mini|Geschützbunker der Batterie Longues-sur-Mer mit Vertiefungen im Beton, die mit Erde und Gras gefüllt waren; weiterer Geschützbunker im Hintergrund mini|Bunker des Feuerleitstands der Batterie im Jahr 2015 mini|Nahaufnahme der Scharte samt 15-cm-Kanone in der Batterie Longues-sur-Mer

Die Batterie Longues-sur-Mer, auch als „Widerstandsnest 48 (Wn 48)“ bezeichnet, ist eine ehemalige deutsche Küstenbatterie an der Küste der Normandie im Atlantikwall. Heute als zeitgeschichtliches Museum betrieben, ist es die einzige noch mit original erhaltenen Kanonen ausgerüstete Küstenbatterie in der gesamten Normandie.

Lage Sie befindet sich bei dem Ort Longues-sur-Mer an der französischen Atlantikküste in der Normandie am Ärmelkanal.

Bau der Anlage

Vorgeschichte Im Juni 1940 besetzten deutsche Truppen Nordfrankreich. In der ersten Phase des Zweiten Weltkriegs, war die Wahrscheinlichkeit einer alliierten Landungsoperation, die von deutscher Seite später in der Propaganda als Invasion bezeichnet wurde, verhältnismäßig gering. Trotzdem musste die Küstenlinie bewacht werden, um die Anlandung von Spionen oder Sabotagetrupps zu verhindern.

Im Mai 1941 errichteten Teile der 323. Infanterie-Division an der Küste von Longues-sur-Mer einen ersten Stützpunkt, der als Wn 22 (Widerstandsnest 22) bezeichnet wurde und zwei Maschinengewehrstellungen hatte.

Nach der Landungsoperation von Dieppe, den Rückschlägen im Osten und Italien und dem zunehmenden Verlust der Luftherrschaft über Frankreich und den Benelux-Staaten wurde ab 1942 der Ausbau der Stellungen und Befestigungsanlagen zu einem vorrangigen Ziel und große Projekte wurden unter Einbeziehung der Organisation Todt realisiert.

Im Mai 1942 wurde die 323. ID durch die schwache 716. Infanterie-Division abgelöst. Als erstes wurde im Widerstandsnest ein 5-cm-Granatwerfer und ein portabler Suchscheinwerfer für die Überwachung des Küstenabschnitts bei Nacht im Stützpunkt eingebaut. Im Spätherbst 1942 wurde der weitere Ausbau der Stellungen und die Errichtung von betonierten Anlagen beschlossen.

Es wurden für die Maschinengewehre zwei Betonbunker, Vf. 58 c Ringstand (achteckig) für leichte Infanteriewaffen oder Beobachter, und für den leichten 5-cm Granatwerfer ein Ringstand Typ Ic mit Seitenraum für Munition und Ausrüstung. Anhand von Schriftspuren im Beton wurde als Fertigstellungsdatum der 26. Dezember 1942 festgestellt. Die drei Bauwerke waren durch Laufgräben miteinander verbunden und von Sperrzonen mit Stacheldraht und Landminen gegen angreifende Infanterie und Fahrzeuge geschützt. Die Minenfelder waren mit Antipersonen- und Panzerabwehrminen bestückt. Im Stützpunkt war eine Gruppe mit etwa 10 Mann unter der Führung eines Unteroffiziers eingesetzt.

Anfang des Jahres 1943 änderte sich die Nummerierung des Stützpunkt, da viele neue Verteidigungsanlagen geplant wurden und diese dichter beieinander lagen. Das bisherige Widerstandsnest Wn 22 erhielt nunmehr die Nummer 48 (Wn 48).

Bau der Artilleriebatterie Der Bau der Batterieanlage begann im September 1943. Es wurden vier große Betonkasematten vom Typ Regelbau M272 zwischen dem Ort Arromanches im Osten und Port-en-Bessin im Westen errichtet. Als Feuerleitstand wurde ein Bunker vom Typ Regelbau M272A errichtet, der mit moderner elektrischer Kommunikations- und Feuerleittechnik die einzelnen Geschützbunker führen konnte.

In der Ergänzung zu den Geschützkasematten wurden weitere Schutzräume für Mannschaften und Munitionsbunker im Gelände des Stützpunkt errichtet. Stellungen für einen Suchscheinwerfer und für drei 2-cm-Flak wurden gebaut. Für die Rundumverteidigung wurden weitere Anlagen errichtet die Angriff von der Landseite abwehren sollten.

Für die Errichtung der Anlage wurden auch örtliche Handwerker und Arbeiter eingesetzt. Hierdurch gelangten laut einiger Quellen auch französische Widerstandskämpfer in die im Bau befindliche Anlage und versorgten die Alliierten mit Informationen. Durch die Sabotagetätigkeit während der Bauarbeiten wollten die Widerstandskämpfer die Qualität des armierten Stahlbetons der Bunker verringern, was allerdings während des späteren Kampfgeschehens scheinbar keine Auswirkungen mehr hatte.

