Nagold ist eine Stadt in Baden-Württemberg, etwa 50 Kilometer südwestlich von Stuttgart und rund 25 Kilometer nordöstlich von Freudenstadt. Sie ist nach der Kreisstadt Calw die zweitgrößte Stadt des Landkreises Calw und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Sie gehört zur Region Nordschwarzwald sowie zur Landschaft des Hecken- und Schlehengäu und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Seit 1. Januar 1981 ist Nagold Große Kreisstadt. Mit der Stadt Haiterbach und den Gemeinden Ebhausen und Rohrdorf ist die Stadt eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Geographie Nagold liegt am Rande des Schwarzwaldes zum Heckengäu in einer Talweitung beim Einfluss der Waldach in die Nagold. Die Altstadt liegt am rechten Flussufer. Am Ufer gegenüber liegt der Schlossberg mit der Ruine Hohennagold auf einer Höhe von . Im Nagoldtal ist der für den Schwarzwald charakteristische Buntsandstein angeschnitten, die Höhen bestehen überwiegend aus Muschelkalk und gehören zum Heckengäu.
Nachbargemeinden Die folgenden Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Nagold (im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten): Jettingen und Mötzingen (beide Landkreis Böblingen), Rottenburg am Neckar (Landkreis Tübingen), Eutingen und Horb (beide Landkreis Freudenstadt) sowie Haiterbach, Rohrdorf, Ebhausen und Wildberg (alle Landkreis Calw).
Stadtgliederung Nagold hat eine Gesamteinwohnerzahl von 23.812 Einw. (Stand: 30. Juni 2026) und gliedert sich in die Kernstadt (14.102 Einw.) und die acht Stadtteile Hochdorf (2.241 Einw.), Vollmaringen (1.826 Einw.), Emmingen (1.644 Einw.), Iselshausen (1.463 Einw.), Gündringen (872 Einw.), Pfrondorf (698 Einw.), Mindersbach (583 Einw.) und Schietingen (383 Einw.). Die Stadtteile sind räumlich identisch mit den in der Zeit von 1939 bis 1974 nach Nagold eingegliederten Gemeinden gleichen Namens; ihre offizielle Benennung erfolgt in der Form „Nagold, …“ Die Stadtteile sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat sowie dem Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Nagold vom 26. Februar 1997 zuletzt geändert am 1. Oktober 2003 (PDF; abgerufen am 20. August 2008)
Zum Stadtteil Emmingen gehören neben dem Dorf Emmingen das Gehöft Kühlenberg. Zum Stadtteil Gündringen gehören das Dorf Gündringen und das Gehöft Dürrenhardt. Die Stadtteile Hochdorf, Mindersbach, Schietingen und Vollmaringen sind identisch mit den gleichnamigen Dörfern. Zur Stadt Nagold in den Grenzen vom 31. Dezember 1970 gehören auch das Dorf Iselshausen, die Orte Rötenbach und Heilstätt, die Höfe Talhof, Waldhof und Wasserhof sowie die Häuser Burghof, Ölmühle und Rötenhöhe. Zum Stadtteil Pfrondorf gehören das gleichnamige Dorf, die Pfrondorfer Mühle und das Haus Im Tufstein. Im Stadtteil Gündringen liegen die Wüstungen Hohenmauren und Schönbürgen. In der Stadt Nagold im Gebietsstand vom 31. Dezember 1970 liegen zudem die Wüstungen Bassheim, Poppenhausen und Tuffingen sowie im Stadtteil Schietingen die Wüstung Bronhausen und im Stadtteil Vollmaringen die Wüstungen Birken (möglicherweise eine abgegangene Burg), Hofstätte, Kräheneck und Londorf. Dort findet sich heute noch die Londorfer Kapelle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 500–505.
Raumplanung Nagold bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Nordschwarzwald, in der die Stadt Pforzheim als Oberzentrum ausgewiesen ist. Zum Mittelbereich Nagold gehören neben der Stadt Nagold noch die Städte und Gemeinden Altensteig, Ebhausen, Egenhausen, Haiterbach, Rohrdorf, Simmersfeld und Wildberg des Landkreises Calw.
