mini|Risszeichnungen der A300-600
Der Airbus A300 ist das erste zweistrahlige Großraumflugzeug der Welt, produziert vom europäischen Flugzeughersteller Airbus.
Das Flugzeug war das erste gemeinsame Projekt der heute zur Airbus Group fusionierten Flugzeugwerke und belegte die damalige Marktnische eines Großraum-Verkehrsflugzeuges für Kurz- und Mittelstrecken mit etwa 250 bis 300 Sitzplätzen. Die Endmontage erfolgte in Toulouse (Frankreich). Der Erstflug des Prototyps fand am 28. Oktober 1972 statt, die Indienststellung gut anderthalb Jahre später am 30. Mai 1974 durch Air France. Bis zum Produktionsende am 18. April 2007 wurden insgesamt 561 Exemplare gebaut.
Mit Stand Juli 2018 ist die A300 überwiegend als Frachtmaschine im Einsatz, die größten Betreiber sind FedEx, UPS Airlines und DHL Aviation, dabei handelt es sich vielfach um umgebaute Passagierjets. Als Passagierflugzeug ist die A300 fast vollständig vom Markt verschwunden. Nur noch 22 Maschinen sind in Betrieb, davon 21 im Iran und eine im Sudan. Der größte Betreiber ist Iran Air mit acht Maschinen, darunter eine A300 B2 und drei A300 B4, die die letzten aktiven Exemplare ihrer Art und zum Teil die weltweit ältesten betriebenen Airbus-Maschinen überhaupt sind. Alle übrigen Passagierjets sind vom Typ A300-600, von dem Mahan Air mit sechs Maschinen die größte Flotte betreibt. Vier Maschinen sind bei Qeshm Air in Betrieb, zwei bei Meraj Air und je eine bei Iran Airtour und Sudan Airways.Gegen die amerikanische Konkurrenz: Mit dem Airbus A300 gelang Europa der grosse Wurf In: Neue Zürcher Zeitung vom 29. Oktober 2022
Geschichte Konzeption
Bereits 1966 suchte American Airlines nach einer zweistrahligen und deutlich größeren Ergänzung zur Boeing 727 mit 250 bis 300 Sitzplätzen, etwa für die US-Transkontinentalflüge, die aber nicht so groß sein sollte, dass sie einen Großflughafen erforderte. Boeing hatte in diesem Segment bis zur Einführung der Boeing 767, 15 Jahre später, nichts anzubieten. Im Einsatz waren hier hauptsächlich die dreistrahligen Langstreckenflugzeuge McDonnell Douglas DC-10 und Lockheed L-1011 TriStar.
Im September 1967 beschlossen die Regierungen Frankreichs, Deutschlands und des Vereinigten Königreichs, gemeinsam ein Gegengewicht zur US-Dominanz in der Luftfahrt zu schaffen. Neben dem schon laufenden Concordeprojekt war unter der Bezeichnung Airbus A300 ein konventionelles, zweistrahliges Passagierflugzeug mit 300 Sitzplätzen geplant. Da es zur Zeit der Entwicklung der A300 auf Grund von Sicherheitsüberlegungen noch nicht erlaubt war (siehe ETOPS), mit nur zwei Triebwerken Transatlantikflüge zu unternehmen, wurde der Airbus A300 zur Bedienung von aufkommensstarken Kurz- und Mittelstrecken ausgelegt. Formell wurde Airbus 1970 von der französischen Aérospatiale und der Deutschen Airbus GmbH gegründet. Das Vereinigte Königreich war aus dem Projekt ausgeschieden, nachdem die Rolls-Royce Group nicht als Triebwerkshersteller zum Zuge kam. Hawker Siddeley, das die Tragflächen liefern sollte, blieb jedoch ohne Regierungsbeteiligung dabei. CASA aus Spanien schloss sich 1972 an.
