Die Gitarre (von , über arabische Vermittlung von griechisch kithara) ist ein Musikinstrument aus der Familie der Lauteninstrumente, nach der Tonerzeugung ein Saiteninstrument, spieltechnisch ein gezupftes bzw. geschlagenes Zupfinstrument. Es gibt akustische und elektrische Gitarren (E-Gitarren) sowie Hybridformen.

Etymologie Die Bezeichnung Gitarre ist aus dem Spanischen entlehnt, wobei spanisch über maghrebinisch- auf das altgriechische Wort (kithara) zurückgeht.DWDS: Gitarre – Schreibung, Definition, Bedeutung, Etymologie, Synonyme, Beispiele. Abgerufen am 19. Juli 2023. Die kithara war jedoch keine Halslaute, sondern gehörte wie die lyra zu den Leiern der griechischen Antike.Nach Ansicht von Michael Kasha handelt es sich bei kithara um die Hellenisierung eines altpersischen Namens für eine viersaitige Halslaute (). Vergleiche hierzu Michael Kasha: A New Look at The History of the Classic Guitar. In: Guitar Review. Band 30, August 1968, S. 3–12.

Geschichte mini|Gitarrist mit sogenannter Barockgitarre, Gemälde von Jean-Antoine Watteau um 1718

Es gibt Annahmen, nach denen sich Vorformen der Gitarre bis ins Altertum und die Antike zurückverfolgen lassen sollen. Die durch ausreichend eindeutige Bilddarstellungen, literarische Zeugnisse und ab dem 16. Jahrhundert auch durch überlieferte Kompositionen als gesichert zu betrachtende Geschichte der Gitarre umfasst den Zeitraum vom Auftreten erster als Gitarren zu identifizierender und als solche benannter Instrumente vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart.

Aufbau mini|Elemente einer klassischen Gitarre Eine Gitarre ist in drei Teile untergliedert:

Korpus Nach der Korpusform gehört die Gitarre zu den Kastenhalslauten. Bei akustischen Instrumenten (im Gegensatz zu elektrischen) besteht der Korpus meistens aus einem leichten, taillierten, hölzernen Resonanzkörper, der wiederum aus Boden, Zargen und Decke besteht, wobei in die Kante zwischen Zarge und Decke oft eine Randeinlage eingefügt ist.

Die Decke, deren Material den wichtigsten Faktor für die Klangqualität einer akustischen Gitarre darstellt, hat dabei ein meistens kreisrundes Schallloch, das bis ins 18. Jahrhundert mit einer Rosette verziert wurde. Wie bei den Geigen gehen – im Gegensatz etwa zur Viola da gamba und zum Kontrabass – die Schultern des Korpus nicht in einer Rundung, sondern annähernd in einem rechten Winkel in den Hals über. Es gibt jedoch, vor allem im Bereich der E-Gitarren, noch zahlreiche andere Bauformen wie zum Beispiel Halbresonanz-Gitarren und Solidbody-Gitarren (ohne Hohlkörper).

Auf dem Korpus befindet sich der Steg (englisch bridge). An diesem, bei akustischen Gitarren auf die Decke geleimten Querriegel oder – zumeist bei elektrischen Gitarren – unterhalb davon an einem Saitenhalter, ist das eine Ende der Saiten befestigt. Auch für den Steg gibt es zahlreiche unterschiedliche Bauformen mit unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten für Saitenlage, exakte Mensur einzelner Saiten oder auch mit Sonderfunktionen (zum Beispiel Tremolo-Hebel – eigentlich Vibrato).

Hals Eine Gitarre hat einen Hals, über dem zwischen Sattel (am Kopf) und Steg (auf dem Korpus) Saiten aufgespannt sind. Die Saitenstärke variiert je nach Stimmung und Mensur. Da die Gitarre, ein sogenanntes Querriegelinstrument, aus dem Korpus und einem davon deutlich abgesetzten Hals besteht, rechnet man sie (im Gegensatz zu den einfachen Chordophonen wie den Zithern) zu den zusammengesetzten Chordophonen.

Bei heutigen Gitarren besteht der Hals meist nicht aus einem Stück, sondern aus mehreren quer verleimten Hölzern und einem aufgesetzten Griffbrett, über dem die Saiten laufen. Diese Konstruktion bietet Vorteile für die Formstabilität des Halses (bei Austrocknung) und zudem durch die Wahl unterschiedlicher Hölzer für Hals und Griffbrett die Möglichkeit der gezielten Einflussnahme auf Klang und Bespielbarkeit der Gitarre. mini|Elektrische Gitarre und Westerngitarre von John Lennon Bei klassischen Gitarren mit Darm- oder Kunststoffsaiten hat ein einfacher massiver Holzhals ausreichend Stabilität, um dem Zug der Saiten ohne störende Verformung standzuhalten. Viele Instrumente mit Stahlsaiten, vor allem Western-, E-Gitarren und E-Bässe haben einen in den Hals eingelassenen einstellbaren Halsspannstab (truss rod). Dieser liegt in der Mitte des Halses in einem gebogenen Kanal und bewirkt eine Vorspannung des Halses entgegen der Saitenzugspannung.