Beschreibung mini|Darstellung der Anlage Der Stützpunkt gehörte als 4. Batterie zur Heeres-Küsten-Artillerie-Abteilung 1260.

Direkt an der Küstenlinie gelegen befinden sich zwei sichtbare Tobruk-Kleinbunker und der ehemalige Beobachtungs- und Feuerleitbunker.

Die Hauptbewaffnung der Batterie bestand aus vier 15-cm-TbK C/36 (TbK =Torpedobootskanone), daneben gab es zur Selbstverteidigung Maschinengewehre und Mörser, vor allem in sogenannten Tobruk-Kleinbunkern, Minenfelder und Stacheldrahtgürtel. Von diesen Anlagen sind nur wenige Reste übrig geblieben.

Die Batterie besteht aus vier Geschützbunkern, die Kanonen und Bunker weisen unterschiedliche Zustände auf und sind teils zerstört. Die größten Schäden stammen von der Explosion der Munition für ein Flakgeschütz, das von den Briten auf dem Bunker Nr. 4 montiert worden war, wobei viele britische Soldaten ums Leben kamen. Die Geschützbunker liegen circa 450 m von der Küstenlinie entfernt und parallel zu dieser angeordnet, nur geringfügig in der Tiefe gestaffelt. Der Hauptzugang zu den Geschützbunkern liegt auf der landeinwärtigen Seite, gedeckt durch eine Splitterwand. Ein kurzer Gang führt von dort in den Hauptkampfraum, aus dem das Geschütz durch die Scharte seine Wirkung entfaltete. Um die Besatzung vor Splittern zu schützen, erhielten die Geschütze Schilde aus 10 mm dicken genieteten Stahlplatten. Aus dem kurzen Gang gelangt man links und rechts je in einen kleinen Raum, in dem die Munition beziehungsweise die Treibladungen gelagert waren. Aufenthaltsräume waren in separaten Personalbunkern untergebracht. Nicht alle der Bunker sind komplett aus Beton gegossen, sondern teils aus Betonsteinen gemauert.

Geschichte

Entdeckung der Batterie Nachdem die Entscheidung für eine Landung alliierter Truppen, der Operation Overlord, in der Normandie getroffen war, wurde die Luftaufklärung für diesen Raum intensiviert. Dabei wurde am 2. März 1944 eine Baustelle nördlich des Dorfes Longues-sur-Mer entdeckt. Die danach durchgeführte gezielte Aufklärung, insbesondere am 10. April und am 22. Mai, führte dazu, dass man die Artilleriebatterie eindeutig identifiziert hatte.

Erste Angriffe In der Vorbereitung der alliierten Landung am 6. Juni 1944, dem D-Day, wurde den deutschen Geschützbatterien, welche in der Lage waren gegen die alliierten Landungszonen und die maritimen Einheiten, die an der Landung beteiligt waren, mit der eigenen Bewaffnung zu wirken, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Die Batterie bei Longues-sur-mer, war eine von zwölf identifizierten deutschen Batterien im Landungsbereich und dazu noch eine der für die alliierten Truppen im Hinblick auf den großen Wirkungsbereich gefährlichsten. Das alliierte Oberkommando ließ in den Wochen vor der Landung Luftangriffe gegen die Batterie durchführen. Ein gezielter Angriff wurde für den 27. Mai und einer für den 2. Juni geplant. Doch auch ungeplant wurde die Batterie vor dem Beginn der alliierten Landung mehrfach zum Ziel gegnerischer Flugzeuge.

Ein erster Angriff durch eine größere Anzahl von Jagdbombern erfolgte am 29. April. Hierbei wurde von einer nicht identifizierten alliierten Einheit mehrere Bomben abgeworfen, ohne Schaden anzurichten.

Der nächste Angriff erfolgte am 21. Mai. Acht amerikanische P-47 Thunderbolt der 366th Fighter Squadron hatten einen Zug im Bahnhof von Bayeux angegriffen und waren auf dem Rückflug. Hierbei überflogen diese den Wirkungsbereich der deutschen Flak bei der Batterie, die das Feuer eröffnete und am Ende 125 Schuss abgegeben hatte. Die amerikanischen Flieger griffen daraufhin die Batterie an, wobei ein bereits beschädigtes Flugzeug nochmals getroffen und zur Notlandung im Ärmelkanal gezwungen wurde. Der Pilot, Lieutenant Colonel Donald K. Bennett, schaffte es nach der Wasserung in das Rettungsschlauchboot zu klettern, aber er konnte nicht rechtzeitig von Rettungskräften erreicht werden. Seine Leiche wurde später ans Ufer gespült. Sein Flugzeug (No. 42-25 515) wurde geborgen und instandgesetzt. Es wurde später mit einem anderen Piloten über dem Meer abgeschossen.

