Woldegk [ˈvɔldɛk] ist eine Landstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Südosten Mecklenburg-Vorpommerns. Sie ist Sitz des Amtes Woldegk, dem weitere sechs Gemeinden angehören. Seit dem 14. Juli 2008 führt Woldegk wegen seiner sechs historischen Windmühlen die Bezeichnung „Windmühlenstadt“. Der Ort ist ein Grundzentrum und liegt rund 25 km südöstlich des Oberzentrums Neubrandenburg.Regionales Raumentwicklungsprogramm Mecklenburgische Seenplatte (2011), Regionaler Planungsverband, abgerufen am 12. Juli 2015 Woldegk war als Landstadt Teil der historischen Kulturregion Mecklenburg-Strelitz.

Geografie Geografische Lage Die Stadt liegt an der Grenze zum brandenburgischen Landkreis Uckermark im Grundmoränengebiet südlich der Helpter Berge. Mit über ist Woldegk einer der höchstgelegenen Orte Mecklenburg-Vorpommerns.

Stadtgliederung Die Stadt Woldegk besteht aus 19 Ortsteilen:Hauptsatzung der Stadt Woldegk (PDF; 0,1 MB)

Geschichte Name Woldegk ist ein hochmittelalterlicher Burgname, der hochdeutsch als Waldeck(e) gedeutet werden kann. Der Name ist zusammengesetzt aus wold für Wald und egge oder egke für Ecke oder Kante. Eine Burg an der Spitze der Helpter Berge lag früher in einem waldreicheren Gebiet. Die Schreibweise variierte zwischen Woldegge (1208, 1271, 1440), de Woldegen (1230) und Woldekke (1305).Ernst Eichler, Werner Mühlner: Die Namen der Städte in Mecklenburg-Vorpommern. Ingo Koch Verlag, Rostock 2002, ISBN 3-935319-23-1.

Gründung Die Gründung der planmäßigen Siedlung wird in der Zeit zwischen 1236 und 1250 vermutet. Ein genaues Gründungsjahr ist für Woldegk nicht überliefert. Das erste Stadtwappen ist 1271 nachgewiesen und lässt eine brandenburgische Gründung vermuten.

Infolge der Heirat der Markgrafentochter Beatrix von Brandenburg mit Heinrich von Mecklenburg 1292 kam Woldegk als Teil der Herrschaft Stargard in die Hand der Fürsten, später (Groß-)Herzöge von Mecklenburg. 1298 wurde die Stadt als civitas erwähnt. Woldegk wurde Landstadt in Mecklenburg und als solche Teil der Städte im Stargardischen Kreis, die bis 1918 auf mecklenburgischen Landtagen der 1523 vereinten Landstände vertreten waren.

Mittelalter mini|Stadtmauer (2009) Woldegk wurde planmäßig rasterförmig mit einem ovalen Umriss angelegt. Die frühgotische Stadtkirche entstand als Feldsteinbau in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Die Pfarrkirche St.-Petri wurde nach einem Brand von 1442 mit Backsteinen zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgebaut. Sie wurde 1945 schwer zerstört und danach wieder aufgebaut. Sie erhielt 1955 statt eines Kreuzgewölbes eine flache Decke. Im 13/14. Jahrhundert wurde die Stadtmauer aus Feldsteinen mit drei Doppeltoren, Wiekhäusern, Wällen, Gräben und einem Fangelturm erbaut. Das erste Rathaus wurde 1378 erstmals erwähnt; es brannte wohl beim Stadtbrand von 1547 ab und wurde dann wieder aufgebaut.

Neuzeit mini|Dampffahrzeug der einstigen Woldegker Dampfpflug-Fabrik Auf dem Mühlenberg entstand 1587 eine erste Bockwindmühle. 1635 waren in Woldegk vier Windmühlen verzeichnet, deren Zahl sich bis 1745 auf sieben erhöhte. Zwischen 1859 und 1893 wurden sechs Bockwindmühlen abgerissen und an ihrer Stelle Erdholländer-Windmühlen erbaut. Im Jahre 1701 kam die Stadt an das (Teil-)Herzogtum Mecklenburg-Strelitz. Das zweite barocke alte Rathaus von 1763 lag ursprünglich in der Mitte eines viereckigen, zentral gelegenen Marktplatzes. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde es zerstört. Ab 1879 bestand das Amtsgericht Woldegk. Woldegk erlebte zwischen 1892 und 1912 einen wirtschaftlichen Aufschwung, verbunden mit dem Anschluss an die mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn durch die Woldegker Kleinbahn. In dieser Zeit wurden eine Zuckerfabrik, eine Dampfpflug-Fabrik, zwei Dampfziegeleien, ein Gaswerk und ein Wasserwerk in Woldegk erbaut.

