Friedrich Wilhelm Walther Schotte (häufig auch Walter Schotte geschrieben) (* 3. Oktober 1886 in Berlin;Geburtsdatum nach: Herrmann August Ludwig Degener (Hrsg.): Wer ist wer? Das Deutsche WHO's WHO in Germany. Selbstverlag, Leipzig 1928, S. 1402. † 22. Februar 1958 in Köln)Rainer Orth: Der SD-Mann Johannes Schmidt. Der Mörder des Reichskanzlers Kurt von Schleicher?. Tectum, Marburg 2012, ISBN 978-3-8288-2872-8, S. 166. war ein deutscher Journalist, Historiker und Schriftsteller. Schotte wurde vor allem bekannt als langjähriger Herausgeber der Preußischen Jahrbücher.

Leben und Wirken Herkunft und Ausbildung (1886 bis 1909) Schotte wurde 1886 als Sohn des Geheimen Regierungsrates Friedrich Schotte und seiner Ehefrau Helene Dato geboren. Er besuchte zunächst die Vorschule und dann von Ostern 1896 an das Askanische Gymnasium in Berlin, das er 1905 mit dem Abitur verließ. Anschließend studierte er vom Sommersemester 1905 bis ins Frühjahr 1910 Geschichte an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, unterbrochen von dem Besuch der Universität Heidelberg, wo er das Sommersemester 1906 absolvierte. Dort hörte er unter anderem Vorlesungen bei Wilhelm Dilthey, Georg Jellinek, Otto Hintze und Georg Simmel. Von Januar bis Ende Juni 1906 war Schotte für den Professor Karl Zeumer als wissenschaftlicher Helfer tätig. Von August 1909 bis Februar 1910 arbeitete er dann als wissenschaftlicher Assistent für Dilthey.

Mit Prüfungsdatum zum 24. Februar 1910 promovierte Schotte am 15. Juni 1910 an der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin mit einer Arbeit über die „rechtspolitischen Verhältnisse von Fürstentum und Ständen in der Mark Brandenburg unter der Regierung Joachim I.“ zum Dr. phil.

Bis 1916 war er in der Verwaltung des Preußischen Staatsarchivs tätig. Während des Ersten Weltkrieges fiel Schotte erstmals einer breiteren Öffentlichkeit auf, als er als Mitherausgeber von Max Webers Schrift Wahlrecht und Demokratie in Deutschland in Erscheinung trat.

Publizistische und politische Tätigkeit (1916 bis 1933) Sein Politikverständnis brachte Schotte einmal auf die Formel „Man ist politisch“, aber man „treibt keine Politik“.Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, 2005, S. 118. Ungeachtet dessen griff er über einen langen Zeitraum äußerst aktiv ins politische Leben ein.

Von 1916 bis 1917 war Schotte der Sekretär von Friedrich Naumann. Anschließend wurde er Herausgeber der Wochenschrift Mitteleuropa. In den Jahren 1917/18 übernahm er die Herausgeberschaft der in Naumanns Verlag „Die Hilfe“ erscheinenden Schriftenreihe „Der Deutsche Volksstaat: Schriften zur inneren Politik“.

1919 kam Schotte in den vorläufigen Hauptvorstand der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Da er in den folgenden Jahren immer weiter nach rechts rückte, wandte er sich jedoch bald von der DDP ab. Bereits im selben Jahr schwebte Schotte der Gedanke vor, die „deutsche Revolution [vom November 1918] in eine nationale Wiedergeburt zu verwandeln“.Jürgen C. Hess: Das Ganze Deutschland soll es sein, 1978, S. 30. Praktischen Niederschlag fand dies in seiner Tätigkeit als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der reaktionären Großdeutschen Vereinigung e.V. in Berlin, die er zu dieser Zeit begann. Ab 1918 widmete Schotte sich auch der Herausgabe der Zeitschrift Deutsches Volkstum, die ähnlich ausgerichtet war und die er bis 1938 betreuen sollte.

