Das Buch Der Jude aus Linz. Hitler und Wittgenstein aus dem Jahre 2002 ist ein Werk des australischen Schriftstellers Kimberley Cornish. Darin unternimmt der Autor den Versuch, eine wichtige Beziehung zwischen Ludwig Wittgenstein und Adolf Hitler nachzuweisen sowie Wittgenstein als Agentenführer im Auftrag der Sowjetunion zu enttarnen.

Unterschiede zur englischen Originalausgabe Die vergriffene deutsche Fassung ist eine Erweiterung und Überarbeitung der englischen Ausgabe von 1998. Übersetzer und Verlag hätten der Kritik des Autors über gravierende Umstellungen und Kürzungen seines Manuskripts Rechnung getragen und den Originaltext für die deutsche Fassung herangezogen, wodurch die deutsche Ausgabe umfangreicher geworden sei und der Intention des Verfassers besser entspreche.

Thesen des Buches Als Schuljunge sei Adolf Hitler ca. 1904 in Linz aufgrund einer Auseinandersetzung mit seinem Mitschüler Ludwig Wittgenstein zum Antisemiten geworden. Um der wachsenden Macht der Nazis entgegenzutreten, sei Wittgenstein in den 1920er-Jahren der Komintern beigetreten. Als Hochschullehrer am Trinity College in Cambridge habe Wittgenstein dort Burgess, Philby und Blunt sowie Maclean als Spione für die Sowjetunion angeworben. Wittgenstein sei verantwortlich für die geheime Weitergabe der Entschlüsselung des deutschen Enigma-Codes an Stalin gewesen, was schließlich zu den Niederlagen der Nazis an der Ostfront und der Befreiung der überlebenden Juden aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis geführt habe. Sowohl Hitlers rhetorische Wirkmacht und Wittgensteins Sprachtheorie entstammten der hermetischen Tradition, deren Schlüssel Wittgensteins von Peter Strawson so bezeichnete Lehre vom „Nicht-Besitzen“ oder von der „Nicht-Subjektivität“ des Ich sei.

Resonanz In den Rezensionen von Der Jude aus Linz finden sich besonders häufig folgende Kritikpunkte: Cornishs Beweise seien fadenscheinig (die meisten der zur Unterstützung der Thesen vorgetragenen Argumente stützen sich auf Indizien und Spekulationen). Es gebe kaum Belege dafür, dass Hitler und Wittgenstein einander bekannt waren. Es gebe keinen Beweis für die besonders aufsehenerregenden Thesen, es habe eine persönliche Feindschaft zwischen den beiden gegeben bzw. dass Hitlers Hass auf Wittgenstein den Verlauf des nationalsozialistischen Antisemitismus bestimmt habe. Trotz der Vielzahl von Materialien, die seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion aus den Archiven des KGB hervorgegangen sei, gebe es keinen Beweis dafür, dass Wittgenstein ein Agent Stalins gewesen war, geschweige denn einer der wichtigsten Sowjetagenten in Großbritannien. Cornish stelle das Denken Wittgensteins und sein philosophisches Herkommen grob falsch dar bzw. habe dieses überhaupt nicht verstanden.

Carlos Widmann mokierte sich über den laxen Umgang des Autors mit Fakten:

Eva Reichmann schreibt:

Ludger Lütkehaus resümiert:

Die Besprechung von Kathrin Chod in Berliner Lesezeichen stapelt in einer Mischung aus Befremden und Sarkasmus Cornishs Vermutungen und Behauptungen aufeinander und überlässt es am Ende dem Leser, sich anhand dessen einen Eindruck zu bilden.

Jan Westerhoff schreibt:

Laut Michael Rißmann beruht Cornishs These, Hitlers religiöse Anschauungen seien bereits in Linz entscheidend durch Ludwig Wittgenstein geprägt worden, auf „allzu kühner Spekulation“, wobei Cornish die intellektuellen Kapazitäten des Diktators überschätze und, um Hitlers angebliche okkultistische Interessen zu beweisen, auf die erfundenen Gespräche zurückgreife, die Hermann Rauschning mit Hitler geführt haben will.

Hermann Möcker veröffentlichte in Österreich in Geschichte und Literatur einen Artikel mit der Überschrift War Wittgenstein Hitlers 'Jude aus Linz', wie Kimberley Cornish aus antipodischer Sicht meint? Biographische Korrekturen zum Schüler Adolf und Gedanken zu einem krausen Buch.

Demgegenüber verfasste Tom Appleton eine lobende Besprechung des „vergessenen Buches“. Zwar nennt er die Grundannahme in Cornishs Buch eine „recht abenteuerliche These“, was ihn jedoch nicht von Kritik an den bisherigen Rezensenten abhält:

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (21. Jahrhundert) Kategorie:Hitler-Rezeption Kategorie:Ludwig Wittgenstein Kategorie:Verschwörungstheorie