Greenwich ([] oder ) ist ein wohlhabendes Viertel im Südosten Londons, England, innerhalb des Royal Borough of Greenwich und der zeremoniellen Grafschaft Greater London, 8,9 km ostsüdöstlich von Charing Cross. Hier befindet sich das UNESCO-Weltkulturerbe Maritime Greenwich.
Greenwich ist bekannt für seine astronomische und maritime Geschichte und gab dem Greenwich-Meridian (0° Längengrad) und der Greenwich Mean Time ihren Namen. Ab dem 15. Jahrhundert befand sich in der Stadt der königliche Palace of Placentia, und sie war der Geburtsort vieler Tudors, darunter Heinrich VIII. und Elisabeth I. Während des Englischen Bürgerkriegs verfiel der Palast und wurde abgerissen. An seiner Stelle entstand schließlich das Royal Naval Hospital for Sailors, entworfen von Sir Christopher Wren und seinem Assistenten Nicholas Hawksmoor. Diese Gebäude wurden 1873 zum Royal Naval College und blieben bis 1998 eine militärische Ausbildungsstätte, bevor sie in den Besitz der Greenwich Foundation übergingen. Die historischen Räume dieser Gebäude sind weiterhin öffentlich zugänglich; andere Gebäude werden von der University of Greenwich und dem Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance genutzt.
Die Stadt entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einem beliebten Badeort, und es entstanden viele prächtige Häuser, wie beispielsweise Vanbrugh Castle (1717) auf Maze Hill und das Ranger's House (1722) in der Nähe von Blackheath. Ab der georgianischen Epoche wurden oberhalb des Stadtzentrums Wohnsiedlungen errichtet. Die maritime Bedeutung von Greenwich wurde im 20. Jahrhundert mit der Ansiedlung der historischen Schiffe Cutty Sark und Gipsy Moth IV am Flussufer und der Eröffnung des National Maritime Museum in den ehemaligen Gebäuden der Royal Hospital School im Jahr 1934 gewürdigt.
Die Stadt, die historisch gesehen eine alte Gemeinde im Blackheath Hundred in Kent war, gehörte im 19. Jahrhundert zum wachsenden Ballungsraum des viktorianischen Londons. Als 1889 die Grafschaft London, ein Verwaltungsbezirk als Nachfolger des Metropolitan Board of Works, gegründet wurde, fusionierte die Gemeinde mit Charlton-next-Woolwich, Deptford St Nicholas und Kidbrooke zum Metropolitan Borough of Greenwich. Im Zuge der erneuten Kommunalreform in London 1965 wurde sie mit dem größten Teil des Metropolitan Borough of Woolwich zusammengelegt, woraus der heutige Royal Borough of Greenwich, ein Verwaltungsbezirk von Greater London, entstand.
Geographie Das historische Zentrum liegt auf einer breiten Ebene am Südufer der Themse, die an dieser Stelle eine große halbkreisförmige Biegung aufweist, die die Isle of Dogs umschließt. Südlich des Zentrums steigt das Gelände im Park steil an, die Grenze zum südlich angrenzenden Blackheath liegt rund 30 Meter höher. Die höher gelegenen Teile Greenwichs bestehen aus Sedimentablagerungen, die eine Kalkschicht bedecken. Im Westen, jenseits des Flusses Ravensbourne, liegt die ehemalige Hafenstadt Deptford, im Nordosten die Halbinsel Greenwich Peninsula, das ehemalige industrielle Zentrum.
Name und Aussprache Der Name Greenwich folgt dem altsächsischen Grenevic (oder Grenewic), das wörtlich „Grünes Dorf“ oder „Dorf im Grünen“ bedeutet, wobei wich wiederum vom lateinischen vicus abgeleitet ist.'Greenwich', The Environs of London: volume 4: Counties of Herts, Essex & Kent (1796), pp. 426–93, British History Online Die moderne Schreibung auf Green- [] (engl. für Grün) wiederholt diese Begriffsdeutung, jedoch folgt die Aussprache eher dem alten Namen mit kurzem e [], im gehobenen Englisch auch kurzem i []. Der w-Laut wird bei US-amerikanischen Städten gleichen Namens mitgesprochen, entfällt aber bei dem englischen Ort (Aussprache wie „Grennitsch“ in London und „Grinnitsch“ im Rest Englands).
