mini|Technischer Hauptsitz von Braun in Kronberg(Standort etwa seit 1961)
Braun ist eine Marke der Procter & Gamble Service GmbH (vormals Braun GmbH), die in Kronberg im Taunus elektrische Kleingeräte herstellt.
Die Braun AG wurde 1967 an das US-amerikanische Unternehmen The Gillette Company verkauft, das seinerseits im Jahr 2005 vom US-Konzern Procter & Gamble übernommen wurde, zu dem die Marke Braun seither gehört. Das Unternehmen hat seine Geschäftsaktivitäten verstärkt auf Produkte der Körperpflege gelegt und bietet Geräte für die Herrenrasur, Haarpflege und -entfernung an. 2004 fertigte Braun weltweit an zehn Braun-Standorten in sieben Ländern, darunter auch China.
2012 erwarb De’Longhi für einen Grundpreis von 140 Millionen Euro die unbegrenzten Nutzungsrechte der Marke Braun für Haushalts-Kleingeräte, die Marke selbst bleibt jedoch im Besitz von Procter & Gamble. Alle Produkte rund um das Schneiden und Entfernen von Haaren bei Männern und Frauen werden weiterhin von Procter & Gamble hergestellt und unter dem Namen Braun vertrieben.
Gründung des Unternehmens 1921 Bis 1944 mini|Treibriemenverbinder der Marke Trumpf – der Anfang des Unternehmens
Das Unternehmen wurde 1921 in Frankfurt-Bockenheim in der Jordanstraße 12 von dem aus Ostpreußen stammenden Ingenieur Max Braun (1890–1951) als Apparatebauwerkstatt (Max Braun oHG) gegründet. Als erstes Produkt wurde ein patentierter Treibriemenverbinder mit dem Namen Trumpf hergestellt. 1923 konstruierte Max Braun seinen ersten Rundfunkempfänger, den Trumpf Walzendetektor, so genannt nach seinem zylinderförmigen Detektor. Die Verkaufserfolge des Walzendetektors ermutigten ihn, Mitglied des Verbandes der Funkindustrie zu werden. Ab etwa 1925 produzierte er für die expandierende Branche Röhrensockel und Kunststoffteile.
1926 bezog Max Braun mit seiner Belegschaft die ersten eigenen Fabrikräume in Frankfurt am Main, in der Kiesstraße wurden unter anderem Röhrensockel, Transformatoren, Kondensatoren sowie Steckverbinder produziert. 1928 erfolgte der Umzug in ein neues Fabrikgebäude in der Idsteiner Straße. Als erstes komplettes Gerät wurde ein Kraftverstärker gebaut. Ende der 1920er Jahre übernahm Braun die Radioproduktion des Unternehmens Carl Sevecke und wurde dadurch „Bauerlaubnisnehmer“. Eigene Rundfunkempfänger, die mit Elektronenröhren arbeiteten, wurden ab 1933 hergestellt. 1934 entwarf Max Braun das Firmenlogo mit dem hochgezogenen „A“ im Namen Braun, das in modernisierter Form heute immer noch prägnante Markenzeichen aller Braun-Produkte.
Die ersten eigenen Radiogeräte 1933 waren unter anderem das Modell „Mozart“ und das Modell „Edelsuper“ oder 1934 der „Super 4W“. Max Braun kombinierte als einer der Ersten ein Radio und einen Plattenspieler in einem Gehäuse und schuf so eine neue Art Musiktruhe, beispielsweise den „Phono-Super 637 GW“ von 1936. Ein großer Erfolg waren die von 1936 bis 1939 produzierten Kofferradios, wie der 1936 gebaute „BKS 36“ oder der moderne „239 D“, der einen Kofferbezug mit Krokodilleder-Prägung hatte.
Im Zweiten Weltkrieg übernahm das Unternehmen Rüstungsaufträge, und es wurden insbesondere Funkgeräte und Funksteuergeräte gefertigt. 1944 wurden beide Frankfurter Werke durch Luftangriffe zerstört.
Firmenlogo mini|Die Urversion des Logos aus den 50er-Jahren mit exakten Viertelkreisbögen
1935 entstand bereits ein Firmenlogo mit dem hochgezogenen „A“, welches Wolfgang Schmittel 1952 in die weltbekannte Form mit exakten Viertelkreisbögen brachte. An dieser Form hielt man zunächst auch nach der Übernahme 1967 durch die Gillette-Company fest, ging aber in den 1990er Jahren zur heutigen gerundeten Form über (siehe Infobox).
