mini|hochkant|Adolf Behne, vor 1930 Adolf Behne (* 13. Juli 1885 in Magdeburg; † 22. August 1948 in Berlin; vollständiger Name: Adolf Bruno Behne) war ein deutscher Kunsthistoriker, Architekturpublizist und Hochschullehrer.Sterbeurkunde Nr. 2921/1948 StA Charlottenburg von BerlinHeiratsurkunde Nr. 381/1913 StA Charlottenburg II.Ancestry.com. Magdeburg, Deutschland, Geburtsregister 1874–1903 [Datenbank online], Standesamt Magdeburg Altstadt, Registernummer 2136/1885. Er gehörte in der Weimarer Republik zu den Wortführern der Avantgarde.

Leben Adolf Behne war ein Sohn des Architekten Carl Behne (* 14. Mai 1851 in Burgstall) und dessen Ehefrau Therese Behne geb. Lucklum (* 11. Januar 1857 in Buckau).Ancestry.com. Magdeburg, Deutschland, Heiratsregister 1874–1923 [Datenbank online], Standesamt Buckau, Registernummer 76/1878. Er studierte zunächst vier Semester Architektur an der Technischen Hochschule (Berlin-)Charlottenburg, wechselte dann an die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin, um bei Heinrich Wölfflin und Carl Frey Kunstgeschichte zu studieren. 1911 wurde er mit einer Dissertation über das Thema Der Inkrustationsstil in Toscana promoviert. Er war Mitglied im Choriner Freundeskreis und im Deutschen Werkbund (DWB). Er setzte sich für die Maler des Blauen Reiters ein und führte 1913 die Besucher des Ersten Deutschen Herbstsalons durch die Ausstellung.Andreas Hüneke (Hrsg.): Der blaue Reiter. Dokumente einer geistigen Bewegung. (= Reclams Universal-Bibliothek, Band 1122.) 1. Auflage, Reclam, Leipzig 1986, Anm. 307 und S. 480. () Im selben Jahr heiratete er in Charlottenburg Elfriede Schäfer, die Tochter eines Ingenieurs. 1915 begann er, Lichtbildervorträge für den Bildungsausschuss der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu halten, bis er als Sanitäter eingezogen wurde, wobei er sich Monate später mit Tuberkulose infizierte und in die Heimat entlassen wurde.

1918 war er Mitgründer des Arbeitsrates für Kunst in Berlin, 1919 wurde er auf der Vollversammlung des Arbeitsrats gemeinsam mit dem Maler César Klein und dem Architekten Walter Gropius in die dreiköpfige Leitung des Rats gewählt.Marcel Bois: Kunst und Architektur für eine neue Gesellschaft. Russische Avantgarde, Arbeitsrat für Kunst und Wiener Siedlerbewegung in der Zwischenkriegszeit. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Jahrgang 2017, Heft III, S. 12–34, hier S. 23. (arbeit-bewegung-geschichte.de) Der Arbeitsrat für Kunst ging von einem „Primat der Architektur“ aus, die alle anderen Künste zusammenführen sollte. Behne selbst begrüßte die Architektur des Expressionismus und setzte sich für das Neue Bauen ein. Er stand den Mitgliedern der Magdeburger Künstlervereinigung Die Kugel nahe und forderte die Schaffung einer neuen volksnahen Kunst und Architektur. Adolf Behne war ständiger Mitarbeiter der Zeitschrift Die Weltbühne, in der er sich für eine fortschrittliche Architektur und Stadtplanung einsetzte.