Im Dezember 1919 wurde Schotte als Nachfolger von Hans Delbrück zum Herausgeber der Preußischen Jahrbücher, die er bis 1927 redaktionell betreuen sollte. Unter seiner Ägide rückten die Jahrbücher in den folgenden Jahren politisch zunehmend nach rechts. Der sprachliche Stil der Jahrbücher, die als vielzitiertes Traditionsorgan ein wichtiger Meinungsmacher und Multiplikator waren, blieb unter Schotte unverändert. Stattdessen vollzog sich der Umschwung der Zeitschrift, indem vorwiegend rechtsgerichtete Geschichtsideologen als Mitarbeiter eingestellt wurden, die das Blatt mit neuen Auffassungen füllten, die im alten Sprachduktus verpackt waren. Während der wissenschaftlich-historische Ton der Zeitschrift beibehalten wurde, wurden nun deutlich ideologische Akzente aus dem Arsenal der konservativen Revolution übernommen. Zu den rechtsgerichteten Mitarbeitern, die unter Schotte in die Redaktion der Jahrbücher fanden, zählte beispielsweise der spätere Goebbels-Mitarbeiter Hans Fritzsche. Am Beispiel eines Leitartikels Schottes über die britische Regierung Andrew Bonar Law, der im Jahrbuch vom November 1922 erschien und in dem Lord Derby als „Jünger“ des „Frankfurter Juden“ Lord Northcliffe kritisiert wird, macht Benammi die These glaubwürdig, dass Schottes konservatives Denken unter anderem auch von antisemitischen Denkfiguren durchsetzt und geprägt war.Benammi: Essays on Jewish Life and Thought by Benammi, 2004, S. 185. Benammi findet es bezeichnend, dass der schlimmste Titel, den Schotte dem von ihm „grausam gehassten“ Northcliffe geben zu können meint, der eines „Frankfurter Juden“ ist. In summa ließe sich über Schottes Leitartikel sagen: „The intention of Schotte is not only to show that, from his anti-semitic point of view, Lord Northcliff was a villain because he was a jew, but also to connect the Jews with a man who in his opinion, was so great a villain.“

1924 gründete Schotte zusammen mit Lenore Ripke-Kühn die Zeitschrift Frau und Nation, die bald wieder einging. Am 1. Oktober 1927 übernahm Schotte die Herausgeberschaft für die Halbmonatsschrift Politik und Gesellschaft (beziehungsweise für deren Jahresbände), die er bis 1933 ausübte. Eine Zeitschrift, an der er mitwirkte, war die Weltpolitische Korrespondenz.

In den 1920er Jahren war Schotte maßgeblich am Aufbau der Deutsch-Österreichischen Mittelstelle in Wien beteiligt, einem Propaganda- und Nachrichtenbüro, dem die Aufgabe zufiel die „Wertschätzung alles Deutschen“ in Österreich zu steigern, um so den Boden für einen später angestrebten Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zu bereiten. Dazu sollte vor allem die sogenannte Anschluss-Bewegung gefördert werden.Alfred D. Low: The Anschluss Movement, 1918-1919, and the Paris Peace Conference. 1974, S. 158.

Mitte der 1920er Jahre war Schotte neben Heinrich von Gleichen Mitgründer des Deutschen Herrenklubs, als dessen Sprachrohr und Ideologe er galt.Jacques Delarue: The Gestapo. A History of Horror. 1964, S. 114. Zuvor war er bereits Mitglied des Juni-Clubs gewesen. Mit der Zeitschrift Der Ring, dem publizistischen Organ des Herrenklubs, das nach dem Symbol der konservativen Ring-Bewegung benannt war, fand Schotte zudem ein weiteres Ventil zur Propagierung seiner Vorstellung. Das Symbol des Rings hatte er schon seit 1920 in den Preußischen Jahrbüchern zu popularisieren versucht. Über den Herrenklub und andere, ähnlich ausgerichtete Netzwerke knüpfte Schotte Verbindungen zu zahlreichen Vordenkern der Rechten wie dem Jungkonservativen Arthur Moeller van den Bruck und zu konservativen Politikern, unter denen insbesondere der Zentrum-Politiker und spätere Reichskanzler Franz von Papen hervorzuheben ist. Ungeachtet seiner inneren Distanz zur demokratischen Republik unterhielt Schotte aber auch Beziehungen zu Demokraten und „Vernunftrepublikanern“ wie Gustav Stresemann, mit dem er eine halbregelmäßige Korrespondenz pflegte. 1928 unterstützte er als HerausgeberDer Ring. Politische Wochenschrift. . Selbstverlag, Berlin 1928, S. 428. den Schriftsteller Edgar von Schmidt-Pauli.

