mini|Alphorn-Konzert in Vals GR (2005) mini|Alphornbläser aus dem Katschtal, Kärnten, Österreich Das Alphorn ist ein zumeist aus Holz gefertigtes Blasinstrument in der Form eines langen, konischen Rohrs, das am Ende wie ein Kuhhorn gebogen ist und in einen Schallbecher übergeht. Es ist vor allem im Alpenraum verbreitet.

Das Alphorn zählt zu den Blechblasinstrumenten. Diese Zuordnung ergibt sich unabhängig vom verwendeten Material aus der Technik der Tonerzeugung und dem Mundstücktypus (Kessel- oder Trichtermundstück bzw. Kombinationen hieraus). Da es keine Möglichkeit hat, seine Rohrlänge flexibel zu verändern, ist das Alphorn an die Töne der Naturtonreihe gebunden (zur Physik der Tonerzeugung siehe den Artikel Polsterpfeife) und ist somit ein Naturhorn. Es gilt als ein Nationalsymbol der Schweiz. Auch in Österreich und den bayerischen Alpen sind Alphörner verbreitet.

Herkunft mini|Alphornbläser in Dießen am Ammersee (2004) Lange fingerlochlose Holztrompeten gab oder gibt es in vielen Kulturen und Ländern, z. B. in den Karpaten (trembita), in Polen (bazuna) in Rumänien (bucium), in Ungarn (fakürt) in Skandinavien (lur), in Peru (pampa corneta) und bei den in Neuseeland (pūkaea).

Der Schweizer Geschichtsschreiber Sigismund Furrer (1788–1865) berichtet, dass ein Kuhhirte im Baltschiedertal im Jahr 1212 so laut in das Horn geblasen haben soll, dass man es bis Visp hören konnte, um vor dem Einfall des Herzogs von Zähringen zu warnen.Max Peter Baumann: Funktion und Symbol: zum Paradigma „Alphorn“. In: Erich Stockmann (Hrsg.): Studia instrumentorum musicae popularis. 5. Musikmuseet, Stockholm 1977, S. 27–32, hier S. 28. Der Volksüberlieferung zufolge wurde das Alphorn in manchen Schweizer Gebieten im 14. Jahrhundert als Signalinstrument verwendet.Sibyl Marcuse: A Survey of Musical Instruments. Harper & Row, New York 1975, S. 815.

Die erste bekannte schriftliche Erwähnung eines Alphorns in der Schweiz datiert auf 1527. Von damals stammt ein Eintrag in einem Rechnungsbuch des Klosters von St. Urban über „zwei Batzen an einen Walliser mit Alphorn“. Kurz erwähnt wird das Alphorn in Johann Rudolf Wyss, Reise in das Berner Oberland (1817).Johann Rudolf Wyss: Reise in das Berner Oberland. Band 2, Bern 1817, S. 892. Es sind mehrere historische Beschreibungen zum Bau eines Alphorns überliefert, darunter in Heinrich Szadrowsky, Die Musik und die tonerzeugenden Instrumente der Alpenbewohner (1867/68),Heinrich Szadrowsky: Die Musik und die tonerzeugenden Instrumente der Alpenbewohner. In: Das Alphorn. Jahrbuch des Schweizer Alpen-Club. 4. Jahrgang, Bern 1867–1869. und Erich Röhr, Die Herstellung eines Alphorns (1934).Erich Röhr: Die Herstellung eines Alphorns. In: Die Alpen. Band 10, 1934, S. 219.

Im 18. Jahrhundert geriet das Alphorn fast in Vergessenheit, da die verarmten musizierenden Hirten in den Städten es im 17. Jahrhundert in Verruf brachten und es als Bettelhorn verspottet wurde. Doch die Romantik und die Touristen in den Schweizer Alpen (zuerst waren es vor allem die Engländer) brachten im 19. Jahrhundert die Folklore und auch das Alphorn zum Blühen. Heute gilt in der Schweiz das Alphorn neben dem Schweizer Taschenmesser, Käse und Schokolade als das Nationalsymbol. Die ersten Hirtenfeste (Unspunnenfeste) mit Alphorn-Musik fanden 1805 und 1808 statt.

Bauform thumb|Alphorn (Fis) mit Peddigrohr umwickelter Bauform, zerlegt in 3 Teile plus Mundstück. Massstab 1.2 m

Das Alphorn gehört aufgrund seiner Anblastechnik instrumentenkundlich zu den Blechblasinstrumenten, obwohl es traditionell überwiegend aus Holz gefertigt wird. Es kann, je nach Landschaft, 5 bis 10 km weit gehört werden. In der Schweiz erfreut sich das Alphorn allgemeiner Beliebtheit. Es besitzt weder Klappen, Züge noch Ventile und ist daher bezüglich der zu spielenden Töne auf die Naturtonreihe beschränkt. Der nach demselben Prinzip funktionierende Büchel und die Tiba sind in der Schweiz weniger verbreitet. In der üblichen Ausführung kann man Alphörner heute in drei Teile zerlegen, es gibt auch Ausführungen in vier Teilen.

