mini|Strategische Lage am Rhein (2013) Die Marksburg ist eine aus dem 13. Jahrhundert stammende Höhenburg oberhalb der rheinland-pfälzischen Stadt Braubach am Rhein, von der sie ihren ursprünglichen Namen Burg Brubach bezog. Sie steht auf einem Schieferkegel in und ist – abgesehen von den starken Beschädigungen, die der Anlage im März 1945 durch Artilleriebeschuss zugefügt wurden – die einzige nie zerstörte mittelalterliche Höhenburg am Mittelrhein. Der verputzte Bruchsteinbau entstand zur Sicherung des dortigen Rheinübergangs und der vom Taunus herkommenden Talwege und diente als Mittelpunkt einer lokalen Verwaltung. Der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts unterhalb der Marksburg nachweisbare Rheinzoll bestand nur wenige Jahre.
Die Burg ist ein geschütztes Kulturdenkmal nach dem Denkmalschutzgesetz (DSchG) und in die Denkmalliste von Rheinland-Pfalz eingetragen. Des Weiteren ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention und mit dem blau-weißen Schutzzeichen gekennzeichnet. Außerdem ist sie seit 2002 Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
Namensgeschichte Ursprünglich hieß die Burg nach dem Ort am Fuße des Burgbergs Burg Braubach, in diversen Schreibweisen (Burgk Brubach, Burch Brubach, Burg Brubach). 1437 wird die Burgkapelle Sankt Markus erstmals erwähnt, als Philipp I. der Ältere von Katzenelnbogen der Burg einen Altar stiftete.
Im Jahr 1570 wird die Burg zur Unterscheidung von der neuen zweiten Anlage am Rheinufer, der Philippsburg, urkundlich erstmals „Marxburg“ genannt, auch der Name Markusburch wird verwendet. Weitere Namensvarianten finden sich 1574 als S[ankt] Marxburgk, 1581 als Markenburch zu Braubach und 1583 Schloss Marxburg (auch „altes Schloss“ genannt). 1646/55 hieß die Anlage bei Matthäus Merian ebenfalls Marxburg. Die Schreibweise hielt sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts.Marxburg. In: Pierer’s Universal-Lexikon. Band 10. Altenburg 1860, S. 936.
Es existiert eine Sage zur Namensgebung, die im 13. Jahrhundert in der Zeit der Schlacht auf dem Marchfeld (1278) angesiedelt ist und in der der Evangelist Markus als Retter der Burg und ihrer Bewohner auftritt und so zum Namenspatron wird;. die erste Erwähnung als „Markusburg“ findet sich jedoch erst knapp 300 Jahre später.
Geschichte der Bewohner und Besitzer mini|Die Marksburg aus der Luft mini|Die Marksburg 1999 – Nordostseite mini|Die Marksburg bei Nacht von der westlichen Rheinseite gesehen mini|Marksburg, 1938 Obwohl urkundlich erstmals im Jahr 1231 Burgmannen („castrenses“ vom lateinischen Wort „castra“ = befestigtes Lager) in Braubach erwähnt werden, kann man davon ausgehen, dass die Marksburg schon vor 1219 existierte. Geschlossen werden kann dies aus dem Umstand, dass die Burg als pfalzgräfliches Lehen im Besitz der Herren von Eppstein war, deren Vertreter Gerhard II. von Eppstein sich seit 1219 Gerhard von Braubach nannte. Da jedoch bereits im 12. Jahrhundert ein edelfreies Geschlecht „von Braubach“ nachweisbar ist, wird vermutet, dass an gleicher (oder nahe gelegener) Stelle schon um 1117 eine Burg existierte. Die Eppsteiner erlebten seit Ende des 12. Jahrhunderts den Aufstieg zu einer der mächtigsten Familien des Hochmittelalters. Im 13. Jahrhundert stellten sie allein vier Mainzer Erzbischöfe.
1283 kamen Braubach und die Burg an die jüngere Linie der Grafen von Katzenelnbogen, namentlich Graf Eberhard I. Die ältere Linie des Geschlechts residierte zu dieser Zeit auf Burg Rheinfels bei Sankt Goar. Graf Johann II. († 1357) begann die Umgestaltung und Erweiterung der Burganlage im gotischen Stil und legte somit den Grundstein für das heutige Aussehen. Johanns Sohn Diether VIII. schloss den Ausbau ab. Auch in den Folgejahren des 15. Jahrhunderts kam es zu weiteren Bautätigkeiten: Johann IV. von Katzenelnbogen († 1444) veränderte die Burganlage zugunsten von Wohnansprüchen, jedoch unter Beibehaltung eines repräsentativen Charakters. 1437 wurde auf Burg Braubach die gestiftete St.-Markus-Kapelle erstmals erwähnt. Sie behielt aber weiterhin ihren alten Namen bis über das Ende der Katzenelnbogener Zeit hinaus; erst im 16. Jahrhundert setzte sich der heutige Name Marksburg (über Markusburg, Marxburg) durch (siehe Namensgeschichte).