Um 1930 wurde Schotte Geschäftsführer der katholischen Aktion zur Bekämpfung des Bolschewismus.

Als Papen 1932 zum Kanzler ernannt wurde, übernahm Schotte die Leitung eines von der Regierung Papen ins Leben gerufenen Büros für Öffentlichkeitsarbeit in Berlin.T. Hunt Tooley: National Identity and Weimar Germany. 1997, S. 57. Außerdem stand er in dem Ruf, der wichtigste Redenschreiber Papens zu sein.

Schotte und der „Neue Staat“ (1932/1933) In der im Mai/Juni 1932 gebildeten Regierung Papen nahm Schotte den Rang eines Ideengebers und Theoretikers ein.Ulrike Hörster-Philipps: Konservative Politik in der Endphase de Weimarer Republik, 1982, S. 118. Er habe keine Mühe gescheut, um Papen und seine Politik der Öffentlichkeit vorzustellen und anzupreisen. Er und Edgar Jung waren zudem die „führende[n] Protagonisten […] im publizistischen Kreis um Papen“Daniela Kahn: Die Steuerung der Wirtschaft durch Recht im nationalsozialistischen Deutschland, 2006, S. 96. und in dieser Eigenschaft mit der sprachlichen Formulierung des „Programm[s] der Neuen Rechten“ betraut, als deren Propagandist er öffentlich in Erscheinung trat.Josef Roth: Leviathan. Zeitschrift für Sozialwissenschaft, 1973, S. 182.

In der Forschung finden sich dementsprechend Beschreibungen Schottes als Papens „Chefideologe“,Reinhart Staats: Theologie der Reichskrone, 1976, S. 163. „offiziöser Interpret des Kanzlers“Heinrich August Winkler: Mittelstand, Demokratie und Nationalsozialismus, 1972, S. 148. und sogar als „offizieller Sprecher des Kanzlers“.Florida State University Research Council: Florida State University Studies, 1959, S. 78.

In einem im selben Jahr veröffentlichten Buch erklärte er das „System der formalen Demokratie“ für „bankrott“. In einer im Vorfeld der Reichstagswahl vom November veröffentlichten Broschüre, in der er sich bemühte, das Programm der Regierung zur Errichtung eines „Neuen Staates“Dieter Haselbach: Autoritärer Liberalismus und soziale Marktwirtschaft, 1991, S. 57 nennt ihn auch den „Theoretiker des starken Staates.“ zu popularisieren, machte Schotte das Erscheinen des Vielparteiensystems für den desaströsen Kurs der innenpolitischen Entwicklung verantwortlich. Dieses System habe die Bedeutung der Verfassung verfälscht und das Staatsleben praktisch durch den kleinlichen Interessenkonflikt der Parteien ersetzt.Hans Mommsen: The Rise and Fall of Weimar Democracy, 1996, S. 477. Regierungen sollten nach Schottes Vorstellung zukünftig in einer Frontstellung gegen die Parteien gegründet werden. Sie sollten „nicht oberhalb, sondern gegen die Parteien gebildet sein.“ Spätestens nach einer Reihe von Erschöpfungswahlen in schneller Abfolge sollte die Institution des Parlamentes als Kontrollorgan der Regierung, zumindest vorläufig, vollständig ausgeschaltet werden: „Auf die Bestätigung durch Wahlen könnte man – sollte man [dann komplett] verzichten.“ Der durch die Interessen der Parteien und Verbände korrumpierte Staat würde nach Schottes Willen durch den „neuen Staat“ abgelöst werden, der ein „starker Staat sein muss, frei von Interessen, gerecht in sich.“

Aus dieser „Erkenntnis“ folgerte er das Postulat, dass „das Gefühl der Nähe zu den metaphysischen Gewalten […] lebendig sein [müsse] in jenen, die ein Volk zu führen wagen. [Doch] Unsere Parlamentäre spüren nichts von jenen Kräften, die den Blutschlag unseres Volkes regeln.“Helmut Theisen: Die Entwicklung zum nihilistischen Nationalismus in Deutschland, 1918-1933, 1955, S. 50. Denn aus der Überwindung des „mechanistischen, liberalistischen Denkens eines ganzen Jahrhunderts, zur Überwindung dieses Jahrhunderts selbst.“Kurt Pritzkoleit: Die neuen Herren. Die Mächtigen in Staat und Wirtschaft. 1955, S. 87.