Typische Gitarren haben auf dem Griffbrett Bünde (englisch frets). Diese helfen, die Saite beim Greifen punktgenau zu verkürzen, um einen bestimmten Ton beim Anschlagen zu erzeugen. Jedes Bundstäbchen entspricht dabei im Allgemeinen einem („temperierten“) Halbtonschritt. Oftmals sind am Hals Markierungen an einigen Bundpositionen angebracht, vor allem am 5., 7. und 9. Bund.Laurindo Almeida: Guitar Tutor. An Up-To-Date Classic Guitar Method. A Complete Method in Three Courses. Englische Bearbeitung aus dem Amerikanischen durch Jack Duarte. Criterion Music Corp., New York 1957, S. 4 (The Concert Guitar).

Ursprünglich bestanden die Bünde bis ins 18. Jahrhundert aus Darm (um den Hals geschnürte Darmsaiten), später wurden sie auch aus Elfenbein oder Silber gefertigt. Moderne Gitarrenbünde werden meist aus Neusilber (als Bunddraht) gefertigt. Bünde aus festen Materialien sind (im Gegensatz zu Darmbünden) unverrückbar in das Griffbrett eingehämmert. Diese Bauweise erlaubt es eigentlich nicht, Zwischentöne zu erzeugen. Mit geeigneten Spieltechniken wie zum Beispiel Ziehen (Bending), Bottleneck (beziehungsweise Slide) ist aber auch das möglich.

Der Hals variiert je nach Art der Gitarre. Klassische Gitarren haben eher einen breiten und flachgewölbten Hals, Stahlsaitengitarren eher schmale und fast halbrunde Hälse sowie gewölbte Griffbretter.

Am Anfang des Griffbrettes befindet sich der Sattel. Am verbreitetsten sind Sättel aus Kunststoff und aus Knochen. Sie werden entweder in eine in das Griffbrett gefräste Nut eingelassen oder an das Ende des Griffbretts geleimt. Kunststoffsättel werden industriell hergestellt und sind daher preiswerter. Bei Knochensätteln wird zwischen zwei verschiedenen Materialien unterschieden: zwischen ausgekochten und nahezu weißen, gebleichten Knochensätteln und sogenannten Fettsätteln, die aus nichtausgekochtem, ungebleichtem Rinderknochen bestehen.

Letztere sorgen aufgrund des im Knochen verbliebenen Fettanteils für eine Schmierung in den Sattelkerben, was ein Festklemmen der Saiten erschwert. Fettsättel haben aufgrund ihrer Naturbelassenheit eine leicht gelbliche Färbung. Aufgrund guter Verarbeitbarkeit und Schmiereigenschaften werden auch verschiedene Kunststoff-Graphit-Mischungen für die Herstellung von Gitarrensätteln verwendet.

Das Griffbrett endet auf der Decke, meist schließt es mit oder kurz vor dem Schallloch ab. Manche Instrumente haben „schwebende“ Griffbretter, die entweder nicht oder nur teilweise auf der Decke aufliegen. Meist werden solche Instrumente mit einem Griffbrettkeil gefertigt, der einen besseren Spielwinkel für den Spieler ermöglicht.

Kopf

Am Ende des Halses befindet sich meist der Kopf bzw. die Kopfplatte, an der das andere Ende der Saiten an den drehbaren Stimmwirbeln befestigt ist. Mittels der seit dem 19. Jahrhundert verwendeten Stimmmechanik (übersetzte Wirbel) werden die Saiten gespannt und durch Regulierung der Spannung gestimmt. Der notwendige Druck der Saiten auf den Sattel entsteht dabei durch die Abwinkelung der Kopfplatte gegenüber dem Hals oder durch geeignete Hilfsmaßnahmen wie zum Beispiel Saitenniederhalter oder „gestaggerte“ Mechaniken (zum Ende der Kopfplatte niedriger werdende Wirbel).

Zu den häufigsten Bauformen von Kopfplatten gehören die Fensterkopfplatte (die bei Konzertgitarren Standard ist) und die massive Kopfplatte, die meist auf Stahlsaiten-Instrumenten oder historischen Instrumenten sowie hin und wieder bei Flamencogitarren Verwendung findet.