Natur Die reich gegliederte Landschaft ist abwechslungsreich, die steilen Talhänge zu Nagold, Waldach und Steinach sind überwiegend bewaldet. In Nagold gibt es insgesamt fünf Naturschutzgebiete: das Mindersbacher Tal im Norden, den Schlossberg (der Nagolder Hausberg in der Nagoldschlinge, unmittelbar an die Altstadt angrenzend), des Teufels Hirnschale auf dem Lemberg, den Ziegelberg und das Waldach- und Haiterbachtal, das zum Teil im Stadtgebiet liegt. Steinachtal, Waldachtal, Rötenbach und Nagoldtal sind ausgewiesene Landschaftsschutzgebiete.
In den Tälern dominieren Wiesen, auf den Höhen Ackerbau, wobei es auch noch zahlreiche artenreiche Streuobstwiesen und die für das Heckengäu typischen Feldhecken gibt.
In Nagold ist auch die baden-württembergische Staatsklenge beheimatet. Sie versorgt seit 1947 als Landesbetrieb in erster Linie die unteren Forstbehörden und Forstbaumschulen mit herkunftsgesichertem Saatgut.
Das einzige nachweisbare Vorkommen der mittlerweile in Deutschland als ausgestorben geltenden Orchideenart Spitzels Knabenkraut bundesweit war um 1900 auf dem Schlossberg.
Geschichte mini|Nagold 1899
Vorgeschichte, Antike und Mittelalter Man geht davon aus, dass das Nagoldtal schon seit der Jungsteinzeit besiedelt ist. Auf dem Schlossberg befand sich eine frühkeltische Fürstenburg, die der Stadt womöglich den Namen gab (*Naglo-dunon, ‚Festung an der Nagold‘). Ein Machthaber aus dieser Zeit wurde vermutlich in dem Großgrabhügel im Krautbühlpark beigesetzt. In der Zeit der Römer befand sich an der heutigen Remigiuskirche ein römischer Gutshof. Unter den Alemannen dürfte eine lose Hofsiedlung nahe der Waldachmündung bestanden haben, die sich zu der Zeit der Franken, als sich um Nagold der so genannte Nagoldgau bildete, zu einem Fürstenhof mit Dorfsiedlung verdichtete. Erstmals erwähnt wird der Ort als Sitz des Nagoldgaugrafen Gerold, eines Bruders der Königin Hildegard und somit Schwagers des Kaisers Karl der Große, als villa Nagaltuna in einer Urkunde vom 3. Mai 786 (dokumentiert in einem Buch im Kloster St. Gallen). Parallel zum fränkischen Königshof bei der Remigiuskirche befand sich um das Jahr 780 vermutlich an der Stelle der um 1100 errichteten Burg Hohennagold eine frühmittelalterliche Fliehburg.StadtNagold_Flyer_Burgruine.pdf PDF, 2,0 MB. Abrufbar bei Stadt Nagold, Infomaterial
Weitere namentlich erwähnte frühe Grafen im Nagoldgau waren unter anderem Anselm (der Ältere) (um 966) und Hugo I. (um 1007). Graf Hugo III., ein Bruder der Grafen Anselm (der Jüngere) und Sigibot, verlegte um 1078 seinen Sitz von Nagold nach Tübingen, nutzte die Burg in Nagold jedoch weiter zur Sicherung seiner Herrschaft. Graf Hugo V. von Nagold war seit 1146 der erste Pfalzgraf von Tübingen.
Mechthild, die Tochter der Pfalzgrafen Rudolf II., brachte die Burg Hohennagold als Mitgift in die Ehe mit Graf Burkhard von Hohenberg ein. Deren Tochter Gertrud wurde die Stammmutter des Hauses Habsburg. Unter den von Oberhohenberg (Burg Oberhohenberg) bei Deilingen stammenden Grafen von Hohenberg, die seit 1170 in dem zur ummauerten Stadt angewachsenen Ort auftraten, kam Nagold 1247 zur Grafschaft Hohenberg. 1260 wurde diese geteilt und Nagold wurde zum Herrschersitz der nördlichen Hälfte unter Burkhart IV. 1300 wurde die Herrschaft Nagold ebenfalls geteilt in den Nagolder und Wildberger Teil, wobei Graf Otto I. den Nagolder Teil bekam. Nach einer weiteren Teilung des Wildberger Teils verkauften die von Hohenberg ihre vier kleinen Grafschaften an verschiedene Herren, wobei Otto II. von Hohenberg-Nagold seine Grafschaft mit der Stadt Nagold 1363 an die Grafen von Württemberg veräußerte. Die anderen Grafschaften gingen unter anderem an die Pfalz und an Österreich.