Am 29. Juni 1764 wurde die Region Woldegk von einem verheerenden Tornado der in Deutschland selten vorkommenden Klasse F5 heimgesucht. Auf knapp 30 km Länge von Feldberg bis Helpt hinterließ der Wirbelsturm eine bis zu 900 m breite Schneise der Verwüstung. Woldegk selbst blieb verschont.Gottlob Burchard Genzmer: Umständliche und zuverläßige Beschreibung des Orcans, welcher den 29ten Jun. 1764. einen Strich von etlichen Meilen im Stargardischen Kreise des Herzogthums Mecklenburg gewaltig verwüstet hat. Nicolai, Berlin/Stettin 1765 (Digitalisat)Henning Strüber: vom 29. Juni 1764: Der Jahrtausendtornado von Woldegk, NDR.de vom 28. Juni 2014

Nach 1945 mini|hochkant|203 m hoher Fernmeldeturm Helpterberg, 1981 errichtet Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Stadt zu 70 % zerstört und in der Folgezeit teilweise wieder aufgebaut. Die Eisenbahnstrecke wurde demontiert und die Gleise als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht. Entsprechend der Tradition als Mühlenstadt wurde 1969 das Mühlenmuseum eröffnet. Nach der deutschen Wiedervereinigung setzte zunächst ein wirtschaftlicher Niedergang ein. Ab 1991 wurden im Rahmen der Städtebauförderung große Teile des historischen Stadtkerns saniert und kriegsbedingte Baulücken geschlossen. Nach Plänen des Büros Wuttke und Kekeritz (Neumünster) wurde von 1996 bis 1999 der nun sehr große Marktplatz saniert und differenziert durch die mittige, baumumrandete ruhige Zone (statt eines vorgesehenen Gebäudes) und den Stellplatz- und Marktflächen.Christina Ebel: Der Marktplatz. In: BIG Städtebau (Hg:): Woldegk - 10 Jahre Stadterneuerung, 2001, S. 44–49. 1995 nahm eine Ziegelfabrik an einem traditionellen Standort den Betrieb wieder auf. 1997 übernahm die Firma Wienenberger Ziegelindustrie das Woldegker Ziegelwerk und war mit einer Filiale bis 2011 hier tätig.

Woldegk gehörte von 1952 bis 1994 zum Kreis Strasburg (DDR-Bezirk Neubrandenburg / Land Mecklenburg-Vorpommern), ab 1994 zum Landkreis Mecklenburg-Strelitz und liegt seit 2011 im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte.

Geschichte der heutigen Ortsteile Canzow war ab 1476 als Pfand vorübergehend Teilbesitz des Klosters Himmelpfort. Später bildete sich ein Lehn-Rittergut heraus, welches über Generationen der briefadeligen Familie von Scheve gehörte, die Canzow auch zum Familienfideikommiss bestimmten. Letzter Grundbesitzer war Adolf Friedrich von Scheve-Canzow (1901–1949), verheiratet mit Violet von Abercron. Der Gutsumfang war vor der großen Wirtschaftskrise 434 ha groß. Zuletzt war Canzow ein freies Allodialgut.

Carlslust gehörte nach den überlieferten Landwirtschaftlichen Adressbüchern für Mecklenburg-Strelitz als gutsherrliche Fläche zum Lehngut Mildenitz und wurde durch einen Verwalter geleitet.

Georginau war ein altes Lehngut mit etwas 282 ha Fläche. Es gehörte zum Gutskomplex Göhren.

Göhren entwickelte sich stetig zum Stammsitz eines größeren Gutskomplexes der Grafen von Schwerin. Der Hofmarschall Wilhelm Stanislaus Hermman von Schwerin lebte mit seiner Frau Luise Sartorius von Schwanenfeld auf Göhren. Der nächste Eigentümer seit 1896 ist ihr älterer Sohn Wilhelm Franz Hermann Graf Schwerin. Er begann seine Laufbahn auf der Ritterakademie Brandenburg, wurde Offizier und Vorsitzender des Landeshauptverein für Mecklenburg-Strelitz, heiratete die Witwe Elisabeth Freifrau von dem Knesebeck-Milendonck, geborene Turtschaninoff. Die Familie nannte sich seit Mai 1908 von Schwanenfeld Graf von Schwerin. Von ihm erbte der nachfolgende Botschafter Ulrich Graf von Schwerin die Begüterung, seine Frau war Freda von Bethmann-Hollweg-Runowo (1876–1958). Dann folgte Ulrich Wilhelm Graf Schwerin von Schwanenfeld mit seiner Familie, die seit den 1990er Jahren auch wieder in der Heimat leben.