Notation und Stimmung Die Noten für das Alphorn werden der Einfachheit halber üblicherweise in C geschrieben, obwohl Alphörner in C selten sind. Somit können dieselben Noten für jede Stimmung verwendet werden. Die Tonhöhe wird gewissermaßen automatisch transponiert. Die Tonlage eines Alphorns in F ist z. B. 7 Halbtöne tiefer als dasjenige eines kürzeren Horns in C. Das F-Alphorn hat den Vorteil, dass es bezüglich Notation besonders gut harmoniert mit anderen Instrumenten.

Trotz der beschränkten Anzahl der Töne lassen sich viele Melodien spielen. Beispielsweise hat in der Sinfonia pastorella für Alphorn und Streicher von Leopold Mozart das Soloinstrument einen Tonumfang von nur vier Tönen, dem Dreiklang aus den 4., 5. und 6. Naturtönen und der darunterliegenden Quarte (3. Ton).

Geübte Spieler erreichen die ersten 16 Töne der Naturtonreihe. Der spielbare Tonumfang umfasst 4 Oktaven, z. B. von C2 bis C6. Der unterste Grundton, auch Pedalton genannt, wird selten gespielt, da nicht ganz einfach und weniger laut als die höheren Töne. Der tiefste Normalton ist eine Oktave höher, z. B. C3. Auch C4, C5, 4 Töne dazwischen und 4 oder 5 höhere Töne sind gut spielbar. Die noch höheren Töne sind schwierig zu spielen.

Drei der Naturtöne (7./14., 11. – das Alphorn-Fa, 13.) liegen relativ mittig zwischen zwei aufeinanderfolgenden Halbtönen der gleichstufigen Tonleiter. Von einigen Musikern werden diese für mit westlicher Musik vertraute Ohren ungewohnt bzw. dissonant klingenden Töne deshalb nicht verwendet. Andere sehen sie als instrumententypisch und setzen sie als klangliche Eigenheit eines Naturinstruments bewusst ein.

mini|links|600px|Naturtonreihe eines Alphorns mit Grundton C2. Die Töne 7, 11, 13 und 14 sind sehr ungefähr.

Folgende Stimmungen werden heute gebaut:

Stimmung (Grundton) Länge tiefster Ton Es 4,05 m Es1 E 3,89 m E1 F 3,68 m F1 Fis/Ges 3,47 m Fis1/Ges1 G 3,27 m G1 Gis/As 3,09 m Gis1/As1 B 2,75 m B1 C 2,45 m C2

In der Schweiz ist das Fis/Ges-Alphorn am weitesten verbreitet, in Deutschland das F-Alphorn. Für Fis-Hörner gibt es Verlängerungsstücke, um sie nach F zu stimmen.

Eine genaue Feinabstimmung ist an den Übergängen der Teile möglich. Als Basis gilt der Kammerton A1 um 440 Hz. Jedoch werden Abweichungen z. B. zu 432 Hz diskutiert.

Verbreitung und Verwendung mini|49. Allgäuer Alphornbläsertreffen 2007 in Engetried

Der Eidgenössische Jodlerverband zählt an die 1800 organisierte Alphornbläser in der Schweiz und in der ganzen Welt zu seinen Mitgliedern. In Deutschland gibt es zahlreiche Alphornbläser, die sich auch zu internationalen Treffen zusammenfinden und dort als Solisten, Ensembles oder auch in Massenchören auftreten, wie beispielsweise beim jährlichen Allgäuer AlphornbläsertreffenAlphorn im Allgäu, abgerufen am 31. Dezember 2013 oder beim Landestreffen der baden-württembergischen Alphornbläser.Gesamtchor beim Landestreffen der Alphornbläser Baden-Württemberg in Rötenbach im Allgäu am 18. August 2013, Video auf YouTube Blasmusik Verband Baden-Württemberg In Österreich gibt es unter anderem das Alphornfestival in Baad im Kleinwalsertal.Website des Alphornfestival in Baad im Kleinwalsertal Es werden auch regelmäßig Alphornkurse angeboten, so in Sörenberg in der Innerschweiz; an solchen Kursen finden auch Alphornformationen zusammen.Esther Masero: Alphorngruppe Riehen. In: Gemeinde Lexikon Riehen.