Württembergische Zeit Das württembergische Nagold wurde bald Sitz eines Amtes, dessen Grenzen sich im Laufe der Geschichte mehrmals veränderten. Im Dreißigjährigen Krieg bekam auch Nagold nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen die Auswirkungen von Truppendurchzügen, Einquartierungen sowie der Pest zu spüren, so dass die Stadt am Ende des Krieges darniederlag. Die nachfolgenden Erbfolge- und Koalitionskriege spielten sich immer wieder auch um Nagold ab, so dass die Notzeiten bis nach 1800 anhielten, als 10 Jahre nach der Erhebung Württembergs zum Königreich eine Zeit der politischen Stabilität folgte. Die Stadt blieb auch nach Abschluss der Gebietsreformen 1813 Sitz des seit 1759 bestehenden Oberamts Nagold und damit Bezirksstadt. 1821 wurde das Dekanat von Wildberg nach Nagold verlegt. Bei der Einteilung des Königreichs Württemberg in vier Kreise kam Nagold zum Schwarzwaldkreis. Am 20. Juni 1872 wurde der Bahnhof Nagold eröffnet und die Stadt über die Schwarzwald- und Nagoldbahn an das Streckennetz der Württembergischen Eisenbahn angeschlossen.
mini|Nagold 1906 Ein katastrophales Ereignis der Nagolder Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts war der Einsturz des Gasthauses Hirsch am 5. April 1906. Bei dem Versuch, das Gasthaus nach dem Verfahren des Stuttgarter Unternehmers Erasmus Rückgauer anzuheben, wurde das Bauwerk instabil und brach schließlich in sich zusammen.Auf Nagolds Friedhof: Erinnerung an einen Unglückstag. auf: schwarzaufweiss.de Dabei kamen 53 Menschen ums Leben und rund 100 wurden schwer verletzt.Bestand E 151/05 Bü 181 – Baupolizei, Vorschriften über Hebung von Gebäuden, Einsturz-Katastrophe in Nagold.
Schon früh war Nagold eine Hochburg der NSDAP. Bei der Reichstagswahl im Mai 1924 erreichte die NSDAP in Nagold 19,4 %, während sie im Deutschen Reich lediglich 6,5 % erhielt.
1938 wurde während der NS-Zeit in Württemberg eine Verwaltungsreform durchgeführt und im Zuge dessen das Oberamt Nagold (bzw. seit 1934 der Kreis Nagold) aufgelöst. Das Gebiet kam überwiegend zum Landkreis Calw. Der in Nagold geborene und aufgewachsene Karl Kirn (1907–1942), ein homosexueller Bildhauer mit leichter Delinquenz, wurde am 21. Dezember 1942 im KZ Natzweiler vom Arzt August Hirt ermordet.
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel die Stadt Nagold in die Französische Besatzungszone und kam somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern. 1952 ging das provisorische Nachkriegsland im Regierungsbezirk Südwürttemberg-Hohenzollern auf und gehört seither zum neuen Bundeslandes Baden-Württemberg. Mit der Kreisreform zum 1. Januar 1973 erreichte der Landkreis Calw seine heutige Ausdehnung. Der Landkreis wurde gleichzeitig Teil der neu gegründeten Region Nordschwarzwald, die dem damals neu umschriebenen Regierungsbezirk Karlsruhe zugeordnet wurde. Somit wird die ehedem württembergische Stadt Nagold nun auch von der vormals badischen Hauptstadt Karlsruhe aus verwaltet.
Auch in der Nachkriegszeit waren rechtsextreme Parteien in Nagold wieder erfolgreich. Bei der Landtagswahl 1968 wurde der Kandidat der NPD über die Zweitauszählung in den Landtag gewählt. Auch dem Kandidaten der REP gelang es 1992 und 1996, über die Zweitauszählung in den Landtag einzuziehen.
Im Jahr 1980 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt Nagold die Marke von 20.000. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, dem die Landesregierung von Baden-Württemberg dann mit Wirkung zum 1. Januar 1981 entsprach.
Eingemeindungen Die folgenden Gemeinden wurden nach Nagold eingegliedert: 1939: Iselshausen 1. Januar 1971: Pfrondorf 1. Dezember 1971: Gündringen, Mindersbach, Schietingen und Vollmaringen 1. Januar 1973: Hochdorf 1. Oktober 1974: Emmingen Die Altgemeinden Gündringen, Hochdorf, Schietingen und Vollmaringen waren bis zu ihrer Eingemeindung dem Landkreis Horb zugehörig.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse, abgerufen am 26. Juni 2013. oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze).