Der Heilige Geist ( oder im Hebräischen bzw. der Tora findet sich der Begriff Ruach HaKodesh (siehe etwa Psalm 51) oder auch der Begriff Schechina () das ist die „Einwohnung“ oder „Wohnstatt“ Gottes oder auch als Inbegriff der Gegenwart Gottes (JHWH).) ist im Christentum neben Gott dem Vater und dem Sohn, Jesus Christus, eine der drei Wirkungsweisen (Hypostasen) der göttlichen Dreieinigkeit, zu der sich das Bekenntnis von Nicäa bekannte und wie es das Nicäno-Konstantinopolitanum, das wichtigste altkirchliche Bekenntnis, weiter entfaltete. Der Heilige Geist, oft auch Geist Gottes oder in neuerer Übersetzung Heilige Geistkraft genannt, ist Gott, keine eigenständige Gottheit oder Substanz. An Pfingsten feiert die Christenheit das Kommen des Heiligen Geistes. Bereits im Alten Testament ist vom Geist Gottes die Rede.

Der Heilige Geist in der Bibel Hebräische Bibel Im Tanach bedeutet das weibliche Substantiv (), mit dem später der „Geist“weitere Bedeutungen um dieses Wort ruach (רוּחַ) sind „Hauch“, „Luftzug“, „Kraft“, „Wind“, „Brise“, metaphorisch noch „Geist“, „Mut“ oder „Gemütsverfassung“. bezeichnet wird, zunächst „Wind“ (z. B. ), dann auch „Hauch“, „Atem“ (; ). In anderen Zusammenhängen bedeutet es den geistigen Zustand, die Stimmung, die Haltung, Einstellung (; ; ). Die Haltung eines Menschen, seine ruach, gilt in gewisser Weise als selbstständiges Wesen. Sie kann sich ausbreiten, auf einen anderen Menschen überspringen und in ihn eindringen.

Der zunächst auf Menschen angewendete Begriff des Geistes wurde entsprechend der menschenähnlichen Gottesauffassung auf Gott übertragen . Nur sehr selten hebt der Tanach die Zugehörigkeit des Geistes zu Gott durch das Attribut „heilig“ hervor (; ); meist spricht er vom „Geist Gottes“: ruach JHWH – „Atem des Herrn“; ruach ha-Elohim – „Gottesatem“; ruchaká – „dein Atem“. Diese Ausdrücke bezeichnen die wirkmächtige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen. Der Begriff „Geist Gottes“ ist insbesondere auf Israel und die Propheten bezogen, findet aber auch auf die ganze Schöpfung Anwendung.

Die Begriffskombination ruach ha-qodesh erscheint in den hebräischen Schriften einmal als ruach qodesho („sein heiliger Geist“, ) und einmal als ruach qodeshcha („dein heiliger Geist“, ); hinzu kommen zwei aramäische Belege im Buch Daniel (, ).Jörg Frey: How did the Spirit become a Person? In: Jörg Frey, John R. Levison (Hrsg.): The Holy Spirit, Inspiration, and the Cultures of Antiquity: Multidisciplinary Perspectives. De Gruyter, Berlin 2014, S. 343–372, hier S. 348. Die Kombination von ruach mit dem Gottesnamen oder der Gottesanrede ist dagegen häufig. Zu den bedeutsamsten Aussagen zählen: : „Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ (bei der Schöpfung), und : „Du sendest aus deinen Atem, so werden sie geschaffen“, ähnlich „deinen Lebenshauch“ in der Elberfelder Bibel ; hingegen „deinen Geist“ in der Einheitsübersetzung . In erscheint „der Geist des Herrn“ unmittelbar neben „sein Heiliger Geist“ (ruach qodesho).

Weitere Aussagen finden sich in den Apokryphen, vor allem in der Weisheitsliteratur.