Wiederaufbau mini|Werk II etwa 1960, von der Frankenallee aus gesehen
Die im Krieg nahezu vollständig zerstörten Werksanlagen erlaubten nur die Produktion von Taschenlampen und Plattenspielerchassis. 1945 begann die Herstellung der Dynamotaschenlampen „Manulux“ und 1947 wurde mit einer bescheidenen Produktion von Radiogeräten wieder begonnen.
Den Grundstein für den späteren Erfolg des Unternehmens legte Max Braun durch die Entwicklung des elektrischen Trockenrasierers Modell „S 50“. 1949 wurde das Patent für die von Max Braun entwickelten Scherfolien-Trockenrasierer erteilt und 1950 mit der Produktion und dem Verkauf begonnen. Für den deutschen Markt war die Standardverpackung eine dunkelbraune Bakelitdose mit transparentem Deckel und erhabenem Logo. Zubehör waren ein Stromkabel in Rasiererfarbe mit Halterung, eine Bedienungsanleitung und eine Reinigungsbürste. Den „S 50“ gab es unter anderen in den Farben Elfenbein und Schwarz. Max Braun begann auch mit der Entwicklung von neuen Küchenmaschinen, 1950 wurde das Küchengerät „Multimix“ vorgestellt.
Max Brauns Söhne, Artur (1925–2013) und Erwin (1921–1992), übernahmen 1950 technische und kaufmännische Funktionen im Unternehmen. Neben dem Wiederaufbau von Werk I in der Idsteiner Straße im Frankfurter Stadtteil Gallus wurde 1951, wenige hundert Meter entfernt, Werk II bezogen, wo ausreichend Platz für Produktionsbänder, Entwicklungslabors, Werkstätten, Sozialräume und eine Ausbildungswerkstatt zur Verfügung stand. 1954 wurde in Walldürn ein Zweigwerk für die Produktion von Elektrorasierern eröffnet und fortan kontinuierlich ausgebaut. 1961 kam das Werk Marktheidenfeld hinzu (für die Produktion von Haushaltsgeräten) und in Kronberg im Taunus begann der Bau der späteren Firmenzentrale, der heutige Technische Hauptsitz der Braun GmbH.
Die Neuausrichtung des Unternehmens 1951 mini|Küchenmaschine KM 3 von 1957
Nach dem plötzlichen Tod des 61-jährigen Max Braun am 5. November 1951 übernahmen dessen Söhne Artur und Erwin Braun das Unternehmen, wobei vor allem Erwin Braun eine neue, umfassende Unternehmenskultur initiierte, wie es ähnlich vorher bereits bei AEG oder Olivetti versucht worden war. Erwin Braun sah das Unternehmen nicht nur als betriebswirtschaftliches, sondern auch als kulturelles Projekt und knüpfte Freundschaften zu Gleichgesinnten wie etwa dem Unternehmer Philip Rosenthal. Zu der neuen Unternehmenskultur gehörte neben einer „Balance“ der Abteilungen, gesundem Kantinenessen und einem einheitlichen, rationalen Erscheinungsbild auch ein radikal verändertes Produktsortiment. Für das neue Gesamterscheinungsbild des Unternehmens wurde 1952 unter anderem der deutsche Grafiker und Werbefachmann Wolfgang Schmittel eingestellt. Er prägte entscheidend das damals neue Gestaltungskonzept im Bereich Kommunikation mit und überarbeitete das von Max Braun entworfene Firmenlogo. 1953 wurde Fritz Eichler, ein Kriegskamerad von Erwin Braun, als Verantwortlicher für die Gesamtgestaltung des Unternehmens eingestellt sowie Albrecht Schultz, der für den Geschäftsbereich Vertrieb und den „Artikelbereich Rasierer“ zuständig war und ab 1962 Vorstandsmitglied wurde. Seit 1974 war er für den Geschäftsbereich Marketing zuständig, das Vorstandsmitglied Alfred M. Zeien übernahm von ihm den Artikelbereich Haustechnik. Die Artikelbereiche Haushalt und Rasierer wurden 1971 in dem „Artikelbereich Haustechnik“ zusammengefasst.
Am 1. Januar 1962 wurde aus der „Max Braun oHG“ die „Braun AG“, eine Aktiengesellschaft mit 12 Mio. DM Stammkapital. Der Aufsichtsrat bestand aus Artur und Erwin Braun, Fritz Eichler, Werner Greutert, Anneliese Ginkel und Edmund Hubert.
