Alice in Wonderland ist eine Oper von Unsuk Chin, basierend auf dem gleichnamigen Buch von Lewis Carroll. Das Libretto stammt von David Henry Hwang und der Komponistin.
Die Uraufführung des Werkes eröffnete die Münchner Opernfestspiele am 30. Juni 2007 und fand an der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung von Kent Nagano statt. Regie führte Achim Freyer, der auch für Bühnenbild und Licht zuständig war, für Masken und Puppen zeichnete sich Nina Weitzner zuständig. Die Titelrolle wurde dargeboten von Sally Matthews; zu den weiteren Sängern zählten unter anderem Dame Gwyneth Jones und Dietrich Henschel.
Als eine Art Vorstudie entstand 2004 im Auftrag der Los Angeles Opera der Gesangszyklus snagS&Snarls für Sopran und Orchester.
Werkbeschreibung
Die Librettisten bleiben, was die Handlung betrifft, der Textvorlage treu. Eine Ausnahme bilden Prolog und Epilog. Diese sind als Traumszenen der realen Lebenssphäre, die am Anfang und Ende von Carrolls Buch vorherrscht, enthoben.
Bei Lewis Carrolls Geschichten hat Chin weniger die Märchenthematik – „eine Illusion wäre es, in ihnen Märchengeschichten sehen zu wollen“ – als die „verdrehte Logik, der ein ‚anderes‘ physikalisches Gesetz zugrunde liegt“ fasziniert.Programmbuch zur Produktion von „Alice in Wonderland“ in der Bayerischen Staatsoper, 2007 Chin weist darauf hin, dass sie Alice nicht als Kind entdeckte, sondern als Erwachsene – und zwar durch die Lektüre von Douglas R. Hofstadters Buch Gödel, Escher, Bach, in dem Alice eine bedeutende Rolle spielt.
In bestimmten Szenen kommt ein Stilpluralismus zum Ausdruck, den man ansonsten kaum in Chins Musik antrifft. Unsuk Chin weist darauf hin, dass es sich dabei – in Korrespondenz mit Lewis Carrolls Wortspielen und Verballhornungen – um musikalische Parodien handelt, und dass sie für die Oper eine von ihren anderen Werken abweichende Tonsprache gewählt hat, da die Hauptrolle ein Kind darstellt.Helmut Rohm: Ein Spiel von Licht und Farben – die Komponistin Unsuk Chin. Rundfunksendung bei Bayern 4 Klassik, 3. Juni 2008, 22:05 Uhr.
Das klassische Instrumentarium wird durch einen großen Schlagwerkapparat, durch Mandoline und andere ungewöhnliche Instrumente sowie Elektronik erweitert. Die Gesangs- und Instrumentalpartien stellen hohe virtuose Anforderungen an Sänger und Orchester.
Die hinzugefügten Traumszenen begründet die Komponistin damit, dass sie in den Alice-Geschichten eine starke Verwandtschaft mit ihren Träumen entdeckte, die sie als „viel existentiellere Erfahrung als alles, was ich im alltäglichen Leben erlebt habe,“ und als wesentliche Anregung für ihr kompositorisches Werk beschreibt. Lewis Carrolls Nonsens wird von ihr analysiert als ein Versuch „einen komplexen Traumzustand mit Worten zu beschreiben“, wobei „unweigerlich das [entsteht], was wir ‚Nonsens‘ nennen, da unsere Sprache einer ganz anderen Logik unterworfen ist“.
Alice in Wonderland wurde bei der internationalen Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt zur Uraufführung des Jahres gewählt.Opernwelt Jahrbuch 2007.
Szenen
Szene 1: Traum I Szene 2: Der Tränenteich Szene 3: Im Haus des weißen Kaninchens Zwischenspiel 1: Ratschläge einer Raupe Szene 4: Ferkel und Pfeffer im Haus der Herzogin Szene 5: Eine verrückte Teegesellschaft Szene 6: Das Krocketfeld Zwischenspiel 2 Szene 7: Gerichtsverhandlung oder Wer stahl die Törtchen? Finale: Traum II
Orchester
Zwei Flöten (I=Piccolo, II=Piccolo/Altflöte/Kolbenflöte), zwei Oboen (II=Englischhorn), zwei Klarinetten (II=Es-Klarinette, Bassklarinette), zwei Fagotte (II=Kontrafagott) Zwei Hörner, drei Trompeten, zwei Posaunen, Tuba Vier Schlagzeuger Harfe, Mandoline, Klavier (auch Celesta und Cembalo) Sampler Streicher (min. acht erste Violinen, acht zweite Violinen, sechs Violen, vier Violoncelli, drei Kontrabässe mit fünf Saiten) Auf der Bühne: Bassklarinette, optional Mülleimer mit Küchenutensilien für Theatereffekte
Pressestimmen
Videos Unsuk Chin: Alice in Wonderland. Bayerische Staatsoper. Unitel Classica, 2008.
Literatur Lewis Carroll: Alice im Wunderland und Alice hinter den Spiegeln (OT: Alice's Adventures in Wonderland und Through the Looking-Glass). (Jubiläumsausgabe.) Aus dem Englischen von Christian Enzensberger. Mit Illustrationen von John Tenniel. Insel-Verlag, Frankfurt am Main und Leipzig 1999, ISBN 3-458-34268-0.
Weblinks Alice in Wonderland bei Boosey & Hawkes (teilweise englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Operntitel Kategorie:Werk (Neue Musik) Kategorie:Alice (Lewis Carroll) Kategorie:Oper in englischer Sprache Kategorie:Oper aus dem 21. Jahrhundert Kategorie:Werk nach Lewis Carroll Kategorie:Musik 2007