Cicero – Magazin für politische Kultur ist ein in Deutschland monatlich erscheinendes politisches Magazin, das ursprünglich eher liberal-konservativ ausgerichtet war, mit der Flüchtlingskrise in Europa 2015/2016 aber zunehmend politisch rechte Ansichten übernahm. Es wird in Berlin vom Res Publica Verlag produziert. Es wurde 2004 von Wolfram Weimer unter Mitwirkung u. a. von Markus Hurek gegründet. Von 2012 bis 2021 war Christoph Schwennicke Chefredakteur, 2016 bis 2021 gemeinsam mit Alexander Marguier Co-Chefredakteur und Mitherausgeber.

Geschichte Im Frühjahr 2004 gründete der Journalist Wolfram Weimer das Magazin für politische Kultur mit dem Ziel, ein Pendant zu den großen US-Magazinen The New Yorker und The Atlantic in deutscher Sprache zu etablieren. Cicero sollte zugleich das erste Politikmagazin aus Berlin werden. Finanziert wurde das Projekt vom Ringier-Verlag, der in der Schweiz die Boulevardzeitung Blick und weitere Publikationen herausgibt. Die Erstausgabe erschien am 25. März 2004. Seit Mai 2016 erscheint Cicero im Res Publica Verlag, der im Rahmen eines Management-Buy-outs gegründet wurde.Ulrike Simon: „Das Damoklesschwert nicht mehr zu spüren ist sehr befreiend“. In: horizont.net, 19. Februar 2016. Im Januar 2021 verkaufte Christoph Schwennicke seine Anteile an den Finanzmanager Dirk Notheis und verließ das Unternehmen.

Mitarbeiter und Ressorts Wolfram Weimer war Gründer von Cicero und bis zum 31. Januar 2010 dessen Chefredakteur. Am 1. Februar 2010 übernahm der bisherige Zeit-Herausgeber und SPD-Politiker Michael Naumann die Chefredaktion. Im Mai 2012 wurde er von Christoph Schwennicke abgelöst.Christoph Schwennicke wird neuer Chefredakteur von Cicero. In: Cicero. 7. Februar 2012. Im Rahmen eines Management-Buy-Outs wurde der Titel zum 1. Mai 2016 von Schwennicke und Alexander Marguier übernommen, die der Redaktion als Chefredakteure vorstanden.Björn Czieslik: Ringier verkauft “Cicero” und “Monopol”, auf turi2.de vom 17. Feb. 2016.

Seit Schwennickes Ausstieg ist Alexander Marguier alleiniger Chefredakteur. Stellvertretender Chefredakteur und Ressortleiter Kultur ist Ralf Hanselle. Das Wirtschaftsressort wird geleitet von Daniel Gräber. Verantwortlich für das Innenpolitik-Ressort ist Volker Resing.

Neben bekannten Gastautoren (die Titelgeschichte der Erstausgabe verfasste der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, in der zweiten Ausgabe stammte sie von Martin Walser) arbeitete ein fester Kreis von Journalisten regelmäßig für Cicero, darunter Maxim Biller, Wolfram Eilenberger, Wladimir Kaminer und Klaus Harpprecht († 2016). Eine Zeitlang gab es eine Kolumne des deutschen Oscar-Gewinners Florian Henckel von Donnersmarck. Später stießen zu den festen Kolumnisten die Schriftstellerin Sophie Dannenberg, der Publizist Frank A. Meyer, der Ökonom Daniel Stelter, der deutsche Diplomat Stefan aus dem Siepen und der Kunsthistoriker Beat Wyss. Der SPD-Politiker Mathias Brodkorb ist seit 2018 Autor des Magazins.Mathias Brodkorb Autoreninfo. In: cicero.de, abgerufen am 26. Dezember 2024. Seit 2022 analysiert Thomas Urban, früherer Osteuropa-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung, Entwicklungen im ehemaligen Sowjetblock.Thomas Urban Autoreninfo. In: cicero.de, abgerufen am 26. Dezember 2024.

Seit Februar 2022 betreibt Cicero einen wöchentlich erscheinenden Podcast, in dem mit verschiedenen Gästen aktuelle Themen besprochen werden.

