Ein Objekt (traditionell auch Satzergänzung genannt) ist in der Grammatik eine Ergänzung, die vom Prädikat gefordert wird und mit diesem (normalerweise) enger verbunden ist als das Subjekt. Beispiel im Deutschen: „Anscheinend habe ich mein Passwort vergessen“; im Englischen: „I apparently forgot my password.“

Ein Objekt erhält zudem eine spezielle Markierung als abhängiger Satzteil, je nach Sprache zum Beispiel durch einen vom Verb vergebenen Kasus oder durch eine festgelegte Position im Satz, sowie eine semantische Rolle. Neben den Kategorien Substantiv bzw. Pronomen können auch durch Präpositionen eingeführte Einheiten (Präpositionalphrasen) als Objekt dienen, oder auch Gliedsätze oder satzwertige Infinitive.

Ein Verb, das ein Objekt verlangt, wird auch als transitives Verb bezeichnet; allerdings wird dieser Begriff oft zusätzlich auf bestimmte Arten von Objekten eingeschränkt, siehe unter Transitivität (Grammatik).

Bezug der Bezeichnung „Objekt“ In der Hauptsache bezieht sich der Begriff „Objekt“ auf eine grammatische Funktion auf der Satzebene, d. h. auf ein Satzglied. Es handelt sich dann um Ergänzungen des Verbs, die vom Verb regiert werden. In einem erweiterten Sinn werden manchmal auch Ergänzungen anderer Wortarten als deren Objekte bezeichnet, d. h. Ergänzungen von Adjektiven oder Präpositionen. Dort können im Deutschen auch dieselben Kasus (Akkusativ, Dativ) an den Ergänzungen regiert werden wie bei Objekten des Verbs. Für eine solche Verallgemeinerung kann auch der Begriff des Komplements benutzt werden. Wenn man die Ergänzung einer Präposition als ihr Objekt bezeichnet, ist zu beachten, dass dieser Sachverhalt vom Begriff des Präpositionalobjekts zu unterscheiden ist.

Im vorliegenden Artikel wird die Bezeichnung Objekt im engeren Sinn eines Satzglieds aufgefasst; ansonsten siehe die Stichworte Adjektivphrase, Präpositionalphrase und Komplement (Syntax).

Abgrenzung zum Subjekt und zwischen verschiedenen Arten von Objekten

Nominativ und Kongruenz Das Subjekt eines Satzes lässt sich im Deutschen als dasjenige Satzglied bestimmen, das Nominativ-Kasus trägt und mit dem die finite Verbform des Prädikats in ihren Merkmalen übereinstimmen muss (Kongruenz). So lassen sich Objekte im Deutschen abgrenzen als die übrigen vom Verb regierten Ergänzungen, die die Verbform nicht beeinflussen und die keinen Nominativ tragen können. Diese Abgrenzung gilt jedoch nicht für alle Sprachen, da Kongruenz mit einem Objekt oder Objekte mit Nominativkasus in manchen Sprachen vorkommen (ein Beispiel einer Sprache, die beides hat, ist HindiIm verlinkten Wikipedia-Artikel zum Hindi wird der Nominativ aufgrund dieser untypischen Eigenschaften allerdings als „Rectus“ bezeichnet. Die Bezeichnung Nominativ ist in der Fachliteratur aber üblich; vgl. Miriam Butt: Theories of Case. Cambridge University Press, 2006).

Nähe des Objekts zum Verb Die Reihenfolge der Satzteile ist im Deutschen relativ frei, so dass z. B. Subjekt und Objekte im Prinzip in verschiedenen Abfolgen vorkommen können. Hierbei ist jedoch in der Regel eine Abfolge als Grundreihenfolge erkennbar, da sie keine besonderen Hervorhebungseffekte auslöst. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der zweite Satz, der das Objekt vor dem Subjekt zeigt, vom ersten; die Abfolge im ersten Satz wirkt neutral und ist die Grundreihenfolge (für dieses Argument muss die Nebensatz-Wortstellung betrachtet werden; der Grund für diese Komplikation ist im Artikel V2-Stellung erklärt): (Ich sah, dass …) zwei Männer eine Kiste in den Hof trugen. (Subjekt – Objekt – Prädikat im Nebensatz) (Es war klar, dass …) DIESE Kiste ZWEI Männer tragen mussten. (Objekt – Subjekt – Prädikat; Betonungseffekte) In der unmarkierten Wortstellung ist das Objekt also näher am Verb als das Subjekt. Noch deutlicher zeigt die Verschiebeprobe, dass Verb und Objekt enger zusammenhängen als Verb und Subjekt:Dudengrammatik (2009), Rn. 1353–1355, S. 868f., gezeigtes Beispiel abgewandelt nach Rn. 1354–1355, S. 869. [Die Kiste in den Hof tragen] konnten nur zwei kräftige Männer. NICHT: * [Nur zwei kräftige Männer in den Hof tragen] konnten die Kiste. Eine Verbindung wie [die Kiste tragen] ist verschiebbar unter Ausschluss des Subjekts, bildet also gegenüber dem Subjekt eine engere Einheit. Subjekt und Verb unter Ausschluss des Objekts sind in diesem Beispiel nicht gemeinsam verschiebbar.