Auch am 21. Mai nahm die Flak der Batterie mit 51 Schuss eine Supermarine Spitfire und Abend noch eine weitere P-47 Thunderbolt mit 110 Schuss unter Feuer.

27. Mai 1944 Das erste größere Bombardement der Batterie wurde als Mission der Second Tactical Air Force der Royal Air Force zugewiesen. Diese setzte die mittleren Bomber des Wing No. 139 mit 42 B-25 Mitchell aus amerikanischer Fertigung ein. Dieser setzte sich aus 6 Flugzeugen der 180th Squadron und je 12 Flugzeugen der 98th, der 226th sowie der niederländischen 320th Squadron zusammen. Begleitet wurden die Bomber von 12 Supermarine Spitfire der 64th Fighter Squadron.

Der Einsatz begann um 18:00 Uhr auf den Stützpunkten in Großbritannien und es waren sieben Angriffswellen von je 6 Bombern geplant. Der Überflug sollte in einer Höhe zwischen 2.700 und 2.800 Metern erfolgen. Zwischen 19:10 und 19:25 Uhr dieses Tags warfen die Bomber einhundertvierundsechzig 453-kg-Bomben (1000 lb) und weitere acht 226-kg-Bomben (500 lb), in Summe etwa 76 Tonnen Bomben, auf das Gelände der Batterie ab. Die Witterungsbedingungen war für die Angreifer günstig und Abwehrfeuer durch deutsche Flak oder Angriffe deutscher Jäger störten diesen Angriff nicht. Beim Angriff einer der Wellen wurde ein starker Lichtblitz zwischen den Explosionen beobachtet, auf den eine große orange Flamme in einigen hundert Metern Entfernung folgte. Die Geschützkasematte Nr. 2 hatte einen direkten Treffer erhalten, der die Betondecke durchschlug und eine Munitionskammer zerstörte. Das Geschütz selbst wurde jedoch nicht beschädigt. Im weiteren Stützpunktgelände wurden ein Munitionsbunker und ein Kasernengebäude vollkommen zerstört.

Zwei Personen wurden durch den Angriff getötet und einige weitere verletzt. Nach einigen Quellen waren vier Personen schwer und fünf weitere leicht verletzt. Die alliierten Flugzeuge landeten ohne Verluste zwischen 19:40 und 20:00 Uhr wieder auf ihren Stützpunkten.

2. Juni 1944 Der zweite große Angriff erfolgte am 2. Juni 1944. Hierbei griffen 36 amerikanische B-26 Marauder-Bomber der 391st Bomb Group, der 9th US Air Force die Batterie an. Gegen 18:30 Uhr starteten die Maschinen mit je zwei 907-kg-Bomben (2.000 lb), was etwas mehr als 65 Tonnen Bombenlast entsprach. Die P-47 Thunderbolt der 50th Fighter Squadron stellten den Jagdschutz für diesen Einsatz.

Die Batterie wurde in zwei Wellen von je achtzehn Bombern in etwa 3.400 Metern Höhe angeflogen und zwischen 19:45 und 20:10 Uhr warfen die Bomber ihre Ladung ab. Auch dieses Mal gab es ideale Bedingungen und keine deutsche Abwehr. Die alliierte Auswertung des Angriffs meldete dreißig neue Krater im Batteriegelände. Dieses Mal hatte die deutsche Besatzung mehr Glück und der Angriff blieb für Menschen und Gerät ohne Folgen. Die zwei Meter dicken Betonwände der Bunker hielten dem Angriff stand und die Geschütze blieben einsatzbereit.

Auch wenn die Straße zur Batterie und die zum Gefechtsstand nicht getroffen wurden, so blieben die schweren Bomben für das Grabensystem und die Kommunikationsleitungen nicht ohne Folgen. Die modernen Geschütztürme der Bunker waren mit einem sehr modernen elektrischen Feuerleitsystem mit dem Feuerleitbunker verbunden. Die elektrische Übertragung der von der Telemetrie im Leitstand ermittelten Zielwerte an die Geschütze wurde durch das Bombardement unterbrochen und die Leitungen stark zerstört. Am Tag der alliierten Landung waren diese Schäden des Bombardements noch nicht behoben und das Feuer der Batterie deshalb viel weniger präzise und damit weniger wirksam.

Doch letztlich entstanden auch diesmal keine größeren Schäden an den Geschützen, welche die grundsätzliche Einsatzfähigkeit der Waffen schwächten.

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