Die Bekanntschaft mit den Künstlern und Architekten des Bauhauses führte u. a. zu einer nicht nur der gemeinsamen Arbeit geschuldeten Freundschaft mit Bruno und Max Taut. Die Familie Behne führte ein offenes Haus, in dem sich Künstler und Publizisten trafen. Hannah Höch, Hans Orlowski, Karl Schmidt-Rottluff zählten ebenso zum Freundeskreis wie Heinrich Zille, mit dem Adolf Behne mehrere Veröffentlichungen herausgab. Dass auch der Malerei sein Interesse galt, zeigt das groß angelegte Mappenwerk Der Sieg der Farbe, das 1933 verboten wurde. Mindestens von 1929 bis 1932 hielt Adolf Behne Vorträge im Rundfunk, so etwa am 11. Oktober 1929 zum Thema „Die Wohnung, wie sie nicht sein soll“ Freitag, 11. Oktober 1929 18.30 Frankfurt a. M. 389,6 m. oder am 10. August 1932 über „Kunstgeschichte als Weltgeschichte“. Mittwoch, 10. August 1932 16.00 Königswusterhausen 183,5 kHz.

Bis zu seiner Entlassung 1933 lehrte er an der Berliner Universität. Ab 1933 war er noch als Autor in Deutschland tätig. Sein Name und der seiner Frau findet sich im Gästebuch der Hanna Bekker vom Rath, die in ihrer Schöneberger Wohnung heimliche Ausstellungen von Künstlern ermöglichte, die von den Nationalsozialisten als „entartet“ diskreditiert wurden.

Von 1945 bis 1948 war Behne Professor an der staatlichen Hochschule für Bildende Kunst Berlin und gehörte der Architektenvereinigung Der Ring an. Mit seinem Vortrag Entartete Kunst, eine Hitler-Lüge eröffnete er im Juni 1945 die Volkshochschule Berlin-Wilmersdorf.Entartete Kunst. Carl Habel Verlagsbuchhandlung, Berlin 1947. () 1948 starb er nach einem erneuten Ausbruch der Tuberkulose und einem Blutsturz in seiner langjährigen Charlottenburger Wohnung im Haus Schillerstraße 103 an einem Herzinfarkt.

Seine Heimatstadt Magdeburg benannte eine Straße, den Behneweg, nach ihm.