Politische Ausrichtung Christoph Schwennicke erklärte 2012 bei seinem Antritt als Chefredakteur, Cicero solle „sein wie Joachim Gauck […] links, liberal und konservativ“.Catalina Schröder: Welterklärer mit Rechtsdrall. In: Journalist, Nr. 4/2017, S. 53 (Archiv). Nach dem Urteil von Arno Frank in Übermedien war es dann aber gerade Schwennicke, der das „einleitete, was man nicht zu Unrecht einen ‚Rechtsschwenk‘ nennen könnte.“Arno Frank: Für ganz links zu rechts, für ganz rechts zu mittig. In: Übermedien, abgerufen am 7. März 2026. Liane Bednarz machte diesen Rechtsschwenk speziell auch daran fest, dass Schwennicke Alexander Kissler zum Kultur-Ressortleiter ernannt hatte.Liane Bednarz: Was im „Cicero“ gesagt werden darf: „Kriegs- und Auschwitz-Komplex“. 1. Juli 2016, abgerufen am 7. März 2026 (Archiv).Vergleiche Stefan Winterbauer: Cicero nach der Trennung von Ringier: ermutigende Zahlen und hässliche Vorwürfe. In: Meedia, 28. September 2016 (Archiv). Bei der Flüchtlingskrise im Herbst 2015 bezog das Magazin – früher und deutlicher als andere Medien – eine kritische Haltung zur Politik Angela Merkels.Stefan Winterbauer: Cicero nach der Trennung von Ringier: ermutigende Zahlen und hässliche Vorwürfe. In: Meedia, 28. September 2016 (Archiv). Daraufhin konstatierten unter anderem auch die taz einen Rechtsruck des Cicero.Anne Fromm: Rechtsruck beim Magazin „Cicero“ – Ein neuer Ton. In: taz, 2. Juli 2016. Auch Stefan Winterbauer berichtete im September 2016 im Branchendienst Meedia über diese Vorwürfe, wies aber den noch weiter gehenden Vorwurf zurück, der Cicero sei „rechtsextremes Hetzblatt“ geworden.Stefan Winterbauer: Cicero nach der Trennung von Ringier: ermutigende Zahlen und hässliche Vorwürfe. In: Meedia, 28. September 2016 (Archiv).

In jüngeren Texten gruppieren die meisten Autoren den Cicero zusammen mit Tichys Einblick und Achse des Guten, verorten die gesamte Gruppe aber in einen Grenzbereich zwischen politischer Rechten und politischem Konservatismus.Andreas Graf von Bernstorff: Rechte Wörter. Von „Abendland“ bis „Zigeuernschnitzel“. Carl-Auer, Heidelberg 2020, ISBN 978-3-8497-0340-0. S. 14Lalon Sander: Müll im Netz. In: taz, 12. September 2017.Ähnlich Markus Decker: Rechtspublizistische Grauzone – Henryk M. Broder ist nicht allein. In: RND, 31. Januar 2019, der allerdings die Achse des Guten noch weiter nach rechts verortet. Rechte und rechtschristliche Autoren und Medien gruppieren ebenso.So Martin Sellner, vergleiche Johannes Hillje: Propaganda 4.0. Wie rechte Populisten Politik machen.Dietz, Bonn 2017, ISBN 978-3-8012-0509-6. S. 120.Ähnlich Die Tagespost, siehe Katrin Krips-Schmidt: Den Sinn für Realitäten schärfen. In: Die Tagespost, 6. September 2017 und vergleiche Liane Bednarz: Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern. Droemer, München 2018, ISBN 978-3-426-27762-1. S. 216 f.Ähnlich ordnen die Junge Freiheit und der Cato-Chefredakteur Andreas Lombard den Cicero ein neben Cato, Tichys Einblick und Sezession, siehe „Die Liebe zum Eigenen“. In: Junge Freiheit, 8. September 2017 und vergleiche Wolfgang Laskowski: Publizistische Zellteilung: „Cato“ und „Sezession“. In: Der Rechte Rand, Band 172, 2018. S. 10 f., hier 11. Fabian Virchow attestierte dem Magazin 2018, von „rechte[n] AutorInnen“ „gekapert“ worden zu sein.Fabian Virchow: Rechte Publizistik – zugänglicher und vielfältiger denn je. In: Der Rechte Rand, Band 172, 2018. S. 8 f., hier 9. Im Volksverpetzer zählten Thomas Laschyk und Philip Kreißel Cicero 2024 zu den „rechten, unseriösen Medien“;Thomas Laschyk, Philip Kreißel: Habeck hat nichts falsch gemacht: der rechte Pseudo-Skandal „AKW-Files“. In: Volksverpetzer, 26. April 2024. Anette Dowideit zählte Cicero Anfang 2025 zu den Medien, „die gerade noch so auf der Kante zwischen konservativ und rechtspopulistisch balancieren“ und dabei Narrative von Rechtspopulisten aufgriffen.Anette Dowideit: Ein Jahr nach Potsdam, Correctiv, 10. Januar 2025; Abgerufen am 15. März 2026.

Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch zählte Cicero 2025 zu den Mainstream-Medien, bei denen sich eine Tendenz erkennen lasse, dass sie „bestimmte Feindbilder oder Begriffe rechtsalternativer Medien übernehmen und sich ihnen – ob bewusst oder unbewusst – thematisch angleichen“.Luis Paulitsch: Alternative Medien. Definition, Geschichte und Bedeutung. Wiesbaden 2025, S. 84.