Formgestaltung – Entstehung des Braun-Designs Das neue Gestaltungskonzept des Unternehmens sah auch eine Änderung des Erscheinungsbildes für das Produktsortiment vor. Daraufhin entstand die Abteilung für Formgestaltung, später Abteilung für Produktgestaltung. Deren Aufgabe war es, den Braun-Produkten eine neue Form zu geben, die schlicht und funktionell sein sollte. So wurde der Grundstein für das neue Produktdesign des Unternehmens gelegt. Einen entscheidenden Anteil an der Entstehung dessen, was seit den 1980er Jahren Braun Design genannt wird, hatte Fritz Eichler als Leiter der Abteilungen Form- und Werbegestaltung. Er stellte auch den Kontakt zur Hochschule für Gestaltung Ulm (HfG-Ulm) her. An diese wurden von Braun zahlreiche Gestaltungsaufträge vergeben, die im Wesentlichen von dem Dozenten Hans Gugelot realisiert wurden. Von ihm wurden auch grundlegende Gestaltungsprinzipien wie System und Klarheit auf die Braun-Produkte übertragen. Weitere Gestalter der Frühzeit waren unter anderem Herbert Hirche und Wilhelm Wagenfeld, beide ehemalige Studenten des Bauhauses.Bernd Polster: Wohndesign Deutschland. Die Klassiker, Köln 2008, S. 461 u. 555. 1955 wurde der Innenarchitekt Dieter Rams eingestellt, der die Gestaltungsabteilung ab 1961 leitete und schließlich vom Marketing als Mr. Braun in den Vordergrund gestellt wurde, was Konflikte bis hin zu juristischen Auseinandersetzungen hervorrief und paradoxerweise dazu führte, dass nun auch alle anderen Gestalter ihre Urheberschaft betonten. Bis dahin wurden alle Entwürfe als „Werksdesign“ gekennzeichnet. Tatsächlich war das Projekt der besonderen Produktgestaltung bei Braun immer eine Team-Leistung.
Ein Wendepunkt in der Unternehmensgeschichte war der Auftritt mit dem neuen Unterhaltungselektronik-Sortiment auf der Düsseldorfer Funkausstellung 1955. Der dort aufgebaute modulare Messestand wurde entworfen von dem Studenten Hans G. Conrad und dem Dozenten für Visuelle Kommunikation Otl Aicher, beide von der Hochschule für Gestaltung Ulm. Er beruht auf der Grundidee, dass die Braun-Geräte in neuzeitlicher Einrichtung präsentiert werden sollten.
Das Braun-Design der Anfangszeit wurde zum Teil durch eigene Mitarbeiter entworfen, entstand aber vorwiegend durch Auftragsarbeiten, die beispielsweise an die Hochschule für Gestaltung in Ulm oder die Werkstätten Thun in Jettingen vergeben und von deren Mitarbeitern ausgeführt wurden. Seit 1957 errang Braun weltweites Ansehen durch internationale Designpreise, darunter den Grand Prix auf der 11. und 12. Triennale in Mailand (1957, 1960), den Compasso d’Oro (1962) und den Interplas (1963) in London. 1964 eröffnete das New Yorker Museum of Modern Art eine Galerie mit einer Ausstellung des ganzen Braun-Programms.
Ende der 1960er Jahre wurden verstärkt Mitarbeiter fest angestellt, die die Gestaltung der Anfänge fortführten und weiterentwickelten.
mini|Braun-Wanduhr ABW 41 „domodisque“, Dieter Lubs 1985 Otl Aicher – Studium Akademie der Bildenden Künste München Richard Fischer – Angestellt, Studium HfG Ulm Jürgen Greubel – Studium Hochschule Wiesbaden Hans Gugelot – Studium ETH Zürich Herbert Hirche – Studium Bauhaus Gerd Alfred Müller – Studium Werkkunstschule Wiesbaden Dieter Rams – Angestellt, Studium Werkkunstschule Wiesbaden Wilhelm Wagenfeld – Studium Bauhaus Roland Weigend – Angestellt, Studium Werkkunstschule Wiesbaden Reinhold Weiss – Angestellt – Studium HfG Ulm Dietrich Lubs – Angestellt, Ausbildung zum Schiffbauer Robert Oberheim – Angestellt, Studium Werkkunstschule Wiesbaden Peter Hartwein – Angestellt, Schreinerlehre und Studium Werkkunstschule Wiesbaden Hartwig Kahlcke – Angestellt, Studium Folkwangschule für Gestaltung Essen Ludwig Littmann – Angestellt, Studium Folkwangschule für Gestaltung Essen Peter Schneider – Angestellt, Studium Folkwangschule für Gestaltung in Essen Florian Seiffert – Angestellt, Studium Folkwangschule für Gestaltung Essen Roland Ullmann – Angestellt, Studium Hochschule für Gestaltung Offenbach
Erste Produkte im neuen Stil mini|Braun-Röhrenradio Modell „SK 2“