Helpt wurde erstmals 1298 erwähnt und war lange Zeit Burgstandort mit heute wiederhergestelltem Burghügel. Die Kirche Helpt stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Das Gut war im Besitz der Familien Bredow (ab 1455), von Oertzen (ab 1665) von Rhaden (ab 1753), von Dewitz (ab 1782) und von Bodenhausen (ab 1911). Das Gutshaus stammt von 1884. Letzter Gutseigentümer war der Sohn des Kraft von Bodenhausen, Hauptmann Bodo Eberhard von Bodenhausen-Burgkemnitz (1916–1944).

Mildenitz war lange ein Gutsdorf. Es ist auch der Name eines gleichnamigen nicht näher bekannten pommerschen Adelsgeschlechts. Der örtliche und genealogische Zusammenhang ist noch nicht konkret erforscht. Mildenitz war erst im Besitz einer Familie von Blankenburg. Das Gut ging um 1671/1680 bis 1945 im Besitz der Familie von Schwerin war. Es gehörte zur Familienlinie Wolfshagen. Mildenitz wurde des Öfteren als Hauptwohnsitz genutzt. Das klassizistische Gutshaus entstand um 1800. Die Fachwerkkirche stammt aus dem 18. Jahrhundert. Zuletzt betrug die Gutsgröße samt Nebenbesitzungen Carlslust 1334 ha. Davon waren 527 ha Waldflächen. Die Gemarkung Scharnhorst hatte gesondert 65 ha und wurde vom beauftragten Förster mit Sitz in Carlslust betreut. Letzter Gutsherren waren Karl Graf Schwerin-Wolfshagen (1824–1893) als Fideikommissherr und später der Landrat Ludwig Graf Schwerin.

Oertzenhof war Vorwerk und dann Gutsdorf der Oertzen. Oertzenhof kam in den Besitzer der Freiherren von Bodenhausen und war Teil des Gutskomplexes Groß Miltzow. Letzter Eigentümer wurde Kraft Freiherr von Bodenhausen (1905–1945) auf Schloss Burgkemnitz. Im Jahre 1866 entstand der Bahnhof der Bahnstrecke Wittenberge–Strasburg. Ein Kreisbetrieb für Landtechnik war zur DDR-Zeit ansässig.

Pasenow war ein Bauerndorf. Dort bestanden Anfang des 20. Jahrhunderts vierzehn Höfe in der Größe zwischen 18 ha bis 75 ha, teils besaßen Generationen einiger Familien mehrere Höfe. Auch bestanden zwei größere landwirtschaftliche Betriebe, Gut Johannesberg des Joh. Tiedt mit 76 ha sowie Gut Ernstfelde mit 81 ha des Wilh. Schrimpff.

Rehberg: Das Gut war im Besitz der Familien Sonneke (16. Jahrhundert), von Tornow (1718–1741) und danach Domäne. Das eingeschossige Gutshaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde 2000 saniert.

Vorheide wurde als Domäne von Rehberg aus bewirtschaftet. 1778 entstand das Vorwerk, und 1853 wurde es eine eigenständige Domäne. Das ruinöse Gutshaus, für Franz Boldt errichtet, stammt aus dem 19. Jahrhundert.

Wüstungen Rothe Kirche bei Hinrichshagen, Rudimente einer Ortschaft mit einer Kirche

Eingemeindungen Canzow am 1. Juli 1950 Hildebrandshagen am 1. Januar 1973Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt Bredenfelde, Grauenhagen, Hinrichshagen und Rehberg am 13. Juni 1999StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1999 Göhren am 1. Januar 2002StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Helpt am 25. Mai 2014,Gebietsänderungen in Mecklenburg-Vorpommern, 18.1. bis 15.3.2014. (PDF) Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern. Mildenitz am 1. Januar 2015 Statistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern; abgerufen am 13. Januar 2015 Petersdorf am 26. Mai 2019Bekanntmachung des Ministeriums für Inneres und Europa vom 16. Januar 2019, AmtsBl. M-V S. 254

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3681 1995 3389 2000 4222 2005 4104 2010 3764 2015 4416 Jahr Einwohner 2020 4308 2021 4241 2022 4027 2023 4043 2024 4045

Stand: 31. Dezember des jeweiligen JahresStatistisches Amt Mecklenburg-Vorpommern: Statistischer Bericht. Bevölkerungsstand. Bevölkerungsentwicklung der Kreise und Gemeinden, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik Stadtvertretung Die Stadtvertretung von Woldegk besteht aus 12 Mitgliedern. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,0 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürger für Woldegk (BfW) 28,2 % 4 41,0 % 6 Offene Liste Woldegk (OLW) – – 37,2 % 5 AfD 9,8 % 1 18,9 % 1 Einzelbewerber Burghardt Sündram – – 2,9 % – CDU 36,3 % 6 – – SPD 25,7 % 4 – – Insgesamt 100 % 15 100 % 12