Aus gendertheoretischen Erwägungen heraus wird, nach dem femininen grammatischen Geschlecht des hebräischen Begriffs רוח ruach, dieser auch als "Heilige Geistkraft" übersetzt.z. B. in: Bibel in gerechter Sprache. Hrsg. von Ulrike Bail, Frank Crüsemann, Marlene Crüsemann, Erhard Domay, Jürgen Ebach, Claudia Janssen, Hanne Köhler, Helga Kuhlmann, Martin Leutzsch und Luise Schottroff. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2006, ISBN 3-579-05500-3, S. 1891, 1926 und öfter. miniatur|Die Sendung des Heiligen Geistes auf Maria und die Apostel am Pfingsttag (Ingeborg-Psalter, um 1200)

Neues Testament Im griechischen Neuen Testament erscheint der Begriff „Heiliger Geist“ (πνεῦμα ἅγιον pneûma hágion) rund einhundert Mal. Im Johannesevangelium wird er auch Paraklet (παράκλητος, „Tröster“, „Beistand“) genannt. Insbesondere folgende Stellen sind in der Theologie des Heiligen Geistes von größerer Bedeutung: Maria empfängt Jesus durch den Heiligen Geist (, ). Der Heilige Geist kommt bei der Taufe auf Jesus herab (). Abschiedsreden Jesu im Johannesevangelium: Der Heilige Geist ist Beistand für die Jünger, Lehrer an Jesu Stelle und „Geist der Wahrheit“ (, ). Der Missions- und Taufbefehl: „Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (). Das Pfingstereignis: Nach Jesu Abschied kommt der Heilige Geist auf die Jünger herab, und sie beginnen zu predigen . Der Heilige Geist kann durch das Hören der Glaubensbotschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Jesus empfangen werden, nicht aufgrund von Taten (, ). Wer sich in diesem Glauben taufen lässt, empfängt den Heiligen Geist . Der Heilige Geist wohnt in den Christen . Das Leben der Christen im Geist . Die Gaben des Heiligen Geistes (, ). Die Frucht des Geistes .

Das Christentum hat auch verschiedene alttestamentliche Stellen auf den Heiligen Geist bezogen, insbesondere die Weissagung, dass Gott seinen Geist über alle Menschen ausgießen wird in ; und die Erwähnung in der Schöpfungsgeschichte: „Gottes Geist schwebte über dem Wasser“ . Im weiteren Verlauf der biblischen Geschichte waren es einzelne Personen, die nach christlicher Auslegung besonders mit dem Geist Gottes erfüllt waren, z. B. Josua .

Verständnis des Heiligen Geistes in verschiedenen Religionen Judentum Ruach HaQodesh, () wörtlich „Atem des Heiligen“, „heiliger Wind“, sinngemäß der Heilige Atem (=Geist), auch als Ruach JHWH („Atem Adonais“) bezeichnet, wird im Tanach allegorisch gebraucht. Der Heilige Geist wird im Judentum als „Offenbarungsweise Gottes“ (Peter Schäfer), nicht als eine göttliche Person betrachtet und entsprechend auch nicht als Person angerufen. Diese Kraft kann von Menschen Besitz ergreifen und sie bevollmächtigen. Der bevorzugte Ort für dieses Geschehen ist der Jerusalemer Tempel; deshalb schlägt Schäfer vor, Ruach haQodesh mit „Geist des Heiligtums“ zu übersetzen.

Hinsichtlich der Genderproblematik konnte eine Analyse des Alten Testaments durch Manfred Dreytza (1998) zeigen, dass das Wort Ruach dort insgesamt 387 Malnach anderen Angaben 380 mal, siehe Hans Hermann Henrix: Israel trägt die Kirche: Zur Theologie der Beziehung von Kirche und Judentum. Bd. 17 Forum Christen und Juden, LIT Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-643-14248-1, S. 220. auftauchte, in 200 Fällen seines Auftretens wurde es in grammatikalisch femininem Sinn gebraucht, in 63 Fällen in maskuliner Form, der Rest blieb unklar.Manfred Dreytza: Der theologische Gebrauch von Ruah im Alten Testament: Eine wort- und satzsemantische Studie. Brunnen, Gießen 1998, ISBN 978-3-7655-9358-1.