Viele E-Gitarren haben Klemmsättel, bei denen die Saiten am Sattel arretiert werden, um in Verbindung mit Vibratosystemen eine bessere Stimmstabilität zu erzielen. Es gibt auch gänzlich kopflose Gitarren (headless-Design, populär gemacht in den frühen 1980er Jahren durch Ned SteinbergerTony Bacon, Paul Day: The Ultimate Guitar Book. Hrsg. von Nigel Osborne. Dorling Kindersley, London / New York / Stuttgart 1991 (Neudruck 1993, ISBN 0-86318-640-8, S. 188).). In beiden Fällen werden die Wirbel durch Stimmmechaniken am Steg ergänzt oder ersetzt. Das heißt, die eigentliche Stimmfunktion wandert an das andere Saitenende auf dem Korpus.

Materialien Beim Gitarrenbau werden in der Regel spezielle Klanghölzer verwendet – je nach Art und Eigenschaften in unterschiedlichen Kombinationen. Bei einfachen Instrumenten bestehen Decke und Boden aus Sperrholz (Laminat). Diese Bauweise ist kostengünstig und darüber hinaus weniger anfällig für Risse, allerdings ist die Klangqualität in der Regel geringer als bei Gitarren aus Massivhölzern. Die nächste Stufe hat eine Decke aus massivem Holz, und Spitzeninstrumente sind meist komplett aus massiven Hölzern gefertigt.

Vereinzelt kommen auch andere Materialien, wie zum Beispiel Metall, Verbundwerkstoffe oder Carbon, zum Einsatz. Kleinteile wie die Stegeinlage bestehen je nach Preisklasse ebenfalls aus verschiedenen Materialien, z. B. Kunststoff, Horn oder Knochen. Die Mechanik kann je nach Fabrikat (teilweise) aus Holz, Kunststoff oder veredelten Metallteilen bestehen.

Seit der 2016 stattgefundenen 17. CITES Artenschutzkonferenz (englisch Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), die in Deutschland auch als Washingtoner Artenschutzübereinkommen bekannt ist, wird die Einfuhr von häufig im Gitarrenbau verwendeten tropischen Hölzern strenger reglementiert.

Tonumfang und Stimmung

Der Tonumfang beträgt bei sechssaitigen Gitarren in Standardstimmung in der Regel zwischen dreieinhalb (von E bis h″ bei 19 Bünden) und vier Oktaven (von E bis e‴ bei E-Gitarren-Modellen mit 24 Bünden).

Standardstimmung Als Standardstimmung der sechssaitigen Gitarre hat sich im Gegensatz zur historisch älteren und symmetrischen Quart-Terz-Stimmung der Vihuela mit reinen Quarten und einer großen Terz in der Mitte (4-4-3-4-4) die asymmetrische Intervallfolge 4-4-4-3-4 durchgesetzt. Diese Stimmung von der tiefsten („dicksten“) zur höchsten („dünnsten“) Gitarrensaite ergibt für die sogenannte 1/1-Gitarre (Primgitarre) mit einer Mensur von durchschnittlich 65 cm die Töne E – A – d – g – h – e′. Die offenen Saiten liegen also auf E2 = 82,4 Hz bis E4 = 329,6 Hz. Am 19. Bund (klassische Gitarre) liegt der höchste Grundton bei B5 (deutsch h) mit 987,8 Hz, bei der E-Gitarre am 22. Bund typischerweise auf D6 mit 1174,7 Hz.

Diese Stimmung und der Bezug mit sechs (einchörigen) SaitenAdalbert Quadt: Gitarrenmusik des 16.–18. Jahrhunderts. Nach Tabulaturen hrsg. von Adalbert Quadt. Band 1–4. Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1970 ff.; 2. Auflage ebenda 1975–1984, Vorwort (1970). ist erst seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebräuchlich.

Skordaturen Gelegentlich werden auch eine oder mehrere Saiten der Gitarre auf andere Töne gestimmt. Eine solche veränderte Stimmung nennt man Skordatur (= „Umstimmung“). Die häufigste Skordatur in der klassischen Gitarrenmusik ist D – A – d – g – h – e′ (Dropped-D-Stimmung). Seltener anzutreffen ist: D – G – d – g – h – e′.

Um bei Renaissancemusik auf der modernen Gitarre die originalen Fingersätze verwenden zu können, wird die Skordatur E – A – d – fis – h – e′ verwendet, die der symmetrischen 4-4-3-4-4-Anordnung der Vihuela und der ersten sechs Chören der Renaissancelaute entspricht.

Offene Stimmungen