im Jahre 1911 und in den Folgejahren hatten sich demografische Gruppenbezeichnungen herausgebildet, die im Rechtsverkehr jedoch unterschiedlich gehandhabt und interpretiert wurden.Muriel Horrell: Laws Affecting Race Relations in South Africa. SAIRR, Johannesburg 1978, S. 16.

Ein groteskes Beispiel war die Einteilung von Japanern in die Kategorie „Weiße“. Buren und ein großer Teil der Coloureds teilen hingegen sehr viele kulturelle Züge, sprechen die gleiche Sprache (Afrikaans) und sind auch durch die Besiedlungsgeschichte aufs engste miteinander verbunden.

Bevölkerungsgruppen Bevölkerungsgruppen in Südafrika nach 1994 Nach 1994 werden die Bezeichnungen (African) Black, Coloured, Indian/Asian und White für diese vier Bevölkerungsgruppen fortgeführt. Sie finden dabei in den Dokumenten der öffentlichen Verwaltung, speziell auch in statistischen Darstellungen der nationalen Statistikbehörde, vielseitig Verwendung. Weitere häufig verwendete Gruppenmerkmale sind Alter oder Sprachen.South African Government: South Africa's people. auf www.gov.za (englisch)Official Custodian of South Africa's Nation Brand: . Meldung vom 11. August 2017 auf www.brandsouthafrica.com (englisch)Statistics South Africa: Census 2011, Population Dynamics in South Africa. Report No. 03-01-67. online auf www.statssa.gov.za (englisch, PDF), ISBN 978-0-621-43660-0

Diese Bezeichnungen dienen zur allgemeinen Darstellung der jeweiligen Bevölkerungsgruppe oder beruhen in statistischen Zusammenhängen auf der Selbstauskunft (Eigenindentität) der südafrikanischen Bürger bei Volkszählungen (Statistics Act No. 6 of 1999) sowie anderen Erfassungen personenbezogener Daten.Statistics South Africa: Community Survey 2007, Household Questionnaire. online auf www.statssa.gov.za (englisch, PDF), PDF-Dokument S. 5 Eine amtliche Zuweisung zu einer bestimmten Gruppe findet nicht mehr statt.

Bevölkerungsgruppen in der Rassentrennungspolitik der Vergangenheit Bereits in der Kolonialzeit und der frühen Unabhängigkeit Südafrikas wurden wichtige gesetzliche Grundlagen der später konstitutionellen Rassentrennungpolitik gelegt, so 1927 der später erweiterten Immorality Act, der sexuelle Kontakte zwischen Weißen und Schwarzen unter Strafe stellte. 1923 war der Native Urban Areas Act verabschiedet worden, der die südafrikanischen Städte grundsätzlich Weißen als Wohnort vorbehielt und Schwarzen dort lediglich eingeschränktes Aufenthaltsrecht einräumte. Seit 1913 regelte der Natives Land Act die Verteilung des Landes in Südafrika und verbot den Bodentransfer zwischen Angehörigen verschiedener „Rassen“. Danach durften die Schwarzen, die 70 Prozent der Bevölkerung stellten, nur noch in als Reservate festgelegten Gebieten Land erwerben, die lediglich 7 % der Gesamtfläche ausmachten.Albrecht Hagemann: Kleine Geschichte Südafrikas. Verlag C. H. Beck, München 2004, S. 62. 1936 erhöhte der Native Trust and Land Act die Fläche auf 13 Prozent des Landes. Der 1911 in Transvaal erlassene und 1922 erneuerte Mines and Works Act schloss Nichtweiße von großen Teilen des Wirtschaftslebens aus.

Seit 1948 ging die Nasionale Party daran, mit einer Reihe einschneidender Gesetze das Fundament für die strikte Apartheid zu legen. Die organisatorische Voraussetzung war die genaue Festlegung der Zugehörigkeit jedes Südafrikaners zu einer „Rasse“ durch den Population Registration Act. Ehen zwischen Angehörigen verschiedener „Rassen“ wurden in Südafrika im Jahr 1949 durch den Prohibition of Mixed Marriages Act verboten und mit der Erweiterung des Immorality Acts sexuelle Beziehungen zwischen Europäischstämmigen und Angehörigen aller anderen Gruppen unter Strafe gestellt. Der Group Areas Act machte es möglich, für jede demografische Gruppe bestimmte Wohngebiete festzulegen. In Johannesburg wurden einige westliche Stadtteile wie Sophiatown mit einem hohen Anteil schwarzer Bevölkerung zwischen 1955 und 1963 vollständig zerstört und die Bewohner in die südwestlichen, später als Soweto zusammengefassten Townships zwangsumgesiedelt. Den Durbaner Stadtteil Cato Manor mussten etwa 120.000 Afrikaner verlassen.John Iliffe: Geschichte Afrikas. Verlag C. H. Beck, München 1997, S. 378. 1953 erschwerte der Bantu Education Act die höhere Bildung für Schwarze stark. Im Laufe der Zeit sollten über 1000 verschiedene Bestimmungen im Sinne der Rassentrennungsideologie erlassen werden. Die Apartheid trennte die Bevölkerungsgruppen im gesamten öffentlichen und privaten Leben, etwa in Bahnhöfen, Postämtern und Schulen, aber auch durch separate Strände, sanitäre Anlagen oder Parkbänke.Christoph Marx: Geschichte Afrikas. Von 1800 bis zur Gegenwart. Schöningh UTB, Paderborn 2004, S. 266.

Schwarze 250px|mini|Anteil der Schwarzen an der Bevölkerung