1479 fiel die Grafschaft Katzenelnbogen und damit die Marksburg an die Landgrafschaft Hessen. Landgraf Philipp der Jüngere von Hessen-Rheinfels bestimmte Braubach zum Witwensitz. Da die Marksburg zu dieser Zeit jedoch den gehobenen adeligen Wohnansprüchen nicht mehr genügte, wurde in den Jahren 1568 bis 1571 die schlossartige Philippsburg am Südende von Braubach gebaut, die von 1643 bis 1651 sogar als ständige Residenz des Landgrafen Johannes des Streitbaren diente. Dieser war es auch, der gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges die stark vernachlässigte Marksburg wieder instand setzen ließ, doch seit dem Bau der Philippsburg wurde sie nie wieder als Adelswohnsitz genutzt. Nach dem Tod Johanns des Streitbaren kamen Braubach und die Marksburg an die Landgrafen von Hessen-Darmstadt.
In der napoleonischen Zeit des 18. Jahrhunderts war die Marksburg offiziell als Festung deklariert, diente jedoch praktisch als Invalidenunterkunft und Staatsgefängnis. Diese Funktion hinterließ in Form von Gefängniszellen im gotischen Saalbau der Anlage ihre Spuren, die im Jahr 1901 wieder entfernt wurden. In der Burgkapelle waren im gleichen Jahr noch Kritzeleien eines ehemaligen Insassen, des deutschen Freiheitskämpfers Germain Metternich, zu sehen. Auch als die Burg 1803 an das Fürstentum Nassau-Usingen und 1815 an das Herzogtum Nassau fiel, änderte sich an ihrer Verwendung nichts. Sie wurde weiterhin durch Angehörige des Militärs, in diesem Fall der Herzoglich Nassauischen Armee, verwaltet.
1866 endete die nassauische Regierungszeit über die Marksburg mit der Annektierung Nassaus durch Preußen nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg, jedoch wurden in der preußischen Zeit keinerlei Baumaßnahmen durchgeführt, so dass die Burg immer mehr verfiel.
1900 nahm sich die Deutsche Burgenvereinigung der verwahrlosten Anlage an. Auf persönliche Initiative des Geheimrats Prof. Bodo Ebhardt und durch Fürsprache Kaiser Wilhelms II. erwarb der Verein die Marksburg zum symbolischen Preis von 1000 Goldmark (umgerechnet etwa 10.000 Euro) vom preußischen Fiskus. Er führte in den folgenden Jahrzehnten verschiedene bauliche Maßnahmen durch, die darauf abzielten, die vorhandene Bausubstanz zu sichern und der Burg ihr spätmittelalterliches Aussehen zurückzugeben. Dazu gehörte auch die 1905 erfolgte Wiederherstellung des im frühen 18. Jahrhundert entfernten Butterfassaufsatzes.
Im März 1945 musste die Deutsche Burgenvereinigung in ihren Bestrebungen herbe Rückschläge hinnehmen, als amerikanischer Artilleriebeschuss vom gegenüberliegenden Rheinufer die Marksburg am 20. und 25. März 1945 erheblich beschädigte. Beim ersten Beschuss der Marksburg am 20. März stürzte der Butterfassaufsatz auf dem Bergfried zur Hälfte ein; nach dem Beschuss vom 25. März waren an der Rheinseite fast sämtliche Dächer abgedeckt. Insofern ist die Bezeichnung „einzige unzerstörte Höhenburg am Mittelrhein“ mit Einschränkung zu betrachten.
Nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten bietet die Marksburg heute als Burgmuseum ein geschlossenes Bild einer relativ authentisch erhaltenen spätmittelalterlichen Burganlage. Im romanischen Palas hat die Deutsche Burgenvereinigung ihre Geschäfts-, Wohnräume und Büros, während die überwiegende restliche Anlage zur Besichtigung freigegeben ist.