Es gibt im Deutschen einige Verben, die Ausnahmen bilden, indem bei ihnen die üblichen Tests eine Stellung des Akkusativs oder Dativs vor dem Nominativ als Grundreihenfolge ausweisen; siehe hierzu Subjekt (Grammatik) #Subjekte, die nicht hierarchisch höchste Ergänzung des Verbs sind.

Die Begriffe „direktes“ und „indirektes Objekt“ Unter den Objekten ist eine Unterscheidung zwischen „direkten“ und „indirekten“ Objekten gängig. Im Deutschen wird auch diese Unterscheidung im Wesentlichen am Kasus festgemacht: Der Begriff „indirektes Objekt“ ist in der deutschen Grammatik im Wesentlichen deckungsgleich mit dem Begriff „Dativobjekt“.Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 817. Mit dem Begriff „direktes Objekt“ werden Objekte zusammengefasst, die entweder den Akkusativ tragen oder als Objekt-Gliedsätze gar keine Kasusmarkierung haben,Duden. Die Grammatik. 8. Aufl., 2009, S. 814. siehe den gleich folgenden Abschnitt.

Nachweis von Objekt-Sätzen Einen Sonderfall stellen Nebensätze dar, die die Funktion von Objekten (ebenso wie auch Subjekten) haben können, zum Beispiel die sogenannten Inhaltssätze, die mit dass oder, als indirekte Fragen, mit ob oder einem anderen Fragewort eingeleitet werden – diese Sätze tragen kein Kasusmerkmal, sie können aber als Objekte erwiesen werden, indem man sie durch ein Pronomen ersetzt:

„Ich sah einen großen Vogel“ (Akkusativobjekt bei ‚sehen‘) „Ich sah, dass es geregnet hatte“ (dass-Satz als Objekt von ‚sehen‘) „Ich habe es auch gesehen.“ (Pronomen als Objekt, evtl. als Ersetzung eines Satzes) „Ich kann nicht sehen, ob es regnet.“ (indirekter Fragesatz als Objekt, ebenfalls durch es ersetzbar).

Dasselbe gilt für bestimmte Infinitive mit zu: „Der Oberförster versprach mir, sich zu rasieren.“ „Der Oberförster versprach es mir.“ Die Ersetzung mit es zeigt, dass die Infinitivgruppe sich zu rasieren das direkte Objekt des Verbs versprechen ist, das Pronomen mir ist daneben ein indirektes Objekt (Dativobjekt).

Nebensätze als Objekte haben aus unabhängigen Gründen ihre bevorzugte Stellung ganz am Ende des Hauptsatzes (im sogenannten Nachfeld; siehe unten).

Aspekte der Bedeutung Der Begriff Objekt bezeichnet eine grammatische Funktion und ist als solche nicht direkt über eine bestimmte Bedeutung definierbar (ebenso wenig wie Subjekt). Generell lässt sich aber der Zusammenhang feststellen, dass das Objekt eine semantische Rolle trägt, die im Vergleich zum Subjekt desselben Satzes die passivere ist. Typisch für das direkte Objekt ist die Rolle „Patiens“ oder „Thema“, also der Gegenstand, der im Ereignis eine Einwirkung oder Veränderung erfährt.

Daneben können Objekte aber auch Ortsangaben beinhalten (Er verließ den Raum), Gegenstände bezeichnen, die erst im Ereignis entstehen (Er komponierte zwei Opern) oder die gar nicht existieren (Ich vermisse etwas / Er sucht den Stein der Weisen), sowie verschiedene weitere Rollen übernehmen – außer Agens.

Treten zwei Objekte auf, so ist das indirekte Objekt dasjenige, das der Handlung weniger stark unterworfen ist (z. B. „Rezipient“).Christa Dürscheid: Syntax. Grundlagen und Theorie. 4. Auflage. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2077, ISBN 3-525-26546-8, S. 36. Zum Beispiel ist in dem Satz: „Er schickte seiner Tante eine Postkarte“ eine Postkarte das Akkusativobjekt, weil sie im Ereignis ihren Ort verändert, eine typische Thema-Eigenschaft. Insofern ist die zweite Ergänzung seiner Tante weniger betroffen und erhält den Dativ. (Für weitere Einzelheiten siehe den Artikel Semantische Rolle.)