Im jetzt französischen Munster (Elsass), dessen Geschichte von den Zuwanderern aus den Alpenländern nach dem Dreißigjährigen Krieg geprägt wurde, hat sich das Alphorn-Spielen unter den Sennern auf den vogesischen Gipfeln seit zwei Jahrhunderten eingebürgert. Obwohl diese TraditionErklärungen von Guy Buecher, Ensemble des Cors des Alpes du Hohnack Walbach online zu lesen, Teil Geschichte (, abgerufen am 11. Juni 2018) erst am Anfang des 19. Jahrhunderts schriftlich belegt ist, besteht kein Zweifel daran, dass die Herstellung und Anwendung des Alphorns durch Münsterer Sennhirten auf den vogesischen Almen auf die Schweizer oder Tiroler EinwanderungSiehe H. Dierstein: Les origines de Mittlach, du Tyrol et d’ailleurs. In: Annuaire de la Société d’histoire du val et de la ville de Munster. 2004, S. 119–133, S. 120 erzählt er zum Beispiel die Niederlassung von den Brüdern Lachat aus Delémont im Kanton Jura in Mittlach im Rothenbacher Hochtal. in das verwüstete Tal zurückzuführen sind. Es bedurfte einiger Jahrhunderte, bis dieses eingeführte Wissen sich dauerhaft im Fecht-Tal etablierte und so weit entwickelte, dass eine lokale Produktion auch mit anderen Materialien wie Glas oder WeißblechDer schwäbische Alphornbauer Bernhard Köhler bestätigt es in seinem Reisebericht Bericht Internationales Alphornbläsertreffen am 14. September 2008 in Münster/Elsaß nach Munster: „Bevor wir in die gastliche Sennhütte gingen packte ich mein Alphorn aus und ließ es weit ins Tal und zu den Almen rundum erschallen, mit Echoantwort. Der Hüttenwirt und Senn stellte sich gleich ein und verschwand kurz. Er wischte mit dem Ärmel über ein verstaubtes Bild, das die Hütte im Steinwasen zeigte, vor der ein junger Senn das Alphorn blies. Es war ein aus Blech gefertigtes Alphorn ohne extra Mundstück. ‚Jetzt müssten von den Almen umher die Sennen antworten, aber es gibt sie nicht mehr, die das Alphorn blasen.‘“; Zitat aus der Website anfing.

mini|Schalltrichter eines Alphorns mit folkloristischer Bemalung Es gibt wenige klassische Kompositionen für Alphorn, die bekanntesten davon sind die Sinfonia pastorella für Alphorn und Streicher in G-Dur von Leopold Mozart sowie die Parthia auf Bauerninstrumenten von Jiří Družecký (Georg Druschetzky). Neuere Werke sind das Concertino Rustico des ungarischen Komponisten Ferenc Farkas sowie das Konzert für Alphorn und Orchester und Dialog mit der Natur für Alphorn, Piccolo und Orchester des Schweizer Dirigenten und Komponisten Jean Daetwyler.

Weitere Werke für Alphorn:

1987 schrieb Carl Rütti das Konzert für Alphorn und Streichorchester. 1996 entstand das Concertino für Alphorn in F und Streicher von Franz Kanefzky. Im Jahre 2004 entstand im Auftrag des Menuhin Festivals in Gstaad das Concerto for Alphorn and Orchestra des Schweizer Komponisten Daniel Schnyder, das von Arkady Shilkloper uraufgeführt wurde. Es verwendet ein konventionelles, klassisches Sinfonieorchester, zieht jedoch einen dreifach zu besetzenden Schlagzeugpart und Synthesizer hinzu. Stilistisch kann man es als Crossover zwischen Jazz und Klassik bezeichnen. 2014 wurde als Kompositionsauftrag der musica viva das concerto grosso Nr. 1 für 4 Alphörner und Orchester von Georg Friedrich Haas uraufgeführt, das mit Obertonreihen und Mikrotonalität arbeitet.

Vereinzelt wird das Alphorn auch im Jazz verwendet. Die Gruppe Kerberbrothers Alpenfusion setzt das Instrument in den Stücken Alphornblues und Geierwalli, beide 1998 auf CD veröffentlicht, ein. Auch der Jazztrompeter und Komponist Matthias Schriefl benutzt teilweise mehrere Alphörner in verschiedenen Tonarten bei seiner Band 6, Alps and Jazz.

Fertigung Die Technik der Rohrherstellung aus Holz ist uralt, bis in die jüngste Zeit wurden sogar Wasserleitungen so oder ähnlich hergestellt.