Der Klimaforscher Stefan Rahmstorf zählt Cicero zu den klimaskeptischen Medien, die „immer wieder Zweifel an fundierter Klimawissenschaft“ streuten.Stefan Rahmstorf: Unlearn Desinformation, in: Claudia Kemfert, Julien Gupta, Manuel Kronenberg (Hrsgs.): Unlearn CO2. Zeit für ein Klima ohne Krise. Berlin 2024, 170–198, hier: S. 186. Auch Achim Brunnengräber zählt Cicero zu den Medien, die klimaskeptischen Positionen vermehrte Aufmerksamkeit verschaffen.Achim Brunnengräber: Klimaskeptiker im Aufwind. Wie aus einem Rand ein breiteres Gesellschaftsphänomen wird, in: Olaf Kühne, Florian Weber (Hrsg.): Bausteine der Energiewende. Wiesbaden 2018, 271–292, S. 286.

Juristische Auseinandersetzungen Illegale Durchsuchungen – „Cicero-Affäre“ (2005) Im September 2005 ließ die Staatsanwaltschaft Potsdam die Redaktionsräume des Magazins durchsuchen. Anlass war der Artikel Der gefährlichste Mann der WeltBruno Schirra: Der Text, der die Cicero-Affäre auslöste. In: Cicero. 30. April 2014. im April-Heft, in dem der Journalist Bruno Schirra den jordanischen Terroristen Abū Musʿab az-Zarqāwī porträtiert und dabei Informationen aus Verschlusssachen des Bundeskriminalamtes zitiert hatte. Es handelte sich um einen ausführlichen Auswertungsbericht vom 6. September 2004 mit 125 Seiten und 392 Fußnoten. Die deutsche Presse kritisierte die Durchsuchung als Angriff auf den unabhängigen Journalismus, wobei Parallelen zur Spiegel-Affäre von 1962 gezogen wurden. Cicero-Chefredakteur Weimer und Schirra wurde Beihilfe zum Geheimnisverrat vorgeworfen. FDP, Die Grünen und Die Linkspartei.PDS erwogen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss dazu. Im Oktober 2005 fand darum eine Sondersitzung des Bundestagsinnenausschusses statt, bei der der politisch verantwortliche Bundesinnenminister Otto Schily in nichtöffentlicher Sitzung zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Stellung beziehen sollte, die wegen Verdachts des Geheimnisverrates initiierte Durchsuchung bei Cicero sei unverhältnismäßig gewesen.

Am 21. und 22. November 2006 verhandelte der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichtes in der Angelegenheit und urteilte am 27. Februar 2007, die Durchsuchung habe einen erheblichen Eingriff in die Pressefreiheit dargestellt. Sie sei daher verfassungswidrig gewesen (Cicero-Urteil, Az: 1 BvR 538/06). Dem Urteil zufolge reicht der bloße Verdacht, dass ein Journalist Beihilfe zum Geheimnisverrat geleistet haben könnte, nicht aus, um die Räume einer Redaktion zu durchsuchen.Robert Leicht: Es gibt keinen Fall „Cicero“. In: Die Zeit. 6. Oktober 2005. Die Vorgänge erfuhren in den Medien breite Aufmerksamkeit als „Cicero-Affäre“.

Kontroverse um Kernkraftwerke (2022) 2022 setzte sich Cicero mit einer Klage auf Akteneinsicht gegen das Bundeswirtschaftsministerium durch. Redakteur Daniel Gräber hatte Einsicht in interne Unterlagen zur 2022 geführten Debatte um eine Laufzeitverlängerung der deutschen Kernkraftwerke verlangt und bekam vor dem Verwaltungsgericht Berlin Recht. In seinem daraufhin erschienenen Artikel warf er „Strippenzieher(n) der Grünen“ vor, den Entscheidungsprozess manipuliert zu haben, um den Atomausstieg durchzusetzen. Der Blog Volksverpetzer veröffentlichte einen „Faktencheck“, woraufhin ihn Cicero abmahnte und den Erlass einer einstweiligen Verfügung beantragte. Nachdem die zuständige Kammer des Landgerichts Hamburg zu erkennen gab, dass sie dem Antrag nicht stattgeben würde, nahm Cicero den Antrag zurück. Damit darf der Volksverpetzer weiterhin schreiben, dass Cicero in dem Artikel Dinge „dazugedichtet“ habe. Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU setzte aufgrund der Cicero-Recherchen einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein, der sich im Juli 2024 konstituierte.

Unwahre Tatsachenbehauptung über Christian Drosten (2022) Im Februar 2022 wurde Cicero vom Deutschen Presserat wegen eines „schweren Verstoßes gegen die journalistische Sorgfaltspflicht“ gerügt. Anlass war ein Interview mit dem Nanowissenschaftler Roland Wiesendanger, in dem dieser dem Virologen Christian Drosten eine gezielte Täuschung der Öffentlichkeit vorwarf. Der Presserat kritisierte insbesondere die fehlende Einordnung der Vorwürfe durch die Redaktion (Rüge 2022/048).