Baubeschreibung Kapellenturm Der an der Südspitze der Burg – der Hauptangriffsseite (Aufweg von Süden) – gelegene Wachtturm, erst in neuerer Zeit Kapellenturm genannt, umfasst mit dem Dach sieben Geschosse, von denen die untersten beiden von außen durch eine Leiter zugänglich waren. Der Grundriss ist parallelogrammartig, die Südkante der Außenwände gebrochen, so dass ein beinahe gerundeter Mauerverlauf an der Südseite entstand. Die vier unteren Geschosse haben mächtige Steindecken, das fünfte Geschoss unterhalb des Simses eine Holzbohlendecke, ebenso das sechste Geschoss im vorkragenden Turmoberteil. Darüber liegt das Dachgeschoss im zeltdachförmigen Helm, darin integriert die Dächer der vier Eckerker. Der Merianstich von 1646 zeigt ihn ohne Dach. Bei Wilhelm Dilich Anfang des 17. Jahrhunderts ist der Kapellenturm als Gefengnus und wachtthurm bezeichnet. Er trägt da ein flaches Walmdach über der zentralen Wachtstube im vorkragenden sechsten Geschoss, die vier Wehrerker und die verbindenden Wehrgangstücke haben eigene Dächer, die mit dem Hauptdach verbunden waren.Elke Lutterbach: Die Marksburg (= Ritterburgen. Band 3). Bachem, Köln 2008, ISBN 3-7616-2223-6. Der Turm beherbergte das Gefängnis bis ins 19. Jahrhundert. Das dritte Turmgeschoss beherbergt seit 1903 die Kapelle. Wegen des ebenfalls dort nach Plänen des 18. Jahrhunderts befindlichen Aborterkers, heute eine Nische, nimmt man an, dass in diesem Stockwerk der heutigen Kapelle der frühere Burgkaplan lebte. Auch das vierte Geschoss hat Gewölbe, Kamin und Nische (Aborterker, auf den Zeichnungen Wilhelm Dilichs zu sehen). Die ursprüngliche Burgkapelle lag wohl in den romanischen Anfängen erst an der Stelle des heutigen Kapellenturmes, später in Palasnähe im Burghof (Grundmauerfunde). In einer Urkunde von 1588 ist eine Kapelle mit Chor erwähnt, die nicht im Kapellenturm lag. Sie hatte wie eine Kirche eigene Besitztümer (Haus, Baumwiese, Hof, Wald), deren Erlöse mit Einführung der Reformation 1525 durch Philipp I. den Großmütigen von Hessen ab 1527 in Stipendien für studierende Braubacher Bürgersöhne umgewandelt wurden (Säkularisation). Der Altarheilige der Kapelle St. Markus wurde später zum Namensgeber für die Burganlage. Der Kapellenraum ist von einem zehnteiligen, auf Maskenkonsolen ruhenden Gratgewölbe überspannt. Diese Konsolen sind noch die ursprünglichen aus dem 13. Jahrhundert, während das Gewölbe um 1500 erneuert wurde. Die Gewölbefresken mit Szenen aus dem Neuen Testament sowie einer Darstellung des Heiligen Markus mit Löwen-Attribut wurden auf Veranlassung von Bodo Ebhardt, dem Gründer der Deutschen Burgenvereinigung e. V., 1903 angebracht.
Baugeschichte Der Grundriss der Marksburg stammt im Wesentlichen aus dem frühen 13., ihr heutiges Erscheinungsbild aber aus dem 14. Jahrhundert. Umbauten und Ergänzungen fanden nochmals im 18. Jahrhundert statt.
13. Jahrhundert Heutzutage sind nur noch Spuren der romanischen Gründungsanlage zu finden. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass die Ursprünge des heute 40 Meter hohen Bergfrieds wahrscheinlich im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts zu suchen sind. Als gesichert gilt, dass seine Urform wesentlich kleiner war als seine heutigen Ausmaße.
Spätromanik mini|Namensgebend für die Burg: der Heilige Markus mit Löwen – Fresko in der Burgkapelle
Im zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts entstanden unter Gerhard II. von Eppstein zahlreiche Bauten spätromanischen Ursprungs, wie zum Beispiel der ehemalige Palas (heutiger Nordbau) und der Kapellenturm.
Sämtliche Bauten aus dieser Epoche bilden ein fast gleichschenkeliges Dreieck, das als typisch für den Burgenbau der Stauferzeit bezeichnet werden kann (klare, geometrische Grundrissformen). Bis heute ist ungeklärt, ob die Marksburg von einer Ringmauer umgeben war oder ob sie in dieser Zeit nur eine unbefestigte Vorburg besaß.
Bergfried Der Bergfried wurde ab 1237, belegt durch die frühest datierbaren Baubefunde von 1238, durch Gerhard II. von Epstein als dreistöckiger freistehender Turm mit quadratischem Querschnitt (sechs Meter Seitenlänge) und einer Mauerstärke von mehr als zwei Metern im staufischen Stil auf der höchsten Stelle des Burgberges errichtet. Er besaß als Abschluss eine quadratische Verteidigungsplattform mit Zinnenmauerwerk, ähnlich dem Bergfried der Burg Sterrenberg. In die dicken Mauern eingelassene Treppen sorgten für den Aufstieg bis auf das Dach oberhalb des dritten, später vierten Stocks.
Nordbau