mini|Blick über den Krebsbach nach Beuern

Beuern ist ein Ortsteil der Gemeinde Buseck im mittelhessischen Landkreis Gießen. Er liegt nordöstlich von Gießen. Von Südwesten in Richtung Nordosten verläuft die Landesstraße 3126 durch den Ort.

Ortsgeschichte Mittelalter Die Ersterwähnung des Ortes erfolgte in einer undatierten Urkunde des Arnsburg: „... apud buren sita ...“ (bei Beuern gelegen).Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 6. Aufgrund verschiedener Kriterien lässt sich die Ausstellung der Urkunde auf den Zeitraum 1199–1219 eingrenzen.Hans Heinrich Kaminsky: Beuern im 13. und 14. Jahrhundert in: 800 Jahre Beuern S. 2. Hier handelt es sich um den Verkauf des Priors Wigand von Kloster Wirberg, der seine Güter zu Hagen bei Beuern an das Kloster Arnsburg wiederkäuflich übertrug.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174–1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 172, Fußnote 54. In historischen Quellen änderte sich der Ortsname im Laufe der Jahrhunderte. In einem Kopiar des 18. Jahrhunderts ist für 1315: „... zu Birin“ genannt.StAD, Abt. V B §, Konv. 266 a, Fasc. 1. „... zu Burin“ heißt es dann 1354 in einer Urkunde.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg. Nr. 822, S. 506. Eine Urkunde von 1496 kennt: „... zu buern“.StAD, Abt. V B §, Konv. 266 a, Fasc. 1. Der Ortsname bedeutet „bei den kleinen Häusern“ und leitet sich vom ahd. Wort „bur“ = Wohnung, kleines Haus ab.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 54 f, S. 55. In Beuern, in Wohnbach, in Birklar und anderen besaß das Kloster Arnsburg große Höfe neben großen Besitzzentren anderswo. Die Klosterhöfe in Beuern und Burkhardsfelden wurden noch 1351 in Eigenwirtschaft betreiben.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg. S. 190–192.

Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über das Busecker Tal:

sowie über Beuern:

Im Jahr 2005 feierte der Ort sein 800-jähriges Bestehen. Mehrere Ansammlungen von Hügelgräbern in der Gemarkung des Ortes zeugen von deutlich früheren Besiedlungen. Im Ort am Rande des Busecker Tales gab es neben Besitzungen des Klosters Arnsburg auch zwei Adelshöfe, jeweils in der Borngasse und der Metzengasse. Der eine gehörte bis 1624 der Familie Schenk zu Schweinsberg, die ihn im genannten Jahr an Mitglieder der Familie von Buseck verkaufte.Urkunde im Staatsarchiv Darmstadt, Bestand A 3 Nr. 30/3 Ein zweiter Hof war der Familie von Buseck gen. Brand vom hessischen Landgraf zu Lehen. Er gehörte zum Lehen der Brandsburg in Alten-Buseck.

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Beuern am 1. Januar 1977 kraft dem Gesetz zur Neugliederung des Dillkreises, der Landkreise Gießen und Wetzlar und der Stadt Gießen mit den Gemeinden Alten-Buseck und Großen-Buseck zur neuen Gemeinde Buseck zusammengeschlossen. Für die ehemals eigenständigen Gemeinden von Buseck wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Beuern angehört(e):

1508 und später: Heiliges Römisches Reich, Gericht Busecker Tal vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Busecker Tal (Ganerbschaft des „Busecker Tals“ der Freiherren zu Buseck) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Busecker Tal (die gerichtlichen Auseinandersetzungen um die Landeshoheit endeten erst 1726) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Busecker Tal 1604–1648: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Ober-Hessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen, Gericht Busecker Tal ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen; 1827 ging die Patrimonialgerichtsbarkeit der Freiherren zu Buseck an das Landgericht über) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Buseck ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Buseck ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Buseck

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Beuern das „Patrimonialgericht der Freiherren zu Buseck“ in Großen-Buseck zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 gingen die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte über, aber erst ab 1827 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit durch das Landgericht Gießen im Namen der Freiherren ausgeübt. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“, der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.