In der jüdischen Auslegungstradition wurde die Ruach HaQodesh oft mit der Ruach Newua (prophetische Begabung, Geist der Prophetie) in Verbindung gesetzt, zuweilen wurden beide identifiziert. Das Besondere der Tora ist, dass Mose sie direkt von Gott empfing, während die übrigen Schriften des Tanach von der Ruach HaQodesh inspiriert wurden (was deren Bedeutung verglichen mit der Tora etwas herabstuft). In der rabbinischen Literatur wird diskutiert, wann der Geist der Prophetie von Israel gewichen sei; gleich mehrmals (Sanhedrin 11a; Joma 9b, Sota 48b) findet sich im Babylonischen Talmud die Aussage, der Geist der Prophetie sei nach dem Tod der Propheten Haggai, Sacharja und Maleachi aus dem Volk Gottes verschwunden.Hans Hermann Henrix: Israel trägt die Kirche: Zur Theologie der Beziehung von Kirche und Judentum. Bd. 17 Forum Christen und Juden, LIT Verlag, Münster 2019, ISBN 978-3-643-14248-1, S. 221. Die Ruach HaQodesh als „Geist des Heiligtums“ ist nach einer Traditionslinie durch dessen Zerstörung durch die römische Armee im Jahr 70 n. Chr. aus Jerusalem gewichen (vgl. das ähnliche Konzept der Schechina). Dem steht aber eine andere Tradition gegenüber, wonach der Geist von den Propheten auf die Rabbinen überging. Im Midrasch wird wiederholt die Auffassung vertreten, dass jeder Mensch den ‚heiligen Atem‘ erfassen kann (Tanna de-be Elijahu 10). Eine Spitzenaussage ist in diesem Zusammenhang, dass der einzelne Mensch, wenn er nach der Tora lebt, mit der Ruach haQodesh begabt wird. Mit diesem Ausblick endet der Mischnatraktat Sota: Im Mittelalter reflektierte Moses Maimonides über den Zusammenhang zwischen intellektueller Vollkommenheit und Geist der Prophetie; Mose ist der Prophet par excellence. Kabbalisten wie Abraham Abulafia empfahlen Askese und Sprachmystik als Wege, um die Ruach haQodesh selbst zu empfangen. Im neuzeitlichen Chassidismus wird das in ähnlicher Weise angestrebt. Der Neukantianer Hermann Cohen verstand die Ruach haQodesh als ethisches Ideal. Abraham Jehoschua Heschel beschränkte die Wirkungen der Ruach haQodesh nicht auf religiöse Erfahrungen und Handlungen im engeren Sinn, sondern zählte auch Naturerlebnis, künstlerische Kreativität und ethisches Handeln dazu.Geoffrey Dennis: Holy Spirit. III. Judaism. In: Encyclopedia of the Bible and Its Reception. Band 12. De Gruyter, Berlin/Boston 2016, Sp. 209 f.

Christentum

Alte Kirche

Die Alte Kirche ging einen langen Weg der Lehrentwicklung auch im Blick auf den Heiligen Geist; der Diskurs fand in den altkirchlichen Bekenntnissen seinen Niederschlag. „Der Geist bildet primär die Lebenswirklichkeit der Christen, erst sekundär einen Gegenstand der Lehre,“ so Wolf-Dieter Hauschild, der für das 2./3. Jahrhundert folgende Aspekte hervorhebt:, hier S. 196 f.

Christen erleben als Wirkung des Geistes, dass er ihnen zur Erkenntnis der Wahrheit verhilft. Hier sind Erfahrungen mit urchristlichen Propheten (z. B. Montanismus als prophetische Protestbewegung) und Charismatikern zu nennen, außerdem die Auslegung der Heiligen Schrift. Dass der Heilige Geist letztlich der Verfasser der Bibel sei, wird allgemein vorausgesetzt. Dies geschieht im Raum der Kirche, deren Strukturen der Heilige Geist gestaltet hat. Nach seiner Taufe ist das Leben des einzelnen Christen vom Heiligen Geist bestimmt.