Geschichte Hügelgräber im südwestlichen Teil des Greenwich Park deuten darauf hin, dass die Gegend schon in der Bronzezeit besiedelt war. Die Gräber wurden im 6. Jahrhundert von den Angelsachsen wiederverwendet. Im Osten des Parks entdeckte man 1902 bei Ausgrabungen die Reste einer römischen Villa oder eines Tempels, mit 300 Münzen aus der Zeit des Kaisers Flavius Honorius im 4. Jahrhundert. Die Römerstraße von Londinium (London) nach Portus Dubris (Dover), die Watling Street, verlief durch den äußersten Süden von Greenwich. Sie folgte dabei einem früheren keltischen Weg zwischen den heutigen Städten St Albans und Canterbury.
Während der Regierungszeit von König Æthelred ankerte am Ufer der Themse die Flotte der Dänen, die auf dem angrenzenden Hügel ein Lager errichteten. Von dort aus attackierten sie Kent und nahmen im Jahr 1012 Canterbury ein. Während sieben Monaten hielten sie Erzbischof Alphege in Greenwich gefangen und steinigten ihn, als er die Zahlung eines Lösegeldes verweigerte. Alphege wurde als Märtyrer heiliggesprochen. Zu seinen Ehren entstand eine Pfarrkirche. Die heutige St Alfege Church entstand 1714/18 nach Plänen von Nicholas Hawksmoor. Spuren des dänischen Lagers finden sich an der Grenze zu Blackheath.
mini|Palace of Placentia mini|hochkant|Wappen des Metropolitan Borough of Greenwich
Das Domesday Book nennt das Rittergut Greenwich, das im Besitz von Odo von Bayeux war und 1082 von der Krone beschlagnahmt wurde. Vor 1300 existierte dort eine königliche Jagdhütte. Nachfolgende Monarchen waren regelmäßige Besucher. Heinrich IV. verfügte dort seinen letzten Willen und Heinrich V. überließ das Gut Thomas Beaufort, 1. Duke of Exeter.
Humphrey, Duke of Gloucester, der Regent von Heinrich VI., ließ dort 1447 ein herrschaftliches Gebäude errichten und den Park ummauern. Nach Humphreys Tod nannte Margarete von Anjou das Gebäude Palace of Placentia. Unter Eduard IV. wurden die Bauarbeiten abgeschlossen. Der Palast war die Hauptresidenz von Heinrich VII. Hier wurden König Heinrich VIII. sowie die Königinnen Maria I. und Elisabeth I. geboren.
Nach dem Englischen Bürgerkrieg zerfiel der Palast und wurde schließlich 1660 abgerissen. Karl II. gab den Bau eines neuen Palastes in Auftrag, doch konnte nur der Ostflügel vollendet werden, der trotzdem unbewohnt blieb. Das restliche Gelände blieb bis zur Errichtung des Greenwich Hospital im Jahr 1694 unüberbaut. Inigo Jones baute 1616 im Auftrag von Anna von Dänemark das Queen’s House auf dem Hügel über dem Spital. Letzteres bildet seit 1914 das Hauptgebäude des National Maritime Museums.
Greenwich war einst eine eigenständige Gemeinde in der Grafschaft Kent. Es wurde 1889 als Metropolitan Borough of Greenwich Teil der County of London und seit 1965 Teil des Royal Borough of Greenwich in Greater London.
Im 20. Jahrhundert verkehrte hier die Schmalspurbahn der Charlton Ropeworks.
Sehenswürdigkeiten Im Jahre 1997 wurde Greenwich unter der Bezeichnung Maritime Greenwich in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen, dies aufgrund der Vielzahl und Qualität von Gebäuden, die von historischem und architektonischem Interesse sind. Diese können in drei Gruppen unterteilt werden: Uferzone, Greenwich Park und Stadtzentrum. Als Anerkennung für die Bedeutung des Stadtteils für die Entwicklung der Astronomie erhielt der Asteroid (2830) Greenwich den Namen Greenwich.Lutz D. Schmadel: Dictionary of Minor Planet Names. Springer, 2003. ISBN 3-540-00238-3.