Entwicklung mini |Erstflug des Airbus A300 am 28. Oktober 1972 in Toulouse-Blagnac mini|Am 10. Mai 1974 erhielt Air France ihren ersten Airbus A300B2-101 (MSN005) In den ersten Monaten der Entwicklung bezweifelten die französischen und britischen Regierungen die Notwendigkeit des Airbus A300, was ihre Ursache unter anderem in den fehlenden dritten bzw. vierten Triebwerken hatte. Um dieses Problem zu lösen, schlugen der französische Flugzeughersteller Sud Aviation sowie der britische Flugzeughersteller Hawker Siddeley eine verkürzte Version für nur 250 Passagiere mit dem Namen Airbus A250 vor. Diese Version wurde schließlich als Airbus A300B entwickelt, da hierfür bereits die benötigten Triebwerke vorhanden waren. Großen Einfluss auf die erfolgreiche Weiterentwicklung des Airbus A300 hatte in dieser Zeit der Aufsichtsratsvorsitzende von Airbus, Franz Josef Strauß. Um bessere Verkaufschancen auf dem lukrativen amerikanischen Markt zu haben, wählte man das amerikanische Triebwerk General Electric CF6-50 aus und verwendete kein Triebwerk des britischen Konzerns Rolls-Royce. Dies führte zu einem zeitweiligen Rückzug der britischen Regierung aus dem Projekt; lediglich die britische Privatgesellschaft Hawker-Siddeley entwickelte weiterhin die Tragflächen des Airbus A300. Erstbesteller war die damals noch staatliche französische Fluggesellschaft Air France im Jahr 1971, die gleich die verlängerte Serienversion A300B2 bestellte. Als zweite folgte im Jahr 1973 nach dem Erstflug die deutsche Lufthansa.N. Burgner: In: Flug Revue. Februar 2000.
Die Gewinnschwelle wurde im Jahr 1972 bei 350 verkauften Exemplaren erwartet, erhofft wurde ein Absatz von über 400 Stück.Letzte Hoffnung: Airbus A 300 B, Der Spiegel 40/1972 vom 24. September 1972. Bis Ende 1986 hat Airbus tatsächlich 359 Maschinen inkl. der ersten A310 ausgeliefert. Die 350. A300 wurde 1991 ausgeliefert, am Ende (2007) waren es 561 Exemplare.
Am 28. Oktober 1972 hob das erste Flugzeug des auf 250 Sitzplätze verkleinerten Typs A300B ab. Die Zulassung wurde am 15. März 1974 für die Baureihe A300B2 erteilt, am 30. Mai desselben Jahres nahm Air France den Flugbetrieb mit diesem Typ auf.
Durchbruch beim Verkauf mini|Airbus A300 der Eastern Air Lines mini|Airbus A300B4-2C der Aerocondor Colombia, erster Airbus-Betreiber in Lateinamerika ab 1977 mini|Airbus A300-600R der Japan Airlines, noch in Farben des Japan Air System
Der Verkauf verlief zunächst schleppend, zeitweise wurden sogar 16 Flugzeuge ohne Abnehmer produziert. Neben der Germanair, die am 23. Mai 1975 zum deutschen Erstbetreiber wurde, fanden sich als weitere Kunden nur die Air Siam, Korean Air Lines, South African Airways, Indian Airlines sowie die staatlichen Fluggesellschaften Air France und Lufthansa, die ihre erste Maschine am 2. Februar 1976 entgegennehmen konnte. Einen Durchbruch erreichte Airbus erst, nachdem der US-amerikanischen Fluggesellschaft Eastern Air Lines Mitte der 1970er-Jahre vier A300 für sechs Monate kostenlos einschließlich Vor-Ort-Service zur Verfügung gestellt wurden. Da die Flugzeuge 30 % sparsamer waren als die Lockheed TriStar, bestellte die Gesellschaft schließlich 1978 zunächst 23 A300, insgesamt sogar 32. Mit dieser ersten Großbestellung eines nichtstaatlichen Unternehmens, das noch dazu in den USA beheimatet war, wendete sich das Blatt für die A300, und Airbus etablierte sich als ernstzunehmende Konkurrenz zu den US-amerikanischen Herstellern Boeing, McDonnell Douglas und Lockheed. Es folgten Bestellungen durch Pan Am, Continental Airlines und American Airlines; letztere Fluggesellschaft gehörte zu den größten Abnehmern des Airbus A300.
Die meisten Exemplare wurden als reine Passagiermaschinen mit etwa 250 bis 300 Sitzplätzen produziert, doch verließen auch auf Frachtbeförderung umrüstbare Exemplare (A300C) sowie reine Frachtmaschinen (A300F) die Werkshallen. Die letzten Exemplare der Passagiervariante wurden 1999 von Japan Air System bestellt und 2002 an Japan Airlines (die JAS mittlerweile übernommen hatten) ausgeliefert. Seitdem waren alle bestellten und ausgelieferten A300-Flugzeuge Frachtmaschinen vom Typ A300F4-600R mit einer maximalen Nutzlast von 54 Tonnen. Bis einschließlich Mai 2005 gingen für die A300F insgesamt 135 Bestellungen ein.Airbus Letter. Mai 2005.