Kirche mini|Evangelische Kirche Beuern (2015) mini|Romanisches Taufbecken in der Kirche von Beuern

Bereits im Jahr 1297 wurde ein Pfarrer für Beuern erwähnt.Ludwig Baur, Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau, Darmstadt 1851 Nr. 276, heute im Archiv der Fürsten von Solms-Hohensolms-Lich in Lich Die heutige Evangelische Kirche Beuern ist das Ergebnis eines Umbaus im 19. Jahrhundert. Das Kirchenschiff wurde wegen Baufälligkeit 1843/44 abgebrochen. Lediglich der Westturm, wohl Anfang des 14. Jahrhunderts erbaut, blieb erhalten. Unter Verwendung eines Teils der alten Steine des abgebrochenen Kirchenschiffs wurde ein Neubau errichtet. 1847 fand der Einweihungsgottesdienst statt. Im Glockengeschoss findet sich eine Glocke aus dem Jahr 1575,Bei uns in Beuern, S. 134 im Schiff steht ein Taufstein aus dem 13. Jahrhundert.

Stirnberg-Ring Bekannt wurde Beuern durch seine Motocross-Strecke. Im Jahre 1953 gründeten mehrere Motorsportfans den Motorsportclub Beuern e. V. Eine eigene Trainingsstrecke wurde auf dem Stirnberg errichtet. Bereits im Oktober 1954 wurde ein Gelände-Geschicklichkeitslauf durchgeführt. Durch die Mitgliedschaft im Deutschen Motorsport Verband und einem engagierten Vereinsvorsitzenden konnte auf dem Stirnberg-Ring im Jahre 1965 der erste von mehreren Weltmeisterschaftsläufen stattfinden. Auf dem Gelände werden bis heute Deutsche Meisterschaften ausgetragen.Bei uns in Beuern, S. 382 f. und Vereinshomepage

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Beuern 1.935 Einwohner. Darunter waren 57 (2,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 351 Einwohner unter 18 Jahren, 795 zwischen 18 und 49, 435 zwischen 50 und 64 und 354 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 831 Haushalten. Davon waren 255 Singlehaushalte, 228 Paare ohne Kinder und 261 Paare mit Kindern, sowie 66 Alleinerziehende und 21 Wohngemeinschaften. In 168 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 570 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1577: 76 Hausgesesse • 1669: 288 Seelen • 1742: 2 Geistliche/Beamte, 86 Untertanen, 14 Junge Mannschaften, 9 Beisassen/Juden • 1806: 696 Einwohner, 115 Häuser • 1829: 882 Einwohner, 149 Häuser • 1867: 930 Einwohner, 167 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 824 evangelische und 58 jüdische Einwohner • 1900: 18 Baptisten, 2 Darbysten, 9 Missourilutheraner, 32 Juden • 1961: 1.271 evangelische, 262 römisch-katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 238 Land- und Forstwirtschaft, 298 produzierendes Gewerbe, 119 Handel und Verkehr, 142 Dienstleistung und Sonstiges.

Persönlichkeiten Wilhelm Lindenstruth (1885–1918), HistorikerLeben und Wirken von Wilhelm Lindenstruth Gerhard Keil (1945–2018), Landtagsabgeordneter und erster Kreisbeigeordneter wurde am 28. April 1945 in Beuern geboren.

Literatur Heimatverein Beuern e. V.: „Bei uns in Beuern …“ Geschichte. Geschichten. Geschichtchen, o. O. 1985. Günter Hans: Buseck. Seine Dörfer und Burgen, Gießen 1986. Verein 800 Jahre Beuern (Hrsg.): Beuern Historischer Bildband. Über das Leben in einem Dorf in Oberhessen, erarbeitet und zusammengestellt von Otto-Heinrich Walther. Beuern 2004. Verein 800 Jahre Beuern (Hrsg.): Zwischen Struthwald und Rotem Holzberg. Zur Geschichte des Dorfes, aus seinem Leben, von seinem Jubiläum, Beuern 2005.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohnerzahlen der Gemeinde Buseck (Webarchiv): 2003, ab 2016.

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Buseck) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1977