Uferbereich mini|Royal Naval College mini|Greenwich Power Station
Die Cutty Sark, ein Klipper, wurde in einem speziellen Trockendock an der Themse als Museumsschiff aufgelegt. Ein Brand zerstörte im Mai 2007 einen Teil des Schiffes, jedoch war rund die Hälfte der Schiffsausstattung wegen Renovierungsarbeiten ausgelagert worden. Das Schiff wurde wieder aufgebaut und ist seit Frühjahr 2012 wieder zugänglich.Museumssegler "Cutty Sark" eröffnet nach Brand Neben der Cutty Sark war von 1972 bis 2004 die Segelyacht Gipsy Moth IV ausgestellt, mit der Francis Chichester die Welt umsegelt hatte. In der Nähe der Cutty Sark befindet sich ein kreisrundes Gebäude mit dem Eingang zum 1902 eröffneten Greenwich-Fußgängertunnel, der zur Isle of Dogs auf der Nordseite des Flusses führt.Thames Foot Tunnel
Die von Christopher Wren erbaute Marineakademie, das Royal Naval College, bildet den Mittelpunkt des Weltkulturerbes und wird von der Greenwich Foundation verwaltet. Mehrere der Gebäude werden heute von der University of Greenwich genutzt, und eines (das ehemalige Greenwich Hospital) vom Trinity College of Music. Ebenfalls zum Gebäudekomplex gehören die von James Thornhill gestaltete Painted Hall (ehemaliger Speisesaal) und die von James Stuart erbaute St. Paul’s Chapel. Die ehemalige Marineakademie besaß einen Forschungsreaktor (JASON), der von 1962 bis 1996 in Betrieb war und 1999 entfernt wurde. (PDF; 622 kB), R. J. S. Lockwood, P. A. Beeley (Nuclear Dept., HMS Sultan, Gosport, 2001)
Östlich des Royal Naval College befindet sich das 1613 gegründete Armenhaus Trinity Hospital, das älteste erhalten gebliebene Gebäude im Stadtzentrum. Unmittelbar angrenzend ist die Greenwich Power Station. Das massive Ziegelsteingebäude wurde 1902–1910 als Kohlekraftwerk gebaut, um die Londoner Straßenbahnen mit elektrischer Energie zu versorgen. Heute verfeuert es Öl und Gas und dient als Reservekraftwerk der London Underground.
Greenwich Park mini|Greenwich Park mit Blick auf Queen’s House mini|Musikpavillon im Greenwich Park Hinter der ehemaligen Marineakademie befindet sich eine weitere symmetrische Gebäudegruppe mit einer Arkade rund um das von Inigo Jones entworfene Queen’s House. In diesem Gebäude ist heute das National Maritime Museum beheimatet. Südlich daran angrenzend liegt der 73 Hektar große Greenwich Park, einer der königlichen Parks in London. Er wurde im 17. Jahrhundert als Jagdgrund für den Palace of Placentia angelegt.
Der Park steigt in Richtung Blackheath an, und an der Spitze des Hügels steht eine Statue von General James Wolfe.General Wolfe Statue Der Hügel ist auch Standort des ehemaligen Royal Greenwich Observatory, durch den der historische Nullmeridian verläuft (er ist dort auf dem Boden und am Gebäude markiert) und wo die Greenwich Mean Time festgelegt wurde. Heute dient das Gebäude als Museum für astronomische und navigatorische Geräte, insbesondere die Längenuhr von John Harrison.Derek Howse: Greenwich Time and the Longitude. Philip Wilson, London 1997. ISBN 0-85667-468-0.
Das Ranger’s House am Südrand des Parks beherbergt die Gemäldesammlung von Julius Wernher.The Wernher Collegion - Ranger’s House Neben dem Ranger’s House ist ein beliebter Rosengarten zu finden, der 1960/61 angelegt wurde. Weiters sind auch ein Obstgarten, ein Kräutergarten neben der St. Mary‘s Pforte sowie ein 200 m langes Kräuterbeet (1925) im Park sehenswert. Auf dem Maze Hill am Ostrand des Parks befinden sich zahlreiche herrschaftliche Häuser, darunter jenes von John Vanbrugh.
Stadtzentrum Georgianische und viktorianische Architektur dominiert im Stadtzentrum, das sich westlich des Parks und des Royal Naval Colleges erstreckt. Ein System von Einbahnstraßen führt um einen überdachten Marktplatz, den Greenwich Market. Die Straße Croom’s Hill ist Standort des Fan Museum, des weltweit einzigen Museums für Fächer. Im Stadtzentrum befinden sich auch zwei Theater, das Greenwich Theatre und das Greenwich Playhouse.
UNESCO-Weltkulturerbe Maritime Greenwich 1997 wurde Maritime Greenwich aufgrund der Dichte und Qualität seiner historisch und architektonisch wertvollen Gebäude von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Diese lassen sich in die Gebäudegruppe entlang des Flussufers, den Greenwich Park und das georgianische und viktorianische Stadtzentrum unterteilen. Das Weltkulturerbe wird wie folgt beschrieben:
Das Gebiet wurde von der UNESCO nach den Kriterien (i)(ii)(iv)(vi) ausgewählt, da es als Meisterwerk menschlichen Schöpfergeistes, als wichtiger Ausdruck des interkulturellen Austauschs, als herausragendes Beispiel einer bedeutenden Phase der Menschheitsgeschichte und als direkt mit Ereignissen, Traditionen oder Ideen von herausragender universeller Bedeutung verbunden anerkannt wird.
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