Von der A300 wurde zunächst die verkürzte A310 abgeleitet, die ab 1978 angeboten und ab 1983 ausgeliefert wurde.
Einstellung der Produktion Nachdem 2005 nur noch sieben Neubestellungen eingingen, zu denen im Jahr darauf keine Folgeaufträge kamen, wurde die Baureihe im Jahr 2006 aus dem Angebot genommen und die Einstellung der Produktion der A300/A310-Reihe zum Juli 2007 angekündigt. Die Produktionsstätten wurden daraufhin für die neueren Airbus-Baureihen genutzt. Letzte Auslieferung war eine A300F4-600R für FedEx am 12. Juli 2007. Es wurden damit insgesamt 816 Flugzeuge der A300/A310-Baureihe ausgeliefert, davon 561 A300. Die Nachfolge des A300-Frachters trat die A330-200F an, deren Programmstart zum Anfang des Jahres 2007 erfolgte; Konzepte eines Nachfolgetyps auf Basis des Airbus A330 wurden in Form der Variante A330-100 erwogen, aber nie verwirklicht. Einen direkten Nachfolger der Passagierversion gibt es nicht, da es momentan keine ausreichende Nachfrage für Mittelstreckenflugzeuge mit dieser Passagierkapazität gibt. Auch die Boeing 757-300 mit ähnlicher Sitzplatzzahl und Reichweite, allerdings als Schmalrumpfflugzeug, wurde ohne direkten Nachfolger mangels Nachfrage eingestellt. Auch die von Boeing geplante 787-3, ein minimal größeres Großraumflugzeug für 290 bis 330 Passagiere und ähnlicher Reichweite wie die A300, hat mittlerweile keine Bestellungen mehr und soll nicht in Produktion gehen. Allerdings hat Airbus inzwischen die A330-300 Regional für 365 bis 400 Passagiere angekündigt, entwickelt und inzwischen angefangen auszuliefern.https://www.airbus.com/en/newsroom/press-releases/2016-08-airbus-delivers-worlds-first-a330-300-regional-to-saudi-arabian
Rückgabe der Zulassung
Airbus S.A.S. hat 2023 bei der EASA beantragt, die Zulassung für einige Varianten der A300 zurückzugeben. 2023 war die Begründung, dass diese Typen weder weiter produziert noch eingesetzt werden. Dies wurde mit der EASA Certification Information 2023-10 publiziert.
2025 wurden die Rückgabe weiterer Typen beantragt mit der Begründung, dass von diesen Typen noch 16 Flugzeuge in den Flotten bekannt seien und nur 5 davon mehr als einen Flug im vergangenen Halbjahr durchgeführt haben. Dies wurde am 4. November 2025 mit der EASA Certification Information 2025-13 publiziert und sollte ursprünglich am 1. Januar 2026 rechtsgültig werden. Mit der Revision 1 der EASA Certification Information 2025-13 wurde dieses Datum angepasst auf den 1. Februar 2026.
Betroffen davon sind die folgenden Varianten aus dem Kennblatt EASA.A.172: ModelTechnisches Typenrating (EASA)Typenrating für Piloten (EASA)Datum der ErstzulassungRückgabedatum der ZulassungA300 B1Airbus A300 basic model (GE CF6)A30012.11.197413.06.2023A300 B2-1AAirbus A300 basic model (GE CF6)A30015.03.197413.06.2023A300 B2-1CAirbus A300 basic model (GE CF6)A30002.10.197413.06.2023A300 B2K-3CAirbus A300 basic model (GE CF6)A30023.06.197613.06.2023A300 B2-202Airbus A300 basic model (GE CF6)A30022.02.197813.06.2023A300 B2-203Airbus A300 basic model (GE CF6)A30021.02.198013.06.2023A300 B2-320Airbus A300 basic model (PW JT9D)A30004.01.198013.06.2023A300 B4-102Airbus A300 basic model (GE CF6) A30007.12.197701.02.2026A300 B4-103Airbus A300 basic model (GE CF6) A30021.03.197901.02.2026A300 B4-203Airbus A300 basic model (GE CF6) A30026.04.197901.02.2026A300 B4-2CAirbus A300 basic model (GE CF6) A30026.03.197501.02.2026A300 C4-203Airbus A300 basic model (GE CF6) A30018.12.197901.02.2026A300 F4-203Airbus A300 basic model (GE CF6) A30006.06.198601.02.2026A300 B4-120Airbus A300 basic model (PW JT9D) A30004.02.198101.02.2026A300 B4-220Airbus A300 basic model (PW JT9D) A30008.01.198201.02.2026
Wirtschaftliche Aspekte