Formen von Objekten im Deutschen Objekt eines Verbs können Nominalphrasen (Substantivgruppen) bzw. Pronomen, aber auch Nebensätze oder Präpositionalphrasen sein. Diese werden im Folgenden einzeln dargestellt.

Substantivgruppen als Objekte Bei Substantivgruppen bzw. Nominalphrasen spielt der jeweilige Kasus eine wesentliche Rolle für die weitere Einteilung. Zu beachten ist, dass der Kasus ein Merkmal ist, das ein Verb an die gesamte Substantivgruppe zuweist, selbst wenn er nur an einzelnen Wörtern in dieser Gruppe zu sehen ist.

Die Tatsache, dass Objekte vom Verb kasusregiert sind, ergibt den wesentlichen Unterschied zu den grammatischen Funktionen Adverbial und Prädikativ, obwohl diese auch die Form von kasustragenden Substantivgruppen annehmen können. Jedoch erscheint ein Adverbialkasus frei, ohne Rektion und nur durch die adverbielle Bedeutung ausgelöst; der Kasus an Prädikativa erscheint durch Kongruenz mit einem Subjekt oder Objekt statt durch Rektion (siehe unter: Prädikativum #Der Kasus von substantivischen Prädikativa).

Der Nominativkasus des Subjekts hängt im Deutschen und vielen anderen Sprachen davon ab, dass das Verb in einer finiten Form steht. Im Unterschied dazu ist der Kasus eines Objekts unabhängig von der Finitheit; daher können Verben im Infinitiv sowie (Präsens-)Partizipien Objekte haben, aber kein Subjekt.

Akkusativobjekt (direktes Objekt) Dem Akkusativobjekt entspricht das Fragewort „wen oder was?“ Akkusativobjekte haben einen besonderen Status, der mit dem Begriff der Transitivität in Zusammenhang steht. In einem engeren Sinn werden nur die Verben als transitive Verben bezeichnet, die (u. a.) ein Akkusativobjekt bei sich haben, während Verben, die nur einen Dativ oder ein andersartiges Objekt bei sich haben, in einem engeren Sinn dann nicht transitiv genannt werden (es gibt jedoch auch eine weiter gefasste Verwendung des Begriffs transitiv, die Ergänzungen auch einschließt, wenn sie anders als mit dem Akkusativ markiert sind).

Beispiele für Akkusativobjekte: „Ich liebe dich.“ „Ich glaube dir das nicht.“ „Er gibt mir das Buch.“ „Ich gebe dem Haus einen neuen Anstrich.“ „Ich schreibe einen Brief.“ „Ich streiche eine Wand mit Farbe an.“

Transitive Verben, die mit dem Hilfsverb werden ins Passiv gesetzt wurden, haben dann als Subjekt die Ergänzung, die im Aktiv direktes Objekt wäre. Hierin unterscheidet sich der Akkusativ vom Dativ, der im Passiv mit werden erhalten bleibt: Dabei unterstützten sie ihn großzügig. – Dabei wurde er großzügig unterstützt. Dabei halfen sie ihm großzügig. – Dabei wurde ihm großzügig geholfen. Aus diesem Grund wird der Akkusativ bei transitiven Verben als ein struktureller Kasus bezeichnet, d. h., er ist ein Kasus, der nicht allein vom Verb abhängt, sondern in dessen Vergabe auch allgemeine grammatische Regeln eingreifen (im Gegensatz zum Dativ bei helfen, der ein lexikalischer Kasus ist). Diese Eigenschaft hat der (strukturelle)Zu beachten ist, dass es nicht-strukturelle Arten des Akkusativs gibt, etwa als Adverbialkasus. Akkusativ mit dem Nominativ gemeinsam (auch wenn die Bedingungen der Nominativzuweisung andere sind, wie oben schon angemerkt).

Dativobjekt (indirektes Objekt) Das Dativobjekt antwortet auf die Frage „wem?“ Ein Dativobjekt tritt entweder als einzige Ergänzung oder als zweite Ergänzung neben einem Akkusativ auf. Beispiele: „Ich schreibe dir eine Mail.“ – Frage: „Wem schreibe ich eine Mail?“ „Ich glaube dir, dass es so war.“ – Frage: „Wem glaube ich?“ „Ein Fremder half mir.“

Da im Deutschen eine Variante des Passivs mit Hilfsverben wie bekommen existiert, die ein Dativobjekt in ein Subjekt umwandeln, gilt der Dativ in solchen Konstruktionen auch als ein struktureller Kasus:

„Wir überweisen Ihnen den Betrag.“ „Sie bekommen den Betrag überwiesen.“