Schriften (Auswahl) Der Inkrustationsstil in Toscana. Emil Ebering, Berlin 1912. (Dissertation, vorgelegt am 24. September 1912; 188 Seiten; ; als Nachdruck: University of Michigan Library, o. J.) Zur neuen Kunst. (= Sturm-Bücher, Band 7.) Verlag „Der Sturm“, Berlin 1915. ()Besprechung: Wiederkehr der Kunst. Kurt Wolff, Leipzig 1919. (; 113 Seiten) Alte und neue Plakate. In: Das politische Plakat. Verlag „Das Plakat“, (Berlin-)Charlottenburg 1919, S. 5–23. () Der Sieg der Farbe. Die entscheidende Zeit unserer Malerei in 40 farbigen Lichtdrucken. (Mappenwerk in acht Lieferungen) Photographische Gesellschaft, Berlin-Charlottenburg 1920–1925. (; Deutsche Nationalbibliothek, Leipzig / Frankfurt am Main 2018, ) Heinrich Zille. (= Graphiker der Gegenwart, Band 12.) Neue Kunsthandlung, Berlin 1925. (; 18 Seiten) Von Kunst zur Gestaltung. Einführung in die moderne Malerei. Arbeiterjugendverlag, Berlin 1925. (87 Seiten; ; ) Der moderne Zweckbau. (= Die Baukunst, Band 1.) Drei-Masken-Verlag, Berlin o. J. (1925). (81 Seiten; ; als Nachdruck in der Reihe Bauwelt Fundamente Band 10, Ullstein, Berlin 1964. (); als Nachdruck: Gebrüder Mann, Berlin 1998, ISBN 3-7861-2250-4)Kurzrezension: Neues Wohnen. Neues Bauen. Hesse & Becker, Leipzig 1927. (160 Seiten; )Helen Barr: Abbilder, Vorbilder und Gegenbilder in Adolf Behnes Neues Wohnen – Neues Bauen (1927/1930). In: Burcu Dogramaci, Simone Förster (Hrsg.): Architektur im Buch. Thelem, Dresden 2010, ISBN 978-3-942411-02-8, S. 41–53. Die frühen Meister. Eine Einführung in die Schönheiten alter Bilder. Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin 1928. (267 Seiten; ; Download als PDF-Dokument mit 77,1 MB auf kpbc.umk.pl) Eine Stunde Architektur. Akademischer Verlag Dr. F. Wedekind & Co., Stuttgart 1928. (64 Seiten; ; als Neuausgabe: (= Architextbook, Nr. 5.) Archibook, Berlin 1984, ISBN 3-88531-781-8. als Herausgeber: Berlin in Bildern. (mit Aufnahmen von Sasha Stone) Verlag Dr. H. Epstein, Wien / Leipzig 1929. (15 Seiten; ; Auszüge auf fulltable.com) 5 Aufsätze in: Das neue Berlin, Monatshefte für Probleme der Großstadt (hrsg. von Martin Wagner, Schriftleiter Adolf Behne) Verlag der Deutschen Bauzeitung, Berlin 1929. (; als Nachdruck: Birkhäuser, Basel / Berlin u. a. 1988, ISBN 3-7643-2216-0) Rembrandt. (Nachwort) In: Meta Scheele: Die Sendung des Rembrandt Harmenszoon van Rijn. (Roman) Paul List Verlag, Leipzig 1934, S. 327–341. (Download als PDF-Dokument mit 125 MB auf kpbc.umk.pl) Alte deutsche Zeichner. Meisterwerke deutscher Graphik von den Karolingern bis zum Barock. Deutsche Buch-Gemeinschaft / C. A. Koch’s Verlag Nachf., Berlin 1943. (216 Seiten; ; online als PDF-Dokument mit 229 MB auf kpbc.umk.pl) Entartete Kunst. Carl Habel Verlagsbuchhandlung, Berlin 1947. (47 Seiten, ) Vorwort. In: 150 Jahre soziale Strömungen in der bildenden Kunst. (zur Kunstausstellung des FDGB-Kreisvorstands Dresden [u. a.] anlässlich des Revolutionsjahres 1948, Malerei, Grafik, Plastik, April bis Mai 1948 in der Stadthalle am Nordplatz in Dresden) Dresden 1948. (, online auf k10plus.de) Architekturkritik in der Zeit und über die Zeit hinaus. Texte 1913–1946. (hrsg. von Haila Ochs) (= Birkhäuser-Architektur-Bibliothek) Birkhäuser, Basel / Boston / Berlin 1994, ISBN 3-7643-5032-6.

Literatur Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft, Band 1 (A–K). Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S. #. (Microfiche-Ausgabe mit ISBN 3-598-30664-4) Bernd Lindner: Mut machen zu Phantasie und Sachlichkeit. Zum 100. Geburtstag von Adolf Behne. In: Bildende Kunst (), Jahrgang 1985, Heft 6, S. 292 f. Renate Hagedorn: Behne, Adolf. In: Guido Heinrich, Gunter Schandera (Hrsg.): Magdeburger Biographisches Lexikon 19. und 20. Jahrhundert. Scriptum, Magdeburg 2002, ISBN 3-933046-49-1, S. 41. Marcel Bois: Kunst und Architektur für eine neue Gesellschaft. Russische Avantgarde, Arbeitsrat für Kunst und Wiener Siedlerbewegung in der Zwischenkriegszeit. In: Arbeit – Bewegung – Geschichte, Jahrgang 2017, Heft III, S. 12–34. (arbeit-bewegung-geschichte.de)

Weblinks

Adolf-Behne-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin Emily Crockett, Lee Sorensen: Adolf Bruno Behne bei arthistoricum.net – Wissenschaftshistorischer Kontext und digitalisierte Werke im Themenportal „Geschichte der Kunstgeschichte“ Beiträge von Adolf Behne sowie Erwähnungen in österreichischen Zeitungen (Trefferliste einschlägiger Suche bei ANNO) Beiträge von Adolf Behne sowie Erwähnungen in Der Sturm (Trefferliste einschlägiger Suche bei ANNO)

Einzelnachweise

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